Deutscher Gewerkschaftsbund

Gastro-Branche: Kasse machen per Niedriglohn

Dem Tourismus geht es gar nicht gut. Da hat er auch selber Schuld, sagt die Gewerkschaft NGG.

Die Tourismuswirtschaft wird ihr prognostiziertes Potenzial für Wachstum und Beschäftigung nur entfalten können, wenn sich die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in den gastgewerblichen Berufen entscheidend verbessern. Darauf hat Burkhard Siebert, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), anlässlich der Internationalen Tourismusmesse ITB im März 2014 hingewiesen. Ausnahmen beim gesetzlichen Mindestlohn, wie ihn die Arbeitgeber fordern, hat er abgelehnt.

Das Gastgewerbe kämpft seit Jahren mit dramatischen Rückgängen bei den Ausbildungszahlen und beklagt einen Mangel an Fachkräften. Etwa die Hälfte der Betriebe kann ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen. Zudem wird fast jede zweite Ausbildung vorzeitig beendet. Viele Ausgebildete wechseln sofort nach der Prüfung die Branche.

Laut DGB-Ausbildungsreport gibt’s hier regelmäßig schlechte Werte – so brechen fast die Hälfte aller Köch_innen ihre Ausbildung ab.

Da müsste bald mal was passieren. Aber obwohl diese Probleme seit Jahren bekannt sind und sich weiter verschärfen, ist ein Strategiewechsel der Arbeitgeber nicht erkennbar: Auszubildende werden nach wie vor oft als billige Arbeitskräfte missbraucht. Statt das Lernverhältnis für die Ausbildung zu nutzen, werden viele für Tätigkeiten eingesetzt, die nichts mit der Ausbildung zu tun haben. "Nur wenn in der Branche ein Umdenken beginnt, den Auszubildenden mehr Wertschätzung entgegengebracht und die Qualität der Ausbildung erhöht wird, kann sich das Gastgewerbe im Wettbewerb auf dem Ausbildungsmarkt behaupten", sagte Siebert.

Erschwerend kommt darüber hinaus hinzu, dass oft auch die Perspektiven für Berufsanfänger_innen in der ausgewiesenen Niedriglohnbranche, in der rund die Hälfte der Beschäftigten mit einem Minijob arbeitet, fehlen. Ein wichtiger Baustein, damit dem Lohndumping eine untere Grenze gesetzt wird, ist deshalb die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro. "Auf keinen Fall darf es deshalb Ausnahmen geben", forderte der NGG-Vize.


Weitere Infos: www.ngg.net


(aus der Soli 4/14, Autor: Soli aktuell)


Geht der Tourismus in Deutschland vor die Hunde, Nadine Boltersdorf?
Ich glaube schon, dass die Branche in Gefahr ist. Immer weniger junge Leute entscheiden sich für eine Ausbildung in diesem Bereich. Dadurch bekommen die Hotels und Restaurants weniger Fachpersonal und müssen auf ungelernte Aushilfen zurückgreifen. So sinkt natürlich das Niveau bei der Bewirtung. Gäste, die hierauf Wert legen, könnten sich also schon überlegen, ob sie in solch einem Haus noch mal ihren Urlaub verbringen wollen.

Wir führen immer wieder Gespräche mit dem Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA und einzelnen Arbeitgebern über die Ausbildungssituation, die Qualität und über die Höhe der Ausbildungsvergütung. Allen Gesprächen folgten aber bisher keine Taten. In einigen Fällen wurden gar Gesetzesverstöße schlichtweg geleugnet.


Nadine Boltersdorf ist NGG-Bundesjugendsekretärin.