Deutscher Gewerkschaftsbund

5 Faktencheck und Argumentationstraining

Von wegen "Mut zur Wahrheit"...

FCK PGDA

© Franz Ferdinand Photography

Immer wieder tauchen unreflektierte "Stammtischparolen" in der Öffentlichkeit, z.B. in ­sozialen Netzwerken, in der Nachbarschaft, im Betrieb, auf dem Schulhof usw. auf. Hier gilt es, diese zu hinterfragen und ihnen etwas entgegenzusetzen. Dazu hier ein paar Beispiele:

"Die meisten Ausländer sind kriminell!"

Es gibt keine wissenschaftliche Theorie, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Herkunft und Kriminalität herstellt. Aber von rechter Seite gibt es immer wieder Versuche, dies zu tun. Dabei werden aber unterschiedliche Sachverhalte miteinander vermischt: Bei Asylsuchenden werden dann auch Delikte im Zusammenhang mit dem Aufenthaltsrecht und der Asylgesetze erfasst. Das sind Straftaten, die deutsche Staatsbürger_innen gar nicht begehen können.

Für einen Asylsuchenden gilt z. B. die Residenzpflicht. Das bedeutet sie haben eine räumliche Beschränkung ihres Aufenthaltes. Verlassen sie den zugewiesenen Raum – meistens eine Stadt oder einen Landkreis – ist dies schon ein Verstoß. Kriminalstatistiken erfassen außerdem in der Regel vor allem Tatverdächtige.

Tauchen diese vermehrt auf, heißt das erst mal nur, dass diese öfter kontrolliert werden. Es gibt aber definitiv einen Zusammenhang zwischen Geflüchteten-Unterkünften und Kriminalität.

Im Jahr 2015 gab es fast 1.000 Anschläge auf Einrichtungen für Geflüchtete und auf Migrant_innen. Und zwar von und Rassist_innen bzw. "besorgten Bürger_innen" aus Deutschland.

"Es gibt bald keine deutsche Kultur mehr, ­deutsche Werte spielen keine Rolle mehr!"

Was ist denn deutsche Kultur? Hast du die gleichen kulturellen Vorlieben und Werte wie deine Eltern? Hörst du die gleiche Musik wie deine Oma und findet sie die gleichen Dinge richtig wie alle anderen? Kultur unterliegt einem ständigen Prozess des Wandels und des Austauschs mit anderen. Migration hat bei diesen Wandlungsprozessen schon immer eine wichtige Rolle gespielt und Ansichten und Werte beeinflusst. Und es ist auch gut, dass sich Kultur also schon immer verändert hat und dies auch immer tun wird, sonst wäre es ziemlich langweilig.

"Auch Nazis haben das Recht zu demonstrieren. Hier herrscht ja Meinungsfreiheit."

Nazis nutzen die Freiräume, die ihnen die Demokratie bietet, aber eigentlich wollen sie die Demokratie abschaffen. Eine ihre beliebtesten Behauptungen ist es, dass die Demokratie den "Volkstod" bringen würde. Gleichzeitig fordern sie das demokratische Recht auf Demonstrationsfreiheit ein. Irgendwie komisch, oder?

Schon die NSDAP hatte die Strategie, die Demokratie zu nutzen, um sie abzuschaffen. Nazis und Rechtspopulist_innen wollen Ihre menschenverachtende Propaganda verbreiten und – sobald sie stark genug dafür sind – Meinungsfreiheit und Menschenrechte abschaffen. Willst du das auch? Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

"Ich bin kein Rassist, ich meine das nicht ­rassistisch oder flüchtlingsfeindlich, aber…"

Das ist eine lustige These. Man will etwas Rassistisches sagen, es aber nicht so verstanden haben. Aber die Frage ist ja nicht, wie man eine Aussage meint, sondern was man sagt! Wenn du ganzen Gruppen von Menschen, die untereinander vielleicht nichts miteinander zu tun haben, vorwirfst, sie seien barbarisch, unterentwickelt, sexistisch, demokratiefeindlich und irgendwie nicht kompatibel zu "uns", dann machst du eine absolute Aussage über eine bestimmte Gruppe von Menschen.

Dabei generalisierst du nicht nur "die", sondern auch "uns". "Wir" sind dann nämlich alle das genaue Gegenteil davon. Und daran sieht man schon, dass das nicht passt. Es ist schwierig, aber es hilft nichts: In keinem Land oder Religion sind alle Menschen gleich. Es gibt überall coole Menschen und aber auch leider überall Idioten. Und die Idioten muss man halt kritisieren, egal ob sie nun Asylsuchende sind oder deutsche Staatsbürger_innen.

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