Deutscher Gewerkschaftsbund

Es gibt höchst uneinheitliche Zahlungsanweisungen

Ausbildungsvergütungen mit Gefälle – das WSI-Tarifarchiv der Hans–Böckler-Stiftung meldet: Regionale Unterschiede bis zu 450 Euro im Monat sind möglich.

Spitzenreiter in der Beliebtheit bei den Ausbildungsberufen sind derzeit die Verkäuferin bei den jungen Frauen und der Kfz-Mechatroniker bei den jungen Männern. Jugendliche Berufswahl konzentriert sich nach wie vor auf wenige Berufe. Neben dem inhaltlichen Interesse spielt aber auch die Höhe der Ausbildungsvergütung eine wichtige Rolle.

Insgesamt fallen die tariflich geregelten Ausbildungsvergütungen je nach Branche und Ausbildungsjahr sehr unterschiedlich aus. Sie variieren von 332 Euro im privaten Verkehrsgewerbe Thüringen im ersten Ausbildungsjahr bis zu 1.460 Euro im Bauhauptgewerbe West im vierten Ausbildungsjahr. Dies geht aus einer Auswertung von Tarifverträgen in ausgewählten Wirtschaftszweigen und Tarifbereichen hervor, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf dieser Tage vorgelegt hat.

2013 stiegen die Ausbildungsvergütungen überwiegend zwischen 2,4 Prozent (Energiewirtschaft NRW) und zehn Prozent (Gebäude¬reinigerhandwerk, gewerbliche Auszubildende Ost ohne Berlin-Ost). In einigen Tarifbereichen wurden keine Steigerungen vereinbart.

Innerhalb der Branchen sieht’s verworren  aus: "Neben bundeseinheitlichen Tarifverträgen gibt es solche mit starken regionalen Unterschieden, häufig verbunden mit einem West-Ost-, aber auch mit einem Süd-Nord-Gefälle", hat WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck durchgerechnet. Legt man das dritte Ausbildungsjahr zugrunde, reichen die regionalen Differenzen bei den Vergütungen je nach Wirtschaftszweig von rund 100 bis zu 450 Euro im Monat.

Geringe Unterschiede gibt es in der Metall- und Elektroindustrie. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen reichen von 974 Euro in Nordrhein-Westfalen bis zu 1.061 Euro in Baden-Württemberg.

In der chemischen Industrie sind die Abstände mit bis zu 84 Euro noch geringfügig kleiner: Im Osten beträgt die Ausbildungsvergütung 938 Euro, im Westen reicht sie von 936 Euro in Schleswig-Holstein und Bremen bis zu 1.020 Euro im Bezirk Nordrhein. Größere Unterschiede gibt’s im Hotel- und Gaststättengewerbe: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 580 Euro, in Bayern 869 Euro. In manchen Tarifbereichen gibt es im Wesentlichen eine reine Differenzierung zwischen West und Ost, etwa im Bauhauptgewerbe. Die gewerblichen Auszubildenden erhalten im Westen 1.299 Euro, im Osten 1.017 Euro.

Bundesweit einheitliche tarifliche Ausbildungsvergütungen gibt es u. a. bei Banken (1.000 Euro) und Versicherungen (1.007 Euro), in der Druckindustrie (956 Euro), in der Papierverarbeitung (945 Euro) sowie bei Bahn (877 Euro), Post (920 Euro), Telekom (880 Euro) und im öffentlichen Dienst (Bund, Gemeinden: 929 Euro, Länder: 911 Euro).


www.tarifvertrag.de/ausbildungsverguetung

 

(aus der Soli 6/14, Autor: Soli aktuell)