Deutscher Gewerkschaftsbund

Vereinbarkeit von Schwangerschaft und Ausbildung

Wie kann es mit meiner betrieblichen Ausbildung weitergehen?

Unabhängig davon, ob du in Elternzeit gehen möchtest oder nicht, ist es für deine berufliche Zukunft wichtig, dass du deine Ausbildung abschließt. Die denkbar schlechteste Alternative ist ein Abbruch der Ausbildung! Ohne Berufsausbildung sind deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht sonderlich gut. Die Wahrscheinlichkeit, dass du dann in einem Bereich arbeitest, der dich interessiert, ist gering. Und es gibt inzwischen gute Möglichkeiten, Ausbildung und Elternschaft zu verbinden. Diese reichen von einer zügigen Fortsetzung der Ausbildung über eine Teilzeitausbildung bis hin zu einer zeitlich begrenzten Unterbrechung.

Die Prüfung im Abschlussjahr

Bist du bereits im Abschlussjahr und die Abschlussprüfung ist absehbar, solltest du auf jeden Fall versuchen, deine Ausbildung zügig abzuschließen. Eine Prüfung vor der Geburt ist zwar anstrengend, aber später mit Kind ist es deutlich schwerer. Gibt es eine Möglichkeit, die Prüfung vor der Geburt abzulegen, solltest du diese Chance ergreifen! Fällt die Prüfung genau in den Mutterschutz, kannst du mit deinem Betrieb, der zuständigen Kammer und dem/der Arzt/Ärztin nach Möglichkeiten suchen, um dennoch deinen Abschluss zu machen. Prinzipiell darfst du in dieser Zeit an der Prüfung teilnehmen. Eventuell kommt eine Ausbildungsverkürzung in Frage. In jedem Fall solltest du die/den VorsitzendeN des Prüfungsausschusses vorher über deine besondere Situation informieren. Falls deine Fehlzeiten aufgrund von Krankschreibungen und Mutterschutz die zulässige Anzahl an Fehlstunden überschreiten, um zur Prüfung zugelassen zu werden, solltest du mit deinem/deiner AusbilderIn sprechen. Ihr könnt gemeinsam prüfen, ob nicht doch in deinem Fall eine Ausnahme möglich ist, z. B. aufgrund guter Ergebnisse in der Zwischenprüfung, guter Leistung und ausreichenden Kenntnissen. Bei dem Gespräch können dich bei Bedarf die JAV, der Betriebs- oder Personalrat sowie die Gewerkschaft unterstützen. Traust du dir eine Ausbildungsverkürzung zu?

Wenn du im letzten Ausbildungsjahr bist, der Abschluss aber noch nicht ansteht, kannst du überlegen, deine Ausbildungszeit um ein halbes Jahr zu verkürzen und die Prüfung vorzuziehen. Voraussetzung ist, dass du gute Ergebnisse in der Zwischenprüfung und gute schulische Leistungen vorweisen kannst. Besprich diese Möglichkeit mit deinem/deiner AusbilderIn. Informationen dazu bekommst du bei der für dich zuständigen Kammer. Dort ist auch der Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung zu stellen. Wenn es nicht anders geht, kannst du deine Ausbildung soweit abschließen, dass du nach der Geburt nur noch die Prüfung machen musst. Prüfungen finden alle sechs Monate statt.

Für einen Abschluss nach der Geburt gibt es verschiedene Möglichkeiten. In der Zeit des absoluten Beschäftigungsverbotes nach der Geburt darfst du zwar nicht arbeiten, aber die Prüfung ablegen. Ist dies für dich machbar, dann solltest du dir diese Chance nicht entgehen lassen. Auch in der Elternzeit kannst du deinen Abschluss machen. Die ausbildungsfreie Zeit solltest du nach Möglichkeit zur Vorbereitung auf die Prüfung nutzen. Vielleicht gibt es auch die Gelegenheit, vorher wieder einige Zeit im Betrieb zu arbeiten, z. B. in Teilzeit oder als Aushilfe. Die Möglichkeiten solltest du mit deinem/deiner AusbilderIn sowie der zuständigen Kammer besprechen.

Fortführung der Ausbildung nach dem Mutterschutz

Der früheste Zeitpunkt, an dem du deine Ausbildung wieder aufnehmen kannst, ist acht Wochen nach der Geburt. Dafür brauchst du natürlich eine zuverlässige Kinderbetreuung. Doch häufig ist es mit einem ganz kleinen Kind schwierig, gleich wieder Vollzeit zu arbeiten. Dann ist vielleicht die Fortführung der Ausbildung in Teilzeit (siehe unten) eine gute Alternative. Arbeitest du wieder, muss dein Arbeitgeber dir Stillpausen während der Arbeitszeit gewähren. Das Mutterschutzgesetz legt hierfür zweimal 30 Minuten oder einmal eine Stunde täglich fest. Insofern kommt dies nur dann in Frage, wenn das Kind in unmittelbarer Nähe des Betriebes betreut wird und die Stillpausen spontan bei Bedarf genommen werden können. Es ist sinnvoll, mit dem Betrieb gemeinsam nach einem realistischen Weg zu suchen.

Die Teilzeitausbildung

Für die berufliche Ausbildung gibt es die Möglichkeit der Teilzeitausbildung, wodurch du beides verbinden kannst: Du kannst mehr Zeit mit deinem Kind verbringen und dennoch deine Ausbildung – gegebenenfalls mit verlängerter Ausbildungszeit – beenden. Ob sich deine Ausbildungszeit insgesamt verlängert, hängt davon ab, in welchem Umfang die wöchentliche Ausbildungszeit verkürzt wird. Laut einer Empfehlung des Deutschen Handwerkskammertages kann bei einer Arbeitszeitverkürzung auf 75% die Ausbildung ohne Verlängerung der Gesamtdauer abgeschlossen werden. Am Berufsschulunterreicht und an der überbetrieblichen Ausbildung musst du allerdings auf jeden Fall teilnehmen. Den Antrag auf eine Teilzeitausbildung stellst du gemeinsam mit deinem/deiner AusbilderIn. Wenn du planst, deine Ausbildung innerhalb der Elternzeit in Teilzeit weiterzuführen, lass dich von der für dich zuständigen Kammer beraten.

Auch für die schulische Ausbildung eröffnet eine Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz von 2002 prinzipiell die Möglichkeit der Teilzeitausbildung. Doch ist die Regelung der schulischen Ausbildung Schul- und damit Ländersache. Insofern musst du mit deiner Schule klären, ob eine Teilzeitausbildung bei dir möglich ist.

Eine zuverlässige Kinderbetreuung brauchst du auch hier, doch sind Halbtagsbetreuungen mitunter einfacher zu organisieren.

Ausbildung mit Babypause

Die Elternzeit (betriebliche Ausbildung)

Die Elternzeit bietet Eltern, die mit ihrem Kind zusammen wohnen, die Möglichkeit, für maximal drei Jahre ab der Geburt des Kindes ihre Arbeitszeit zu reduzieren sowie ganz oder phasenweise zu pausieren. Während dieser Zeit gilt ein besonderer Kündigungsschutz. Die Wochenarbeitszeit ist in Arbeitsverhältnissen auf 30 Stunden beschränkt.

Machst du eine betriebliche Ausbildung, kannst du ebenfalls Elternzeit nehmen. Die Beschränkung der Wochenarbeitszeit gilt dabei für dich nicht: Du kannst deine Ausbildung in Voll- oder in Teilzeit fortführen und genießt den Kündigungsschutz. Die Dauer der Elternzeit musst du mit der Anmeldung zur Elternzeit verbindlich festlegen, zumindest für die ersten zwei Lebensjahre deines Kindes. Du (und ebenso dein Partner) musst die Elternzeit nicht in einem Stück nehmen, sie kann auch aus Blöcken von mehreren Wochen bestehen. Wann du deine Elternzeit planst, ist dir freigestellt; der Betrieb muss sich danach richten. Allerdings ist es sinnvoll, mit deinem/deiner AusbilderIn darüber zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, wie du in oder nach der Elternzeit am besten deine Ausbildung fortführen kannst.

Da das dritte Jahr der Elternzeit flexibel genommen werden kann, solltest du dieses nicht gleich mit anmelden, sondern offen lassen, ob du es direkt im Anschluss nehmen wirst. Wenn deine künftige Arbeitsstelle einverstanden ist, kannst du bis zum 8. Lebensjahr deines Kindes das dritte Jahr Elternzeit nehmen. Den Antrag auf Elternzeit musst du spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit bei deinem Arbeitgeber in schriftlicher Form abgeben. Spätere Änderungswünsche hinsichtlich der bereits angemeldeten Elternzeit muss der Arbeitgeber nicht mehr berücksichtigen. Dein Ausbildungsverhältnis verlängert sich automatisch um die Elternzeit; setzt du deine Ausbildung zeitweise aus, ruht dein Ausbildungsvertrag in dieser Zeit (insofern hast du auch keinen Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung oder Erholungsurlaub). Du kannst nach der Elternzeit deine Ausbildung an dem Punkt wieder aufnehmen, an dem du aufgehört hast. Den Kontakt zu deinem Betrieb, deinen Kolleginnen und Kollegen und den anderen Auszubildenden in der Berufsschule solltest du auch während der Elternzeit aufrechterhalten.

So entfernst du dich nicht ganz aus der Ausbildungs- und Arbeitswelt, bleibst informiert und zeigst dein Interesse am Betrieb. Vielleicht kannst du gelegentlich vorbeischauen, bei Feiern dabei sein, im Betrieb aushelfen bzw. in Teilzeit arbeiten (du darfst in der Elternzeit bis zu 30 Wochenstunden arbeiten) oder mit anderen für die Prüfung lernen.

Dein Partner hat auch Anspruch auf Elternzeit, wenn er mit euch zusammen lebt. Sein Anspruch ist von der Dauer deiner Elternzeit unabhängig. Ihr könnt die Elternzeit gleichzeitig oder abwechselnd nehmen. Dies ist eine Chance, euch die Zeit mit dem Kind partnerschaftlich zu teilen. Die Zeit, in der dein Partner das Kind betreut, kannst du vielleicht nutzen, um den Kontakt zum Betrieb zu halten oder deine Ausbildung fortzuführen bzw. zu beenden. Überlegt gemeinsam, welche Bedürfnisse und Vorstellungen ihr habt und wie ihr euch gegenseitig unterstützen und mit der Kinderbetreuung sowie den Hausarbeiten abwechseln könnt. Für deinen Partner gelten die gleichen oben beschriebenen Bedingungen. Steht er in einem Arbeitsverhältnis, hat er nach der Elternzeit zwar keinen Anspruch auf dieselbe Stelle, aber auf einen Arbeitsplatz, der seinem Arbeitsvertrag entspricht. Bei Problemen sollte er rechtzeitig Kontakt mit dem Betriebs- bzw. Personalrat oder der Gewerkschaft aufnehmen.

Die Beurlaubung (schulische Ausbildung)

Bist du in einer schulischen Berufsausbildung z. B. als Erzieherin, in der Altenpflege oder Heilpädagogik trifft für dich die Elternzeitregelung nicht zu. Du hast hingegen die Möglichkeit einer Beurlaubung. Diese musst du mit deiner Schule besprechen und dort beantragen. Der Wiedereinstieg in die Ausbildung ist normalerweise an das Schuljahr gebunden: Wahrscheinlich nimmst du deine Ausbildung nach deinem letzten erfolgreich abgeschlossenen Jahr wieder auf. Besprich deine Situation mit deiner Schule, denn meistens werden individuelle Lösungen vereinbart. Ob es die Möglichkeit der Teilzeitausbildung gibt, ist länder- und schulabhängig. Genauere Informationen findest du in der für dich zutreffenden Ausbildungs- und Prüfungsordnung bzw. in der Schulordnung der Länder; du kannst auch deineN Klassen- oder VertrauenslehrerIn fragen.

Wiedereinstieg in die Ausbildung

Egal zu welchem Zeitpunkt du deine Ausbildung nach der Geburt deines Kindes wieder aufnimmst, du stehst vor einer neuen Herausforderung: Du musst jetzt Ausbildung und Elternschaft vereinbaren. Die Voraussetzung dafür ist eine gute Organisation: Du benötigst eine zuverlässige Kinderbetreuung während der Ausbildungs- und Lernzeiten und musst außerdem ausreichend Zeit für dein Kind und den Haushalt einplanen. Du hast jetzt einfach zwei wichtige Bereiche, die dich besonders in Anspruch nehmen. Bald wirst du feststellen, dass dein Organisationstalent und deine Flexibilität zunehmen. Dies sind Fähigkeiten, die für dein Berufsleben sehr wertvoll sind (so genannte Soft Skills). Suche das Gespräch mit deinen AusbilderInnen, damit diese von Anfang an deine Lebenssituation kennen. Wenn dann Probleme auftreten, z. B. mit der Kinderbetreuung, dem pünktlichen Arbeitsbeginn oder dem Schichtdienst, ist es einfacher, gemeinsam eine Lösung zu suchen. Ist eine Vollzeitausbildung nicht gut zu realisieren, solltest du überprüfen, ob du nicht deine Ausbildung in Teilzeit weiterführen kannst.

Wenn gar nichts mehr geht: Abbruch der Ausbildung?

Der Abbruch der Ausbildung sollte die letzte aller Möglichkeiten sein! Doch in manchen Branchen liegen die Arbeitszeiten so ungünstig, dass sie sich nicht mit der Elternschaft vereinbaren lassen. Ist dies in deinem Ausbildungsberuf der Fall oder kannst du dir absolut nicht vorstellen, diese Ausbildung fortzuführen, kann der Abbruch der Ausbildung unter Umständen angebracht sein. Du solltest allerdings bedenken, dass deine beruflichen Chancen ohne abgeschlossene Ausbildung deutlich schlechter sind. Auch wenn du später nicht in deinem Ausbildungsberuf arbeiten möchtest, kann es zweckmäßig sein, die Ausbildung dennoch abzuschließen. Ein Berufswechsel auf der Grundlage einer abgeschlossenen Ausbildung ist meist einfacher als der Neueinstieg nach abgebrochener Ausbildung und Babypause! Du solltest dich unbedingt vor Abbruch der Ausbildung ausführlich beraten lassen. Auf Dauer wird dich ein Leben ausschließlich als Mutter und Hausfrau vielleicht nicht zufrieden stellen. Ziehst du also einen Ausbildungsabbruch in Erwägung, solltest du die Elternzeit nutzen, um deine berufliche Zukunft zu planen. Du könntest bereits erste Schritte auf dem Weg hin zu einem anderen Beruf unternehmen, z. B. in dem du eine Fortbildung, ein Praktikum oder das Abitur machst oder ein Studium aufnimmst. Eine Ausbildungs- und Berufsberatung kann dir bei der Berufsfindung weiterhelfen. Diese wird von der Agentur für Arbeit angeboten; vielerorts gibt es auch andere Beratungsstellen z. B. von freien Trägern.