Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsstatistik: Dualer Niedergang

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist im Jahr 2013 im Keller gelandet. Und doch bleiben viele Stellen unbesetzt. Die DGB-Jugend sagt: Eine Ausbildungsplatzgarantie ist alternativlos.

Der Exportweltmeister Deutschland, ganz wie er leibt und lebt: Mittlerweile wird die duale Ausbildung in aller Welt als Erfolgsmodell gefeiert. Pass auf, demnächst löst sie die Finanzprobleme ganz Griechenlands!

Aber wie sonst auch in der deutschen Wirtschaft leidet der Binnenmarkt: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hat 2013 einen historischen Tiefstand erreicht. Sie sank gegenüber dem Vorjahr um 20.600 Stück bzw. 3,7 Prozent auf nur noch 530.700. So wenige gab es seit dem Krisenjahr 2005 (550.179) nicht mehr.

Dieser Tage hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) seine jährliche Bilanz veröffentlicht. Insgesamt verschlechterte sich im letzten Jahr die Situation auf dem Ausbildungsmarkt zu Lasten der Jugendlichen, und es gelang nicht mehr im selben Ausmaß wie in den drei Jahren zuvor, ausbildungsinteressierte Jugendliche an dualer Berufsausbildung zu beteiligen. Auf Seiten der Betriebe zeichnen sich zunehmende Stellenbesetzungsprobleme vor allem im Handwerk und in der Landwirtschaft ab. Gestiegen ist auch die Zahl der BewerberInnen, die zum Stichtag 30. September weiterhin auf Ausbildungsplatzsuche sind. Sie umfasst 83.600 Personen (+ 7.600 junge Leute bzw. + zehn Prozent). Darunter befinden sich rund 21.000 Jugendliche ohne und rund 62.500 Jugendliche mit alternativem Verbleib.

"Die Zahlen des Ausbildungsjahres 2013 sind verheerend", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen fliehen aus der Ausbildung. Die Quote der Ausbildungsbetriebe ist mit 21,7 Prozent auf dem tiefsten Stand seit 1999 angelangt.

Zwar ist in den letzten Jahren die Zahl der Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, zurückgegangen. Sie verringerte sich bundesweit um 13.000 junge Leute oder - 2,1 Prozent auf nur noch 614.300. "Aber es werden nach wie vor zu wenige Ausbildungsplätze angeboten", wie die DGB-Bezirksjugendsekretärin in Niedersachsen, Kerstin Pätzold, sagt. "Deshalb ist die Zahl der jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz im Vergleich zu letztem Jahr gestiegen." Ein Beleg dafür, wie stark der Rückgang ist.

In die Haare schmieren kann man sich auch den Ausbildungspakt, findet man bei den Gewerkschaften: Denn mit diesem Pakt hatten sich Wirtschaft und Bundesregierung dazu verpflichtet, jedem Bewerber ein Angebot zu machen - auf freiwilliger Basis, versteht sich, um dadurch dem Fachkräftemangel zu begegnen. Ergebnis: Fehlanzeige. "Deutschland hat weniger einen Fachkräftemangel als vielmehr einen Ausbildungsmangel", sagt Thomas Ressel vom IG Metall-Vorstand.

Ist Besserung in Sicht? DGB-Jugend-Ausbildungsexperte Benjamin Krautschat: "Die neue Bundesregierung sollte schnellstens durch eine gesetzliche Garantie sicherstellen, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch eine Stelle bekommen und nicht in Warteschleifen oder ungewünschte Alternativen abgeschoben werden."


Die Zahlen findet ihr im Internet unter www.bibb.de/ausbildungsmarkt2013


(aus der Soli 1/14, Autor: Soli aktuell)