Deutscher Gewerkschaftsbund

Hilfe für Pleitebetriebe

Euro-Krise und MobiPro-EU: Unternehmen müssen sich an den Kosten für Ausbildung beteiligen, sagt Elke Hannack.

Mit dem Programm MobiPro-EU wollte die Bundesregierung jungen Europäern aus Krisenstaaten wie Spanien und Griechenland eine Berufsausbildung in Deutschland ermöglichen. 9.000 Jugendliche kamen. Jetzt ist der Topf leer, neue Anträge werden nicht mehr angenommen. Das war wohl nichts, oder?
Da hilft ein nüchterner Blick auf die Zahlen: Wir haben zurzeit fast sechs Millionen junge Arbeitslose in Europa. Mit Hilfe des Programms kamen gerade einmal 9.000 Jugendliche nach Deutschland, weitere 2.500 Anträge warten noch auf Bearbeitung. Damit ist klar: Die Frage der europäischen Jugendarbeitslosigkeit wird nicht über MobiPro-EU gelöst. Es ist vor allem eine Millionen-Subvention für Betriebe, die hierzulande Schwierigkeiten haben, Azubis zu finden – oftmals auch, weil sie eine schlechte Ausbildung bieten.

Also ist es für den DGB in Ordnung, wenn die Förderung eingestellt wird?
Alle Jugendlichen, die bereits eine feste Zusage haben, brauchen Sicherheit. Ihnen muss der Staat eine Förderung bis zum Abschluss der Ausbildung garantieren. Grundsätzlich muss die Regierung die Finanzierung des Programms aber auf neue Beine stellen.

Wie soll das aussehen?
Bisher haben die Betriebe die Jugendlichen doch auf dem Silbertablett serviert bekommen. Zurzeit subventioniert der Staat jeden einzelnen Ausbildungsplatz im Rahmen dieses Programms mit bis zu 30.000 Euro. Er übernimmt Kosten für Heimreisen, für Deutschkurse, für die Unterkunft, für eine sozialpädagogische Begleitung. All das ist bitter nötig. Und es war auch in Ordnung, dass der Staat in den ersten Jahren – praktisch als Anschub – diese Kosten übernommen hat.

Und jetzt sollen sich die Arbeitgeber finanziell beteiligen?
Es kann kein dauerhafter Zustand sein, dass ein betrieblicher Ausbildungsplatz mit zehntausenden Euro subventioniert wird. Deshalb müssen die Betriebe in Zukunft mindestens die Hälfte der geförderten Kosten übernehmen. Ansonsten sozialisieren wir die Kosten der betrieblichen Ausbildung – und das wäre ein fataler Weg.


Elke Hannack ist stellvertretende DGB-Vorsitzende.


(aus der Soli 6/14, Autor: Soli aktuell)