Deutscher Gewerkschaftsbund

Gefährliche Schieflage ohne Job: Kein Anspruch - und dann?

Wer arbeitslos ist, wird oft nur noch mangelhaft abgesichert. Das trifft besonders die junge Generation. Von Sabrina Klaus-Schelletter

In den letzten Jahren hat die Schutzfunktion der Arbeitslosenversicherung deutlich abgenommen. Inzwischen wird nur noch rund ein Drittel der knapp drei Millionen arbeitslosen Menschen vom Versicherungssystem betreut. Die anderen zwei Drittel der Arbeitslosen werden dem Hartz-IV-System zugeordnet.

Diese abnehmende Schutzfunktion der Arbeitslosenversicherung macht sich auch bei der jungen Generation bemerkbar, zum Beispiel bei direktem Eintritt in Arbeitslosigkeit nach einer (außer-)betrieblichen Ausbildung.

Im Jahr 2007 wurden von 213.309 jungen Menschen unter 25 Jahren, die nach einer (außer-)betrieblichen Ausbildung arbeitslos wurden, noch rund 86 Prozent vom Versicherungssystem betreut. Einige Jahre später, 2013, wurden zwar weniger junge Menschen (188.959) nach der Ausbildung arbeitslos; von diesen wurden aber nur noch 80 Prozent dem Versicherungssystem zugeordnet. Die anderen 20 Prozent der jungen Menschen, die nach der Ausbildung arbeitslos wurden, rutschten direkt ins Hartz-IV-System.

Bei jungen Arbeitslosen, die aus einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt arbeitslos werden, landet sogar mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) sofort im Hartz-IV-System.

Doch damit noch nicht genug: Längst nicht jeder Arbeitslose, der dem Versichertensystem zugeordnet wird, bekommt auch Arbeitslosengeld. Insgesamt geht jeder Vierte leer aus. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein – die Grundvoraussetzung ist dafür jedoch immer, dass keine Hilfebedürftigkeit vorliegt oder nicht geltend gemacht wird.

Die Zuordnung der Arbeitslosen ohne Arbeitslosengeldanspruch ist so auch immer von der Einkommenssituation des Partners oder der Partnerin bzw. bei jungen Menschen unter 25 Jahren auch von der Einkommenssituation der Eltern sowie von dem vorhandenen Vermögen und den konkreten Hartz-IV-Regelungen abhängig.

Das Risiko, arbeitslos zu sein und kein Arbeitslosengeld zu bekommen, ist statistisch gesehen besonders bei jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren hoch. Von den 15- bis 19-jährigen Arbeitslosen im Versicherungssystem bekommt mehr als die Hälfte kein Arbeitslosengeld. Auch bei den 20- bis 24-jährigen Betroffenen bekommt weit mehr als jede vierte Person kein Geld. Insgesamt machen jüngere Arbeitslose unter 25 Jahren einen Anteil von 16,5 Prozent aller Arbeitslosen ohne Arbeitslosengeldbezug aus. Dass junge Menschen so häufig leer ausgehen, liegt daran, dass sie häufig noch keinen Versicherungsanspruch erworben haben. Leben sie bei ihren Eltern und ist deren Einkommenssituation ausreichend, bekommen sie auch kein Hartz IV. Dies gilt auch für diejenigen, die schon in festen Partnerschaften leben.

Das soll die Politik tun
Den jungen Leuten würde es helfen, wenn der Versicherungsschutz der Arbeitslosenversicherung ausgeweitet werden würde. Weiterhin ist davon auszugehen, dass das "Einkommen" von Arbeitslosen ohne Arbeitslosengeldbezug – durch die Partner oder die Eltern – im Rahmen des Haushaltseinkommens knapp über der Einkommens- und Freibetragsgrenze für den Hartz-IV-Regelbedarf liegt.

Durch ein methodisch sauberes und transparentes Verfahren zur Bestimmung des soziokulturellen Existenzminimums müssen die Hartz-IV-Leistungen dringend erhöht werden. Dies würde dazu beitragen, dass dieser Personenkreis ergänzend Hartz-IV-Leistungen beziehen könnte. Doch am besten wäre es, wenn gar keiner arbeitslos würde. Für junge Menschen bedeutet dies, dass sie einen Ausbildungsplatz brauchen – und es danach in einem stabilen Arbeitsverhältnis weitergehen muss!


Sabrina Klaus-Schelletter ist Referentin in der Abteilung Arbeitsmarktpolitik beim DGB-Bundesvorstand.


Mehr zum Thema "Arbeitslosigkeit ohne Arbeitslosengeld" unter http://www.dgb.de/-/7K4


(aus der Soli aktuell 10/2014, Autorin: Sabrina Klaus-Schelletter)