Deutscher Gewerkschaftsbund

Modell mit Nachbesserungsbedarf

Das BAföG soll Kindern aus einkommensschwachen Familien den Zugang zur Uni zu erleichtern. Aber funktioniert das auch?, fragt Andrea Kirschtowski.

Der Blick in den 20. BAföG-Bericht lohnt: Die durchschnittliche Fördersumme und der Anteil der geförderten Studierenden sind in den letzten Jahren stetig gesunken. Im Mittel sind die Werte über den Zeitraum des Berichts zwar leicht gestiegen, aber das ist statistische Augenwischerei. So bemüht die Bundesregierung die Gruppe der "dem Grunde nach Förderungsberechtigten", um den Anteil der geförderten Studis zu errechnen – und nicht die tatsächliche Anzahl. Damit werden Studierende, die z. B. wegen Überschreitung der Altersgrenze oder der Regelstudienzeit kein BAföG (mehr) erhalten, gar nicht in die Berechnungsgrundlage miteinbezogen.

Aber gerade diese Gruppe ist stark auf Erwerbsarbeit während des Studiums angewiesen: Sei es, weil die Eltern sie weniger unterstützen konnten, Kinder im Haushalt sind oder Kosten aufgrund einer Behinderung, einer Krankheit oder schlichtweg nur aufgrund des Alters höher ausfallen.

Ein Teufelskreis, der sich auch schon an den letzten Sozialerhebungen des Studentenwerks ablesen ließ. Demnach sind zwei Drittel aller Studierenden auf Erwerbsarbeit angewiesen. Auch der Bildungstrichter wirkt ungebremst fort: Wesentlich weniger Kinder aus so genannten bildungsfernen Schichten (ca. 23 Prozent) nehmen nach dem Abitur ein Studium auf als solche aus Akademikerhaushalten (ca. 77 Prozent). Im Gegenteil, es werden sogar immer weniger!

Nicht zuletzt deshalb fordert der DGB eine Anhebung des BAföG sowie eine Erweiterung des Kreises der Anspruchsberechtigten; langfristig bis hin zur generell alters-, herkunfts- und elternunabhängigen Förderung.

Doch was, wenn du nicht auf eine Gesetzesänderung warten kannst? Wenn du eben gerade jetzt studierst? Das fragte uns auch Marcel im Online-Beratungsforum von "Students at work". Der Minijobber wollte wissen, wie es sich auf sein BAföG auswirkt, wenn er monatlich unterschiedliche Beträge verdient – und damit auch mal über den Freibetrag kommt.

Die Antwort: Da unregelmäßiges Einkommen auf den gesamten Bewilligungszeitraum gerechnet wird, kommt es in Monaten, in denen mehr verdient wird, nicht zu Abzügen beim BAföG, solange sich das mit Monaten, in denen weniger bzw. gar nichts verdient wird, wieder ausgleicht.

Grundsätzlich kann man 255 Euro/Monat zum BAföG dazuverdienen. Dieser Betrag ist ein Nettofreibetrag, der bereits um Sozialabgaben u.a. bereinigt wurde. Das bedeutet, dass Marcel und andere bis zu 4.880 Euro/Jahr brutto dazuverdienen können, ohne Einbußen beim BAföG-Auszahlbetrag erwarten zu müssen.

Aber Vorsicht bei Selbstständigkeit: Hier greifen die meisten Absetzmöglichkeiten nach BAföG nicht. Hier wurde es auch für Lee undurchsichtig: Die Studentin und Erzieherin auf Honorarbasis musste leider feststellen, dass sie als Freiberuflerin tatsächlich weniger abzugsfrei hinzuverdienen kann als eine Angestellte. Sie kann ihr Einkommen nämlich nicht wie abhängig Beschäftigte um die Werbungskostenpauschale in Höhe von 1.000 Euro pro Jahr bereinigen.  


Wir beraten zum BAföG: http://jugend.dgb.de/studium


Andrea Kischtowski ist Beraterin bei "Students at work".


(aus der Soli 3/14, Autorin: Andrea Kischtowski)