Deutscher Gewerkschaftsbund

Prekäres Leben: Raus mit 25

Sieben typische Muster: Die Hans-Böckler-Stiftung hat einen Forschungsbericht dazu veröffentlicht, wann und wie junge Menschen aus dem Hartz-IV-Bezug aussteigen. 

Rund 700.000 15- bis 25-Jährige sind auf Arbeitslosengeld II (ALG II) angewiesen, hat die Wissenschaftlerin Brigitte Schels für die Hans-Böckler-Stiftung durchgerechnet. In einem Forschungsbericht, veröffentlicht in den "WSI-Mitteilungen" 8/2013, untersucht sie diese Gruppe genauer. Schels hat sieben Verlaufsmuster identifiziert:

  • Rasche Erwerbsintegration: In dieser Gruppe zieht sich die Hartz-IV-Periode im Schnitt über 17 Monate. Dennoch handelt es sich dabei nur um Orientierungs- oder Überbrückungsphasen junger Leute mit mittlerem oder höherem Schulabschluss. Nach drei bis vier Jahren haben fast alle einen Vollzeitjob.
  • Fehlende Arbeitsmarktintegration: Die zweitgrößte Gruppe stellen junge Erwachsene dar, denen der Sprung in den Arbeitsmarkt nicht gelingt. Sie kommen allenfalls vorübergehend ohne Grundsicherung aus. Phasen mit Minijob sind häufiger als Vollzeitbeschäftigung. Oft fehlt der Schulabschluss und die Berufsausbildung. Relativ häufig kommen diese Jugendlichen aus einem Elternhaus mit eher niedrigem Bildungsniveau, oft leben sie in einem Haushalt mit Kindern.
  • Start in geringfügige Beschäftigung: Die Betroffenen gingen in vielen Fällen noch zur Schule, um Abitur zu machen. Daran schließen sich aber weder Ausbildung noch Studium an, sondern ALG-II-Bezug und später der Minijob. Meist leben sie noch bei den Eltern.
  • Verzögerte Erwerbsintegration: Diese Jugendlichen haben einen Berufs-, aber meist keinen höheren Schulabschluss. Die Abhängigkeit von Hartz-IV-Leistungen dauert vergleichsweise lange an – aber am Ende des Untersuchungszeitraums hatte die überwiegende Mehrheit eine Vollzeitstelle.
  • Nicht-Erwerbstätigkeit: Nicht beschäftigt, nicht in Ausbildung, aber auch nicht arbeitslos gemeldet. Hier handelt es sich oft um junge Mütter.
  • Betriebliche Ausbildung: Eine relevante Zahl von Jugendlichen bekommt ALG II, weil die Ausbildungsvergütung nicht reicht.
  • Erwerbsintegration im Leistungsbezug: Hier sind junge Aufstocker_innen gemeint, die arbeiten und gleichzeitig Grundsicherung beziehen. Sie verfügen oft über einen Haupt- oder Realschulabschluss und haben eine Berufsausbildung absolviert. 


Angesichts der unterschiedlichen Erwerbsverläufe zeigen die Daten laut Schels, wo Handlungsbedarf besteht: Viele Jugendliche bräuchten stärkere Unterstützung dabei, vollqualifizierende Berufsbildungsabschlüsse nachzuholen.  


Weitere Infos: www.boeckler.de/...


(aus der Soli 3/14, Autor: Soli aktuell)