Deutscher Gewerkschaftsbund

Berufsschule: Kein Freizeitvergnügen

Viele Arbeitgeber glauben, Azubis drehen in der Berufsschule Däumchen. Dabei gibt es ganz klare Regeln, wie die Schulzeit in der Ausbildung anzurechnen ist.

Schule ist Pflicht
Die duale Form der Ausbildung gibt als Lernorte den Betrieb und die Berufsschule vor. Der Gang zur Berufsschule ergibt sich aus der geltenden Berufsschulpflicht, die Ländersache ist.

Gesetzlich gesehen kommt der Berufsschulunterricht vor der betrieblichen Ausbildung – so muss die Vergütung während der Unterrichtszeit fortgezahlt werden. Zum Besuch der Berufsschule muss der Betrieb seine Auszubildenden gar anhalten. Daher hat der Azubi in der Berufsschule auch die gleichen Pflichten wie in der betrieblichen Ausbildung. Und das heißt: Wer während der Berufsschulzeit erkrankt, muss Betrieb und Berufsschule informieren.  

Kosten für die Berufsschule
Die Fahrtkosten zur Schule und Ausbildungsmittel wie z. B. Bücher sind vom Auszubildenden selbst zu tragen.

Aufgepasst: Hier gibt es teilweise tarifvertragliche Regelungen und Betriebsvereinbarungen für eine Kostenübernahme – unbedingt bei der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) nachfragen!

Freistellung
Alle Auszubildenden sind nach dem Berufsbildungsgesetz für die Teilnahme am Berufsschulunterricht vom Betrieb freigestellt. Wie das auszusehen hat, zeigt ein Beschluss des Bundesarbeitsgerichts (Urteil vom 26. März 2001, Az.: 5 AZR 413/99): Die Berufsschulzeit wird immer dann auf die tägliche bzw. wöchentliche Ausbildungszeit angerechnet, wenn sich die Schulzeit und die betriebsübliche Arbeitszeit überschneiden. Könnte während der Unterrichtszeit eine betriebliche Ausbildung stattfinden, geht die Berufsschule vor und wird angerechnet. Hierzu zählen auch Pausen und ausfallende Unterrichtsstunden.

So wird angerechnet
Für Azubis unter 18 Jahren gelten zusätzlich bestimmte Freistellungsregelungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz:

  • Jugendliche dürfen nicht vor einem vor neun Uhr beginnenden Unterricht arbeiten.
  • Sie dürfen nicht an einem Berufsschultag arbeiten, wenn sie mehr als fünf Stunden à 45 Minuten Unterricht haben. Das gilt aber nur für einen Berufsschultag in der Woche, am zweiten Berufsschultag dürfen sie dann zusätzlich durchaus noch beschäftigt werden.
  • Für Azubis über 18 Jahren gilt: Auch sie dürfen vor einem vor neun Uhr beginnenden Unterricht nicht arbeiten. Ansonsten werden die Zeiten des Unterrichts – inklusive Pausen, Wegezeit u. a. – nur auf die Arbeitszeit angerechnet, wenn sie innerhalb der betriebsüblichen Ausbildungszeit liegen.


Insgesamt heißt das: Azubis müssen also nur dann nach der Schule in den Betrieb, wenn tatsächlich noch Zeit von der konkreten täglichen Ausbildungszeit übrig ist.

Noch mal aufgepasst: Betriebs- oder Tarifvereinbarungen können regeln, dass Azubis generell nach der Schule nicht mehr in den Betrieb müssen. Fragt die JAV!

Achtung, Blöcke
Bist du noch minderjährig und die Schule findet in Form von Blockunterricht statt, darfst du nach einer planmäßigen Schulwoche, die mehr als 25 Zeitstunden verteilt auf fünf Tage beinhaltet, nicht mehr im Betrieb arbeiten. Zusätzliche betriebliche Ausbildungsveranstaltungen bis zu zwei Stunden in der Woche sind zulässig.
 
Außerhalb der Ausbildungszeit
Anders sieht es aus, wenn der Berufsschulunterricht außerhalb der betriebsüblichen Ausbildungszeit stattfindet – dann muss er nicht auf die Arbeitszeit angerechnet werden. Für Volljährige gilt dann als Grundlage die gesetzlich geltende Höchstarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche als Höchstausbildungsvolumen. Die tägliche Arbeitszeit darf dabei acht Stunden eigentlich nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf zehn Stunden ist zwar möglich – aber nur, wenn innerhalb von sechs Monaten ein Ausgleich erfolgt.

Besondere Regeln
Zu beachten ist die betriebsübliche Ausbildungszeit und die Anwesenheit eines Ausbilders. Ist im Betrieb z. B. am Montag Ruhetag und die reguläre Arbeitszeit des Azubis findet dienstags bis samstags statt, aber der Berufsschultag ist auf den Montag festgelegt, dann muss der Azubi eben regulär seiner betrieblichen Ausbildungszeit auch nur von Dienstag bis Samstag nachkommen. Die Berufsschulzeit plus die Arbeitszeit im Betrieb dürfen hierbei wiederum 48 Stunden in der Woche nicht überschreiten. Findet am Samstag keine reguläre betriebliche Ausbildung statt, dann darf die Zeit auch nicht am Samstag nachgeholt werden.

Zum dritten Mal aufgepasst: In vielen Tarifverträgen gibt es hier günstigere Bestimmungen für die Anrechnung!


***

Die Berufsschule
Die Berufsschule ist neben der Ausbildung im Betrieb eine der beiden Säulen der dualen Berufsausbildung. In der Regel konzentriert sich der Unterricht an der Berufsschule auf allgemeinbildende Inhalte und berufsspezifisches theoretisches Wissen für deinen Beruf. Je nachdem, für welchen Beruf du dich entscheidest, findet dein Unterricht dann gewöhnlich an zwei Tagen in der Woche statt oder aber er wird gebündelt in Blöcken organisiert. Den Rest der Zeit verbringst du im Betrieb, wo die weitere praktische berufliche Bildung gemäß Ausbildungsrahmenplan stattfindet.


(aus der Soli aktuell 12/2014, Autorin: Julia Kanzog)