Deutscher Gewerkschaftsbund

Sexuelle Belästigung

Sexuelle Belästigung kommt häufiger vor als du vielleicht denkst. Studien bestätigen, dass ca. 20% der Frauen in Deutschland schon einmal in Situationen sexueller Belästigung am Arbeits- Ausbildungsplatz oder in der Schule geraten sind.

Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (§ 3) handelt es sich um eine sexuelle Belästigung, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, körperliche Berührungen, sexuelle Bemerkungen oder auch das unerwünschtes Zeigen von pornographischen Darstellungen die Würde einer anderen Person verletzt. Wichtig ist, dass sich die Frage, ob eine konkrete Handlung „harmlos“ war oder nicht, nur aus der Sicht der betroffenen Person bestimmen lässt und nicht von der Person, „die es gar nicht so gemeint hat“. Ganz konkret, können sich sexuelle Belästigungen ganz unterschiedlich zeigen:

  • Sexuelle Bemerkungen/ anzügliche Witze
  • Kommentare über das Äußere mit sexistischem Hintergrund
  • Zeigen von pornographischen Bildern am Arbeitsplatz
  • Sexuell bestimmte körperliche Berührungen und unnötiger Körperkontakt (Kneifen und Po-Klapsen, Berühren der Brust)
  • Aufforderungen zu sexuellem Handeln/ Verkehr
  • Versprechen von beruflichen Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen
  • Androhen von beruflichen Nachteilen, wie z.B. einer Kündigung wenn sexuelle Handlungen verweigert werden

Wenn du solche Erfahrungen gemacht hast, solltest du sie sehr ernst nehmen, aktiv werden und die Situation nicht aus Angst, Ekel, Peinlichkeit oder Schamgefühl hinnehmen. Denn sexuelle Belästigungen können weitreichende Folgen haben, vom Motivationsverlust in der Ausbildung, über körperliche und seelische Krankheiten (Angst, Depression, Essstörungen, Kopfschmerzen, Alpträume und Schlafstörungen) bis hin zum Abbruch der Ausbildung.

Handlungsmöglichkeiten

  • Zu dir stehen!
    Werde deinen Gefühlen bewusst wann für dich Grenzen überschritten sind. Weil: jede Handlung durch eineN KollegIn/MitarbeiterIn oder durch deineN AusbilderIn in der du dich sexuell bedrängt fühlst ist eine sexuelle Belästigung. Lasse dir nicht einreden, dass du überreagierst oder alles gar nicht so schlimm ist. Auch verbale Belästigung, wie hinterher pfeifen, anzügliche Bemerkungen über die Figur oder sexuelles Verhalten ist eine sexuelle Belästigung.
  • Darüber sprechen!
    Es ist sehr wichtig, dass du mit Personen deines Vertrauens über die Belästigung sprichst und dir Unterstützung holst, das können ArbeitskollegInnen sein, Freunde, Verwandte…
  • Aktive und offensiv reagieren!
    Du solltest auf jeden Fall aktiv und offensiv gegen die Belästigung vorgehen. Oftmals kann durch dieses Verhalten die Belästigung unterbunden werden. Du solltest die belästigende Person zur Rede stellen und das in aller Öffentlichkeit im Büro und ihr androhen dich zu beschweren. Setze dich auch körperlich zur Wehr um beispielsweise unangenehmes Berühren zu verhindern und drohe auch rechtliche Folgen an. Denn: du hast die Möglichkeit den/die TäterIn zu verklagen. Wenn diese Reaktion nicht hilft, dann solltest du dich auf jeden Fall bei deinem/deiner AusbilderIn beschweren. Falls die Belästigung von deinem Chef ausgeht, dann wende dich unbedingt an deine zuständige Gewerkschaft und an die zuständige Kammer (IHK/HWK). Wenn deinE AusbilderIn dich
  • Tagebuch führen, Beweise sammeln!
    Oftmals ist es schwierig die Belästigung zu beweisen! Daher ist es ganz wichtig schriftlich festzuhalten, was sich wann, wo und mit welcher Person abgespielt hat und welche Personen noch mit anwesend waren. Dieses Dokument kann später für dich ein wichtiges Beweismaterial sein.
  • Hilfe holen!
    Du kannst dich auch immer an die Mädchenbeauftragte deiner Schule wenden, oder an den Frauen-Notruf vor Ort. Zudem gibt es in größeren Betrieben oftmals eine Frauenbeauftragte und einen Betriebsrat die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auch deine zuständige Gewerkschaft kann dir weiterhelfen.

Quellen zu Beratungsstellen

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