Deutscher Gewerkschaftsbund

Erinnern ist gelebte Solidarität

Gedenkkultur: Die Vergangenheit findet jeden Tag statt, sagt die DGB-Jugend-Vorsitzende von Köln, Antonia Rabente.

Ich bin Mitte zwanzig und wachse in einer Gesellschaft auf, in der ich viel Solidarität und Pazifismus erlebe. Doch in dieser Gesellschaft gibt es auch Strömungen, die Hass säen und davon profitieren wollen.

Ich bekomme in meinem Umfeld mit, dass junge Menschen Zukunftsängste haben und sich in einer Welt bewegen, in der sie ständig mit Konkurrenzkämpfen konfrontiert werden. Einige hinterfragen diese Entwicklung nicht. Entweder sie finden einen Weg, wie sie sich als Einzelkämpferin und -kämpfer behaupten können und ziehen ihren Profit daraus. Oder sie gehen unter.

Es gibt auch noch die Möglichkeit, sich gegen diese Entwicklung zu positionieren und zu versuchen, die Welt etwas solidarischer zu gestalten. Wenn sich ein Mensch heute gegen Neonazis und rechte Strömungen stark macht und Zivilcourage zeigt, werden ihm alle möglichen Steine in den Weg gelegt – etwa der Generalverdacht, mit dem engagierte Menschen und Institutionen konfrontiert werden. Die Extremismus-Klausel war ein gutes Beispiel dafür, wie Misstrauen geschürt werden soll. Die Hoheit, dies zu definieren, wird dem Verfassungsschutz zugestanden – der es im Übrigen zugelassen hat, dass drei Neonazis über zehn Jahre lang rassistisch motiviert morden konnten. Sollte die Beurteilung über die Finanzierungswürdigkeit also tatsächlich in die Verantwortung dieser Institutionen gelegt werden?

Sehr aktuell ist die Debatte über Einwanderung in Deutschland. Wer darf eigentlich nach Deutschland kommen und wer ist unerwünscht? "Wer betrügt, fliegt" lautete eine Kampagne im Zusammenhang mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Der Vorwurf zielt auf Menschen, die am unteren Rand der Gesellschaft stehen. Wenn Hass gegen die Schwächsten geschürt wird, ist es leichter, von den eigentlichen Problemen abzulenken. Dass die meisten Einwanderinnen und Einwanderer gut ausgebildet und qualifiziert sind, findet dabei kaum Beachtung. Besonders Sinti und Roma leiden unter Vorurteilen und Diskriminierung. Wenn sie nach Deutschland einreisen, um Schutz vor Diskriminierung zu erfahren, werden sie feststellen, dass es diese Vorurteile nicht nur in den Herkunftsländern gibt, sie sind auch hier weit verbreitet. Und diese Hetze geht nicht nur vom sogenannten rechten Rand der Gesellschaft aus. Sie findet sich in den Medien, in der Politik, am Stammtisch, in der Schule, den Universitäten. Unabhängig von Stellung, Schicht, Alter, Umfeld und politischem Lager.

Hinterfragen wir uns selber und die Gesellschaft. Seien wir wachsam.


Der Text basiert auf einer Rede, die Antonia zum Auschitz-Gedenktag in Köln gehalten hat. Ihr findet sie auf http://koeln-bonn.dgb.de/-/ziS


(aus der Soli aktuell 10/2014, Autorin: Antonia Rabente)

Nie vergessen
Soli aktuell-Reihe: Der Gedenktag am 27. Januar 2015.
Der DGB-Bundesjugendausschuss hat beschlossen, dass die Gewerkschaftsjugend um den 27. Januar 2015 anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau dort eine Gedenkveranstaltung durchführt. Das Ziel: die Erinnerung an die Opfer zu erhalten. Wir stellen dazu verschiedene Ansätze und Aktivitäten der Gedenkkultur vor.