Deutscher Gewerkschaftsbund

Schwache Leistung

Vor gut sechs Jahren rief die Bundesregierung die "Bildungsrepublik Deutschland" aus. Doch wichtige Versprechen wurden nicht eingelöst, sagt Bildungsforscher Klaus Klemm.

Ziel: Halbierung der Quote der Schulabgänger_innen ohne Schulabschluss von acht auf vier Prozent.
Umsetzung: Die angestrebte Halbierung der Quote auf vier Prozent ist nicht absehbar. In den Jahren von 2008 bis 2013 sank sie nur von acht auf 5,7 Prozent. Ein Maßnahmenbündel, das in diesem Handlungsfeld Erfolge versprechen würde, ist nicht erkennbar, schon gar nicht eines, das die Förderschulen, aus denen mehr als die Hälfte der Absolvent_innen ohne Hauptschulabschluss stammen, einbezöge.

Ziel: Halbierung der Quote junger Erwachsener ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung von 17 auf 8,5 Prozent.
Umsetzung: Von 2008 bis 2013 hat sich die entsprechende Quote von 17,2 Prozent auf 13,8 Prozent nur sehr geringfügig verringert. Da die Integrierte Ausbildungsberichterstattung auch für 2013 noch eine Zahl von fast 258.000 jungen Erwachsenen im Übergangssystem vermeldet – jenem System, das keinen Berufsabschluss vermittelt –, besteht kein Anlass, optimistisch in die nähere Zukunft zu blicken.

Ziel: Steigerung der Weiterbildungsbeteiligungsquote von 40 auf 50 Prozent. Umsetzung: Mit einer Weiterbildungsquote von 49 Prozent ist die Zielquote bereits 2012 nahezu erreicht worden. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich hinter dieser Zahl eine enorme soziale Schieflage verbirgt: Vor allem Arbeitslose, Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung und Menschen mit Migrationshintergrund sind bei der Weiterbildungsbeteiligung abgehängt.

Ziel: Erhöhung der Quote der Studienanfänger_innen auf 40 Prozent eines Jahrgangs.
Umsetzung: Das Ziel wurde mit inzwischen 57,5 Prozent im Jahr 2013 weit übertroffen. Auch wenn die Bildungsausländer_innen nicht einbezogen werden, liegt diese Quote mit 46,2 Prozent deutlich oberhalb der Zielquote von 40 Prozent. Allerdings ist auch dies verbunden mit einem hohen Maß sozialer Chancenungleichheit: 50 Prozent der Studierenden kommen aus Akademiker-, aber nur 27 Prozent aus Facharbeiterfamilien. Die Erhöhung der Studienanfängerquote ist zwar schön, sorgt aber auch für Schwierigkeiten an den Hochschulen: Denn die können den jungen Studierenden oft keine angemessenen Studienbedingungen bieten.

Ziel: Steigerung der Bildungsausgaben auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Umsetzung: Das für 2015 gesetzte Ziel der Steigerung der öffentlich und privat getragenen Bildungsausgaben auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist bisher nicht erreicht worden. Zuletzt sank der Anteil von 2011 auf 2012 von 9,1 auf neun Prozent.

Fazit
Die Anzahl junger Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss bleibt bedrückend hoch. Auch bei der Weiterbildung und im Studium öffnet sich die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern. Mehr noch: Der Anteil der Bildungsinvestitionen ist sogar wieder gesunken. Die vermeintliche "Bildungsrepublik Deutschland" bleibt ein sozial gespaltenes Land.


Klaus Klemm: Bildungsgipfelbilanz 2014, DGB-Expertise, http://schule.dgb.de/-/et8