Deutscher Gewerkschaftsbund

Wenn es nicht mehr geht… Ausbildungsplatzwechsel

Die Azubi-Beraterin: Ein Ausbildungsplatzwechsel ist prinzipiell möglich. Mit der richtigen Begründung, guten Infos und der notwendigen Vorbereitung.

Möchtest du unbedingt die Ausbildungsstelle wechseln, ist das mit wichtigen Gründen und der nötigen Vorbereitung prinzipiell möglich. Grundlos und unüberlegt sollte man dies aber nie tun – schließlich bedeutet dies für dich wie den Betrieb einen hohen Aufwand. Trotzdem kann es natürlich Situationen geben, in denen du deine Ausbildung nicht im alten Betrieb fortsetzen kannst.

Erst Stelle, dann Kündigung
Kommst du zum Beispiel mit dem Betriebsklima nicht klar oder es fehlen entscheidende Ausbildungsinhalte, ist im ersten Schritt ein Gespräch mit der zuständigen Person im Betrieb ratsam. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist dann der letzte Schritt. Ist dein Betrieb dagegen insolvent oder ihm wird die Ausbildungslizenz entzogen – Faktoren, an denen du wenig ändern kannst –, solltest du dich so schnell wie möglich um eine neue Ausbildungsstelle bemühen.   

Steht deine Entscheidung für einen Ausbildungsplatzwechsel fest, gilt die Devise: Erst eine neue Stelle suchen und dann kündigen! Deine Bewerbungschancen sind, wenn du dich noch in einem bestehenden Ausbildungsverhältnis befindest, aufgrund deiner guten Verhandlungsposition um einiges höher. Ausbildungsplätze, die ab sofort zu besetzen sind, findest du bei deiner zuständigen Agentur für Arbeit und bei der Kammer. Erkundige dich auch einmal bei deiner Berufsschule und im Bekanntenkreis – Eigeninitiative ist gefragt. Auch wenn Betriebe nicht explizit in ihrer Stellenausschreibung nach Wechsler-Azubis suchen, kannst du anrufen und nachfragen. Dein großer Vorteil: Du kannst bereits etwas und musst nicht mehr von der Pike auf eingelernt werden.

Achtung: Es ist ein Tabu, die bisherige Ausbildungsstelle schlecht zu reden. Fakten kannst du natürlich nennen. Sobald du eine neue Stelle zu 100 Prozent sicher in der Tasche hast, kannst du in deinem Betrieb kündigen.

Aufhebungsvertrag oder fristlose Kündigung?
Befindest du dich noch in der Probezeit, kannst du das Ausbildungsverhältnis von einem Tag auf den anderen ohne Angaben von Gründen kündigen. Auch eine Kündigung in der Probezeit erfolgt selbstverständlich schriftlich.

Sollte dein bisheriger Ausbilder mit deinem Weggang einverstanden sein, lässt sich das Ausbildungsverhältnis nach der Probezeit in Form eines Aufhebungsvertrages vorzeitig auflösen. Da hierbei keine Fristen zu beachten sind, kann der Zeitpunkt beliebig gesetzt werden. Ist dein Betrieb mit einer einvernehmlichen Auflösung nicht einverstanden, kannst du unter Umständen fristlos aus wichtigem Grund kündigen.

Wichtige Gründe hierfür sind zum Beispiel:

  • andauernde Überstunden ohne Ausgleich
  • fortwährende Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten
  • mehrmaliges Ausbleiben der Ausbildungsvergütung
  • schlechte Behandlung
  • Diskriminierung.


Bei einer fristlosen Kündigung sind die Gründe genau zu nennen. Sie muss zeitnah erfolgen – und unter Umständen musst du deinen Betrieb vorab in Form einer schriftlichen Geltendmachung auf die Pflichtverstöße hinweisen.

Ist es dir unzumutbar, auch nur einen weiteren Tag in den Betrieb zu gehen, etwa bei sexueller Belästigung oder weil langfristig keine Besserung in Sicht ist, weil zum Beispiel deinem Betrieb die Ausbilderlizenz entzogen wird, entfällt diese Hinweispflicht natürlich.

Was sowieso geht: Da die Berufsfreiheit geschützt ist, besteht immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen.

Der Betrieb ist in der Pflicht
Unabhängig von der Kündigungsart muss dein Betrieb dir noch Folgendes aushändigen:

  • die Vergütung bis zum letzten Arbeitstag
  • die Bezahlung von Überstunden und ausstehenden Urlaubsansprüchen
  • das unterschriebene Berichtsheft
  • ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.


Sobald du gekündigt hast – also das Ausbildungsverhältnis bei der zuständigen Kammer ausgetragen werden kann – kannst du dich in einem neuen Betrieb nahtlos weiter ausbilden lassen.

Achtung: Auch hier beginnt der Vertrag wieder mit einer bis zu viermonatigen Probezeit. Deine bisher absolvierte Ausbildungszeit wird aber angerechnet. Nur wenn zwischen deinen Ausbildungsverhältnissen eine große Lücke entstanden ist, kann es sein, dass du nicht regulär an der Abschlussprüfung teilnehmen kannst, sondern um ein halbes Jahr verlängern musst. Da die zuständige Kammer die entscheidende Instanz ist, solltest du am besten mit den Leuten dort Kontakt aufnehmen.

Kann man auch die Berufsschule wechseln?
Jeder Ausbildungsstätte wird eine Berufsschule zugewiesen, die in deren Einzugsgebiet liegt. Wechselst du deinen Betrieb, dann kann es sein, dass du auch eine andere Schule besuchen musst. Auf Antrag und mit einer guten Begründung besteht die Möglichkeit, eine andere als die zuständige Berufsschule zu besuchen. Wichtige Begründungen können zum Beispiel sein, dass die gewünschte Schule näher am Wohnort liegt als die zugewiesene oder diese mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreicht werden kann. Auch eine bereits bestehende Schüler-Lehrer-Bindung kann als Begründung anerkannt werden.

Zu unterscheiden ist zudem zwischen schulpflichtigen und berufsschulberechtigten Azubis: Da die Schulgesetze Ländersache sind, lohnt sich immer ein Blick in das jeweils geltende Gesetz. Der Antrag muss in jedem Fall schriftlich an die zuständige Berufsschule gestellt werden. Die wird ihn prüfen und an die gewünschte Schule weiterleiten.


(aus der Soli aktuell 2/2015, Autorin: Julia Kanzog)