Deutscher Gewerkschaftsbund

Zivilgesellschaftliche Player: Interview mit Julia Böhnke vom DBJR

Auf der DBJR-Vollversammlung am 30. und 31. Oktober 2015 in Heidelberg trafen sich über 150 Delegierte von mehr als 40 Jugendverbänden. Soli aktuell sprach mit der DGB-Jugend-Referentin und wiedergewählten stellvertretenden Vorsitzenden Julia Böhnke.

Porträt Julia Böhnke

© Simone M. Neumann

Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl! Was hat dein bisheriges Engagement beim Deutschen Bundesjugendring (DBJR) geprägt, was möchtest du jetzt dort durchsetzen?
Der DGB ist ein Dachverband, wir haben Erfahrung damit, verschiedene Organisationen zu "klammern". Beim DBJR kommt uns das zugute, er ist eine Dachorganisation mit sehr verschiedenen Jugendverbänden: kulturelle, religiöse, ökologische… Fürs ehrenamtliche Engagement brauchen wir alle gute politische Rahmenbedingungen. Sie zu verbessern, war mein Schwerpunkt, und das wird er auch wieder sein.

Wurde hart um Positionen gekämpft?
Ja! Bei uns ist Arbeitsmarkt- und Ausbildungspolitik das Kerngeschäft. Andere Verbände haben einen ganz anderen Zugang zu Jugendlichen: nicht per Selbstorganisation am Arbeitsort, sondern geradezu das Gegenteil - die organisieren sich in der Freizeit. Dennoch sind Themen wie Ausbildungsqualität und -garantie Dinge, die alle angehen. Wir haben deswegen einen Antrag mit dem Thema Verbesserung der Ausbildung eingebracht. Es ging um die Reform des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt, die Umlagefinanzierung und eine Ausweitung des Geltungsbereichs des BBiG für Praktikanten und dual Studierende. Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten.

Haben wir jetzt die BBiG-Reform im DBJR?
Yep. Einstimmig beschlossen.

Jugendverbände jeglicher Couleur bewegt derzeit das Thema Migration und Flucht.
Wir haben gemeinsam mit den Falken einen Antrag zu Bildungs- und Ausbildungschancen junger Flüchtlinge eingebracht. Er enthält Forderungen aus unserer Resolution "#Refugees Welcome". Auch er ist angenommen worden, auch um ihn wurde kollegial gestritten – etwa, als es um ein unbefristetes Bleiberecht nach der erfolgreichen Ausbildung ging.

Wie groß ist der Einfluss des DBJR?
Groß in Bezug auf die Kinder- und Jugendpolitik, aber auch bei allem, was zivilgesellschaftlich läuft. Das ist die Stärke des DBJR: Er versammelt als Netzwerk die zivilgesellschaftlichen Player im Jugendbereich.

Vor zwei Jahren hast du kritisiert, dass den jungen Leuten keine Zeit mehr fürs Ehrenamt bliebe. Wie sieht es damit heute aus?
Die Herausforderungen sind immer noch ähnlich. Jugendliche haben keine Zeit fürs Engagement, sie sind eingespannt in Schule, Ausbildung und Studium. Wir wollen u.a., dass das ehrenamtliche Engagement als Weiterförderungsgrund beim BAföG angerechnet wird. In Bezug auf die Geflüchteten stellen sich viele junge Menschen besonders engagiert dieser großen Herausforderung – beim Essen austeilen, bei Ämtergängen. Aber das zeigt nur umso deutlicher, dass die Zivilgesellschaft staatliches Versagen auffängt.

Was brauchst du von der Gewerkschaftsjugend für die nächste Amtsperiode?
Die kann stark davon profitieren, ihre Rolle als zivilgesellschaftlicher Akteur wahrzunehmen. Klar, Tarifauseinandersetzungen sind unser Kerngeschäft. Aber in Anbetracht der aktuellen Herausforderungen wie Rassismus und Fremdenhass zeigt sich, dass wir eine gesellschaftspolitische Aufgabe wahrnehmen und integrierend wirken – kurz: den Laden zusammenhalten.


Auch die DBJR-Vorsitzenden Stephan Groschwitz und Lisi Maier wurden im Amt bestätigt. Infos: www.dbjr.de

 

(aus der Soli aktuell 11/2015, Autorin: Soli aktuell)