Deutscher Gewerkschaftsbund

Jetzt wird's inklusiv - Die GEW bewertet die europäische Bildungskonferenz

Andreas Keller

© GEW

Fordert Innovationen: Andreas Keller von der GEW.

Die GEW ist mit den Beschlüssen der Bildungskonferenz in Jerewan zufrieden. Jetzt ist die rasche Umsetzung in Deutschland gefordert.

Die Bildungsgewerkschaft GEW sagt Bund, Ländern und Hochschulen: Nehmt die Beschlüsse ernst! Das im Mai 2015 in der armenischen Hauptstadt Jerewan verabschiedete Kommuniqué, das die Bologna-Reformen fortsetzt, soll dazu dienen, die Weichen für ein inklusives Hochschulsystem zu stellen (siehe auch Soli 4/2015: "Der Studi-Berg – ein Hochplateau").

Bologna ist längst mehr als Bachelor und Master. In Jerewan haben sich die europäischen Bildungsminister_innen auf eine inklusive Ausgestaltung des europäischen Hochschulraums verständigt. Dabei geht es um eine soziale Öffnung der Hochschulen und bessere Durchlässigkeit. Gerade Deutschland hat in dieser Hinsicht großen Nachholbedarf: In keinem anderen Industrieland hängt der Bildungserfolg so eng mit der sozialen Herkunft der Kinder zusammen. "Wir brauchen daher unterstützende Bedingungen auch für Studierende mit besonderen Bedarfen, eine grundlegende Verbesserung der Ausbildungsförderung und nicht zuletzt die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Hochschulbildung", sagt der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller, der als Mitglied der Delegation der europäischen Bildungsgewerkschaften an der Jerewan-Konferenz teilgenommen hat.

Die GEW unterstützt das Ziel der Konferenz, die Qualität von Studium und Lehre weiter zu verbessern: "In Jerewan wurden innovative Lehr- und Lernformen sowie die Stärkung der digitalen Bildung vereinbart. Es gehört zum professionellen Selbstverständnis der Lehrenden, sich für die Weiterentwicklung der Qualität der Lehre einzusetzen. Im Gegenzug müssen Bund, Länder und Hochschulen die Lehrenden bei ihrer Arbeit besser unterstützen", sagt Keller.

Okay ist auch die Empfehlung der Jerewan-Konferenz, die internationale Mobilität der Lehramtsstudierenden zu fördern. Es gebe zwar keine Belege dafür, dass Studierende in der Lehrerbildung weniger mobil seien als in anderen Studiengängen. "Aber zweifellos gibt es noch zu viele Mobilitätshindernisse – im europäischen wie im deutschen Hochschulraum", findet Keller. Ein Uniwechsel von Münster nach Osnabrück könne sich als schwieriger erweisen als der von Riga nach Lissabon. "Die Länder und Hochschulen müssen endlich die gegenseitige Anerkennung ihrer Abschlüsse und Studienleistungen garantieren – ohne Wenn und Aber", sagt der Hochschulexperte.


Das Kommuniqué gibt's hier: www.ehea.info. Mehr von Andreas Keller und der GEW gibt's unter www.gew.de


(aus der Soli aktuell 6/2015, Autorin: Soli aktuell)