Deutscher Gewerkschaftsbund

Kathrin Zellner: Ich setze mich fürs Handwerk ein

Kathrin Zellner ist Friseurmeisterin. Seit Jahren ist sie als eine der jüngsten Arbeitnehmervertreter_innen in den Handwerkskammern aktiv.

© Haselsteiner/Tittling

ver.di-Mitglied Kathrin Zellner, 36, ist Arbeitnehmer-Vizepräsidentin der HWK Niederbayern-Oberpfalz. Seit 2010 ist sie auch in der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtpflege für die Friseur_innen aktiv.

Kathrin, der Ausbildungsreport der DGB-Jugend hat gezeigt, dass die Ausbildungsbedingungen im Handwerk durchaus verbesserungswürdig sind. Welche Maßnahmen könnten hier helfen?
Das auf Bundesebene abgestimmte Azubi-Ticket würde hierbei vermutlich auch sehr hilfreich sein. Es ist schade, dass sich bis jetzt erst sieben Bundesländer daran beteiligen. Es wäre schön und wünschenswert, wenn dies durch alle Bundesländer umgesetzt werden könnte, damit wäre auch den Auszubildenden im Handwerk geholfen. Mit Einführung der Mindestausbildungsvergütung hat sich ja auch da etwas geändert. Sehr viele Betriebe zahlen mehr als die Mindestausbildungsvergütung.

Welche Möglichkeiten haben junge Leute in und nach der Ausbildung, sich übergreifend für bessere Ausbildungsbedingungen im Handwerk zu engagieren?
Da findet man eigentlich relativ leicht Zugänge. In der handwerklichen Selbstverwaltung sind wir immer auf der Suche nach jungen Leuten, die auch ihre Sichtweise mit einbringen.

Das gewerkschaftliche Engagement in den Kammern gilt als wenig attraktiv. Da sitzen doch nur alte Männer, heißt es. Wie sieht deine Arbeit dort aus?
Da ich mittlerweile 16 Jahre in diesen Gremien aktiv bin, habe ich mich daran gewöhnt, hauptsächlich mit Männern zu arbeiten. Auch da kommen aber vereinzelt Jüngere immer mal mit rein. Wenig attraktiv könnte ich jetzt nicht sagen, ich habe 2004 mit der Vollversammlung begonnen und bin da dann auch relativ schnell mit weiteren Gremien betraut worden. Somit wurde auch die Arbeit immer interessanter, da ich immer mehr Einblick bekam. Für mich ist es sehr wichtig, dass wir uns für das Gesamthandwerk einsetzen und auf Landes- wie Bundesebene auch mit den Politikern immer im engen Austausch sind, damit die auch die Perspektive aus der Praxis nicht vergessen!

Wie hast du den Weg in die Gremien gefunden?
Ich wurde in meinem Meisterkurs angesprochen, ob ich Interesse hätte, als Arbeitnehmerin in der Vollversammlung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz mitzuarbeiten. Da ich bis dahin noch keine Erfahrung mit einer solchen Arbeit hatte, habe ich mal vorsichtig Ja gesagt, ich würde das mal versuchen. Es hat mir aber von Anfang an immer sehr viel Spaß gemacht. Ich muss aber auch betonen, dass ich immer Personen an meiner Seite hatte, die mich da geleitet und begleitet haben.

Gibt es beim Friseurberuf Besonderheiten, was die Arbeit an den Ausbildungsbedingungen angeht?
Seit 2009 gibt es ja auch in unserem Beruf die gestreckten Gesellenprüfungen – und das finde ich persönlich viel besser als die Zwischen- und Abschlussprüfung. Seitdem müssen und sollen die Auszubildenden von Anfang an richtig mitarbeiten im Betrieb und fungieren nicht nur als Handlanger!

(aus der Soli aktuell 1/2021, Autorin: Soli aktuell)

Handwerk im Ausbildungsreport 2020