Deutscher Gewerkschaftsbund

Für die faire Zukunft: TTIP - So geht's weiter

In ihrer Kritik an internationalen Freihandelsabkommen ist die Gewerkschaftsbewegung sehr präsent. Wie es mit dem Engagement weitergeht, erläutert DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.

Florian Haggenmiller

© Simone M. Neumann

Die Anti-TTIP-Demo am 10. Oktober mit Beteiligung der Gewerkschaften war ein großer Erfolg. Dennoch hat man den Eindruck, dass sich die Politik nicht darum schert. Wird einfach so weitergemacht oder hat die Anwesenheit von 260.000 Menschen im Regierungsviertel Folgen?
Ich glaube, es ist klar geworden, dass vor allem auch junge Menschen Transparenz in den transatlantischen Verhandlungen zwischen Europa und den USA fordern. Die Dinge, die uns wichtig sind – etwa die Einhaltung von Arbeits- und Sozialstandards und die Beibehaltung demokratischer Klagemöglichkeiten –, müssen in die Verhandlungen einfließen. Vor allem sollten die Dokumente und Verhandlungsergebnisse, um die es geht, auch öffentlich gemacht werden, damit wir sie mit unseren politischen Vertretern, die wir gewählt haben, diskutieren können.

Sind die Abkommen nicht eigentlich per se ein Problem?
Wir sprechen uns für den Freihandel aus, wenn er faire Strukturen hat. Handel generell ist uns wichtig, gerade für die jungen Arbeitnehmer. Aber er muss so gestaltet werden, dass er die Menschen nicht unter Druck setzt und gegeneinander ausspielt. Für uns steht im Mittelpunkt: Wir kämpfen für die Chancen von jungen Menschen, für gute und sichere Arbeitsplätze auch in der Zukunft.

Die Anforderungen an die Arbeitnehmerorganisationen sind bei diesem Thema enorm. Muss die Gewerkschaftsjugend ihre globalen Strukturen stärken?
Die Gewerkschaften müssen sich zwingend stärker international vernetzen! Politik und Wirtschaft tun das auch. Deshalb haben wir das Thema Freihandel auf den EGB-Kongress gebracht und mit den Delegierten diskutiert.

Was ist in den nächsten Monaten geplant?
Wir werden uns genau anschauen, was und wie verhandelt wird, wir werden die Debatte in die Betriebe tragen. Wir wollen dafür Sorge tragen, dass es keinen Lohndumpingwettbewerb auf Kosten der jungen Generation geben wird.

Handelt es sich nicht um eine irre komplizierte Materie?
Die TTIP-Demo hat deutlich gezeigt: Selbst mit diesem komplexen Thema schafft man es, viele Menschen auf die Straße zu bekommen. Der Freihandel lässt sich recht einfach auseinandernehmen.


Mehr Infos zum Freihandel auf den Seiten der DGB-Jugend.

 

(aus der Soli aktuell 11/2015, Autorin: Soli aktuell)