Deutscher Gewerkschaftsbund

Nach dem NSU-Attentat: Die DGB-Jugend engagiert sich in der Kölner Keupstraße

DGB-Jugend und HBS-Stipendiat_innengruppe kümmern sich um den Anschlag in der Kölner Keupstraße. Von Maximilian Reff

Wozu Rassismus führen kann, hat die Entstehung der Terrorgruppe NSU und ihrer Verbrechen gezeigt: Am 9. Juni 2004 detonierte eine Nagelbombe in der belebten Keupstraße im Kölner Stadtteil Mülheim und verletzte 22 Menschen zum Teil schwer. Gelegt wurde die Bombe mit dem Ziel, möglichst viele Menschen nichtdeutscher Herkunft in Mitleidenschaft zu ziehen – geplant war ein Massenmord.

Nach 1960 warben ortsansässige Unternehmen viele Gastarbeiter_innen vor allem aus der Türkei an. Menschen, die sich in den Folgejahren häufig selbstständig machten und in der Keupstraße eigene Geschäfte eröffneten. Bis heute ist diese Straße ein bedeutender Standort vor allem kurdischer und türkischer Kultur in Deutschland. Getrübt wird ihre Geschichte durch den schrecklichen Anschlag – der nicht unbeantwortet blieb: Die Initiative "Keupstraße ist überall" wurde gegründet, die seitdem vor allem den NSU-Prozess in München kritisch beobachtet.

Nun haben Kölner Schauspieler_innen gemeinsam mit der Initiative das Theaterstück "Die Lücke" konzipiert, das den Anschlag und seine gesellschaftliche Aufarbeitung thematisiert. Ende Mai 2015 besuchten junge Gewerkschafter_innen der DGB-Jugend und der Stipendiat_innengruppe der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) Köln dieses Theaterstück. Vorab gab es eine ausführliche Ortsbegehung unter der Führung des Kollegen Mitat Özdemir. Er betreibt selbst ein Geschäft auf der Keupstraße und arbeitet bei der Initiative mit. Die Führung startete in der Nähe des Anschlagsortes und endete in einer bekannten Bäckerei bei türkischem Tee. Dort konnten wir Fragen zum Anschlag und seinen Folgen sowie zur Initiative stellen.

Der Titel "Die Lücke" weist auf die gesellschaftliche Kluft zwischen Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft hin: auf einen Raum, der besteht, weil nicht versucht wird, einander zu verstehen, sondern übereinander zu urteilen.

Nach dem Besuch ist uns einmal mehr klar geworden, dass Behörden, Teile der Politik und auch der Medien Informationen über den NSU zurückhalten. Wir fordern die umfassende Aufklärung aller Vorgänge bei den Sicherheits- und Geheimdiensten in Bezug auf das Netzwerk des NSU und eine Debatte über Rassismus, die nicht nur rechten Terror, sondern auch die Mitte der Gesellschaft erfasst.


(aus der Soli aktuell 6/2015, Autor: Maximilian Reff)