Deutscher Gewerkschaftsbund

In Sachsen an die Basis gehen

Viele junge Menschen wählten bei der Landtagswahl in Sachsen rechtsaußen. Eine harte Nuss für die Gewerkschaftsjugend, findet Marlen Schröder.

Weniger als 50 Prozent der Wahlberechtigten sind in Sachsen zur Landtagswahl gegangen, aber zehn Prozent wählen die Rechtsaußenparteien NPD und AfD…
Man merkt den Leuten an, dass sie den Glauben an die Demokratie verloren haben. NPD und AfD sind auch von Gewerkschaftsmitgliedern gewählt worden – dabei stellen die sich doch explizit gegen Arbeitnehmerrechte. Auch viele Arbeitslose wählen AfD, dabei gibt's dort Leute, die denen gar das Wahlrecht entziehen wollen. Ich glaube, es war den Menschen nicht bewusst, was und wen sie da wählen. Sie wollten ihren Protest ausdrücken ohne Kenntnis von Wahlprogramm und Umsetzungsideen.

Welche Themen standen im Wahlkampf im Mittelpunkt?
Personalmangel bei Polizei und Lehrern sowie Innere Sicherheit. Nahezu alle Parteien haben damit Wahlkampf betrieben und mehr Polizei und Lehrer gefordert – auch die CDU, die sie über Jahre abgebaut hat. Hier in der Grenzregion haben wir dazu noch große Probleme mit der Droge Chrystal Meth, die den sächsischen Markt überflutet.

Welche Haltung hat die DGB-Jugend denn zu Chrystal Meth?
"Scheißdreckszeug" sagen wir dazu. Gerade junge Menschen nehmen es, um leistungsfähig zu sein. Die Suchtkrankenhilfe Sachsen verzeichnet in ihrem Bericht erschreckende Zahlen für die unter 30-Jährigen sachsenweit. Da müssen wir uns fragen: Ist einfach zu viel Druck auf der jungen Generation?

Wie haben sich junge Wähler verhalten?
Zwölf Prozent der Erstwähler landeten bei der AfD, zehn Prozent bei der NPD, das ist schon heftig. Die Wahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen Mannheim zeigt auf, dass auch eine erhebliche Anzahl von jungen Gewerkschaftsmitgliedern NPD und AfD wählten.

Wie die Wahlen in Brandenburg und Thüringen zeigen, ist Sachsen nichts "Besonderes". Der Osten sieht sich immer noch als stark benachteiligt. Ich war zur Unterstützung beim Amazon-Streik in Leipzig, da musste ich mir auch anhören, warum denn die Gewerkschaften nicht dafür kämpfen, dass es in Ost und West gleiche Löhne gibt: "Ihr wollt einen Tarifvertrag, aber wir bekommen dann den Tarifvertrag Version Ost." Was es in Sachsen übrigens nicht gibt, sind Stammwähler – die Wählerwanderungen sind sehr stark ausgeprägt und schwanken von Wahl zu Wahl erheblich.

Wie reagiert die DGB-Jugend darauf?
Diese Protesthaltung kann man nur durch Information und Aufklärung angehen. Wir wollen ein Projekt ins Leben rufen, wo wir Workshops mit JAVis und jungen Betriebsräten zu politischen Themen veranstalten und sie gleichzeitig als Multiplikatoren ausbilden. Die Hauptforderung der Menschen lautet: Ich will einen gesicherten Arbeitsplatz. Da muss sich die Politik an der Basis sehen lassen. Die DGB-Jugend kann hier eine Schlüsselrolle einnehmen, wenn es darum geht, junge Gewerkschafter und junge Politiker an einen Tisch zu bringen.


Marlen Schröder ist DGB-Bezirksjugendsekretärin in Sachsen.


(aus der Soli aktuell 10/2014, Autorin: Soli aktuell)