Deutscher Gewerkschaftsbund

Online-Bewerbung: Chatten für den Job

Unternehmen haben immer weniger Lust auf Papierstapel. Die digitale Bewerbung hat Konjunktur. Und ein paar beliebte Fettnäpfe.

Post war früher. Aber was heißt das?
Immer mehr Firmen digitalisieren ihren Bewerbungsprozess und bieten Bewerber_innen die Möglichkeit, ihre Unterlagen online zu übermitteln. Während große Firmen beinahe ihr komplettes Bewerbungsprozedere schon über Onlinetools abwickeln, ist es in den meisten Firmen immerhin üblich geworden, die Bewerbung per E-Mail zu organisieren.

Die Devise ist hier: auf Sorgfalt zu achten und auf die Belange des Unternehmens einzugehen. Inhaltlich unterscheidet sich bei der digitalen Form nicht viel vom klassischen Format. Achtung: In Zeiten von schnell geschriebenen SMS-Nachrichten können sich bei der Onlinebewerbung schnell flapsige Formulierungen, Smileys oder Abkürzungen einschleichen. Die haben da nichts zu suchen!

Andererseits nimmt mit der Onlinebewerbung auch die Zahl der standardisierten Copy-and-Paste-Anschreiben zu. Hier lohnt sich die Mühe, das Anschreiben individuell auf die Firma, die eigene Person und die ausgeschriebene Stelle abzustimmen. Standardisierte Floskeln im Anschreiben, die aus dem Internet herauskopiert werden, kennt der_die Personaler_in zu Genüge.

Bitte recht ernsthaft
Seriosität ist auch bei der Onlinebewerbung oberstes Gebot, checkt also im ersten Schritt eure E-Mailadresse! "Schnuckiputz84@….de" und ähnliche Jugendsünden sind ein absolutes No-Go. Legt euch eine seriöse E-Mailadresse zu, die eurer Person direkt zuzuordnen ist, auf die ihr auch regelmäßig zugreift und wo das Postfach nicht dauernd voll ist. Abzuraten ist auch vom aktuellen Firmen-Account: Da könnte man den Verdacht kriegen, dass ihr euch während der Arbeitszeit mit der beruflichen Weiterentwicklung beschäftigt.

Landet eure Bewerbung in der allgemeinen Info-E-Mail-Adresse der Firma, wird sie oftmals keine Beachtung finden. Wenn ihr keine_n direkten Ansprechpartner_in habt, ruft bei dem Unternehmen an, um eine Kontaktperson herauszufinden. Damit die Bewerbung auch dann nicht untergeht, solltet ihr eine aussagekräftige Betreffzeile verwenden, aus der hervorgeht, auf welche Stelle ihr euch bewerbt, also z. B. "Bewerbung um ihre Ausbildungsstelle zur Kauffrau für Bürokommunikation mit der Referenznummer XY".

In der E-Mail kann sich direkt das Anschreiben wiederfinden. Ebenfalls akzeptiert ist die Variante, das Anschreiben mit in den Anhang einzubinden. Der erste Eindruck zählt. In jedem Fall müssen eure vollständigen Kontaktdaten auf den ersten Blick ersichtlich sein. Dies lässt sich am leichtesten durch die Einrichtung einer Signatur verwirklichen.

Auf die Sorgfalt achten
Bewerbungen in Papierform sollten frei von Knicken, Kaffeeflecken und Rechtschreibfehlern sein! Bei der Onlinebewerbung solltet ihr ebenfalls Sorgfalt an den Tag legen, wenn auch die ersten beiden Probleme nicht auftreten können. Sie muss in einem lesbaren Format beim Empfänger ankommen, die Zeugnisvorlagen sollen von guter Qualität sein. Damit der_die Personaler_in eine saubere digitale Bewerbungsmappe in seinem Postfach erhält, empfiehlt es sich, die einzelnen Dokumente – Lebenslauf, Schulzeugnisse, Praktikums- und Arbeitsbescheinigungen – in ein pdf-Dokument zu konvertieren und auf korrekt eingescannte Dokumente zu achten. Zudem sollten die Dokumente eindeutig und aussagekräftig beschriftet sein. Das Anschreiben enthält am bes¬ten eine digitale Unterschrift. Fehlt sie, stellt dies zwar kein Ausschlusskriterium für die Bewerbung dar. Aber sie ist doch ein untrügliches Zeichen eurer Mühe, der persönliche Note und der technischen Sorgfalt, mit der ihr arbeiten könnt.

Letzter Check
Achtet auf die Größe eurer Bewerbung, damit das Postfach des Unternehmens nicht gesprengt wird. Die Devise gilt: Je weniger Datenmenge im Anhang, desto besser. Die Lesbarkeit eurer Dokumente sollte darunter aber nicht leiden; als Obergrenze gelten zwei bis drei Megabytes.

Speichert eure verschickten Bewerbungen immer gut ab – so seid ihr bei telefonischen Anfragen gut gewappnet. Vorsicht! Die sauberste Onlinebewerbung kann schnell in negativem Licht erscheinen, wenn die Personalverantwortlichen eure Daten im Internet suchen und auf der ersten Trefferseite bei Suchmaschinen bereits wilde Partybilder von euch in einschlägigen sozialen Netzwerken finden – oder gar widersprüchliche Aussagen zu eurer Bewerbung und zum Unternehmen. Achtung, das Netz vergisst nichts: Daher solltet ihr auf ein "sauberes" Internetprofil achten – und euch die Mühe machen, Einstellungen in Netzwerken auf privat zu schalten, um nicht trotz allerperfektester Onlinebewerbung eine Absage zu erhalten.


Gewerkschaftsjugend und Bewerbung
In ihrem Berufsstartermagazin "Montag" bietet die DGB-Jugend einen Einblick in den Arbeitsalltag von Azubis und gibt viele praktische Tipps für Bewerbungen, Einstellungstests, Vorstellungsgespräche und Ausbildungsverträge.

DGB-Jugend: "Montag". Magazin zum Berufsstart. Im Download auf www.dgb-bestellservice.de

In einigen Bezirken bietet die DGB-Jugend auch einen Bewerbungscheck an – ein kostenloser Service für Schüler_innen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Wie die DGB-Jugend NRW auf

http://nrw-jugend.dgb.de/themen/schule/bewerbungscheck

Bewerbungen sind natürlich Stoff für die Mitgliedsgewerkschaften. Angebote machen etwa die IG Metall Jugend auf ihrem Onlineratgeber ("Bewerbung: So geht’s richtig")…

www.igmetall.de/jupo-bewerbung-so-gehts-richtig-2917.htm

…oder die ver.di Jugend ("Deine Bewerbung ist deine Visitenkarte") mit ihrer Seite www.ausbildung.info/bewerbung-fuer-den-berufseinstieg


(aus der Soli 4/14, Autorin: Julia Kanzog)