Deutscher Gewerkschaftsbund

Diskriminierungsfreier Prozess

Die Europa-Universität Viadrina entscheidet sich als erste Hochschule für anonymisierte Bewerbungen.

Bewerbungsverfahren, die das Ziel verfolgen, Diskriminierung zu verhindern, finden immer öfter Verwendung. Als ers­te Hochschule in Deutschland hat die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder dieses Jahr begonnen, anonymisierte Bewerbungen zu erproben. Namen, Alter, Geschlecht oder Nationalität werden bei der Bewerbung nicht angegeben. Die Viadrina möchte damit erreichen, "die Auswahlverfahren garantiert diskriminierungsfrei zu gestalten und jeder Bewerberin und jedem Bewerber die gleiche Chance auf eine Einstellung zu ermöglichen", sagt Viadrina-Präsident Gunter Pleuger zum Start des Projekts.

In Ländern wie Kanada oder USA ist dieses Verfahren in vielen Bereichen schon lange übliche Praxis, in Deutschland aber immer noch ein innovativer Schritt. So nutzt gerade mal die Stadtverwaltung Celle seit 2012 anonymisierte Bewerbungsverfahren, um ihre offenen Stellen zu besetzen – im Rahmen eines Pilotprojekts, das die Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2010 bis 2011 durchgeführt hat und an dem die Stadtverwaltung gemeinsam mit zwei weiteren öffentlichen Arbeitgebern und fünf Unternehmen teilgenommen hat.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, bezeichnete die Frankfurter Universität als "Vorreiterin in Sachen Antidiskriminierung". Dass anonymisierte Bewerbungen nun erstmals auch an einer Hochschule angewendet würden, zeige die vielfältige Einsetzbarkeit des Verfahrens. In traditionellen Bewerbungsverfahren werden Menschen mit Migrationshintergrund oder Behinderung, Frauen oder ältere Menschen nachweislich benachteiligt. Sie haben deutlich schlechtere Chancen, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Anonymisierung wird von vielen Fachleuten als besonders wirksames Gegenmittel empfohlen.

Inzwischen testen auch neun Bundesländer derzeit anonymisierte Bewerbungsverfahren oder haben entsprechende Pilotprojekte angekündigt.


Infos: www.gelbehand.de


(aus der Soli 7/14, Autor: Soli aktuell)