Deutscher Gewerkschaftsbund

3. Auschwitz II Birkenau

Im Konzentrationslager Auschwitz II (Birkenau) befanden sich zwei verschiedene Arten von Unterkünften, nämlich zum einen gemauerte und zum anderen hölzerne Baracken.  Diese unterschieden sich vor allem darin, dass die gemauerten Unterkünfte in Eile und sehr ungenau aufgebaut worden waren und somit auf jegliche Isolierung verzichtet worden war. Zwar wiesen diese Baracken, die übrigens später das Frauenlager wurden, Fenster auf (17 Stück), doch ließen sich diese Fenster nicht einmal öffnen. Ebenso gab es in den gemauerten Unterkünften jene hölzernen dreistöckigen Pritschen. „[…]insgesamt 180 Liegeplätze mit je 4 qm, auf denen laut Anordnung der SS-Führung je vier Häftlinge schlafen sollten. Bei einer Dichte von über 700 Personen in einer Baracke entfielen auf jeden nur etwa 1,7 m3 Luft.“  Zusätzlich sei noch erwähnt, dass es gegen die harten Witterungsbedingungen keine Heizungen oder Öfen gab. Ebenfalls gab es bis 1944 keine Sanitäranlagen sowie Beleuchtung.

Als weiterer Unterkunftstyp in Birkenau gab es die sogenannten „Pferdestallbaracken OKH-Typ 260/9“. Es waren Baracken, die per Baukastenprinzip nach Birkenau geliefert und schließlich aufgestellt wurden. Hier gab es keine Fenster, sondern lediglich Dachluken. Normalerweise hätten hier in 18 Boxen 52 Pferde Platz gefunden. Doch die SS-Führung hatte die Unterbringung von insgesamt etwa 400 Personen pro Baracke angeordnet. Das bedeutet, dass bei „voller“ Belegung ein Häftling ca. 3m3 Luft zur Verfügung hatte.

Doch bedenke, dass diese Zahlen lediglich als Richtwerte genommen werden sollen, da die Zahlen der Häftlinge je nach neuen Transporten stark variierte und sogar bis zu 1000 Personen pro Baracke betragen konnte. [1]  

Von der "Rampe" ins Lager

Aus fast ganz Europa wurden die Häftlinge ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt. Der lange und beschwerliche Weg erfolgte in überfüllten geschlossenen Viehwagen der Deutschen Reichsbahn. Während der tagelangen Fahrt mussten die Häftlinge ohne Nahrung, Wasser, frische Luft oder sanitäre Einrichtungen auskommen. Die Transporte beispielsweise aus dem besetzten Frankreich dauerten bis zu 6 Tage und einige Transporte erfolgten auch bei Minusgraden in offenen Kohlewagen.[2]

Das erklärt auch den erbärmlichen Zustand vieler Häftlinge, in dem sie sich befanden, als sie an jener beschriebenen Eisenbahnrampe ausstiegen und sofort selektiert wurden. Beispielsweise erklärte der Lagerarzt Dr. Bruno Kitt am 8. Juli 1943 von 1500 ins Lager transportierten Häftlingen, alle, für arbeitsunfähig und besiegelte damit ihr Todesurteil.[3] 

Wenn man als Häftling im Lager an „der Rampe“ angekommen war, musste man zunächst all seine Besitztümer abgeben. Lediglich ein Taschentuch durfte man bei sich behalten. Danach folgte in großer Eile die oftmals sehr grob ausgeführte Rasur sämtlicher Haare vom Körper der Häftlinge und anschließend wurden sie in die Badanstalt getrieben und unter menschenunwürdigen Bedingungen entweder mit zu heißem oder zu kaltem Wasser abgespritzt.

Vor allem Frauen und Mädchen hatten hier unter der Schikane der SS-Männer zu leiden. Nun erfolgte die Ausgabe von Lagerkleidung, welche selten vollständig  und häufig nicht passte oder verlaust war. Als Schuhe dienten den Häftlingen Holzpantinen. Insgesamt war die Häftlingskleidung für jene klimatischen Verhältnisse viel zu dünn und Krankheiten  verbreiteten sich sehr schnell. Doch die Aufnahme der Häftlinge wurde in Auschwitz, anders, als in keinem anderen Konzentrationslager mit der Tätowierung einer Registrierungsnummer abgeschlossen. Zunächst wurde dafür ein persönlicher Fragebogen ausgefüllt und schließlich die Registrierungsnummer, die anstatt des Namens verwendet wurde, in den linken Unterarm tätowiert. Nur in Auschwitz wurden den Häftlingen die Nummern eintätowiert, da man einerseits Verwechslungen vermeiden wollte und andererseits wollte man geflohene Häftlinge schneller überführen können.[4] Man nahm ihnen ihre Identität und machte sie zu einer Nummer. Sogar im Lager neugeborenen Babys wurde die Nummer anstatt auf das meist zu schmale Ärmchen, stattdessen auf den Oberschenkel tätowiert.

Für die Neuangekommenen führte der Weg dann in sogenannte Quarantäneblöcke, die dazu dienten den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Sie wurden daher auch noch nicht zur Arbeit herangezogen, sondern durch reine Schikane, wie zum Beispiel stundenlanges Exerzieren an den Alltag im Konzentrationslager gewöhnt. 

Jeder Häftling hatte auf seinem/ihrem gestreiften Lageranzug ein farbiges Dreieck, aus dem die Kategorie des Häftlings hervorging. Dadurch konnte die SS, die Häftlinge sofort kategorisieren. Die jüdischen Häftlinge, als größte Kategorie der Häftlinge, trugen ein weißes Sechseck auf ihren Anzügen. Manche Häftlinge konnten aufgrund guter Führung in privilegiertere Positionen aufsteigen, die ihnen Aufgaben als Handlanger an der Seite von SS-Männern versprachen. Doch in regelmäßigen Abständen wurden jene „Funktionshäftlinge“ von den SS-Männern ermordet, da sie befürchteten, die Häftlinge könnten eine zu großen Einfluss auf die übrigen Häftlinge ausüben. Nur für einige wenige erwies sich ihre Rolle als „Funktionshäftling“ als von Vorteil, weil sie nur so länger als ein Jahr im Konzentrationslager überlebten. [5]



[1] Iwaszko, Tadeusz, Kapitel „Die Häftlinge – 7. Unterbringung und sanitäre Verhältnisse“ aus „Auschwitz – faschistisches Vernichtungslager“

[2] Brünjes, Nico & Buschmann, Christian: Gedenkstättenfahrt Auschwitz faschistisches Vernichtungslager – Reader Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken Bezirk Weser-Ems, S.12

[3] Ebenda, S.12

[5] Brünjes, Nico & Buschmann, Christian: Gedenkstättenfahrt Auschwitz faschistisches Vernichtungslager – Reader Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken Bezirk Weser-Ems, S.12