Deutscher Gewerkschaftsbund

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Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

Hallo,
ich möchte meinen jetzigen ausbildungsbetrieb mit einer ordentlichen kündigung kündigen und dann in einem anderen betrieb die gleiche ausbildung fortsetzen , geht das?

ein aufhebungsvertrag ist nicht möglich so wie ich die lage einschätze wird der chef es mir nicht gönnen in einen anderen betrieb zu wechseln ( meine berufschul noten sind top) ...

mfg

Thomas: 25.02.2014 |
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  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Thomas,

    vielen Dank für deine Anfrage, es ist gut, dass du dich an dieses Forum gewandt hast. Ganz so leicht, wie du dir das vorstellst ist es nämlich leider nicht. Jeder hat ein Grundrecht auf freie Berufswahl - das steht in der deutschen Verfassung. Deshalb hast du immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen, wenn du die Berufsausbildung aufgeben und/oder den Ausbildungsberuf wechseln willst (§22 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, wenn zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe oder zum Berufswechsel vorliegt. Das bedeutet aber nicht, dass du die Ausbildung in diesem Beruf nie wieder fortsetzen kannst. Du kannst deine Meinung auch wieder ändern, dich erneut bewerben und die Berufsausbildung in demselben oder in einem anderen Betrieb fortsetzen. Zum Zeitpunkt der Kündigung muss aber der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe vorliegen und du solltest diese Kündigung nicht verwenden, wenn du nur den Ausbildungsplatz wechseln willst. Wenn du ordentlich kündigst aber nur den Ausbildungsplatz wechseln willst und dein ehemaliger Betrieb dahinter kommt, kann er dich unter Umständen auch Schadensersatz verklagen. Zudem kann es zu Problemen mit der zuständigen Kammer beim Eintragen deines neuen Ausbildungsverhältnisses kommen.
    Wie bei der Aufnahme des Ausbildungsvertrages brauchst du auch für die Kündigung und die Aufhebung das Einverständnis deiner Erziehungsberechtigten. Da du nur beschränkt geschäftsfähig (BGB § 106) bist, kannst du nicht ohne die Zustimmung deiner gesetzlichen Vertreter kündigen. Die Eltern können eine Kündigung oder Aufhebung des Vertrages verhindern.

    Dein Ausbilder kann das schriftliche Einverständnis deiner Erziehungsberechtigten einfordern. Sind sie dagegen, würde die Kündigung oder Aufhebung unwirksam werden.

    Aber auch wenn dein Ausbilder davon ausgeht, dass du kündigen darfst, müssen deine Eltern die Kündigung genehmigen. Das bedeutet, sie können – auch im Nachhinein –dass deine Kündigung „nicht genehmigt“ ist, wenn sie zum Beispiel merken, dass du nicht mehr zur Ausbildung gehst. Haben sie jedoch einmal klar zugestimmt, dann hast du das Recht auf deiner Seite.

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten so vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen viel besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, www.lehrstellenmarkt.de.md oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis.
    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.
    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:
    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z.B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z.B. sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z.B. ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.


    Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Metall
    Königstr. 2
    87435 Kempten

    Tel.: 0831/52264-0
    Fax: 0831/52264-50

    E-Mail: kempten@igmetall.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem Jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit...

    Ich hoffe dir helfen diese Informationen weiter und wünsche dir alles Gute!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße,


    Dr. Azubi

    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 26.02.2014


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    kommentar test

    rzwodzwo: 03.03.2014


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Sehr geehrter/r Damen und Herren,

    Ich hab am 1 September meine Ausbildung nun begonnen als Fahrzeuglackierer bei einem Fahrzeughersteller.

    Nun ist folgendes: heute habe ich mitbekommen dass man über uns bzw ich und noch ein neuer Azubi folgenden beschwerte gab´s, und zwar dass wir immer stehen und nichts machen...

    aber keiner hat uns noch angesprochen
    bestimmt die tage wird sich was ergeben,

    das hat mich natürlich betroffen und aufgeregt
    da ich immer Schwitze und müde nachhause gehe!

    das ist Absolut Absurd da ich immer alles mache was anderen nie machen würden,
    Kehre am Schluss die Halle,und putze der Arbeitsplatz von jeder, in kurze Fassung wenn ich nachhause gehe bin ich genauso müde wie die anderen.. nun wird es nicht BEURTEILT...

    bin immer Pünktlich und will arbeiten um mich weiter zu bilden
    aber bei solchen Verhältnissen kommt man einfach nicht weiter.. man verliert Mut und Motivation,Psychische Belastungen sollten nicht vorhanden sein während der Ausbildung.

    wenn ich frage habe, gehe ich natürlich zu meine Ausbilderin weil Sie zuständig ist,aber Sie hilft uns auch nicht wirklich... was Sie sagt ist: schau was die anderen machen und frag ob Sie Hilfen brauchen! natürlich sagen alle nein weil es nichts zu tun gibt. fegen kann ich nicht da die halle voller auto ist...
    ich habe gewisse Erfahrungen gesammelt bis vor meine Ausbildung und ganz ehrlich das ist dass aller letzte was ich grade erlebe als Azubi

    dass ist unfassbar ich will gerne Betrieb wechseln so schnell wie möglich da ich ein Kind und Frau habe muss es echt schnell gehen

    danke im voraus für eure Hilfe

    freundlichen Grüßen
    Brignola

    Brignola: 09.09.2014


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Brignola,

    vielen Dank für deine Anfrage und pardon für die leicht verspätete Rückmeldung! Deine Frustration über die Situation in deinem Ausbildungsbetrieb ist sehr gut nachvollziehbar. Es lässt sich auf jeden Fall feststellen, dass du ambitioniert bist und deine Ausbildung vernünftig lernen möchtest! Es ist so, für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: www.bibb.de/​de/​26171.htm). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Außerdem kann Ausbildung nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind.
    Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld werden!

    Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest und mache ihn darauf aufmerksam, dass du seine Hilfe und sein Wissen brauchst, um deinen Beruf zu erlernen. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen.
    Mit dem nächsten Schritt würde ich an deiner Stelle noch etwas warten. Gib dir auf jeden Fall die Gelegenheit, dass sich die Situation noch bessert, denn all zu lange bist du ja auch noch nicht da! Wenn du jetzt zu sehr auf Konfrontation gehst, könnte es passieren, dass dein Ausbilder von seinem Recht der unbegründeten Kündigung in der Probezeit Gebrauch macht. Schalte (falls vorhanden) ruhig den Betriebsrat ein.

    2. Falls sich nach dem Gespräch in den nächsten 4 Wochen nichts ändert, kannst du den Ausbilder oder Betriebsinhaber noch einmal schriftlich an seine Pflichten erinnern. Hebe dir eine Kopie des Schreibens auf! Hier ist ein Musterbrief:

    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Hinweis auf § 14 BBiG

    Sehr geehrte/r Frau/Herr ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden).
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten. Außerdem muss laut § 14 Berufsbildungsgesetz ein geeigneter Ausbilder die Ausbildungsinhalte vermitteln.
    - Ich bin allerdings sehr häufig alleine im Betrieb (Beispiele)
    - Es steht für mich allerdings kein Ausbilder bereit und es ist auch niemand ausdrücklich mit meiner Ausbildung beauftragt worden.

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir einen Ausbilder zur Verfügung zu stellen, mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Unterschrift Azubi ____________

    Du kannst diesen Brief natürlich deiner Situation entsprechend detaillierter anpassen. Wesentlich ist, dass dein Ausbildungsbetrieb seiner Pflicht dich auszubilden nachkommen muss! Das heißt, die muss einer zur Seite stehen, der dir Sachen beibringt, die für den Beruf entscheidend sind!

    3. Wenn auch das nicht bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:


    IG Metall Verwaltungsstelle
    Gustav-Werner-Str. 25
    72762 Reutlingen

    Tel.: 07121/9282-0
    Fax: 07121/9282-30

    E-Mail: reutlingen-tuebingen@igmetall.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Ich kann verstehen, dass du so schnell wie möglich den Betrieb wechseln möchtest, aber ich würde dir raten nicht überstürzt zu handeln. Wenn du glaubst, dass sich die Situation nicht bessern wird, dann werde schon jetzt aktiv und suche dir einen neuen Platz! Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. So lange du in der Probezeit bist, kannst du jeder Zeit ohne Angabe von Gründen kündigen, aber es ist gut, wenn du das erst tust, wenn du was Neues in der Tasche hast.

    Außerdem könntest du dich an eine_n Ausbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.09.2014


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Guten tag..
    ich hab bereit hier mal über die Verhältnissen zwischen mir und Betrieb beschrieben !
    nun war ich vorletzte Woche 3 tage krank geschrieben
    Krankmeldung habe ich rechtzeitig gebracht..

    nun wurde ich gekündigt ohne Grund
    ich weiss auch dass ich gekündigt werden kann ohne dass irgendwelches Motiv vorliegt.

    diese Woche am Dienstag kam meine Ausbilderin und musste im Büro gehen und über die Situation Sprechen warum ich Krank war...
    mir ist klar dass ich in der Probezeit war, aber es ging echt nicht mehr anders, da ich nicht richtig geatmet habe...

    am 1 September kam der Betriebsarzt und musste mich (uns) Kontrollieren... Bericht liegt vor! KEINE GESUNDHEITLICHEN BEDENKEN...

    als ich bei meine Hausarzt war, war mein Hals entzündet und muss ich demnächst eine Echokardiografie führen...

    der Betriebsleiter sagte meine Art wäre zu Cool in der Betrieb ( OBWOHL ER MICH NIE SIEHT WIE ICH ARBEITE, UND DAS ENTSPRICHT ÜBERHAUPT NICHT MEINE ART).

    Kündigung liegt jetzt bei mir und muss ich morgen beim Arbeitsamt gehen und abgeben..

    es ist echt eine Frechheit Leuten wo arbeiten möchten
    um sich weiterzubilden zu Kündigen...

    hab ab nächste Woche wenn alles klappt eine Stelle bei DHL als Fahrer..

    was ich sagen will Ausbildung hin oder her man wird behandelt wie Sklaven PASSIV & AKTIV

    vielen dank für eure Unterstützung

    freundlichen Grüßen
    Brignola

    Tamara : 28.09.2014


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo,

    Da ich schonmal Hilfe bekommen habe hier, hoffe ich dass ihr mir weiterhelfen könnt. Ich bin unzufrieden mit meinem Betrieb. Ich war jetzt eine Woche krank und bekam gerade von einem Azubi Kollegen gesagt dass meine Kollegen hinter meinen Rücken reden. Dinge wie: Den brauchen wir ohnehin nicht oder der simuliert nur. Ich komme auch auf Arbeit nicht voran. Ich arbeite 45,5 Stunden die Woche weil ich angeblich Schulzeit nachholen muss. Ich bleibe meist von allen Azubis am längsten. Irgendwie hat sich mein Arbeitgeber über mein Privatleben informiert und zieht mich damit ebenfalls auf. Ich kann einfach nicht mehr. Dank dem Arbeitsstress bin ich krank geworden und komme dadurch auf Arbeit ebenfalls nur mühsam voran. Ich mache auch Ausbildungsfremde Tätigkeiten wie Geschirrspüler aus und einräumen oder Kaffeeautomaten säubern (damit meine ich die großen Automaten) Ich bekomme meist nur gesagt wenn ich etwas für meine Ausbildung machen will ich solle das Lager besser kennenlernen. Versucht darüber zu reden habe ich schon. Ich will jetzt woandershin wechseln aber wie stelle ich das am besten an?

    Patrick : 23.10.2014


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Patrick,

    vielen Dank für deine Anfrage. Ich kann verstehen, dass du dich dort unwohl fühlst.
    Wenn du glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb nicht verbessern wird, überlege dir, ob nicht vielleicht ein Ausbildungsplatzwechsel die richtige Lösung für dich wäre. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist wirklich kein Beinbruch, aber du solltest jetzt nichts überstürzen, sondern in Ruhe nach etwas neuem suchen. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:


    1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
 Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
    
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.
    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Hier ist ein Kontakt für dich:



    ver.di - Geschäftsstelle Potsdam
    Konrad-Wolf-Allee 1-3
    14480 Potsdam

    Tel.: 0331/275740
    Fax: 0331/2757411
    E-Mail: bezirk.potsdam@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Viel Kraft und alles Gute. Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 24.10.2014


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Schön Guten Tag,

    Ich weiss nicht was ich machen soll ich bin zwar fast 4 Monate in meinen Betrieb wovon war ich 3 Monate Brufsunfähig wegen ein Wadenbeinbruch hervorgerufen durch eine Wartungsnötige Lang-armeise, nach diesen bruch ist sinf bis heute immer noch alle 3 Lang-Armeisen wartungsnötig. Auch meine Altäglichen arbeiten sind nur Halle fegen,Mülltonne raus bringen und das Be-und Entladen von Tiefkühl-Transportern ( obwohl ich einen Gabelstaplerführerschein besitze) und ab und zu Botengänge erledigen bzw. Sachen für das lager holen. Genauso wie mein Urlaub da traue ich mich gar nicht danach zu fragen da ich solange krank war aber es stehen mir halt noch 8 tage Urlaubstag zu, die wenn ich darauf bestehen würde zu nehmen mir entweder verwehrt werden oder es zu einer Kündigung kommt.

    Ich würde halt gerne meinen Ausbildungsbetrieb wechseln aber ich weis auch nicht ob es nachteile für mich haben wird da ich noch BAB und Kindergeld zusätzlich zu meinen Lohn bekomme. desweiteren muss ich dazu sagen das ich mit meiner Lebensgefährtin zusammen in einer eigenden Wohnung wohne.

    Mfg
    Alexander

    Alexander: 16.12.2014


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Alexander,

    vielen Dank für deine Anfrage. Deine Ausbildung beginnt mit der Probezeit. Die Probezeit muss mindestens einen Monat, darf jedoch höchstens vier Monate dauern (§20 Berufsbildungsgesetz). Viele Standardausbildungsverträge enthalten zudem die Regelung, dass sich die Probezeit automatisch verlängert, wenn mehr als 1/3 der Probezeit ausfällt (zum Beispiel wegen Krankheit des Azubis) und das ist legal. Als erstes solltest du also herausfinden, wie lange deine Probezeit ist, dafür wirfst du einen Blick in deinen Ausbildungsvertrag. Während der Probezeit können beide Vertragsparteien von heute auf morgen und ohne Begründung das Ausbildungsverhältnis kündigen. Die Kündigung muss aber trotzdem schriftlich sein (§22 Berufsbildungsgesetz). Eine Klage gegen die Kündigung ist sinnlos, da es ja keinen Grund braucht. Einzige Ausnahme: Bei Schwangerschaft, was für dich ja technisch schon auszuschließen ist, oder bei Schwerbehinderung oder bei Mitgliedschaft der JAV, in diesen Fällen gilt ein besonderer Kündigungsschutz für dich, und du bist auch in der Probezeit geschützt. Wenn du den Ausbildungsbetrieb gerne wechseln möchtest, vereinfacht dir die Probezeit einen Weggang ungemein! Darum solltest du schnell handeln.

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Für den Fall, dass keine Probezeit mehr gilt, kannst du, sobald du was Neues hast -und erst dann!- einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls keine Probezeit mehr gilt und der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di in Potsdam
    Konrad-Wolf-Allee 1-3
    14480 Potsdam

    Tel.: 0331/275740
    Fax: 0331/2757411

    E-Mail: bezirk.potsdam@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    BAB ist an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft, so wird in der Regel nur die erste Ausbildung gefördert. Da du deine noch nicht abgeschlossen hast, sondern lediglich wo anders fortsetzen möchtest, ist dieses Kriterium ja noch erfüllt. Außerdem werden nur staatlich anerkannte Ausbildungen gefördert (betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildungen), sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen. Am besten wendest du dich an die zuständige bearbeitende Fachkraft und lässt dich informieren. Auch bei einem Betriebswechsel verwirkst du deinen ein Mal zugesprochenen Anspruch auf BAB nicht. Darüber musst du dir also keine Sorgen machen.

    Deiner Beschreibung zu Folge beschäftigt dich dein Ausbilder hauptsächlich mit ausbildungsfremden Tätigkeiten. Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Insofern ist dein Wunsch auf einen Betriebswechsel sehr nachvollziehbar und lässt sich auf dieser Grundlage rechtfertigen!

    Wir wünschen dir alles Gute!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 17.12.2014


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo,

    ich befinde mich seit August 2014 in der Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation. Leider bin ich sehr unzufrieden in meinem bisherigen Betrieb. Ich bin der Meinung das ich in meiner Ausbildung nicht das Wissen und Können erlangen werde was ich für mein späteres Berufsleben brauche. In unserem Betrieb gibt es niemanden der einen Beruf aus dem Bereich Marketing erlernt hat und nur einen Ausbilder für den Kaufmännischen Beruf an sich. Ich verrichte seit Beginn der Ausbildung stetig die gleiche Arbeit, die nur entfernt etwas mit der eigentlichen Tätigkeit einer Kauffrau für Marketingkommunikation zutun hat.
    Ich habe nun beschlossen mich bei anderen Betrieben zu bewerben um den Ausbildungsplatz zu wechseln. Meine Frage ist was kann ich tun wenn mein bisheriger Arbeitgeber einem Aufhebungsvertrag nicht zustimmen möchte? So wie ich Ihn einschätze wird dies nämlich nicht so einfach. Und wie sollte die Bewerbung aussehen? Ist es sinnvoll in das Anschreiben die genauen Gründe für einen Wechsel zu erläutern oder sollte man das besser in einem persönlichen Gespräch klären?

    Vielen Dank im voraus.

    Freundliche Grüße,

    Carina

    Carina: 13.01.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Carina,

    vielen Dank für deine Anfrage, es ist gut, dass du dich für eine anständige Ausbildung so einsetzt! Deine Bedenken sind jedoch berechtigt, wenn der Betrieb sich nicht auf einen Aufhebungsvertrag einlässt, dann kannst du nur außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt. Ausbildungsmängel können ein wichtiger Grund sein, aber du musst deinem Ausbilder zunächst die Chance geben sein Verhalten zu verbessern. Ums so mehr du am Ende schriftlich hast, um so besser für dich, sollte es zum Eklat kommen. Darum empfehlen wir folgende Vorgehensweise:

    Für jeden Beruf gibt ja es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten (Routinearbeiten) Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet. Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich die Situation zunächst bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

    2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf.

    Sehr geehrter Herr/Frau ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden)
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Unterschrift Azubi ____________

    3. Außerdem könntest du dich an eine_n Ausbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    4. Wenn sich dann nichts ändert/verbessert, dann hast du eine gute Grundlage für eine außerordentliche und fristlose Kündigung („wichtiger Grund“ gemäß §22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet dann: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B. : Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Überlege dir die Kündigung gut. Kündige nicht in einer Situation, in der du unter Druck gesetzt wirst!

    Achtung: Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein Ausbilder kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon einen Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist?

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:


    ver.di - Geschäftsstelle in Düsseldorf
    Sonnenstr. 14
    40227 Düsseldorf

    Tel.: 0211/15970-0
    Fax: 0211/15970-150

    E-Mail: bz.duess@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
 Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.
    Sobald du etwas Neues hast, kannst du versuchen einen Aufhebungsvertag zu vereinbaren. Jetzt wird es auch nicht mehr all zu überraschend kommen und vielleicht erklärt dein Ausbilder sich so bereit diesen zu akzeptieren.
    Bewerbungsberatung ist leider nicht unser Schwerpunkt und was deine konkrete Frage angeht in punkto Grundangabe, würde ich persönlich sagen, hebe dir diese für das Bewerbungsgespräch auf. Im Internet findest du sicherlich Tipps von Leuten, die sich mit Bewerbungsfragen gut auskennen.

    Wir wünschen dir alles Gute und viel Erfolg.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 15.01.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    sehr geehrtedamen und herren,

    ich wollte gerne den betrieb wechseln da ich meistens abends alleine in der filiale stehe und sich dauernd nur beschwert wird das ich schlecht arbeite oder die brotsorten nicht kann ich arbeite meist zwischen 10 und 12 std am tag (mit einer halben std bis zu einer std pause) und werde blöde angemacht von der filialleitung sowie der bezirksleitung wenn ich vllt 1 mal im jahr krankwerde ich halte das nicht mehr lange dort aus ich habe jetzt mittlerweile in 3 monaten knapp 40 überstunden....... ich kann langsam nicht mehr und ich finde es sind zustände die nicht zumutbar für einen auszubildenden sind da ich auch einspringen muss wenn einer meiner kolegen krank ist egal ob ich frei habe oder nicht ich hab meist nur ein tag frei wenn überhaupt oder arbeite mal 9 tage durch..... ich würde mich über eine schnelle antwort von ihnen freuen

    mfg

    Azubine: 03.05.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Liebe Azubine,

    ich habe deinen Nachnamen gelöscht, da wir großen Wert auf Anonymität legen!

    Es tut mir leid zu hören, dass du so gut wie keine Ausbildung bekommst und so viele Überstunden machen musst.

    Ich werde zuerst auf die Sache mit dem Alleine Arbeiten und den Überstunden eingehen und dir dann Tipps an die Hand geben für einen Ausbildungsplatzwechsel.

    Zum Alleine Arbeiten:
    Ausbildung kann nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder ein Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er oder sie muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind. Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich mit deinem Ausbilder und mache ihn darauf aufmerksam, dass du seine Hilfe und sein Wissen brauchst, um deinen Beruf zu erlernen. Falls möglich schalte den Betriebsrat ein.

    2. Falls sich nach dem Gespräch nichts ändert, solltest du den Ausbilder oder Betriebsinhaber noch einmal schriftlich an seine Pflichten erinnern. Hebe dir eine Kopie des Schreibens auf! Hier ist ein Musterbrief:

    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Hinweis auf § 14 BBiG

    Sehr geehrte/r Frau/Herr ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz muss ein geeigneter Ausbilder die Ausbildungsinhalte vermitteln.
    - Ich bin allerdings sehr häufig alleine im Betrieb (Beispiele)
    - Es steht für mich allerdings kein Ausbilder bereit und es ist auch niemand ausdrücklich mit meiner Ausbildung beauftragt worden.
    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir einen Ausbilder zur Verfügung zu stellen, mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Unterschrift Azubi ____________

    3. Wenn auch das nicht bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:


    Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten
    Landesbezirk Nord

    Haubachstr. 74
    22765 Hamburg
    Tel.: 040 / 38 01 31 20 - 23

    lbz.nord@ngg.net
    lbz.jugend-nord@ngg.net

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Außerdem könntest du dich an eine_n Ausbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    Dr. Azubi: 04.05.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Auch für Azubis über 18 Jahre gibt es Beschränkungen bei der Arbeitszeit. Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§11 Arbeitszeitgesetz).

    Du darfst also nach dem Arbeitszeitgesetz an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten. Trotzdem gilt für fast alle volljährigen Azubis ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, weil sie in Tarifverträgen festgelegt ist. Und auch die Arbeitszeit ist oft in Tarifverträgen deutlich niedriger festgelegt. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt.

    Auch bei Azubis über 18 Jahren muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Arbeitspausen sind einerseits aus biologischen Gründen notwendig, andererseits dienen sie dazu, Überlastung und Unfallrisiken zu vermeiden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein und bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§4 Arbeitszeitgesetz).
    Falls dein Betrieb sich nicht an das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Anrechnung der Berufsschulzeiten bei Volljährigen

    Auch Volljährige sind nach dem Gesetz für den Berufsschulunterricht freizustellen, die Teilnahme am Unterricht geht der betrieblichen Ausbildung vor (§15 Berufsbildungsgesetz). Das gilt auch dann, wenn du nicht mehr schulpflichtig bist. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in seinem Urteil vom 26. März 2001 (Az: 5 AZR 413/99) festgelegt, wie die Berufsschulzeiten auf die Arbeitszeit angerechnet werden müssen: Die Freistellung umfasst demnach nicht nur die reine Unterrichtszeit, sondern auch die Zeiten des notwendigen Verbleibs in der Berufsschule, zum Beispiel unterrichtsfreie Zeiten, Pausen und die Wegzeiten zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.

    Die Berufsschulzeit ist also auf die vertragliche Arbeitszeit anzurechnen, allerdings gibt es einen Haken: Eine Freistellung ist nur dann möglich, wenn sich Unterrichtszeit und Ausbildungszeit überschneiden. Findet die Berufsschule also zu Tageszeiten statt, an denen nicht regelmäßige Ausbildung statt findet, erfolgt keine Freistellung und keine Anrechnung. Es kann also passieren, dass Auszubildende in bestimmten Fällen weit über die vertraglich geregelte Arbeitszeit hinaus Zeit in Berufsschule und Betrieb verbringen, die absolute Höchstgrenze liegt dabei bei der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstarbeitszeit von 48 Stunden.

    Oft verlangen Ausbilder von volljährigen Azubis, dass sie nach der Berufsschule noch in den Betrieb kommen sollen. Hier gilt: Von der täglichen Arbeitszeit wird die gesamt Zeit in der Berufsschule abgezogen, falls die Berufsschule während der üblichen Arbeitszeit stattfindet. Außerdem wird der Weg von der Berufsschule in den Betrieb auf die Arbeitszeit angerechnet. Ist die Zeit, die der Azubi nach der Berufsschule noch im Ausbildungsbetrieb verbringen kann zu kurz, um dem Ausbildungszweck zu dienen – nämlich weniger als 30 Minuten, kann der Ausbilder die Rückkehr des Azubis nicht verlangen.

    Ein Beispiel:
    Ein volljähriger Azubi hat eine vertraglich vereinbarte 40-Stunden-Woche. Die betriebliche Arbeitszeit des Azubis dauert täglich von 9 bis 18 Uhr. Der Berufsschulunterricht findet einmal wöchentlich von 8 bis 13.30 Uhr statt. Für die Fahrt in den Betrieb benötigt der Auszubildende 45 Minuten. In diesem Fall muss er nach dem Berufsschulunterricht von 14.15 bis 18.00 Uhr im Betrieb anwesend sein. Da zwischen 8 Uhr und 9 Uhr keine betriebliche Ausbildung stattfindet, ist eine Freistellung in dieser Zeit nicht möglich. Nimmt man nun die Summe der Berufsschulzeiten und der betrieblichen Ausbildungszeiten, kommt der Auszubildende auf 41 Stunden wöchentliche Arbeitszeit. Diese Mehrarbeit muss er hinnehmen und zwar bis zu einer Höchstgrenze von 48 Stunden.

    Dies führt zu immensen Ungerechtigkeiten: Besonders hart trifft es Auszubildende mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten wie zum Beispiel Bäcker. Es kann aber auch vorkommen, dass Auszubildende in ein und demselben Betrieb unterschiedliche Klassen besuchen und an unterschiedlichen Tagen beschult werden. Sind die betrieblichen Ausbildungszeiten unregelmäßig, kann dies bedeuten, dass einigen Auszubildenden die Berufsschulzeit voll angerechnet wird, anderen nicht. Einige zuständige Stellen haben sich in Richtlinien für die weitere Anrechnung von acht Stunden ausgesprochen. In großen Betrieben wird die Freistellung oftmals in Betriebsvereinbarungen geregelt und es gibt auch Tarifverträge, die eine pauschale Anrechnung festlegen. Trotz des Urteils kommt es immer wieder zu starken Ungerechtigkeiten, die Situation ist für viele Auszubildende und Ausbilder unübersichtlich. Die Gewerkschaften fordern seit langem eine gesetzliche Klarstellung, aber auch im neuen Berufsbildungsgesetz hat sich nichts geändert!

    Falls dein Betrieb sich nicht an das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Ruhezeit

    In manchen Betrieben müssen Azubis Schichtarbeit leisten oder haben flexible Arbeitszeiten. Schichtarbeit kann bedeuten, dass der Azubi nach einer späten Schicht am nächsten Tag eine Frühschicht hat. Bei Schichtarbeit oder flexiblen Arbeitszeiten gilt für Volljährige: Zwischen dem Arbeitsende und dem Arbeitsbeginn müssen auf jeden Fall elf Stunden Freizeit liegen
 (§ 5 ArbZG).

    Überstunden

    Das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!

    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!

    Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Du willst keine Überstunden mehr machen?

    Dann solltest du 1. Nach der Probezeit zunächst um ein Gespräch mit deinem Ausbilder bitten. Nimm, falls möglich, ein Betriebsrat-Mitglied mit. Sage im Gespräch, dass du nicht bereit bist, weiter so viele Überstunden zu leisten, und berufe dich auf die festgelegte Ausbildungszeit.

    2. Eine schriftliche Aufforderung schreiben. Hebe die Kopie des Schreibens auf:
Musterbrief:
Adresse Azubi
Adresse Betrieb

    Ort/Datum
Hinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit

    Sehr geehrte/r Frau/Herr …...........,

    Laut Ausbildungsvertrag beträgt meine tägliche Arbeitszeit …. Stunden.
Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Trotzdem muss ich regelmäßig Überstunden leisten.

    Einige Beispiele:


    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck.
Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend.
Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das ArbZG.

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, sich an die vertraglich festgelegte Arbeitszeit zu halten und Überstunden zukünftig nur noch in betrieblichen Notfällen anzuweisen.

    Mit freundlichen Grüßen,
Unterschrift Azubi …...................

    Dr. Azubi: 04.05.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    3. Falls die Überstunden unbezahlt sind, solltest du sie möglichst bald schriftlich geltend machen. Wenn der Betrieb merkt, dass deine Arbeit nicht gratis ist, überlegt er es sich vielleicht anders. (Tipps dazu siehe unten).

    4. Falls das alles nicht hilft kannst du den Rechtsweg einschlagen. Dazu wende dich an deine Gewerkschaft, der Rechtsschutz den du dort hast, reicht für die arbeitsrechtlichen Streitfälle aus. Kontakt siehe im vorigen Beitrag.

    Mehrarbeits- und Zeitzuschläge

    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz).

    Überstunden auszahlen oder Freizeitausgleich?

    Wenn du dich jetzt fragst, ob sich Überstunden für dich lohnen, rechne dir folgendes aus: Teile deine monatliche Ausbildungsvergütung durch 30 Tage. Teile diesen Betrag dann durch deine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit, zum Beispiel acht Stunden. Schau dir den Betrag genau an, der zwischen einem und vier Euro liegen dürfte: Das verdienst du als Azubi in der Stunde. Jetzt überlege dir, ob du deine Überstunden wirklich ausbezahlt oder nicht lieber doch in Freizeit ausgeglichen haben willst. Auf dein Verlangen hin, ist ein Ausgleich der Überstunden in Freizeit möglich.

    Unbezahlte Überstunden?

    Falls du regelmäßig Überstunden machen musst, die dir nicht ausbezahlt oder in Freizeit ausgeglichen werden, schreibe sie dir genau auf und schreibe auch dazu, was du gemacht hast bzw. wo und mit wem. Am besten kopierst du dir z. B. auch Schichtpläne oder Arbeitszeitnachweise. Du kannst die Überstunden nämlich auch rückwirkend geltend machen, eventuell sogar nach dem Ende deiner Ausbildung. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfahren, wie lange du deine Überstunden rückwirkend fordern kannst, bevor sie dir verfallen.

    Dr. Azubi: 04.05.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Wenn du glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb nicht verbessern wird, überlege dir, ob nicht vielleicht ein Ausbildungsplatzwechsel die richtige Lösung für dich wäre. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist wirklich kein Beinbruch, aber du solltest jetzt nichts überstürzen, sondern in Ruhe nach etwas neuem suchen. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:


    1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
 Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
    
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.
    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Kontakt siehe im ersten Post.

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 04.05.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Meine Tochter wird ab den 01.08.2015 anfangen mit ihren Ausbildung, sie war aber 2 mal die Woche zum einlernen bei ihren Ausbildungsplatz arbeiten für einen Monat
    Ist aber nicht begeistert von der Stelle, möchte am besten einen anderen Ausbildungsplatz suchen.
    Wann darf sie den Ausbildungsplatz ändern?
    Wann darf sie sich bewerben?

    MfG

    Dilek

    Gizem: 28.07.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Liebe Dilek,

    vielen Dank für deine Anfrage! Die Ausbildung beginnt ja mit der Probezeit. Die Probezeit ist für Ausbilder und Azubi von großer Bedeutung. Der Ausbilder ist in dieser Zeit verpflichtet zu prüfen, ob sich der Azubi für den Ausbildungsberuf eignet. Als Azubi kann man in der Probezeit überprüfen, ob man den richtigen Beruf gewählt hat. Dafür ist sie da. Während der Probezeit können beide Vertragsparteien von heute auf morgen und ohne Begründung das Ausbildungsverhältnis kündigen. Die Kündigung muss aber trotzdem schriftlich sein (§22 Berufsbildungsgesetz). Eine Klage gegen die Kündigung ist sinnlos, da es ja keinen Grund braucht.
    Das Ausbildungsverhältnis kann also während der Probezeit ohne Angabe von Gründen und ohne Kündigungsfrist jederzeit gekündigt werden (§22 Berufsbildungsgesetz). Die Kündigung muss, wie gesagt, schriftlich erfolgen. Da es keine Frist einzuhalten gilt, endet das Ausbildungsverhältnis zu dem Zeitpunkt, der in der Kündigung angegeben ist, in der Regel sofort. Unabhängig von der Kündigungsart stehen dem Azubi nach der Kündigung alle Leistungen zu, die er sich bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hat - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.
    Wenn deine Tochter ihre Ausbildung nicht antreten möchte, kann sie also gleich am ersten Tag kündigen. Da die Betriebe das wissen, reicht es in der Regel, wenn sie schon vor Beginn der Ausbildung Bescheid gibt, dass sie die Ausbildung nicht antreten wird. Dann kann ein anderer Azubi den Platz einnehmen. Die Kündigung vor Ausbildungsbeginn ist im Berufsbildungsgesetz nicht gesetzlich geregelt, es ist aber in der Rechtsprechung anerkannt, dass man auch vor Ausbildungsbeginn kündigen kann. Dies solltet ihr auf jeden Fall schriftlich machen.

    Und so sieht eine Kündigung in der Probezeit aus:

    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb
    Ort/Datum

    Kündigung in der Probezeit

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit kündige ich mein Ausbildungsverhältnis nach § 22 Abs. 1 Berufsbildungsgesetz in der Probezeit zum ________(Datum).

    Mit freundlichen Grüßen,

    ____________(Unterschrift Azubi)

    Wir wünschen alles Gute!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 29.07.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hi, ich hätte da eine kleine Frage bezüglich eines Wechsels während der Ausbildung

    Ich habe meine Ausbildung seit kurzem angefangen und finde es eigentlich auch gar nicht so schlecht dort, aber die Fahrt dahin ist halt nicht so spaßig und nimmt eine menge Zeit in Anspruch, ganz in meiner Nähe ist ein anderer Betrieb der die gleiche Ausbildung anbietet nur halt andere Waren. Wenn ich auch eine Zusage von dem anderen Betrieb habe kann ich meine Ausbildung die ich bereits begonnen habe einfach kündigen und bei der neuen anfangen?

    Liebe Grüße

    Mactavish: 11.08.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Mactavish,

    vielen Dank für deine Anfrage, es ist gut, dass du dich an dieses Forum gewandt hast. Auch, wenn ein Ausbildungsplatzwechsel wirklich kein Beinbruch ist, gibt es dabei einiges zu beachten. Du wusstest natürlich schon vorher, welcher Weg dich erwartet, wenn du die Ausbildung antrittst und musst damit rechnen, dass dein Ausbilder deinem Weggang nicht unbedingt zustimmt. Mit der Unterschrift des Ausbildungsvertrages, hast du dich verpflichtet. Dort heraus kann sich ein Problem ergeben, wenn du nicht mehr in der Probezeit bist. Wenn du noch in der Probezeit bist, dann ist es wesentlich leichter. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel innerhalb der Probezeit gehst du am Besten folgendermaßen vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen viel besser. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.


    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du innerhalb der Probezeit jederzeit fristlos und ohne Angabe von Gründen kündigen (§22 Berufsbildungsgesetz). Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Da es keine Frist einzuhalten gilt, endet das Ausbildungsverhältnis zu dem Zeitpunkt, der in der Kündigung angegeben ist. In der Regel sofort. Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.

    Nach der Kündigung kannst du vielleicht auch rechtliche Rückendeckung gebrauchen, denn wenn ein Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.
    Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di in Darmstadt
    Rheinstr. 50
    64283 Darmstadt

    Tel.: 06151/3908-0
    Fax: 06151/3908-88

    E-Mail: bz.suedhessen@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Dann setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel nach Ablauf der Probezeit solltest du etwas anders vorgehen:

    1. Bewirb dich ebenfalls ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Der Aufhebungsvertrag wird zweimal angefertigt. Jedes Exemplar wird dann von Azubi und Ausbilder unterschrieben. Azubi und Ausbilder erhalten je ein Exemplar. Falls der Aufhebungsvertrag vom Betrieb aufgesetzt wird, solltest du den ganzen Vertrag gründlich lesen, vor allem das Kleingedruckte. Ein einfacher Aufhebungsvertrag sieht so aus:

    Ort/Datum
    Aufhebungsvertrag

    Zwischen
    ___(Name Ausbilder)
    Hiermit beenden die Vertragsparteien in gegenseitigem Einvernehmen das Ausbildungsverhältnis zum ________(Datum).

    ____________(Ort, Datum)
    ____________(Unterschrift Ausbilder)
    ____________(Unterschrift Azubi)

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.


    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Ich hoffe diese Antwort hilft dir weiter und wünsche dir alles Gute!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.08.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Vielen dank für die schnelle Antwort. Ich bin noch in der Probezeit und habe bereits eine andere Ausbildung, müsste dort nur noch unterschreiben. Habe nur die Befürchtung das mein jetziger Ausbilder etwas verärgert sein wird, aber kann man nichts machen. Danke und liebe Grüße.

    Mactavish: 13.08.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Mactavish,

    das lässt sich leider manchmal nicht vermeiden, wenn unterschiedliche Interessen aufeinander stoßen.

    Alles Gute!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 14.08.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Guten Tag.

    Ich möchte meine derzeitige Situation erklären,

    ich habe ganz frisch meine Ausbildung im Gastgewerbe angefangen & bin zurzeit in Probezeit.
    Leider hatte ich direkt in der zweiten Woche meiner Ausbildung einen nicht so schönen Autounfall auf dem weg zur Arbeit.

    Der Betrieb kennt mich schon, da ich schon seid einem vollem Jahr als Aushilfe dort arbeite & schon ab Mai (also in meinen letzen Sommerferien) täglich meine 6-8 Stunden arbeitete.
    Ich denke schon das ich gute Arbeit mache, da ich oft auch alleine eingeteilt bin (auch in meiner Ausbildung! Ich bin auch schon volljährig)

    Am ersten Tag als ich im Krankenhaus lag, rief mein Chef meine Mutter an & erzählte, ich wäre in letzer Zeit sehr unkonzentriert gewesen.
    Darüber war ich sehr enttäuscht, ich arbeite oft alleine, also wie soll er das beurteilen?
    Ich bin nun 4 Wochen krank geschrieben, und habe im nächsten Halben Jahr ein paar Arzt Termine beim Neurologen (Hatte eine starke Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma, was regelmäßig kontrolliert werden muss)

    Nun steht noch eine Mitarbeiterbesprechung an, zudem ich zum ersten mal nicht eingeladen bin.
    Ich habe sehr Angst das ich bald eine Kündigung bekomme, wegen den Andeutungen meines Chefs und diese Geheimhaltung vor mir :/

    In meinem Betrieb gibt es schon ein paar Sachen die ich nicht richtig finde, muss z.b. jedes Wochenende arbeiten & habe in den ersten 2 wochen sehr viele Überstunden gemacht und Pausen habe ich auch kaum. Damit könnte ich aber auch gut noch 2 Jahre leben.

    Was könnte ich tun?
    Wie sieht es aus, wenn ich im worst Case Fall wirklich gekündigt werde?
    Wie soll ich damit umgehen

    Aylin: 19.08.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Liebe Aylin,

    vielen Dank für deine Anfrage, es ist gut, dass du dich an dieses Forum gewandt hast. Erst mal vorweg, deine Einstellung ist wirklich sehr löblich und es würde mich nicht wundern, wenn dein Ausbilder das auch erkennt, denn nicht jeder ist so aufopferungsbereit was die Arbeitszeiten angeht. Das solltest du auch nicht müssen, denn als Azubi ist deine erste Aufgabe zu lernen, du bist keine Angestellte im klassischen Sinne. Darum solltest du eigentlich auch nicht alleine sein. Ausbildung kann nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder ein Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er oder sie muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind. Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Ich finde es auch überraschend zu lesen, dass du so lange Probezeit hast, obwohl du schon vorher dort als Aushilfe gearbeitet hast. Normalerweise kann man die Zeit dann verkürzen, aber letztlich ist das eine Frage der Vereinbarung. Die kannst du in deinem Ausbildungsvertrag nachlesen.

    Ich würde dir raten ein mal in dich zu gehen und zu hinterfragen, ob der Ausbildungsort wirklich so geeignet ist. Wenn du zum dem Schluss kommst, dass du dich dort wohl fühlen kannst und du die Inhalte deines Berufs anständig vermittelt bekommst, dann solltest du mit deinem Ausbilder reden. Bedenke bitte, für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Wenn du in deinem jetzigen Betrieb gerne bleiben möchtest, dann sprich offen darüber wie du dich fühlst und teile deine Sorge um deinen Ausbildungsplatz. Dann weißt du woran du bist! Solltest du zu dem Schluss kommen, dass die Ausbildung besser sein könnte (Einhaltung des Ausbildungsrahmenplans) oder dein Gespräch ergeben, dass du innerhalb der Probezeit gekündigt wirst, dann solltest du schleunigst nach was Neuem suchen.

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:

    Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Das Ausbildungsverhältnis kann während der Probezeit ohne Angabe von Gründen und ohne Kündigungsfrist jederzeit gekündigt werden (§22 Berufsbildungsgesetz), auch von deiner Seite.
    Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Bedenke: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 21.08.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Guten Tag..

    Ich bin jetzt seit knapp 2 Monaten im 2. Lehrjahr zur industriemechanikerin und würde gerne den ausbildungsbetrieb wechseln weil mir der Arbeitsweg zu weit ist.
    Kann ich so einfach wechseln wenn für den neuen Betrieb eine andere IHK stelle zuständig ist?
    Und könnte ich trotzdem auf der jetzigen Berufsschule bleiben?
    Wie sieht es aus mit der zwischenprüfung die in Ca. Einem halben Jahr anstehen würde?

    MfG

    Maria: 21.10.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Liebe Maria,

    vielen Dank für deine Anfrage. Um es kurz zu machen, bei einem Ausbildungsplatzwechsel gibt es einiges zu beachten, darum ist es gut, dass du dich an dieses Forum gewandt hast. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:
    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du siehst, ein zu weiter Arbeitsweg ist nicht aufgelistet, denn über den solltest du ja von Anbeginn klar gewesen sein.
    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Metall
    Gottlieb-Daimler-Str. 60
    72250 Freudenstadt

    Tel.: 07441/918433-0
    Fax: 07441/918433-50

    E-Mail: freudenstadt@igmetall.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 22.10.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo,

    Ich fange mal ganz vorne an. Ich hab 2010 eine Ausbildung als mfa angefangen, aus persönlichen Gründen musste ich die Ausbildung damals abbrechen. Ich War dort 3 Monate. Im August 2013 fing ich die Ausbildung erneut an. Dort gab es dann Mobbing. Ich wechselte den Betrieb Anfang diesen Jahres. In meinem neuen Betrieb bin ich auch zufrieden. Aber die Landesärztekammer sagte mir von Anfang an ich würde die Winterprüfung machen ( quasi verkürzen) weil mir 2010 angerechnet würde. Sie sagten mir das ich ende Oktober die Anmeldung bekommen würde. Heute rief ich an und fragte nach. Mir wurde gesagt das sie das nie gesagt hätten und als ich sagte ich denke mir das nicht aus (ich selbst wäre nie drauf gekommen das ich die winterprüfung mache und auch so nicht gewusst hätte wann die Anmeldungen raus gehen) wurde mir gesagt das ich die SommerPrüfung machen würde. Nur habe ich ab Anfang März eine neue Stelle die auf mich angewiesen ist. Meine Frage ist ob ich ein 3tes mal den Betrieb wechseln kann?

    sandy: 04.11.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Sandy,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Normalerweise muss dir die bereits zurückgelegte Ausbildungszeit aus deinen vorherigen Ausbildungen zur MfA auf die Ausbildungszeit angerechnet werden. Scahu doch mal in deinem jetzigen Vertrag nach, welches Datum da als Ausbildungsende angegeben ist. Falls du natürlich durch die ganzen Wechsel oder auch durch Krankheit insgesamt mehr als 10 % deiner betrieblichen Ausbildungszeit verloren hast, dann darf die Kammer deine Prüfungszulassung um ein halbes Jahr verschieben. Falls das der Fall ist, dann ist es rechtens, dass du erst bei der nächsten Prüfung im Sommer teilnehmen darfst. Falls es aber keine Fehlzeiten gab und ein früheres Ausbildungsende in deinem Vertrag steht, dann kannst du dich dagegen zur Wehr setzen und Einspruch bei der Kammer erheben. Falls du hierzu Fragen hast oder Hilfe benötigst kannst du dich auch gerne an deine Gewerkschaft vor Ort wenden. Wenn du Mitglied bist, hast du sogar einen Anspruch auf Rechtsbeistand.

    Solltest du deine Ausbildung verlängern müssen, dann kannst du selbstverständlich auch nochmal wechseln. Wenn du einen Betrieb findest, dann ist es unrelevant wie lange du da bist und wie oft du bereits gewechselt hast. Allerdings muss auch dein jetziger Betrieb mit dem Wechsel einverstanden sein. Denn du kannst nicht einfach ohne triftige Gründe den Betrieb wechseln. Du kannst aber z.B. einen Aufhebungsvertrag machen. Es müssen beide Seiten einverstanden damit sein und auch deine Eltern. Dann steht einem solchen Wechsel nichts im Weg.

    Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben und wünsche dir viel Erfolg bei deinen weiteren Schritten!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 05.11.2015


  • RE: Ausbildung nach kündigung fortsetzen

    Hallo,

    Ich bin jetzt seit knapp 3 Monaten in meinem Betrieb tätig und habe noch 1 monat probezeit vor 2 tagen hat mich meine chefin angerufen und mir gesagt dass ich ab sofort gekündigt bin schriftliche kündigung folgt.
    Ist meine Ausbildung jetzt vorbei oder kann ich mir jetzt einen neuen betrieb suchen bei dem ich die Ausbildung weiter führen kann?
    Und bin ich weiterhin auch ohne Ausbildungsbetrieb verpflichtet zur berufschule zu gehen?

    Vielen dank schonmal für die Antworten
    MfG

    Pascal Frerichs: 23.11.2015


  • RE: Ausbildung nach kündigung fortsetzen

    Hallo,

    Ich bin jetzt seit knapp 3 Monaten in meinem Betrieb tätig und habe noch 1 monat probezeit vor 2 tagen hat mich meine chefin angerufen und mir gesagt dass ich ab sofort gekündigt bin schriftliche kündigung folgt.
    Ist meine Ausbildung jetzt vorbei oder kann ich mir jetzt einen neuen betrieb suchen bei dem ich die Ausbildung weiter führen kann?
    Und bin ich weiterhin auch ohne Ausbildungsbetrieb verpflichtet zur berufschule zu gehen?

    Vielen dank schonmal für die Antworten
    MfG

    Pascal Frerichs: 23.11.2015


  • RE: Ausbildung nach kündigung fortsetzen

    Hallo,

    Ich bin jetzt seit knapp 3 Monaten in meinem Betrieb tätig und habe noch 1 monat probezeit vor 2 tagen hat mich meine chefin angerufen und mir gesagt dass ich ab sofort gekündigt bin schriftliche kündigung folgt.
    Ist meine Ausbildung jetzt vorbei oder kann ich mir jetzt einen neuen betrieb suchen bei dem ich die Ausbildung weiter führen kann?
    Und bin ich weiterhin auch ohne Ausbildungsbetrieb verpflichtet zur berufschule zu gehen?

    Vielen dank schonmal für die Antworten
    MfG

    Pascal Frerichs: 23.11.2015


  • RE: Ausbildung nach kündigung fortsetzen

    Hallo,

    Ich bin jetzt seit knapp 3 Monaten in meinem Betrieb tätig und habe noch 1 monat probezeit vor 2 tagen hat mich meine chefin angerufen und mir gesagt dass ich ab sofort gekündigt bin schriftliche kündigung folgt.
    Ist meine Ausbildung jetzt vorbei oder kann ich mir jetzt einen neuen betrieb suchen bei dem ich die Ausbildung weiter führen kann?
    Und bin ich weiterhin auch ohne Ausbildungsbetrieb verpflichtet zur berufschule zu gehen?

    Vielen dank schonmal für die Antworten
    MfG

    Pascal Frerichs: 23.11.2015


  • RE: Ausbildung nach kündigung fortsetzen

    Hallo,

    Ich bin jetzt seit knapp 3 Monaten in meinem Betrieb tätig und habe noch 1 monat probezeit vor 2 tagen hat mich meine chefin angerufen und mir gesagt dass ich ab sofort gekündigt bin schriftliche kündigung folgt.
    Ist meine Ausbildung jetzt vorbei oder kann ich mir jetzt einen neuen betrieb suchen bei dem ich die Ausbildung weiter führen kann?
    Und bin ich weiterhin auch ohne Ausbildungsbetrieb verpflichtet zur berufschule zu gehen?

    Vielen dank schonmal für die Antworten
    MfG

    Pascal : 23.11.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo pascal,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Zunächst musst du abwarten, ob auch tatsächlich eine schriftliche Kündigung innerhalb der Probezeit erfolgt. Erst dann ist eine Kündigung wirksam. Müdliche Kündigungen sind nicht zulässig. Solange solltest du auch weiterhin zur Arbeit erscheinen bzw. deine Arbeitskraft anbieten. Auch wenn eine Kündigung zunächst ein Schock ist, bedeutet das nicht das Aus für deine Ausbildung. Du musst die Berufsschule darüber informieren und kannst dann noch mindestens 6 Wochen lang weiterhin den Unterricht besuchen. Das solltest du auch machen, damit dir keinen Lücken entstehen. Von deinem Betrieb kannst du ein wohlwollendes und qualifiziertes Ausbildungszeugnis einfordern. Das ist wichtig für deine Bewerbungen. Hol dir am besten auch eine Bescheinigung der Berufsschule mit deinem aktuellen Notenstand. das kannst du ebenfalls deiner Bewerbung beilegen. Bewirb dich am besten ab sofort. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.


    Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 24.11.2015


  • Ausbildungsverkürzung

    Hallo,

    Ich wollte mal fragen ob eine Allergie gegen Stoffe, die bei dem Beruf recht häufig vorkommen, als Grund/Argument zur Ausbildungsverkürzung gezählt werden kann?

    Danke.
    LG.

    Tanja: 30.11.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Tanja,

    vielen Dank für deine Nachfrage. Normalerweise kannst du die Ausbildung aufgrund schulischer bezw. beruflicher Vorerfahrungen verkürzen oder auch nach der Zwischenprüfung aufgrund überdurchschnittlicher schulischer sowie bertieblicher Leistungen. Unter bestimmten Umständen kann eine Verkürzung auch aus persönlichen Gründen erfolgen. An deiner Stelle würde ich mich hier an die zuständige Kammer wenden und mit den Ausbildungsberaterinnen besprechen, welche Möglichkeiten es für dich gibt. Falls eineVerkürzung nicht möglich ist, kommt vielleicht eine Einschränkung der Arbeitszeiten in Frage oder ein Verbot bestimmte Tätigkeiten auszuführen. Das musst du aber auch mit der Kammer und deinem bahandelnden Arzt besprechen.

    Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben und wünsche dir viel Erfolg bei deinem weiteren Vorgehen.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 01.12.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der Ausbildung

    Hallo liebes Dr. Azubi - Team,

    es geht bei meinem Schreiben darum, dass ich meinen Ausbildungsbetrieb wechseln möchte. Die Gründe liegen darin, dass ich, da wir unterbesetzt sind, Überstunden ohne Ende machen muss. Diese fingen erst in Richtung der 50 Std pro Woche an und sind nun knapp an der 60 inklusive Schule. Erlaubt in der Ausbildung sind, nach meinem Lehrer, nicht mehr als 40. Ich soll jedoch schon 42 Stunden ohne Pausen arbeiten. Wer Samstags arbeitet, muss einen Tag Ausgleich in der Woche bekommen, das ist mir klar. Das bekomme ich aber nicht und werde nicht mal gefragt, ob ich denn nach der Schule überhaupt kann. Denn lt. meinem Plan sollte ich frei haben. Die ganze Sache eskaliert leider sehr. Die neuesten Geschehnisse haben das Fass jedoch vollkommen zum überlaufen gebracht.
    Am vorherigen Freitag Abend wurde ich gefragt, ob ich denn an dem nächsten Tag um 9 statt um halb 10 auftauchen kann. Ich sagte dem nicht zu und erschien um halb 10. Meine Soll-Stunden hatte ich bereits am Vortag für die Woche beendet, also reine Überstunden. Dennoch gab mir man dann zu verstehen, dass wenn mich die Chefin was fragt, diese keine Fragen sondern Anweisungen sind, die ich Folge zu leisten habe. Später, kurz vor Feierabend, also nach 8 reinen Überstunden, sprach man mir noch zu, dass ich meine verspätete Zeit auch abgearbeitet habe. Ich gab dann ebenfalls klar zu verstehen, dass ich bereits am Vortag deutlich über meine Wochenstunden hinausarbeitete.
    Der größte Hammer kam ja eigentlich gestern, als ich gefragt wurde, ob ich denn nicht am nächsten Tag (also heute) nicht vor Sport die Schule schwänzen könne um zur Arbeit zu fahren. Diese Show habe sie bereits öfters bei einigen Azubis vor mir getan und die Schule ist bereits in Kenntnis gesetzt worden und weiß, dass ich einen neuen Ausbildungsplatz suche.
    Und als ich heute, an eigentlich meinem freien Tag, wo ich nur hätte Schule haben sollen, weitere 4 1/2 Überstunden machte und mich um halb 9 verabschiedete, machte sie daraus nen Theater, was das denn solle, sie käme sich ja total verarscht vor und alles drum und dran und wäre total enttäuscht.
    Ich bin von Person her ein eher ruhiger, lieber Mensch. Das hat sie erkannt und das die ganze Zeit ausgenutzt und plötzlich kommt sie sich verarscht vor, weil ich dort nicht übernachte?
    Weihnachtsgeschäft hin oder her, auch wenn man unterbesetzt ist, das geht zu weit. Ich hatte eigentlich gehofft, dass meine Ausbildung einigermaßen erfreulicher angeht, aber das Ziel ist wohl längst verfehlt. Aus meiner Probezeit bin ich raus und den Dezember wird sie mich noch beibehalten. Ich habe bereits ein Brennen im Magen, wenn ich daran denke. Zudem kommt noch, dass sie über mich mit den Kunden lästert.
    Fleißig Bewerbungen schreiben tue ich bereits. Wie könnte da in meinem Fall eine Kündigung erfolgen, sollte sie mit einem Aufhebungsvertrag nicht einverstanden sein? Lange halte ich es dort nicht durch. Ich bitte um Hilfe.

    Viele Grüße und besten dank für die kommende Antwort!

    Burak: 16.12.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Burak,

    vielen Dank für deine Anfrage, es ist gut, dass du dich an unser Forum gewandt hast. Die Zustände in deinem Ausbildungsbetrieb sind wirklich erschütternd! Du bist Azubi und in deinem Betrieb, um zu lernen, nicht um zu arbeiten! Der reibungslose Ablauf im Betrieb sollte nicht von der Anwesenheit des Azubis abhängen. Dass du dort so schnell wie möglich weg möchtest, kann ich also gut verstehen. Setze hier auf deine Besonnenheit und charakterliche Stärke der Ruhe! Zunächst würde ich dir raten offiziell gegen die andauernden Überstunden vorzugehen, dann hast schon mal was in der Hand für den Ernstfall. Da ich davon ausgehe, dass du kein Interesse an ausbildungsirrelevanten Überstunden mehr hast, solltest du
1. Nach der Probezeit zunächst um ein Gespräch mit deinem Ausbilder bitten. Nimm, falls möglich, ein Betriebsrat-Mitglied mit. Sage im Gespräch, dass du nicht bereit bist, weiter so viele Überstunden zu leisten, und berufe dich auf die festgelegte Ausbildungszeit.
    2. Eine schriftliche Aufforderung schreiben. Hebe die Kopie des Schreibens auf:
Musterbrief:
Adresse Azubi
Adresse Betrieb
    Ort/Datum
Hinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit
    Sehr geehrte/r Frau/Herr …...........,
    Laut Ausbildungsvertrag beträgt meine tägliche Arbeitszeit …. Stunden.
Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Trotzdem muss ich regelmäßig Überstunden leisten.
    Einige Beispiele:

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...
    Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck.
Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend.
Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das JArbSchG/ArbZG.
    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, sich an die vertraglich festgelegte Arbeitszeit zu halten und Überstunden zukünftig nur noch in betrieblichen Notfällen anzuweisen.
    Mit freundlichen Grüßen,
Unterschrift Azubi …...................
    3. Falls die Überstunden unbezahlt sind, solltest du sie möglichst bald schriftlich geltend machen. Wenn der Betrieb merkt, dass deine Arbeit nicht gratis ist, überlegt er es sich vielleicht anders. Deine Gewerkschaft kann dir auch helfen deine bisher geleisteten Überstunden geltend zu machen.
    Und bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:
    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di in Hagen
    Hochstraße 117 a
    58095 Hagen

    Tel.: 02331/16771
    Fax: 02331/181801

    E-Mail: bz.suedwestfalen@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Viel Erfolg und viel Kraft für die vor dir liegenden Herausforderungen! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 17.12.2015


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo.
    Seit November 2014 mache ich eine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Nun habe ich mich dazu entschieden die Praxis zu wechseln und wieder zurück in meine Heimat ( Siegen, NRW) zu ziehen. Ich fühle mich in der Praxis sehr unterfordert, da wir sehr wenig zu tun haben und die meiste Zeit eigentlich nur rumsitzen und nichts lernen. Außerdem kann ich mir die Wohnung dort von meinem Azubigehalt nicht mehr leisten.
    Am 1.6 sind bei uns die Zwischenprüfungen, die ich noch mit schreiben möchte.
    Meine Frage ist jetzt wie das alles mit der Kündigung und Berufsschule abläuft, weil ich ja auch in ein anderes Bundesland wechseln möchte.

    Sarah : 24.01.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Liebe Sarah,

    vielen Dank für deine Anfrage an unser Dr. Azubi Forum. Der Wechsel des Bundeslandes hat bei der Vorgehensweise zum Ausbildungsplatzwechsel keinen Einfluss. Hier daher ein paar allgemeine Infos zum Ausbildungsplatzwechsel:

    Wenn du glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb nicht verbessern wird, überlege dir, ob nicht vielleicht ein Ausbildungsplatzwechsel die richtige Lösung für dich wäre. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist wirklich kein Beinbruch, aber du solltest jetzt nichts überstürzen, sondern in Ruhe nach etwas neuem suchen. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:

    1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
    Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Falls du noch minderjährig bist, müssen deine Eltern den Aufhebungsvertrag auch unterschreiben. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.
    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Hier ist ein Kontakt für dich:

    verdi Frankfurt/Main
    Wilhelm-Leuschner-Straße 69 - 77
    60329 Frankfurt/Main

    Tel.: 069/2569-0
    Fax: 069/2569-2099

    E-Mail: bz.ffm-region@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 24.01.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo liebe Leute undzwar habe ich ein anliegen.
    Ich mache zurzeit meine sisbildung als sanitär Heizungs klempner im 1 lehrjahr.
    Undzwar fing es am Anfang sehr gut an alles war gut die arbeit machte und macht mir immernoch spass nur mein Chef ist etwas komisch. Undzwar waren Überstunden bei ihm keine Seltenheit und auch seine Art lässt zu wünschen übrig.
    Im Laufe der Ausbildung merkte ich wie ich immer mehr unter Druck gesetzt wurde. Ich musste Aufgaben bewältigen die andere erst im 3 oder 4 lehrjahr lernen.
    Ich bin ziemlich überfordert mit der jetzigen Situation undzwar sprechen mich Leute drauf an das ich bei ihm kündigen soll da er ein "pfuscher" ist.
    Vor genau 3 Tagen war ich dann mit ihm auf einer Baustelle und er schrie mich nur an drehte durch (weil er pfusch beseitigen musste) er gab mir die schuld für den Fehler. Ich bin leider durchgedreht und sagte zu ihm er solle seinen Kram alleine machen. Auf dem Heimweg nachhause leid ich zu Fuß und schrieb ihm eine Nachricht er solle runterkommen von seinem Trip und sich melden wenn er wieder bei verstand ist. Als Antwort kam nur er habe keine Lust mehr auf Kinderkram mit mir ich sei gekündigt. Darauf meinte ich "ok"
    Er wollte nur die Kündigung in den Kasten werfen natürlich wusste ich das er es nicht tun wird. Also bekam ich auch nichts ich ging die darauf folgenden 2 tage normal zur Berufsschule und fuhr nach der schule nachhause. Wir schrieben und er meinte wann ich wieder komme . Darauf brach unsere kleine Konversation in einer Diskussion aus.
    Er meinte er habe mich nicht gekündigt auch nicht via whatsapp ich meinte nur das er es doch getan hat und schließlich bin ich wieder durchgedreht und meinte nur "dann kündige ich". Er meinte nur okok mach das jetzt sitze ich hier und weiss nicht was ich machen solle. Ich kann jetzt aufjedenfall nicht zurück in den Betrieb da er sonst mich in seinen Händen hätte. Ich hoffe ihr wisst was ich meine. Ich habe mich informiert wegen Betrieb wechseln und es gibt genug Betriebe die mir eine Chance geben nur ich müsste ein Praktikum durchführen.
    Jetzt meine Frage was soll ich machen.
    Ich sitze hier heute zuhause und würde hinfahren und kündigen und dann das Praktikum in dem anderen Betrieb absolvieren aber geht das so leicht?
    Achja total vergessen! Meinen Januar lohn hatte er nicht überwiesen da er meinte ich habe zu viele Fehler genacht und wegen meinem Fehlverhalten würde er den Januar lohn einkassieren.
    Jetzt bin ich ehrlich gesagt sprachlos.
    Ich will auf keinen Fall dort wieder arbeiten er ändert sich nicht! Es wird immer Streit geben Ich bin schon 3 mal von der Baustelle nachhause gelaufen und immer nächsten Tag wieder hin und alles war wieder ,,gut,, aber nun reicht es.
    Ich möchte so gerne eine normale Ausbildung machen und normal lernen und nicht jeden tag um 6 Uhr anfangen und um 20 Uhr feierabend machen und den ganzen lieben tag nur "pfusch" beseitigen. Ich wäre über eure Hilfe sehr sehr dankbar.
    Tut mir leid wegen den ganzen Schreibfehlern. :)

    Stephan: 11.02.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Staphan,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Da scheint sich ja einiges zugetragen zu haben in letzter Zeit bei dir! Gut, dass du dennoch nicht den Kopf in den Sand steckst und deine Ausbildung beenden möchtest. Ich kann gut verstehen, dass du deinen Betrieb wechseln möchtest. Besonders, wenn es bereits so eskaliert ist. Da scheinen auch zwei Hitzköpfe aufeinander zu treffen....

    Nun musst du dir aber genau überlegen wie deine weiteren Schritte sind. Du solltest nicht zuviel Zeit verlieren, bis du eine neue Ausbildungsstelle hast. Rein theoretisch spricht nichts dagegen auch ein Praktikum im neuen Betrieb zu absolvieren. Allerdings hast du da natürlich keine Sicherheit, ob du danach übernommen wirst oder nicht. Normalerweise schlagen Betrieb ein Probearbeiten vor und entscheiden sich dann, ob sie den Azubi in die Ausbildung übernehmen oder nicht. Deine bis jetzt zurückgelegte Ausbildungszeit wird dir dann auch angerechnet. Bespreche doch auch einmal diese Möglickeit mit den Betrieben, bei denen du dich bewirbst. Ein Probearbeiten sollte nicht unbedingt länger als ca. eine Woche dauern. Es gibt ja schleißlich auch noch eine Probezeit von maximal 4 Monaten. Hier können dich die Betriebe ja auch testen. Du solltest aufpassen, dass es den Betrieben hier nicht darum geht, dich schlechter bezahlen zu müssen als einen Azubi. Und sie dadurch eine billige Arbeitskraft bekommen. Ich möchte dich hier nicht verunsichern, aber wenn du in deinem Betrieb kündigst, wäre es für dich vorteilhaft, wenn du sicher eine neue Ausbildunsgstelle hast. Wende dich doch mal an deine Berufsschulsozialarbeiter und die Kammer und frage dort nach möglichen Betrieben nach. Wnn du dir von der berufsschule ein Zwischenzeugnis austellen lässt, kannst du auch dieses deinen Bewerbungen beilegen.

    Bevor du aber in einem neuen Betrieb anfängst, solltest du alle Formalitäten mit deinem jetzigen Betrieb geklärt haben und das Ausbildungsverhältnis dort entweder durch einen Aufgebungsvertrag oder eine rechtmäßige sowie schriftliche Kündigung beendet haben. Denn mündliche Kündigungen gibt es nicht. Noch stehst du im Ausbildungsverhältnis. Du könntest dir also auch überlegen bis du etwas Neues gefunden hast zunächst noch in deinen Betrieb zu gehen und erst dann zu kündigen. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist wirklich kein Beinbruch, aber du solltest jetzt nichts überstürzen, sondern in Ruhe nach etwas neuem suchen. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am besten folgendermaßen vor:


    1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
 Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Falls du noch minderjährig bist, müssen deine Eltern den Aufhebungsvertrag auch unterschreiben. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
    
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.
    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 13.02.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo,
    ich brauche einen Ratschlag und zwar geht es um meine Ausbildung als Maurer.
    Ich bin im 3ten Lehrjahr und habe kaum was auf der Baustelle lernen dürfen.
    Sehr selten durfte ich Mauern, meist war ich am aufräumen, Material anrühren sonst nichts..
    Vom Lager aufräumen will ich erst garnicht reden.

    Mein Vater hat einen eigenen Hochbau betrieb wo ich eigtl nach der Ausbildung hin wollte.
    Nur jetzt habe ich die schnauze dicke.
    Ich will was lernen und nicht nur fegen etc.

    Wäre es möglich sofort die Ausbildung bei meinem Vater auszuführen? Er hat ein Ausbildungrecht und darf ausbilden.

    Vielen Dank

    Edi: 26.02.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Edi,

    vielen Dank für deine Anfrage! Es tut mir leid zu hören, dass deine Ausbildungssituation so miserabel ist. Du kannst deinen Ausbildungsbetrieb wechseln. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten entweder der Betrieb spielt mit und macht mit dir einen Aufhebungsvertrag oder wenn nicht, musst du fristlos kündigen, was juristisch etwas komplizierter ist und wenn es eine Sache ist, die dein Betrieb ändern kann, musst du ihn erstmal abmahnen. Eine Strategie könnte folgendermaßen aussehen:
    Vorab ein paar Informationen zu den gesetzlichen Grundlagen.
    Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet. Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

    2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf.

    Sehr geehrter Herr/Frau ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten.

    Einige Beispiele:
 (Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden)

    
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Unterschrift Azubi ____________

    3. Wenn auch das nicht bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:


    IG Bau
    Donnerscheidstr. 30
    57072 Siegen
    Telefon: 0271 5 32 55
    E-Mail: siegen@igbau.de

    Öffnungszeiten
    Montag + Donnerstag
    08.00 - 16.00 Uhr
    Dienstag
    08.00 - 17.00 Uhr
    Mittag: 12.00 - 13.00 Uhr
    Freitag
    08.00 - 13.00 Uhr

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Außerdem könntest du dich an eine_n Ausbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    Wenn du glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb nicht verbessern wird, kann ich auch sehr gut verstehen, dass du am liebsten den Ausbildungsplatz wechseln möchtest. Dabei gehts du in deinem Fall am besten so vor:

    Sobald du etwas neues hast - und das hast du ja - kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
    
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.
    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Kontakt siehe oben.

    Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Ich wünsche dir alles Gute!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 27.02.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Ich habe am 01.08.2015 meine nun begonnen als Konditoreifachverkäuferin.
    Nun ist folgendes:
    Bei uns sind an der Tagesordnung Beleidigungen und diskriminierungen gegenüber Mitarbeiter, obwohl ich immer pünktlich und lernwillig bin.Aber bei solchen Verhältnissen kommt man einfach nicht weiter.So verliert man die Motivation amliebsten möchte ich meine Ausbildung wechseln, da meine Eltern auch schon das Gespräch gesucht haben und er immer wieder sagt es hätte keine Zeit.Dazu hält er sich auch nicht an die Gesetze wie z.b das ich nur als minderjährige eine 5 Tage Woche habe und dazu noch sonntags arbeiten kommen soll .. Gespräche sind mit ihm nicht möglich. Psychisch bin ich angeschlagen da ich nicht gewohnt bin mich so anschreien zu lassen und mich so zu Diskriminieren, als wenn ich nichts könnte. Ich wollte mich erkundigen wie ich aus meinen Arbeitsvertrag richtig rauskommen könnte ohne weiteres. Ich würde mich über eine Antwort freuen.
    Liebe Grüße Nina.

    Nina : 06.03.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo,
    ich hätte da noch eine frage und zwar darf mein cheff mir wegen Schlechtwetter einfach mein Urlaub wegnehmen?
    Weil ich brauche mein Urlaub für später und jetzt habe ich angeblich kein urlaub mehr

    Gruss

    Edi: 07.03.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Edi,

    vielen Dank für deine Anfrage an unser Dr Azubi Forum. Du hast vollkommen Recht, dass dir aufgrund von schlechtem Wetter kein Urlaub abgezogen werden darf. Das Risiko trägt dein Ausbilder.

    Bitte wende dich an deine Gewerkschaft und lass dich da beraten. Dann bist du in guten Händen falls wirklich etwas passiert:

    IG BAU Siegen
    Donnerscheidstr. 30

    57072 Siegen

    T: 0271 5 32 55

    F: 0271 50 19 03

    E: siegen@igbau.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 07.03.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo, ich habe nachfolgendes Problem. Ich bin im 2ten Lehrjahr zum Technischen Systemplaner für Versorgungs und Ausrüstungstechnik im Dualen System (diese Ausbildung wird zu100% über die BG finanziert, auf Grund eines Arbeitsunfalls), und habe das Gefühl das mir im Betrieb nicht das Know-how beigebracht wird was man besitzen sollte! Auch werde ich mit meinem Alter behandelt wie ein kleiner dummer Junge, und darf hauptsächlich irgendwelche Excellisten schreiben, oder Datenblätter sortieren. Wenn ich sehe was meine Berufsschule Kollegen fachlich auf der Pfanne haben wird mir übel. Meine Noten sind okay bis gut! Mein Ausbildungsbeauftragter hat kaum die notwendige Zeit für mich, oder ich muss mir alles selbst erarbeiten, wo ich nicht weiss ob das was ich mache richtig oder falsch ist. Das sind nur die groben Missstände, ich würde jetzt gern den Betrieb wechseln kann ich das wenn ich einen neuen hab oder muss ich da irgendwas beachten. Mir macht der Beruf richtig spass und ich will die Ausbildung auf keinen Fall abbrechen.

    Steve : 19.04.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Steve,

    vielen Dank für deine nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. ich kann gut verstehen, dass du mit deiner Ausbildungssituation unzufrieden bist. Wenn du das Gefühl hast, dass du zu wenig lernst und dein Betrieb keine Bereitschaft zeigt, das zu verändern, dann ist ein Ausbildungsplatzwechsel oft die beste Lösung! Allerdings musst du in deinem Fall noch genau prüfen mit wem du alles im Vertrag stehst. Du schreibst, dass deine Ausbildung zu 100% durch die BG finaziert wird. Solltest du mit dieser deinen Vertrag abgeschlossen haben und nicht direkt mit deinem Ausbildungsbetrieb, dann musst dich mit dieser in verbindung setzen und nachfragen wie du am besten deinen Betrieb wechseln kannst und welche Vorschriften du beachten musst.

    Falls es sich bei dir aber um ein normales duales Ausbildungsverhältnis handelt und du mit deinem Ausbildungsbetrieb einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen hast, musst du bei dem Ausbildungsplatzwechsel die Vorschriften des BBiG einhalten. Hier ein paar Infos dazu und Tipps wie du am besten vorgehst:
    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    Verdi - Dresden
    Cottaer Str. 2
    01159 Dresden Tel.: 0351/49476-0
    Fax: 0351/49476-32
    E-Mail: bz.dd-ostsachsen@verdi.de Bezirksgeschäftsführer/in: Frank Fischer

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 20.04.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo. ich bin im 3.Lehrjahr und heute morgen ist mein Chef in die Werkstatt gekommen und hat nur mich angemault wie faul ich doch wär und hat wirres Zeug über mich erzählt bis er mich dann nach Hause geschickt hat und gesagt hat dass ich nicht mehr kommen brauche, das habe ich auch nicht mehr vor.

    Meine Frage ist jetz, wie soll ich das alles angehen wenn ich gekündigt werden und den Betrieb wechseln möchte?

    Danke im Voraus!
    Mfg

    Constantin: 06.05.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Constantin,
    vielen Dank für deine Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Das Vorgehen deines Chefs ist alles andere als akzeptabel! Er kann dir nicht einfach Dinge an den Kopf werfen und damit eine Kündigung andeuten, geschweigeden damit rechtskräftig aussprechen.

    Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis vom Ausbilder nur noch außerordentlich und fristlos gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit für den Ausbilder unzumutbar geworden ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:
    • Wiederholtes Schwänzen der Berufsschule
    • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit
    • Eigenständiger Urlaubsantritt
    • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit
    • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise
    • Diebstahl

    Bei der Prüfung des wichtigen Grundes muss der besondere Charakter des Ausbildungsverhältnisses berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass bei Pflichtverletzungen, schlechten Leistungen oder leichten Vergehen eine fristlose Kündigung des Azubis erst dann zulässig ist, wenn trotz aller Erziehungsmaßnahmen - zum Beispiel Ermahnungen und Abmahnungen - keine Besserung eintritt. Der Kündigung müssen deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) vorausgehen. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichend sein. Ausnahme: Bei besonders gravierenden Verfehlungen wie zum Beispiel nachweislicher Diebstahl oder ein tätlicher Angriff auf den Ausbilder kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden.

    Aber: Fehlerhafte Leistungen des Azubis gehören in der Regel zum Risiko des Ausbilders. Auch schlechte Leistungen in der Berufsschule berechtigen nicht zur außerordentlichen Kündigung. Auch das Durchfallen durch die Zwischenprüfung ist kein Kündigungsgrund. Der Ausbilder muss zusammen mit der Berufsschule versuchen, den Azubi zur ordnungsgemäßen Erledigung seiner Aufgaben anzuhalten. Nur wenn diese Bemühungen erfolglos bleiben, und keine Aussicht auf Erreichung des Ausbildungsziels besteht, ist die Kündigung zulässig.

    Je weiter die Ausbildungszeit fortgeschritten ist, umso strengere Anforderungen werden an den Kündigungsgrund gestellt. Kurz vor dem Ende der Ausbildung ist eine Kündigung im Allgemeinen ausgeschlossen.

    Die Kündigung muss unter genauer Angabe der Kündigungsgründe schriftlich ausgesprochen werden. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dem Ausbilder die Kündigungsgründe bereits länger als zwei Wochen bekannt waren. Zudem ist eine Kündigung unwirksam, wenn ein Betriebsrat existiert und der Betriebsrat vor der Kündigung nicht angehört wurde.

    Unabhängig vom Kündigungsgrund stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.

    Wenn du eine Kündigung erhältst, hat dies oft viele Gründe. Als erstes solltest du für dich klären, ob du etwas gegen die Kündigung und ihre Folgen tun willst. Wenn ja, empfehlen wir dir folgende Vorgehensweise:

    1. Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei eine Klage gegen die Kündigung zu erheben. Beachte unbedingt die Widerspruchsfrist gegen die Kündigung von drei Wochen: Du hast nach dem Zugang der Kündigung nur drei Wochen Zeit, um etwas zu unternehmen, danach ist die Kündigung auf jeden Fall wirksam. Bei einem Aufhebungsvertrag ist ein Widerspruch nicht möglich, außer wenn du unter Druck gesetzt wurdest. Bei einer Kündigung vor und während der Probezeit ist eine Klage sinnlos, außer für dich gilt ein besonderer Kündigungsschutz (Schwangere, Schwerbehinderte, Mitglieder der Jugendvertretung). Hier ist ein Kontakt zu deiner örtlichen Gewerkschaft für dich:

    Geschäftsstelle Westmittelfranken

    Strasse / Nr.: Bahnhofsplatz 13
    PLZ, Ort: 91522 Ansbach
    Telefon: 0981 466198 0
    Fax: 0981 466198 53
    E-Mail: westmittelfranken@igmetall.de
    Homepage: igmetall-westmittelfranken.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    2. Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell einen Antrag für eine Schlichtungsverhandlung bei deiner zuständigen Stelle stellen. Die zuständige Stelle (zum Beispiel die IHK oder eine Innung) leitet dann ein Schlichtungsverfahren ein.

    Die Schlichtungsstelle prüft dann, ob die Kündigung überhaupt wirksam ist. Ist sie es nicht - und das kommt gar nicht selten vor -, hat deine Firma den Kürzeren gezogen. Und selbst wenn die Kündigung wirksam sein sollte, kannst du dagegen Klage beim Arbeitsgericht einlegen.

    >> Fortsetzung folgt! <<

    Dr. Azubi: 08.05.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Falls deine Klage Erfolg haben sollte und du aber nicht mehr zurück in deinen Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal darum kümmern, dir einen neuen Betrieb für einen Ausbildungsplatzwechsel zu suchen. Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probe arbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    Falls dein Betrieb dich doch nicht kündigt, du dennoch von dort weg möchtest, gehe am besten wie folgt vor.
    1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
 Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
    
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.
    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Den Kontakt zur Gewerkschaft vor Ort habe ich dir weiter oben ja bereits aufgeführt.

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Zusammenfassend lässt sich sagen: Solange du keine ordnungsgemäße, schriftliche Kündigung hast solltest du zunächst ganz normal weiter auf die Arbeit gehen. Hole dir Hilfe bei der IG Metall und erkundige dich bereits jetzt bezüglich freien Ausbildungsplätzen, an welchen du die Ausbildung beenden kannst.
    Zudem könntest du dich mal erkundigen, ob du als externer Prüfling zur Abschlussprüfung zugelassen werden könntest.
Ob deine bisher verbrachte Ausbildungszeit dazu ausreicht (sprich: du in deinem jetzigen Betrieb kündigen oder einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen könntest, weil du es dort nicht mehr aushältst), müsstest du bei der IHK/HWK erfragen - das ist die entscheidungstragende Instanz. Grundsätzlich ist es so, dass man in seiner Ausbildung etwa 10% Fehlzeiten (12-15 Wochen) haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Aber das mit den 10% ist eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.
    Der Nachteil, die Abschlussprüfung als externer Prüfling abzulegen ist übrigens, dass du die Prüfungsgebühren selbst tragen musst und dich selbstständig frühzeitig zur Abschlussprüfung anmelden musst.
 Außerdem ist es natürlich nicht ideal als externer Prüfling in die Prüfung zu gehen, wenn du noch wichtige Dinge für das Bestehen der Abschlussprüfung lernen müsstest. Und: Wenn du kündigst giltst du unter Umständen als mitschuldig am Verlust deines Arbeitsplatzes und riskierst eine Sperre des Arbeitslosengeldes.
    Grundsätzlich ist die IHK/HWK übrigens auch dafür da, die Ausbildungsqualität in den Betrieben zu kontrollieren. Da könntest du die Missstände in deinem Betrieb also auch mal ansprechen.

    Ich wünsche dir viel Erfolg und Kraft für den Rest deiner Ausbildung und die verbleibende Zeit im Betrieb.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 08.05.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Vielen Dank für die ausführliche Erklärung das hat mir jetzt viel weiter geholfen!!

    Bei mir is es jetzt so,
    Am Freitag ist das alles passiert und mein Chef hat gesagt das mit der Kündigung macht er noch und ich kanns am Montag holen. Ich habe dann aber noch am selben Abend Ihnen einen Brief rein geschmissen mit dem Inhalt, dass ich meine Arbeitskraft noch anbiete da es für den Anwalt wichtig sei wenn ich es vor Gericht gehe und man nicht behaupten kann das ich mich vor der Arbeit weigere oder sowas.
    Dann haben sie mich angerufen und haben gemeint das ich wieder normal auf die Arbeit kommen kann als ob nichts wär.
    Aber das will ich nicht und lasse mich die Woche dann krank schreiben und bin auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Falls ich das dann alles hätte muss ich den Rest dann mit meiner Handwerkskammer klären wegen meinem Urlaub und etc.?
    Danke wieder im Voraus für eine Antwort!

    Constantin: 09.05.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Constantin,
    Es freut mich zu hören, wenn ich dir bereits helfen konnte.
    Die Infos zum Ausbildungsplatzwechsel aus meiner ersten Antwort kannst du nun hoffentlich gebrauchen. Nachdem du das Ausbildungsverhältnis bei deinem alten Arbeitgeber verlässt, stehen dir neben dem Resturlaub evtl. noch weitere Dinge zu.

    Offene Ansprüche und Leistungen, welche dir dein aktueller Betrieb noch zu gewähren bzw. leisten hat, musst du direkt bei diesem einfordern – also geltend machen.
    Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Die Geltendmachung schickst du an deinen Ausbilder. Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag, in deinem fall also die von dir angesprochene Handwerkskammer) schicken, um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen.

    Im Arbeitsrecht gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Die Frist beginnt erst am Ende des Jahres, in dem die Leistung fällig wurde. Das bedeutet, dass du mindestens drei Jahre rückwirkend Leistungen geltend machen kannst. Danach verfallen die Leistungen. Allerdings enthalten viele Tarifverträge so genannte Ausschlussfristen, in denen diese Frist auf drei oder sechs Monate verkürzt ist. Ausschlussfristen können auch in deinem Ausbildungsvertrag vereinbart worden sein. Von daher gilt: Eine Geltendmachung solltest du möglichst gleich schreiben, nachdem die Leistungen fällig geworden sind. Eine schriftliche Aufforderung stoppt den Ablauf der Frist. Wenn du dir nicht sicher bist, wie viel du fordern kannst, schreibe lieber mehr auf als zu wenig.

    Es gibt auch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehlen wir dir, dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft zu wenden bzw. hast du aktuell ja schon einen Anwalt an deiner Seite, der dir bestimmt auch dabei hilft.

    Azubis können folgende Leistungen geltend machen:

    1. Ausbildungsvergütung: Deine Ausbildungsvergütung war bis zum letzten Arbeitstag des Monats fällig und ist nicht gekommen. Falls du volle Monatsgehälter anforderst, ist die Summe klar. Falls du allerdings deine Ausbildungsvergütung nur für einige Tage anfordern willst, musst du dein Monatsgehalt durch 30 teilen, dann hast du deinen Tageslohn. Den Tageslohn multiplizierst du dann mit der Anzahl der Arbeitstage, die du noch gearbeitet hast.

    2. Überstunden: Du hast Überstunden gemacht, die nicht in Freizeit ausgeglichen wurden. Dann müssen sie dir ausbezahlt werden. Um deinen Stundenlohn zu ermitteln, teile dein Brutto-Monatsgehalt durch 30. Das Ergebnis teilst du dann durch die regelmäßige tägliche Arbeitszeit, zum Beispiel acht Stunden bei einer 40-Stunden Woche. Nicht erschrecken: Das ist dein Stundenlohn!

    3. Urlaub: Falls du wegen des Endes der Ausbildung deinen Urlaub nicht mehr nehmen kannst, wird er dir ausbezahlt. Teile deinen Jahresurlaub durch zwölf und multipliziere das Ergebnis mit der Anzahl der vollen Monate, die du im Betrieb gearbeitet hast. Auf so viele Urlaubstage hast du Anspruch, wenn du während der ersten sechs Monate deiner Ausbildung oder im ersten Halbjahr des Kalenderjahres aus dem Betrieb ausscheidest. Für jeden nicht genommenen Urlaubstag steht dir dann ein Tagesgehalt zu.

    4. Arbeitszeugnis: Nach dem Ende der Ausbildung (auch wenn du den Ausbildungsplatz kündigst oder gekündigt wirst) hast du Anspruch auf ein Arbeitszeugnis (§16 Berufsbildungsgesetz). Wenn du es nicht innerhalb einer angemessenen Frist (ca. zwei Wochen) erhältst, solltest du es schriftlich geltend machen.

    5. Arbeitspapiere: Nach Ende deiner Ausbildung muss dir dein Ausbilder deine Arbeitspapiere - also zum Beispiel Sozialversicherungsausweis - aushändigen.

    Viel Erfolg auf der Suche nach einem neuen Betrieb!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 10.05.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hi,

    Mein Name ist Ben, ich bin 17 Jahre jung & mache seit ca 1,5 Jahren eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für SHK ( Sanitär, Heizung & Klimatechnik ) umgangssprachlich " Heizungsbauer " Ich möchte mir hier einfach mal eine 2. Meinung einholen. In meiner Firma passt soweit eigentlich alles, aber ein paar Sachen regen mich dennoch auf.. z.B die Überstunden. Ich bin nur noch auf montage, was an sich auch kein Problem wäre, weil ich mir Montag bis Donnerstag eingehen lassen würde. Aber Freitag dann auch noch ran bis mindestens um 2 in der Firma find ich schon krass.. unter 48 Stunden gehe ich seit meinem Ausbildungsbeginn kaum nach Hause, und wenn du was sagst dass du Freitag gern frei hättest weil du einfach deine 40 Stunden schon seit Donnerstag Nachmittag zusammen hast, dann kommt da nie verständnis, sondern meistens so eine Antwort wie " du bist ein Lehrling, normalerweise solltest du Samstag auch noch Arbeiten " solche Sachen kommen meistens vom senior, und wenn mann sagt diese Zeiten sind vorbei, Lehrlinge wie Dreck zu behandeln muss mann sich stark was anhören, wie dumm man ja ist.das erste Ausbildungsjahr wurde mir so gut wie nichts gezeigt, obwohl ich nachfragte und wirklich versuchte Interesse zu zeigen. Mittlerweile ist es anders, weil ich mich dazu beschlossen habe, einfach abzuwarten. Nun klappt zumindest meistens alles mit den Kollegen, aber am Anfang wars echt mobbing.. Bezahlung der Überstunden ist auch kein Problem, nur Freitag frei wäre mir eigentlich wichtig, wenn wir wieder auf Montage sind.. Lernjahre sind keine Herrenjahre, heisst es zumindest immer. Aber ich trau mich auch nicht wirklich was zu sagen, sonst kann ich es mir von den Arbeitskollegen wieder anhören und muss mich blöd von der Seite anmachen lassen.. was könnt ich in der Situation am besten tun? Klappe halten und die restlichen ca 1,5 Jahre runterschrauben wie bisher oder etwas sagen? Ich weiß nicht recht...

    Ben: 27.06.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Ben,

    vielen Dank für deine Anfrage und ich kann deine Sorge gut verstehen. Sehr gut, dass du dich schon für deine Ausbildungssituation eingesetzt hast und versuchst die Situation zu lösen. Dich dann noch dafür anmachen zu lassen, ist natürlich absolut nicht in Ordnung.

    Zu deinen Arbeitszeiten:

    Für Minderjährige gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz. Die Arbeitszeit für Jugendliche ist nach Jugendarbeitsschutzgesetz auf acht Stunden täglich und auf vierzig Stunden in der Woche begrenzt. Beträgt die Arbeitszeit an einzelnen Tagen weniger als acht Stunden, können minderjährige Azubis an den anderen Arbeitstagen derselben Woche bis zu achteinhalb Stunden beschäftigt werden (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz). Du darfst somit nach dem Gesetz nicht mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten. Kommt es nach den gesetzlich vorgeschriebenen Zeiten zu einem Arbeitsunfall, dann, kann dein Betrieb auch Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn sogar bei der Gewerbeaufsicht anzeigen und deinem Betrieb drohen hier auch Strafen.

    Ach ja, für Jugendliche gilt grundsätzlich die Fünf-Tage-Woche (§15 Jugendarbeitsschutzgesetz). Der Samstag ist arbeitsfrei (§16 Jugendarbeitsschutzgesetz).

    Ich rate dir im ersten Schritt noch einmal das Gespräch mit deinem Chef zu suchen. Nimm, falls möglich, ein Betriebsrat-Mitglied mit. Da du noch Minderjährig bist, kannst du natürlich auch deine Eltern mit in das Gespräch nehmen Sage im Gespräch, dass du nicht bereit bist, weiter so viele Überstunden zu leisten, und berufe dich auf die festgelegte Ausbildungszeit.

    2. Wenn keine Änderung eintritt, dann kannst du dir überlegen eine schriftliche Aufforderung zu schreiben. Hebe die Kopie des Schreibens auf:

    Musterbrief:Adresse AzubiAdresse Betrieb

    Ort/DatumHinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit

    Sehr geehrte/r Frau/Herr …...........,

    Laut Ausbildungsvertrag beträgt meine tägliche Arbeitszeit …. Stunden.Die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit reicht aus, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Trotzdem muss ich regelmäßig Überstunden leisten.

    Einige Beispiele:

    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...
    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...
    Datum …..... Arbeitszeit von …... bis ….... Überstunden …...

    Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck.Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend.Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das JArbSchG/ArbZG.

    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, sich an die vertraglich festgelegte Arbeitszeit zu halten und Überstunden zukünftig nur noch in betrieblichen Notfällen anzuweisen.

    Mit freundlichen Grüßen,Unterschrift Azubi …...................

    3. Falls die Überstunden unbezahlt sind, solltest du sie möglichst bald schriftlich geltend machen. Wenn der Betrieb merkt, dass deine Arbeit nicht gratis ist, überlegt er es sich vielleicht anders.

    4. Falls das alles nicht hilft kannst du den Rechtsweg einschlagen. Dazu wende dich an deine Gewerkschaft, der Rechtsschutz den du dort hast, reicht für die arbeitsrechtlichen Streitfälle aus.

    IG Metall Landshut
    Nikolastr. 49
    84034 Landshut
    Tel.: 0871/14340-0
    Mail: landshut@igmetall.de
    >www.landshut.igmetall.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Viel Erfolg und viel Kraft für die vor dir liegenden Herausforderungen! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    Dr. Azubi: 29.06.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo,

    Ich habe hier schon viel Information bekommen, habe aber trotzdem noch einige Fragen und bedenken.
    Ich möchte meinen Ausbildungsbetrieb wechseln weil ich umziehen möchten weil ich mit denn Familien Verhältnissen nicht klar komme hier wo ich bin.
    Wäre es ratsam meinen Jetztzigen Chef da in Kenntnis zu setzen und ist es wirklich ratsam einfach umzuziehen... Ich habe schon einen Ort gefunden wo ich hin möchte aber als Azubi alleine ausziehen? Wie Regel ich das mit dem Geld? Ein Auto habe ich ja auch womit ich zur arbeit dann muss.

    Ich hoffe hier kann mir jemand weiter helfen.

    Liebe grüße

    Marie-Louise: 26.07.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo,

    Ich habe hier schon viel Information bekommen, habe aber trotzdem noch einige Fragen und bedenken.
    Ich möchte meinen Ausbildungsbetrieb wechseln weil ich umziehen möchten weil ich mit denn Familien Verhältnissen nicht klar komme hier wo ich bin.
    Wäre es ratsam meinen Jetztzigen Chef da in Kenntnis zu setzen und ist es wirklich ratsam einfach umzuziehen... Ich habe schon einen Ort gefunden wo ich hin möchte aber als Azubi alleine ausziehen? Wie Regel ich das mit dem Geld? Ein Auto habe ich ja auch womit ich zur arbeit dann muss.

    Ich hoffe hier kann mir jemand weiter helfen.

    Liebe grüße

    Marie-Louise: 26.07.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Liebe Marie-Louise,

    vielen Dank für deine Nachricht. Wenn du einen guten Draht zu deinem Chef/Ausbilder hast, würde ich mit offenen Karten spielen und mit ihm ehrlich über deine Situation sprechen. Überlege dir selber wieviel Vertrauen du hast und wieviel du von dir und deiner privaten Situation preisgeben willst. Kündigen kannst du wegen einem Umzug nicht. Du hättest aber unter Zustimmung deines Chefs die Möglichkeit, deine Ausbildung durch einen Aufhebungsvertrag zu lösen. Das würde ich aber erst machen, wenn du sicher weisst wie es weiter geht, du eine Wohung und einen neuen Berieb gefunden hast. Vielleicht gäbe es für dich ja auch die Möglichkeit bei deinem jetzigen Betrieb zu bleiben und trotzdem von zuhause auszuziehen? Wenn die Probleme nur an deiner Wohnsituation und nicht am Betrieb leigen, wäre das doch auch eine Möglichkeit. Du musst dir eine eigene Wohnung natürlich leisten, es gibt aber ein paar Unterstützungsmöglichkeiten für Azubis. Hier ein paar Infos dazu:
    Wenn du nicht mehr zu Hause wohnst, hast du neben deiner Ausbildungsvergütung folgende Möglichkeiten, für weitere Einnahmequellen:

    1. 184€ Kindergeld für dich. Das müssen dir deine Eltern überweisen, da du ja nicht mehr zuhause wohnst. Weigern sich deine Eltern, kannst du bei der Familienkasse
    der Arbeitsagentur beantragen, dass dir dein Kindergeld direkt ausgezahlt wird.

    2. Du kannst Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. Die soll dir eine Ausbildung trotz knapper Finanzen ermöglichen. Diese Beihilfe ist ein pauschaler Zuschuss für den Lebensunterhalt. Dazu kommen noch die individuellen Fahrtkosten. In der Regel bekommst du aber nur einen Teil davon, da BAB an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft ist:
    - gefördert wird in der Regel nur die erste Ausbildung
    - nur staatlich anerkannte Ausbildungen werden gefördert (betriebliche, sowie außerbetriebliche Ausbildungen), sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen
    - du erhältst nur dann BAB wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst
    - die finanzielle Situation deiner Eltern und dein Einkommen werden bei der Berechnung von BAB berücksichtigt.
    Um Berufsausbildungsbeihilfe zu bekommen, stellst du einen Antrag bei der Agentur für Arbeit. Diese verlangt dann eine ganze Reihe von Bescheinigungen – unter anderem deinen Mietvertrag. Antragsformulare erhältst du direkt bei der Agentur für Arbeit oder telefonisch unter 0800 4555500. Stelle deinen Antrag möglichst bald, denn BAB wird nicht rückwirkend gezahlt. Je später du den Antrag stellst, um so später gibt es auch Geld. Hier gibt es auch einen BAB-Rechner, wo du schon mal grob errechnen lassen kannst, ob und wie viel BAB dir zustehen würde: http:/​/​babrechner.arbeitsagentur.de/​
    Achtung: Es kann passieren dass du kein BAB erhältst, weil deine Eltern die erforderlichen Auskünfte nicht geben. Oder du erhältst kein BAB, weil das Einkommen deiner Eltern zu hoch ist, aber sie zahlen dir keinen Unterhalt. In diesen Fällen kannst du trotzdem BAB erhalten. Wende dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft. Hier ein Kontakt:

    Verdi - Sitz des Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland
    Münsterplatz 2-6
    55116 Mainz

    Tel.: 06131/9726-0
    Fax: 06131/9726-288
    E-Mail: lbz.rlpsaar@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Michael Blug

    Da kannst du einfach anrufen und nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    3. Seit 2007 kann es sein, dass Du zusätzlich zum BAB noch einen Wohngeldzuschuss bekommst. Dies solltest Du von der ARGE prüfen lassen.

    4. Wohngeld: Zunächst musst du BAB beantragen, denn einen Antrag auf Wohngeld kannst du nur dann stellen, wenn dir BAB „dem Grunde nach“ nicht zusteht, also z. B. wenn du deine zweite Ausbildung machst oder dein Ausbildungsberuf nicht staatlich anerkannt ist.
    Nur in diesem Fall haben volljährige Azubis, die am Ausbildungsort eine Wohnung gemietet haben und die Kosten für diese Wohnung selbst aufbringen müssen, gute Chancen Wohngeld zu erhalten. Den Wohngeldantrag musst du bei der zuständigen Wohngeldstelle der Gemeinde stellen, in welcher sich deine Wohnung befindet.
    Unter www.wohngeldantrag.de findest du alle wichtigen Informationen. Außerdem kannst Du dich bei der dazugehörigen kostenlosen Wohngeldberatung telefonisch informieren (die Tel. findest du unter: http:/​/​www.sozial-hotline.de).

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 26.07.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo, ich habe jetzt im September meine Ausbildung zur altenpflegerin angefangen, und ich liebe diesen job. Doch mit dem Betrieb bin ich mir nicht so sicher, im Juli habe ich einen 1 Monaten Praktikum gemacht, da wurde ich 3 Tage einarbeitet und musste meine Arbeit dann alleine erledigen, so weit kein großes Problem. Als man mich fragte was ich mache und ich meinte das ich eine Ausbildung anfange meinten die meisten das ich mir das noch mal überlegen sollte, habe das anfangs nicht verstanden, doch jetzt seit ich mit der Ausbildung angefangen habe ist alles ganz anders geworden. Ich arbeite 7 Tage die woche, habe im Monat zwischen 4 und 5 Tagen frei, arbeite Wochenende für Wochenende, man lässt uns azubis alleine arbeiten ohne Pflege Fachkraft, es ist zwar eine anwesend aber die hat selber zu viel zu tun um uns zu helfen, am Samstag und Sonntag waren wir 2 azubis, 1 pflegehelferin und 1 Fachkraft, wir mussten uns um bis zu 50 Bewohnern kümmern, wir mussten den frühstück richten da unser Service nicht da ist, wir hatten keine zeit zum durchatmen und konnten auch nicht unsere pausen machen, ich bin krank und zwinge mich trotzdem zur Arbeit damit jemand nicht das durchmachen muss was ich durchmachen musste, aber ich bin langsam am Ende mit meinen Kräften, zum Arzt gehen kann ich nicht weil er mich garantiert krank schreiben wird. Ein Kollege riet mir zum ambulanten Dienst zu wechseln, und ich habe mir Gedanken drüber gemacht das nach meinem ersten Jahr auch wirklich zu machen, aber ich weiß einfach nicht wie ich das tun soll und ob ich überhaupt bis źum nächsten Jahr warten soll. Wäre übersiedelte Hilfe und jedem Rat dankbar. Mfg

    Tina: 18.08.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Tina,
    vielen Dank für die Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Die Ausbildungsbedingungen die du beschreibst sind so tatsächlich nicht hinnehmbar. Ich versuche hier zunächst die entsprechenden Informationen zu den verschiedenen Themen aufzuschreiben, welche du angesprochen hast. Allerdings rate ich dir dich auf jeden Fall auch an deine zuständige Gewerkschaft vor Ort zuwenden. Die können dir definitiv wesentlich gezielter helfen und eine konkrete Rechtsberatung durchführen. Es ist nämlich so, dieses Forum behandelt eigentlich Fragen, die sich auf Probleme innerhalb einer innerbetrieblichen Ausbildung beziehen. Ausbildungen im medizinisch- gesundheitlichen Bereich unterliegen anderen gesetzlichen Bestimmungen und sind in erster Linie auf Länderebene geregelt. Dafür sind wir leider keine Experten. Die Kolleg*innen von Ver.di hingegen schon. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Geschäftsstelle Heilbronn
    Gartenstr. 64
    74072 Heilbronn
    Tel.: 07131/9616-0
    Fax: 07131/9616-199
    E-Mail: bz.heilbronn@verdi.de
    Da kannst du einfach anrufen, nach einem*r Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Nun aber zu den allgemeinen Infos, die im groben und ganzen auch für eure Branche Anwendung finden dürften.

    l. Arbeitszeit:
    Auch für Azubis über 18 Jahre gibt es Beschränkungen bei der Arbeitszeit. Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§11 Arbeitszeitgesetz). So wie du deine Arbeitszeiten in der Anfrage beschreibst, liegen deine Ausbildungszeiten weit über diesen Höchstarbeitsstunden.

    Du darfst also nach dem Arbeitszeitgesetz an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten. Trotzdem gilt für fast alle volljährigen Azubis ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, weil sie in Tarifverträgen festgelegt ist. Und auch die Arbeitszeit ist oft in Tarifverträgen deutlich niedriger festgelegt. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt.

    Auch bei Azubis über 18 Jahren muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Arbeitspausen sind einerseits aus biologischen Gründen notwendig, andererseits dienen sie dazu, Überlastung und Unfallrisiken zu vermeiden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein und bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§4 Arbeitszeitgesetz).
    Falls dein Betrieb sich nicht an das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    ll. Alleine Arbeiten:
    Ausbildung kann nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder ein Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er oder sie muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind. Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich mit deinem Ausbilder und mache ihn darauf aufmerksam, dass du seine Hilfe und sein Wissen brauchst, um deinen Beruf zu erlernen. Falls möglich schalte den Betriebsrat ein.

    2. Falls sich nach dem Gespräch nichts ändert, solltest du den Ausbilder oder Betriebsinhaber noch einmal schriftlich an seine Pflichten erinnern. Hebe dir eine Kopie des Schreibens auf! Hier ist ein Musterbrief:

    Adresse Azubi
    Adresse Betrieb

    Hinweis auf § 14 BBiG

    Sehr geehrte/r Frau/Herr ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz muss ein geeigneter Ausbilder die Ausbildungsinhalte vermitteln.
    - Ich bin allerdings sehr häufig alleine im Betrieb (Beispiele)
    - Es steht für mich allerdings kein Ausbilder bereit und es ist auch niemand ausdrücklich mit meiner Ausbildung beauftragt worden.
    Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir einen Ausbilder zur Verfügung zu stellen, mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Unterschrift Azubi ____________

    3. Wenn auch das nicht bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert,

    Außerdem könntest du dich an eine_n Ausbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    >> Fortsetzung folgt <<

    Dr. Azubi: 21.08.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    lll. Krank:
    Erst einmal vorweg: es ist nicht in Ordnung, dass du in deinem Betrieb so unter Druck gesetzt wirst und du dir Sorgen um die Reaktionen deines Chefs machen musst, denn wenn du krank bist, bist du krank! Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Blöde Kommentare darüber oder versuchte Druckausübung seitens deines Chefs sind nicht in Ordnung, aber es ist natürlich schwierig das abzustellen. Letztendlich zahlt dein Chef selbst drauf, weil es nachgewiesenermaßen die Fehlzeiten erhöht wenn kranke Mitarbeiter nicht positiv begrüßt werden, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

    Wenn du die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hast, wenn du krank geschrieben wirst, kannst du dich nicht erholen und dein gesundheitlicher Zustand wird immer schlimmer. Ich kann gut verstehen, dass das für dich die Hölle ist. Du darfst dich aber auf keinen Fall unter Druck setzen lassen – es gibt nichts, was dir vorgeworfen werden kann.

    Nun aber ein paar Infos zu deiner Krankschreibung:
    Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (§3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse.

    Wichtig ist: Deine psychische und physische Gesundheit ist dein wichtigstes Gut. Die Ursachen von psychischem Stress können sehr unterschiedlich sein: zu hohe Arbeitsbelastung, Druck am Arbeitsplatz, Unterforderung bis hin zu fehlender Anerkennung von Vorgesetzten oder private Probleme. Aber auch Mobbing, Gewalt oder sexuelle Belästigung am Ausbildungsplatz können Auslöser psychischer Belastung sein.

    Nicht selten sind Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder Energieverlust bis hin zu Depressionen und Burnout Folgen von psychischem Stress. Aber nicht jedes Unwohlsein ist gleich ein Indiz für eine psychische Belastung.

    Wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum auftreten, solltest du die Warnsignale ernst nehmen und dir Hilfe von einem fachlich qualifizierten Arzt holen. Konzentriere dich erst einmal darauf, dass es dir bald wieder besser geht und mach dir keine Sorgen wegen deiner Ausbildung. Blöde Kommentare oder Druckausübungen von Seiten deines Betriebes sind nicht in Ordnung.

    lV. Ausbildungsplatzwechsel:
    Wie gesagt sind wir hier keine Spezialist*innen für die einzelnen Branchen, sondern können euch nur allgemeine Informationen zu den gesetzlichen Bestimmungen geben. Für genauere Details lohnt sich wie gesagt der direkte Kontakt zu Ver.di. Prinzipiell geht man bei einem Ausbildungsplatzwechsel aber wie folgt vor:
    Wenn du glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb nicht verbessern wird, überlege dir, ob nicht vielleicht ein Ausbildungsplatzwechsel die richtige Lösung für dich wäre. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist wirklich kein Beinbruch, aber du solltest jetzt nichts überstürzen, sondern in Ruhe nach etwas neuem suchen. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:


    1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
 Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
    
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.
    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Ich wünsche dir alles Gute für deine weitere Ausbildung! Vor allem hoffe ich, dass der Arbeitsdruck endlich nachlässt.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 21.08.2016


  • Ausbildungsbetrieb wegen Mobbing wechseln während Probezeit in der Ausbildung

    Guten Tag,

    diese ist meine Situation, ich mache meine Ausbildung seit 2 Monate in einem Betrieb, (bin aber seit 4 Monate da, ich habe als Minojob angefangen), bin in der Probezeit und während diese Monaten habe ich unter schlechte Arbeitbedingungen und ein paar Verstosse von mein Ausbilder gelieten.
    Ich habe erst in der Schule gefragt und danach mit der IHK telefoniert, und die beide haben bestätigt das alle diese Sachen gesetzlich nicht in Ordnung waren, und das ich mit meinem Betrieb darüber sprechen sollte.
    Ich habe vor mehr als eine Woche mit meinem Betrieb über diese Umständen geredet um eine Lösung zu finden, es kam zu keine Lösung heraus.
    Meine Ausbilder hat mir gemobbt und mir klar gemacht, dass durch dem Gespräch den wir gehabt haben, meine Arbeitbediengungen sich verschlechtern werden...
    Daher habe ich mich dazu entschieden den Betrieb zu wechseln, direkt nach diesem Gespräch habe ich mit der Hilfe von IHK angefangen ein neues Betrieb zu suchen und glücklicherweise schon in einer Woche einen gefunden.
    Ich freue mich so bald wie möglich da anzufangen.
    Den neuen Betrieb hat mir gesagt das wir den Vertrag für den 1. November machen werden, also dass ich 2 Wochen anfangen werde.
    Meine Frage ist folgendes, kann ich schon mein altes Vertrag kündigen?

    Wie würde das mit der IHK und die Schule gehen?

    Ich will weiter in der Schule teilnehmen bis mein neues Vertrag anfängt, will aber diese 2 Wochen nicht weiter arbeiten gehen, das schaffe ich wirklich nicht, fühle mich unwohl nach allem was mein Ausbilder mir gesagt hat.

    Mein neues Ausbilder brauch eine Kopie von meine Kündigung für der IHK nehme ich an und auch als bestätigung, sodass sie mich neu melden können.

    Aber weil sie mich erst ab dem 1.11 beschäftigen werden, haben sie gesagt ich sollte zum 31.10 kündigen, wie geht das?

    Ich bin in der Probezeit, ich kann fristlos kündigen.
    Soll ich eine Kündigung schreiben wo steht ''das ich bis zum 31.10 arbeite'' ? weil ich wirklich nicht zur Arbeit gehen will wenn sie mich nur mobben werden...

    Soll ich der Situation mit der Schule und mit der IHK vorher klären?
    Wenn ich jetzt kündige werde ich komplett von die Berufsausbildung selbst abgemeldet?

    Bin total ahnunglos...
    Was empfehlen Sie?
    Vielen Dank im voraus.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Dektri

    Dektri: 16.10.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo lieber Dektri,

    vielen Dank für deine Nachricht. Eine Pause von 2 Wochen, ist für das Weiterkommen in deiner Ausbildung kein Problem. Du darfst auch weiterhin die Schule besuchen. Allerdings solltest du nicht kündigen, bevor du den neuen Vertrag nicht sicher in der Tasche hast. Denn eine Kündigung kannst du nicht mehr rückgängig machen. Außerdem musst du auch den finaziellen Aspekt beachten: während dieser Zeit bekommst du kein Ausbildungsgehalt. Falls du staatliche finazielle Hilfen beziehst, musst du dich vor einer Kündigung bei den zuständigen Behörden erkundigen, ob du dann evtl eine Kürzung bekommst.

    Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben und wünsche dir viel Erfolg bei deiner weiteren Ausbildung! Falls du noch weitere Fragen hast, kannst du dich auch gerne an die zuständige Gewerkschaft bei dir vor Ort wenden. Hier ein Kontakt für dich:

    Verdi - Sitz des Landesbezirks Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
    Karl-Liebknecht-Straße 30-32
    04107 Leipzig

    Tel.: 0341/52901-0
    Fax: 0341/52901-500
    E-Mail: lbz.sat@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Oliver Greie

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 18.10.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo lieber Dektri,

    vielen Dank für deine Nachricht. Eine Pause von 2 Wochen, ist für das Weiterkommen in deiner Ausbildung kein Problem. Du darfst auch weiterhin die Schule besuchen. Allerdings solltest du nicht kündigen, bevor du den neuen Vertrag nicht sicher in der Tasche hast. Denn eine Kündigung kannst du nicht mehr rückgängig machen. Außerdem musst du auch den finaziellen Aspekt beachten: während dieser Zeit bekommst du kein Ausbildungsgehalt. Falls du staatliche finazielle Hilfen beziehst, musst du dich vor einer Kündigung bei den zuständigen Behörden erkundigen, ob du dann evtl eine Kürzung bekommst.

    Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben und wünsche dir viel Erfolg bei deiner weiteren Ausbildung! Falls du noch weitere Fragen hast, kannst du dich auch gerne an die zuständige Gewerkschaft bei dir vor Ort wenden. Hier ein Kontakt für dich:

    Verdi - Sitz des Landesbezirks Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
    Karl-Liebknecht-Straße 30-32
    04107 Leipzig

    Tel.: 0341/52901-0
    Fax: 0341/52901-500
    E-Mail: lbz.sat@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Oliver Greie

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 18.10.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo!
    Ich habe am 01.08.16 meine Ausbildung zur Konditorin angefangen, am Anfang hat es mir im Betrieb relativ gut Gefallen.. nun bin ich fast aus der Probezeit raus und alles wird anstrengend! Ich arbeite obwohl ich Minderjährig bin 6 Tage die Woche, werde wegen jeder kleinigkeit von meinem Meister angeschrien und Fertiggemacht. Ich kriege mein Gehalt jeden Monat zu Spät, 10 - 20 Tage Verspätung! Mein Meister zeigt mir nicht richtig was, er zeigt es mir einmal nebenbei und dann MUSS ich es können, sonst Schreit er mich wieder an. Ich möchte meinen Ausbildungsbetrieb wechseln, unbedingt.. ich halte es nicht länger in diesem Betrieb aus! Mfg.

    Kimbo: 22.11.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Liebe Kimbo,

    Wenn du glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb nicht verbessern wird, überlege dir, ob nicht vielleicht ein Ausbildungsplatzwechsel die richtige Lösung für dich wäre. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist wirklich kein Beinbruch, aber du solltest jetzt nichts überstürzen, sondern in Ruhe nach etwas neuem suchen. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:


    1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
 Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/​mein-recht-als-azubi/​kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbun​g. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Falls du noch minderjährig bist, müssen deine Eltern den Aufhebungsvertrag auch unterschreiben. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
    
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.
    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.
    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Hier ist ein Kontakt für dich:



    Gewerkschaft für Nahrung, Genuss und Gaststätten
    Haubachstr. 74
    22765 Hamburg
    Tel.: 040 / 38 01 31 20 - 23
    Fax: 040 / 38 01 31 24

    lbz.nord@ngg.net
    lbz.jugend-nord@ngg.net
    >www.ngg.net/​nord

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 23.11.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo liebes Team,

    ich habe am 1.09.2014 eine Ausbildung als Informatikkaufmann angefangen und möchte jetzt den Betrieb wechseln, weil das Betriebsklima in der letzten Zeit zu schlecht geworden ist und ich es nicht mehr durchhalten kann. In einer Ihrer oben- stehenden Antworten habe ich gelesen, dass Ausbildungsplatzwechsel kurz vor Ende der Ausbildung ausgeschlossen ist. Meine schriftliche Abschlussprüfung findet am Ende Mai 2017 statt. Kann ich immer noch den Betriebwechseln oder ist es schon zu spät?

    Danke und viele Grüße,
    Alex

    Alex: 09.12.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Alex,
    vielen Dank für deine Anfrage an unser Dr. Azubi Forum.

    Es ist recht schwierig auf den Tag genau zu sagen, ob es noch möglich und sinnvoll ist zu wechseln oder eine anderweitige Lösung zu wählen ist.

    Wenn du es in deinem Betrieb überhaupt nicht mehr aushalten solltest, könntest du dich mal erkundigen, ob du als externer Prüfling zur Abschlussprüfung zugelassen werden könntest.
Ob deine bisher verbrachte Ausbildungszeit dazu ausreicht (sprich: du in deinem jetzigen Betrieb kündigen oder einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen könntest, weil du es dort nicht mehr aushältst), müsstest du bei der IHK/HWK erfragen - das ist die entscheidungstragende Instanz. Grundsätzlich ist es so, dass man in seiner Ausbildung etwa 10% Fehlzeiten (12-15 Wochen) haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Aber das mit den 10% ist eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.
    Der Nachteil, die Abschlussprüfung als externer Prüfling abzulegen ist übrigens, dass du die Prüfungsgebühren selbst tragen musst und dich selbstständig frühzeitig zur Abschlussprüfung anmelden musst.
 Außerdem ist es natürlich nicht ideal als externer Prüfling in die Prüfung zu gehen, wenn du noch wichtige Dinge für das Bestehen der Abschlussprüfung lernen müsstest. Und: Wenn du kündigst giltst du unter Umständen als mitschuldig am Verlust deines Arbeitsplatzes und riskierst eine Sperre des Arbeitslosengeldes.
    Grundsätzlich ist die IHK/HWK übrigens auch dafür da, die Ausbildungsqualität in den Betrieben zu kontrollieren. Da könntest du die Missstände in deinem Betrieb also auch mal ansprechen.
    Wenn du Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:


    IG Metall Geschäftsstelle Karlsruhe

    Strasse / Nr.: Ettlinger Str. 3 a
    PLZ, Ort: 76137 Karlsruhe
    Telefon: 0721/93115-0
    Fax: 0721/93115-20
    E-Mail: karlsruhe@igmetall.de
    Homepage: www.karlsruhe.igm.de


    Da kannst du einfach anrufen, nach deinem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Alles Gute für den Rest deiner Ausbildung und natürlich vor allem für die Abschlussprüfung, egal ob du diese nun mit neuem Betrieb oder evtl. als externer Prüfling ablegst.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P.S.: Wir hoffen, dir gefällt unser Angebot. Deine Meinung zählt! Du kannst uns in 60 Sekunden anonym einschätzen und uns damit helfen (noch) besser zu werden.: https:/​/​jugend.dgb.de/​ausbildung/​beratung/​dr-azubi/​umfrage-dr-azubi

    Dr. Azubi: 12.12.2016


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo

    Kann mir jemand helfen ?
    Unzwar möchte ich gerne den Betrieb wechseln.
    Grund:
    11Std Arbeitszeit mindestens 1-2 mal die Woche,
    Und jetzt unterstellt meine Chefin mir das ich angeblich ‘geklaut‘ hätte. Obwohl ich es nicht habe und ihr alles erklärt habe aber sie niemanden glaubt.
    Sie behandelt und nicht als Azubis denen sie etwas beibringen möchte sondern als billige Arbeitskräfte
    Wie ist das. Kann man irgendwie den Betrieb wechseln ? Sie wird aber nicht einverstanden sein da sie mir es nicht gönnt.

    Lea : 09.10.2017


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Liebe Lea,

    vielen Dank für deine Nachricht.gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Selbstverständlich kannst du deinen Betrieb während deiner Ausbildung wechseln. Wenn du triftige Gründe hast, kannst du das auch ohne Zustimmung deiner Chefin.Du kannst dann fristlos und aus wichtigen Grund kündigen. Das muss schriftlich erfogen und bedarf wirklich schwerwiegender Verstöße deines Betriebs. Diese musst du genau belegen können. Regelmäßiges Arbeiten über die tägliche Höchstarbeitszeit von 10 Stunden, unhaltbare Vorwürfe wie bsp. ein nichtzutreffender Diebstahl um die Auszubildende unter Druck zu setzen, schlechte Behandlung, mangelhafte Anleitung etc. sind solche Gründe. Wichtig ist, dass du erst kündigst, wenn du sicher eine neue Stelle hast. Denn es ist viel einfacher einen Betrieb zu finden, wenn man noch in Ausbildung ist. Das beweist dem neuen Betrieb, dass du ein Durchhaltevermögen hast und dass du den Wunsch hast zu kündigen und nicht der Betrieb dich loswerden wollte. Außerdem solltest du nicht zu große Lücken innerhalb der Ausbildungszeit haben, denn sonst kann es dir passieren, dass sich deine Ausbildungszeit verlängert.

    Da eine beim Schreiben einer fristlosen Kündigung einiges zu beachten ist, solltest du dich dafür dringend von einer erfahrenen Person beraten lassen. Wende dich doch an deine Gewerkschaft vor Ort und lass dich unterstützen. Hier ist ein Kontakt für dich:


    Verdi - Sitz des Landesbezirks Niedersachsen/Bremen
    Goseriede 10
    30159 Hannover

    Tel.: 0511/12400-0
    Fax: 0511/12400-150
    E-Mail: lbz.nds-hb@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Detlef Ahting

    
Da kannst du einfach anrufen, nach deinem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Alles Gute für den Rest deiner Ausbildung und natürlich vor allem für den Ausbildungsplatzwechsel.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    Dr. Azubi: 10.10.2017


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo zusammen,

    ich habe am 01.08.2017 die Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation angefangen. Ich arbeite in einem Unternehmen und nicht wie für die Ausbildung typisch in einer Agentur. Die Probezeit habe ich bereits absolviert und es gibt eigentlich keine Probleme.
    Der Grund für mein Anliegen ist der Wechsel in einen Ausbildungsbetrieb in meinem Wohnort der die für mich wesentlich interessanteren Ausbildungsinhalte in Ihrer Stellenausschreibung inseriert hat.
    Aktuell fahre ich täglich ca 60km (hin und zurück) zu meiner Ausbildungsstelle. Der Betrieb in den in wechseln möchte ist nur 2km von meinem Wohnort entfernt.
    Meine Frage ist jetzt, kann ich allein auf Grund von der Entfernung oder den für mich interessanteren Inhalten das Ausbildungsunternehmen wechseln?
    Meine Mutter ist ebenfalls erkrankt und es wäre mir gerade deshalb lieber in Ihrere Nähe zur Arbeit zu gehen.

    Ich bedanke mich jetzt schon einmal für die Antworten :)

    Bastian Birkendahl: 18.12.2017


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Bastian,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Ich kann gut verstehen, dass der andere Betrieb für dich interessanter ist. Das ist ja auch tatsächlich wirklich ein weiter Weg, den du da täglich zurücklegst. Leider kann eine günstigere Lage nicht als Begründung für eine Kündigung ausreichen. Auch die interessantere Stellenauschreibung nicht. Am besten versuchst du es mit einem offenen Gespräch mit deinem Chef und bittest diesen um einen Aufhebungsvertrag. Dieser kann nur zustnade kommen, wenn dein Chef zustimmt. Wenn du deinem Chef aber klipp und klar vermittelst, dass es dir ersnt ist, dann kann ich mir gut vorstellen,dass er zustimmt. In der Regel machen das die Betriebe. Denn wabringt ihnen ein unmotiviereter Azubi. Du solltest den Aufhebungsvertrag aber erst unterschreiben, wenn ganz kalr und sicher ist, dass du die neue Stelle hast. Denn ein Aufhebungsvertrag ist zwar unkompliziert und oft die stressfreiere Lösung,aber auch nicht mehr rückgängigmachbar. Außerdem kann es dir passieren, dass du eine ALG-Sperre vom Arbeitsamt bekommst, wenn du dann doch keinen neuen Betrieb hast und ohne Ausbildungsstelle darstehst. Wenn der neue Vertrag aber in trockenen Tüchern ist, steht einem Aufhebungsvertrag nichts im Weg.

    Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben. Falls du noch weitere Fragen hast oder Hilfe brauchst, kannst du dich gerne an deine Gewerkschaft bei dir vor Ort wenden. HIer ein Kontakt für dich:

    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Nordrhein-Westfalen
    Karlstraße 123-127
    40210 Düsseldorf

    Tel.: 0211/61824-0
    Fax: 0211/61824-466
    E-Mail: lbz.nrw@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Gabriele Schmidt

    Da kannst du einfach anrufen, nach deinem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Alles Gute für den Rest deiner Ausbildung und natürlich vor allem für den Ausbildungsplatzwechsel.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    Dr. Azubi: 20.12.2017


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Moin moin

    Ich bin leider in der Position das ich wärend meiner Ausbildung inzw fast 300 Überstunden gesammelt habe und 16 vonn 20 Urlaubstage von 2017 in 2018 Übernehmen musste.
    Desweiteren bin ich als Disponent mehr Auf den Umzügen (Arbeite bei einen Umzugsunternehmen) als im Büro.

    Nun bin ich inzw soweit das ich meine Ausbildung wechseln möchte was aber auch an meinen bevorstehenden umzug in ein Anders bundesland liegt.

    Sollte ich bis zu den Anfang noch im Betrieb weiterarbeiten oder Kündigen ? (Wohne in einer Wg bin also eigentlich auf mein Gehalt angewiesen)

    Hoffe Sie können mir weiterhelfen.

    MfG

    Der Azubi

    Steve: 08.01.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Steve,

    da du auf das Gehalt angewiesen bist, solltet du besser nicht kündigen. Außer du hast bereits einen Anspruch auf ALG I. Hier musst du aber auch mit der Agentur besprechen, ob du das ALGI bekommst, auch wenn du selber kündigst. Manchmal gibt es da Kürzungen und Sperren. Ich würde dir raten, zu versuchen, den Resturlaub einzufordern und die Überstunden in Freizeit auszugleichen. Am besten stellst du einen Antrag darauf und schaust, ob du dich mit deinem Betrieb einigst. Wichtig ist es, dass du deine Überstunden nachweisen kannst. Hierfür helfen Kopien von Dienstplänen, Stundendokus oder Stempelkarten. Am besten stellst du einen Überstundenplan zusammen, den du deinem schriftlichen Antrag beilegst. Hieraus sollte hervorgehen: wer hat die Überstunden angewiesen, was hast du in dieser Zeit gemacht, wann genau sind sie erfolgt.

    Falls du kündigst, achte darauf, dass keine all zu große Lücke entsteht. Sonst kann es sein, dass sich deine Abschlussprüfung um ein halbest Jahr nach hinten verschiebt. Du darfst nämlich nicht mehr als 10% deiner betrieblichen Ausbildungszeit verlieren um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden.

    Falls du Unterstützung beim Einfordern deiner Überstunden hast oder weitere Fragen diesbezüglich, kannst du dich auch gerne an deine Gewerkschaft bei dir vor Ort wenden. Hier ein Kontakt für dich:

    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Nordrhein-Westfalen
    Karlstraße 123-127
    40210 Düsseldorf

    Tel.: 0211/61824-0
    Fax: 0211/61824-466
    E-Mail: lbz.nrw@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Gabriele Schmidt

    Da kannst du einfach anrufen, nach deinem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Alles Gute für den Rest deiner Ausbildung und natürlich vor allem für den Ausbildungsplatzwechsel.
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    Dr. Azubi: 08.01.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo,
    Ich habe eine Frage und zwar werde ich in der Praxis gemobbt von meinen Arbeitskollegen.
    Es dauert schon was länger...
    Wie sieht es aus ?
    Ist Mobbing ein Grundbuch einen Ausbildungsbetrieb zu wechseln ?
    Danke im Voraus

    MfG
    Aleksandra

    Aleksandra: 27.02.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Aleksandra,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.

    Erstmal möchte ich dir ein paar grundlegende Informationen zum Thema Mobbing geben.
    Konflikte und Reibereien am Ausbildungsplatz, wie es auch in deiner Situation der Fall ist, kommen leider häufiger vor als du denkst. Damit es sich um Mobbing handelt, müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Vorfälle müssen häufig und wiederholt auftreten (ca. einmal die Woche) und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken (mindestens ein halbes Jahr). Es muss sich um eine zielgerichtete, systematische und längerfristige Schikane/Diskriminierung handeln, die entweder von einer Person oder von einer Personengruppe ausgeht. Wenn mehrere der folgenden Punkte auftreten und das über einen längeren Zeitpunkt, ist das ein Anzeichen für dich, dass du gemobbt wirst:
    • ich höre oft unbegründete Kritik an der Arbeit oder am Privatleben, auch auf meine Nachfrage wird diese nicht genauer begründet.
    • Ich werde ständig unterbrochen und habe keine Möglichkeit mich zu äußern
    • ich werde vor Kollegen lächerlich gemacht und bloßgestellt.
    • ich werde beleidigt.
    • meine Arbeitsleistungen werden angezweifelt.
    • ich erhalte Drohungen, auch Androhung von körperlicher Gewalt.
    • wenn ich den Raum betrete, verstummen regelmäßig die Gespräche der Kollegen. Ich werde wie Luft behandelt
    • meine Arbeit wird sabotiert und behindert. Ich erhalte Aufgaben, die meinen Qualifikationen übersteigen oder sinnlose Aufgaben
    • ich werde sexuell belästigt.
    Folgen von Mobbing können sein:
    • ich habe eine innere Unruhe.
    • ich habe Schlafstörungen.
    • ich habe Magen-/Darmprobleme.
    • ich habe Herz-/Kreislaufprobleme.
    • ich habe Angstsymptome.
    • ich habe depressive Verstimmungen.

    Wenn mehrere der oben genannten Punkte bei dir zutreffen, dann solltest du schnell handeln, damit du keinen größeren Schaden von der Sache trägst.

    Hier sind ein paar Tipps für dich:

    1. Es ist wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst, werden sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

    2. Du solltest sofort anfangen, ein Tagebuch über die Vorkommnisse zu führen. Wer hat was, wann zu wem gesagt und wer war noch dabei? Oder wer hat wann was getan und wer war noch dabei? Schreib dir alles möglichst genau auf. Auf dieses Tagebuch kannst du dann später zurückgreifen, es kann sehr nützlich sein, wenn du dich wehren willst.

    3. Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten dir gegenüber oder auch gegenüber anderen nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

    4. Bitte die Person zu einem Gespräch. Überlege dir vor dem Gespräch einige Situationen und Beispiele, in denen das Verhalten der Person besonders verletzend und offensichtlich war. Beginne in dem Gespräch deine Sätze mit „Ich“. Sage also nicht: „Sie kritisieren mich ständig!“ sondern „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und oft empfinde ich die Kritik als nicht gerechtfertigt!“. Versuche sachlich und selbstkritisch zu bleiben. Das Gespräch solltest du nicht alleine führen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Person deines Vertrauens oder bestenfalls ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen. Es ist auch empfehlenswert, das Gespräch zu protokollieren.

    5. Dein Ausbilder hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht; d.h. er hat die Pflicht dich vor seelischer und körperlicher Gefährdung zu schützen. Er muss deine Anliegen ernst nehmen und du kannst ihn um Hilfe bitten. Diese Möglichkeit solltest du unbedingt auch in Anspruch nehmen. Falls dein Ausbilder dein Anliegen nicht ernst nimmt, kann das für dich auch ein Kündigungsgrund darstellen.

    6. Mobbing macht krank. Von daher ist es nicht verwunderlich, falls du unter psychosomatischen Problemen wie Schlafstörungen, Magen-/Darmprobleme, Herz-/Kreislaufprobleme oder unter psychischen Problemen wie Weinkrämpfe, depressive Verstimmungen, Angstsymptome leidest. Wenn die Belastung zu groß wird, solltest du einen Arzt aufsuchen und dich krankschreiben lassen.

    7. Falls dein Betrieb dich loshaben will und dir grundlose Abmahnungen erteilt oder dich kündigt, solltest du schnell reagieren und dich zur Wehr setzen. Hole dir hierbei auf jeden Fall Hilfe bei deiner zuständigen Gewerkschaft. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Geschäftsstelle Bonn
    Hans-Böckler-Platz 9
    50672 Köln
    Tel.: 0221/48 558 0

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    8. Wenn du deinen Ausbildungsplatzwechseln musst, weil du gemobbt wirst, hast du eventuell Anspruch auf Schadensersatz gegenüber deinem Betrieb. Hier solltest du dich auch unbedingt an deine zuständige Gewerkschaft wenden. Mobbing ist definitiv ein Kündigungsgrund. Aber du solltest so eine Kündigung nie alleine schreiben. Wende dich auch dabei an deine Gewerkschaft.

    9. Solltest du weitergehende Hilfe in Anspruch nehmen wollen, gibt es eine Übersicht für Mobbingberatungsstellen unter folgendem Link: http:/​/​www.work-watch.de/​2012/​10/​hilfestellung-bei-mobbing/​

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 01.03.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Guten Tag,

    also es ist so bei mir ich bin in der Ausbildung und bin fast mit den 2ten Ausbildungsjahr fertig, als Maler und Lackierer.
    leider ist es so bei mir ich möchte Kündigen und ein neuen Betrieb finden aus den Grund weil ich seit ca. ein halbes Jahr nur noch blöd angemacht werde wie: ich schaff das Beruf nicht ich bin dumm und weil ich Italiener bin nennen die mich Spaghetti oder Ravioli usw ...nur so negativen Sachen und darf jedes mal zu Baustelle laufen auch wenn es 10km Entfernung ist wo ich mir denke wieso muss ich mir das antun!...
    und jetzt seit Kürzten habe ich mich übelst mit mein capo gestritten wegen Kleinigkeit weil ich ein Pinsel eingetrocknet haben lasse wo 3€ kostet und da hat er mich beleidigt und gesagt das ich nutzlos bin und mich niemand auf der Baustelle haben will und so welche Sachen ...
    jetzt habe ich mich eine Woche krank schreiben lassen damit ich was neues finden kann und wollte mal einfach wissen genauer wie es läuft wenn ich jetzt kündigen will ob es auch als fristlöse Kündigung zählt? Weil des ist für mich nicht schön ich will das beruf erlenen aber wenn ich in der Firma fahre kriege ich schon so ein Bauch Gefühl wo sagt heute wird wieder ein scheiß tag und des geht in der Psyche.

    ich habe auch angst, ich bin leider kein 1zer Schüler, aber dafür begabt im handwerkliches Bereich und meine sorge ist das sobald ich mein capo erzähle das ich kündigen will das er mir ein schlechtes Zeugnis schreibt damit ich gar kein betreib finde... darf er das oder darf er das nicht ?

    Mfg Alessandro

    Alessandro : 17.04.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Ciao Alessandro,
    Danke für deine Anfrage im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst.

    Es ist absolut nicht in Ordnung, dass du so schlecht behandelt wirst. Dein Ausbilder hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht. Das bedeutet, dass er dich vor Anfeindungen, Rassismus und Diskriminierung schützen muss (§14 Berufsbildungsgesetz). Ich kann gut verstehen, dass du den Ausbildungsplatz wechseln möchtest.

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:
    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG BAU Mitgliederbüro
    Singen
    Schwarzwaldstr. 30
    78224 Singen
    T: 07731 9 94 90
    E: singen igbau.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.
    Dir steht nach der Kündigung ein Zeugnis zu. Ich kann gut verstehen, dass du Angst hast, dass dein Chef dir ein schlechtes Zeugnis ausstellen wird. In dem Zeugnis müssen deine Schulnoten nicht erwähnt werden. Denn du bekommst ja auch von der Schule Zeugnisse. In dem Arbeitszeugnis wird lediglich deine Leistung in der Arbeit bewertet. Du schreibst, dass du handwerklich sehr geschickt bist. Das solltest du auch in einem Bewerbungsgespräch sagen. Das Zeugnis von deinem Betrieb solltest du nochmal von Profis z.B. von deiner Gewerkschaft lesen lassen, um sicher zu gehen, dass auch die Wahrheit drin steht.

    Dr. Azubi wünscht dir alles Gute!
    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 17.04.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Sehr geehrte Damen und Herrn,

    Ich habe am 16.08.17 mit meiner Ausbildung als Elektro und Gebäudetechnik im Bereich Aufzug angefangen.

    Ich bin 23 Jahre alt und ich komme aus Syrien.

    Also es läuft bei mir alles nicht normal.
    Der Chef hat eine laute Stimmung und er ist immer am Schreien. Sobald ich in der Firma bin um 07:00 Uhr morgen früh hore ich das Schreien von ihm deswegen bin ich ganz tag schlecht gelaunt und immer Stress ohne ende auf der Arbeit.

    Was ist auch bei mir passiert, dass ich zur Berufsschule nicht gehen konnte weil ein Arbeitskollege war Krank und der Chef hat mir gesagt, dass ich schaffen muss.

    Ich arbeite sehr gut und mache mein Arbeit fertig ohne Probleme troztdem bekomme ich fast 2 Tagen ein Anschuss von ihm und jetzt hat mir gesagt, dass ich Bereitschaft machen muss, das heißt 24h Bereitschaft.
    Und wenn eine Störung kommt, rausfahren muss egal wann und die Störungen beseitigen.

    Ich habe immer keine regelmäßige Arbeitszeit gehabt.
    Ich hatte einmal bis 22 Uhr gearbeitet und zu viel mal bis 19 , 20 oder 21Uhr geschafft. Ich weiss nicht wann ich nach Hause kommen kann, deswegen kann ich keinen Termin machen und niemand versprechen.

    Niemand will in der Firma bleiben.
    Wir sind jetzt nur 1 Mitarbeiter und ich, und wir haben fast 300 Baustellen. Wo wir wartungen und Reparatur machen sollen.

    Was will noch sagen, dass meine berufschul noten top sind.

    Wenn ich Berufsschule habe, soll ich nach der Schule in die Firma zurückfahren und 2 Stunden arbeiten.
    Und wollte ich nach der Schule in die Firma nicht zurückfahren, hat der Chef mir gesagt dass ich 12 Überstunden machen muss und dann brauche ich in die Firma nicht zurüchzufahren und meine Termine fertig machen.

    Ich bin verheiratet und ich habe Verplichtungen zu machen.

    Ich finde kein Privat leben. Er will mich nur ausnutzen.

    Was ich oft in der Firma arbeiten, ist nur
    Putzen, reinigen, wartungen, Firmasautos putzen und schwere Sachen tragen. Nicht wie ich in der Berufsschule mache.

    Ich war ein Tag Krank und ich habe Firma angerufen und Bescheid gesagt, dann ist mein Chef zu mir nach Hause gekommen und geschrein.

    Ich habe zwei mal für Urlaub beantragt und ich habe immer abgesagt. Weil er keine Mitarbeiter hat.

    Er hat einen schlechten Ruf in der Region.

    Ich konnte zur Nachhile nicht fahren und den Unterricht erteilen weil ich auf der Arbeit bin.
    Ich brauche die Nachhilfe für mein Deutschsprache zu verbessern.

    Niemand kann in der Firma bleiben mehr als 6 Wochen wegen seines schlechten verhältnis und mit umgehen.

    Ich habe keine Lust mehr zu arbeiten.

    Was wichtig bei mir ist, dass ich mein erst Jahr nicht verlieren oder wiederholen.

    Vielen Dank im voraus
    Lg

    Bitar: 28.06.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Bitar,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Ich kann gut verstehen, dass du verzweifelt bist und es ist gut, dass du dir bei uns Hilfe suchst. Gerne beraten wir dich.
    Zuerst will ich dir rechtliche Informationen zu deinen Problemen geben:

    Cholerischer Chef:
    Du schreibst, dass dein Chef viel schreit und respektlos mit und deinen Kollegen umgeht. Das geht natürlich nicht! Dein Chef hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht (§14 Berufsbildungsgesetz). Das heißt, dass er dich vor Diskriminierung und Anfeindungen beschützen muss. Letztendlich ist er auch selbst schuld, dass er keine Mitarbeiter hat, wenn er nicht freundlich mit ihnen umgeht.
    Du schreibst, dass er schon zu dir nach Hause gekommen ist, als du krank warst und dich angeschrien hat. Das geht natürlich gar nicht. Wenn du krank bist, kannst du nicht arbeiten und dein Chef hat kein Recht, dich zu Hause zu belästigen!

    Berufsschule:
    Dein Chef muss dich in die Berufsschule schicken (§14 Berufsbildungsgesetz). Auch wenn Kollegen krank sind, musst du in die Berufsschule gehen. Die Berufsschule ist genau so wichtig, wie die Ausbildung im Betrieb! Auch zur Nachhilfe solltest du gehen. Du bist nicht dazu verpflichtet, länger zu arbeiten und Überstunden zu machen.

    Arbeitszeit:
    Du schreibst, dass du keine regelmäßigen Arbeitszeiten hast. In deinem Betrieb muss es einen Dienstplan geben, in dem steht, wann wer arbeiten muss. Dieser Dienstplan sollte eine Woche im Voraus feststehen.
    Deine Arbeitszeit ist in deinem Ausbildungsvertrag geregelt. Dort hast du mit deinem Ausbilder wahrscheinlich ca. 40 Stunden wöchentliche Arbeitszeit vereinbart. Diese 40 Stunden reichen, um deinen Beruf zu lernen. Du musst deshalb auch keine Überstunden machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen.
    Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Minderjährige dürfen nicht mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz). Volljährige dürfen durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden arbeiten – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!
    Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.
    Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz).
    Dein Ausbilder will, dass du Bereitschaftsdienst machst. Das muss er dann auch als Arbeitszeit anrechnen. Weil du Azubi bist, darfst du nicht länger als 10 Stunden täglich arbeiten. Der Bereitschaftsdienst ist also nicht in Ordnung. Außerdem ist es zu gefährlich, wenn du als Azubi alleine Bereitschaftsdienst hast! Es muss immer eine ausgelernte Person da sein, die dir alles erklären kann und die Verantwortung übernehmen kann.

    Arbeiten nach der Berufsschule:
    Oft verlangen Ausbilder von volljährigen Azubis, dass sie nach der Berufsschule noch in den Betrieb kommen. Hier gilt: Von der täglichen Arbeitszeit wird die ganze Zeit in der Berufsschule abgezogen, falls die Berufsschule während der normalen Arbeitszeit stattfindet. Außerdem wird der Weg von der Berufsschule in den Betrieb auf die Arbeitszeit angerechnet. Ist die Zeit, die der Azubi nach der Berufsschule noch im Ausbildungsbetrieb verbringen kann zu kurz, um dem Ausbildungszweck zu dienen – nämlich weniger als 30 Minuten - kann der Ausbilder die Rückkehr des Azubis nicht verlangen.

    Ausbildungsfremde Tätigkeiten:
    Du schreibst, dass du oft putzen musst und Dinge machen sollst, die nichts mit deiner Ausbildung zu tun haben. Solche Sachen nennen wir ausbildungsfremde Tätigkeiten. Das ist nicht okay! Dein Ausbilder darf dir nur Arbeiten geben, die dem Ausbildungszweck dienen und auch im Ausbildungsrahmenplan für deinen Beruf stehen (§14 Berufsbildungsgesetz).
    Du solltest dafür kämpfen, dass deine Ausbildung nach dem Ausbildungsrahmenplan erfolgt, sonst kann es passieren, dass du die Abschlussprüfungen nicht schaffst.

    Urlaub:
    Du hast schon zweimal deinen Urlaub abgesagt, weil dein Chef keine Arbeiter hat. Du brauchst deinen Urlaub, um dich zu erholen und um dich um deine Familie zu kümmern. Wenn du Urlaub genommen hast und der Chef den Urlaub auch genehmigt hat, dann musst du ihn auch nehmen.

    >>>Fortsetzung folgt<<<

    Dr. Azubi: 29.06.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    In deiner Situation gibt es zwei Möglichkeiten:

    1. Du sprichst mit deinem Chef und versuchst all die Dinge zu ändern, die dich stören und dir die Ausbildung schwer machen.
    2. Du wechselst den Ausbildungsplatz. Dabei kannst du deine Ausbildung ganz normal weitermachen. Du verlierst nicht das erste Ausbildungsjahr!

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten so vor:
    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die frei sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Frag auch deine Klassenkameraden und Lehrer in der Berufsschule, ob sie von freien Stellen wissen.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Hole dir deshalb unbedingt Hilfe in der Berufsschule. Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist sehr schwierig. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Bau Herzogenbuscher Str. 52
    54292 Trier
    T: 0651 46 37 016 7
    F: 0651 46 37 016 5
    E: trier igbau.de
    W: http:/​/​www.saar-trier.igbau.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 29.06.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Ich arbeite in zwei Schichten in einem Pflegeheim. Leider funktioniert es nicht mehr da mein Kind mit den Schichten nicht klar kommt und ich das alles nicht mehr schaffe. Ist es möglich deswegen einen Betrieb zu suchen bei dem ich keine Schichten habe??

    Isabella: 15.08.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Isabell,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Die Beratung in diesem Forum basiert auf dem Berufsbildungsgesetz. Das greift leider nur bei klassischen dualen Ausbildungen. Du machst eine Ausbildung in einem Pflegeberuf und da gilt leider nicht das Berufsbildungsgesetz.

    Ich kann gut verstehen, dass sich das Schichtsystem schlecht mit Familie verbinden lässt und kann deshalb auch gut verstehen, dass du wechseln möchtest. Prinzipiell ist ein Wechsel möglich. Ich empfehle dir, mit deiner Berufsschule zu sprechen und dort um Hilfe zu bitten. Evtl. kann dir dort auch bei der Suche nach einer neuen Stelle geholfen werden.

    Tut mir leid, dass ich dir keine konkrete Hilfestellung geben kann.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Chemnitz
    Augustusburger Str. 31
    09111 Chemnitz
    Tel.: 0371/69034-0
    Fax: 0371/6903434
    E-Mail: bz.chemn-erzg@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 16.08.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Guten Tag .

    Ich befinde mich derzeit in der Altenpflege Ausbildung seit 01.09.2018 . Und somit noch in der Probezeit
    Mein Betrieb ist ca 10 km entfernt von meinen Wohnort und verdiene für meine Verhältnisse sehr wenig, da ich eine eigene Wohnung zu finanzieren habe.
    Ich habe ein neue Ausbildung Betrieb gefunden , das 3 min Fußweg von mir entfernt ist und wo ich ca 20 % mehr verdienen würde.
    Nun habe ich das bei meiner Schule angesprochen .
    Die Schulleitung allerdings stellt sich quer und begründet das mit der Aussage. Was soll ich der Bezirksregierung in Münster sagen warum du wechseln möchtest .

    Meine Frage ist , hat die Schule da überhaupt mit zu entscheiden . Und wie soll ich vorgehen .

    Danke

    Mit freundlichen Grüßen MR

    MR: 09.10.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber Auszubildender,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum.

    Du machst scheinbar eine schulische Ausbildung - dafür sind wir leider keine Experten, denn dieses Forum behandelt eigentlich Fragen, die sich auf Probleme innerhalb einer innerbetrieblichen Ausbildung beziehen. Bei schulischen Ausbildungen gelten andere gesetzliche Grundlagen, denn Regelungen für schulische Ausbildungen sind schulintern und zudem Ländersache. Im ersten Schritt kannst du dir einmal die Bedingungen durchlesen, die du im Vertrag mit der Schule unterschrieben hast. Zusätzlich würde ich dir raten, dich direkt an deine Gewerkschaft in deiner Nähe zu wenden, wenn du dich ausführlich beraten lassen möchtest.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Landesbezirks Nordrhein-Westfalen
    Karlstraße 123-127
    40210 Düsseldorf
    Tel.: 0211/61824-0
    Fax: 0211/61824-466
    E-Mail: lbz.nrw@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    Dr. Azubi: 10.10.2018


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo,
    folgendes Problem liegt vor. Ich bin Schreinerazubine im 3. Lehrjahr leider werde ich sehr oft wie eine Praktikantin oder aber auch wie eine billige Aushilfe behandelt - was sehr schade ist da ich eigentlich was lernen möchte -
    Hab es mir schon öfter überlegt zu gehen da mich dieser Umgang ziemlich fertig, macht hab es aber noch keinem gesagt. Mein Chef und ich haben zudem auch kein gutes Verhältnis da er mir solche Tätigkeiten anschafft wie z.B. für eine Veranstaltung bei uns den Gehweg zu kehren oder auch Arbeiten die in den Bereich des Schreiners überhaupt nicht fallen. Gestern kam es dann dazu dass ich von meinem Chef totalen Ärger bekam und ich jetzt eine Abmahnung bekomme. Er meinte er will mich hier raushaben weil ich keinen Wert mehr habe, keiner will mit mir arbeiten weil ich nichts kann - sagen sie, wobei meine Noten in der Berufsschule nicht schlecht sind und ich schon einiges wüsste doch ich es nicht beweisen kann da mir keiner eine Chance gibt. Wir (Chef + Ich) haben gestern auch nochmal "in Ruhe" geredet, ich soll doch jetzt schauen dass ich einen anderen Betrieb finde weil er denkt dss es dann für alle besser ist. Nun stellt sich das Problem: in meiner Umgebung gibt es wenig Betriebe die überhaupt erst ausbilden und die mich jetzt noch nehmen würden für das halbe Jahr bis zur Gesellenprüfung. Habe schon einen aus unserem Dorf gefragt (zwischen Tür und Angel) der meine ich soll mich die Tage nochmal melden. Naja mal schauen.
    Danke schon mal!
    LG Sara

    Sara: 08.10.2019


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung


    Liebe Sara,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne möchten wir dich weiter unterstützen.

    Du bist ja schließlich auch in der Ausbildung um etwas zu lernen. Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet. Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

    2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf.

    Sehr geehrter Herr/Frau ____________,

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden)
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Unterschrift Azubi ____________

    Außerdem könntest du dich an eine_nAusbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

    Wenn sich deine Situation nicht ändert und du weiterhin den Ausbildungsplatz wechseln möchtest, dann gehst du am besten so vor:
    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Auch kannst du einmal in deiner Berufsschule nachfragen.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.


    Hier ist ein Kontakt für dich:
    IG Bau Augsburg
    Am Katzenstadel 32
    86152 Augsburg
    Telefon 0821 346900
    Emailaugsburg@igbau.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 09.10.2019


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Guten Tag,

    ich bin mit meiner Firma sehr unzufrieden die nutzen mich als azubi aus hab kaum freizeit z.b nächste Monat hab ich nur 5 Tage frei ansonsten arbeite ich nur.
    Meine frage ist kann ich die Firma wechseln ohne probleme und wenn ja wie kann ich mein Firma am besten begründen weshalb ich nicht mehr bei ihnen arbeiten möchte?

    Danke im Vorraus

    Mit freundlichen grüßen
    Salman

    salman7300: 27.01.2020


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo Salman,

    vilen Dank für deine Nachricht. Hier ein paar Tipps zum Ausbildungsplatzwechsel: Wenn dein Chef dir zuwenig Freizeit zur Verfügung stellt und gegen das Arbeitszeitgestzt verstößt, dann ist das nicht rechtens und dein Chef verstößt gegen seine Pflichten als Ausbilder. Wenn das regelmäßig vorkommt und sich auch trotz Hinweis von deiner Seite nichts verbessert kündigen. Dein Chef darf dich nicht mehr als 8 höchstens 10 Stunden am Tag beschäftigen. Du musst nicht mehr Stunden als in deinem Arbeitsvertrag stehen arbeiten. Dein Chef darf dich als volljähriger Azubi an sechs Tagen in der Woche beschäftigen. In vielen Brachen schreibt aber ein Tarifvertrag auch für volljährige Azubis eine 5 Tagewoche vor. Schau mal in deinem Vertrag nach, ob da etwas zu einem Tarifvertrag steht und erkundige dich bei deiner Personalabteilung dazu.
    Es gibt noch weitere Gründe, die eine Kündigung zulassen. Die childere ich dir im Folgenden gleich. Ansonsten kannst du deinen Chef auch um einen Aufhebungsvertrag bitten. Dieser kommt im gegenseitigen Einvernehmen zustande und kann auf einen beliebigen Zeitpunkt festgelegt werden. Diesen solltest du aber nur unterschreiben, wenn du ganz sicher etwas Neues hast. Denn ein Aufhebungsvertrag lässt sich nicht rückgängig machen. Wenn du dann keinen neuen Betrieb hast und arbeitslos wirst, kannst du eine Sperre für dein Arbeitslosengeld bei der Agentur für Arbeit bekommen. Deshalb solltest du besonnen bleiben und zunächst nach einer neuen Stelle suchen. So gehst du am besten weiterhin vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Auch kannst du einmal in deiner Berufsschule nachfragen.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.


    Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Hessen
    Wilhelm-Leuschner-Straße 69-77
    60329 Frankfurt/Main

    Tel.: 069/2569-0
    Fax: 069/2569-1199
    E-Mail: lbz.hessen@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Jürgen Bothner

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 30.01.2020


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin im 2. Lehrjahr meiner Ausbildung und habe am nächten 18.März.2020 meine Zwischenprüfung. Da ich frisch verheiratet bin, möchte ich den Ausbildungsplatz wechsel und zwar an ein anderes Bundesland in Badenwürtemberg, um mit meiner Frau zusammen zu sein. Ich möchte nach dem zweiten Lehrjahr aber erst im nächsten Juli kündigen. Es heißt, es ist nicht rechtlich möglich bei uns. Wie ist die rechtliche Lage und die Machbachkeit einer Kündigung? Ist der gennante Grund rechtlich gültig in meinem Fall?

    Mit freundlichen Grüßen
    MNK

    MNK: 18.02.2020


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Lieber MNK,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gratuliere zu deiner Hochzeit.

    Grundsätzlich ist es möglich die Ausbildung in einem anderen Bundesland fortzusetzen. Deine bisherige Ausbildungszeit kann dir angerechnet werden. Frage am besten vorab bei der Kammer des Bundeslandes, in das du ziehen möchtest, nach. Hochzeit ist kein Grund für eine Kündigung. In deinem Fall ist ein Aufhebungsvertrag sinnvoll. Siehe dazu aber weiter unten.

    Jetzt erstmal der Reihe nach. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:


    1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast.
 Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/kuendigung-durch-den-azubi.html#Bewerbung. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Falls du noch minderjährig bist, müssen deine Eltern den Aufhebungsvertrag auch unterschreiben. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.

    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.

    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Hier ist ein Kontakt für dich:



    ver.di München
    Schwanthalerstraße 64
    80336 München

    Tel.: 089/59977-0
    Fax: 089/59977-7777
    E-Mail: service.bayern@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    Da du aus München kommst kannst du dich auch mal an das Azubi-Beratungsbüro azuro von der Stadt München wenden. Da werden Azubis kostenlos beraten. Hier ist der Kontakt für dich:

    azuro

    Paul-Heyse-Str. 22

    80336 München

    Tel: 089-51410635

    Mail: azuro@azuro-muenchen.de

    Homepage: www.azuro-muenchen.de

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

     

    Dr. Azubi: 19.02.2020


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Guten Abend sehr geehrte Damen und Herren,
    erstmal haben Sie vielen Dank für die Rückmeldung. ich hatte Sie vorhin schon weiterempfehlt, nachdem ich die Rückmeldungen bei den Anderen gelesen habe.

    Ich habe eigentlich die Fortsetzung meiner Ausbildung schon in der Tasche und ich bin im engen Kontakt mit denen und die wissen schon Bescheid, warum ich wechseln möchte. Noch dazu sieht der IHK im Zielbundesland kein Problem. Die haben sich schon zurückgemeldt.

    Dennoch nochmal die folgenden Fragen, da ich auf Nummer sicher gehen möchte.
    1: Darf ich die gleiche Ausbildung, also als Kaufmann im Gesundheitswesen fortsetzen und keine andere machen?
    2: Was ist, wenn der Betrieb Schadenersatz verlangt, da ich schon fast mit dem zweiten Lehrjahr fertig bin.
    3. Was ist, wenn der Betrieb sich weigert, den Aufhebungsvertrag zu unterschreiben?

    Mit freundlichen Grüßen und vielen Dank für die tolle Arbeit.
    MNK

    MNK: 19.02.2020


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo MNK,

     

    Danke für deine Rückmeldung.

     

    Ja, du kannst dieselbe Ausbildung weiterführen, wenn du einen Betrieb findest, der dich weiter in diesem Beruf ausbildet. Dieser Betrieb meldet dich dann auch bei der Berufsschule an.

    Dein Betrieb kann keinen Schadensersatz fordern, weil du umziehst und es deine private Situation so erfordert.

    Es ist relativ unwahrscheinlich, dass ein Betrieb einen Aufhebungsvertrag wegen Umzugs nicht unterschreibt. Ich empfehle dir aber trotzdem so früh wie möglich auf deinen jetzigen Betrieb zuzugehen und von deinem geplanten Umzug zu erzählen. Ein guter Zeitpunkt wäre, wenn du einen neuen AUsbildungsplatz gefunden hast. Dann hat der Betrieb die Möglichkeit, einen neuen Azubi zu suchen und wird höchstwahrscheinlich auch einen Aufhebungsvertrag unterschreiben.

     

    Viel Erfolg dabei !

     

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

                 

    Liebe Grüße   

    Dr. Azubi

    PS: Bitte empfiehl unseren Service weiter!

     

     

    Dr. Azubi: 21.02.2020


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo liebes Forum,

    Ich habe folgendes Debakel;

    Ich habe vor ca. 1 Woche eine Ausbildung zum Bau- und Land-maschinen Mechatroniker begonnen, bin also noch in der Probezeit.

    Ich habe die Ausbildung in einem Lokalen, kleinen, Betrieb begonnen, da es bekannt war dass dieser zu meinem Ausbildungsbeginn expandieren sollte.

    Nun hat sich jedoch promt herausgestellt dass die besagte Expansion nie passieren wird und der Betrieb mehr oder weniger aufgelöst wird, es wird groß entlassen und mit anderen Betrieben zusammengelegt, die Mitarbeiter fühlen sich, verständlicher weise, hintergangen.

    Es wurden nun schon mehrere Gesellen abgeworben und wir sind ca. 11 Azubis auf 6 Gesellen.

    Die Stimmung ist miserabel, es gibt oft streit, der Meister ist sehr überfordert.

    Allgemein ist der Betrieb, selbst für die momentane Anzahl an Arbeitern, viel zu klein da massenhaft eingestellt wurde, in Hinsicht auf die Expansion.

    Zudem kommt es zu fragwürdigen Praktiken in Hinsicht auf die Arbeitssicherheit, da wir momentan mit Hochdruck versuchen möglichst viele Kunden ab zu arbeiten.

    Ich bin dank meines Abiturs im 2. Lehrjahr eingestellt worden und würde nun versuchen mich bei einem anderen Betrieb in meiner Nähe noch schnell zu melden ob ich nicht doch noch zu einem Vorstellungsgespräch vorgeladen werden kann, ich hatte mich dort ebenfalls beworben, hatte mich jedoch für meinen jetztigen Betrieb entschieden, wegen der Expansion.

    Lässt es sich trotz meines Alters (20J.a.) empfehlen die Ausbildung abzubrechen und den Rest des Jahres ein FSJ zu machen falls ich keine andere Stelle finden sollte?

    Ich möchte wirklich nur ungern in meinem jetzigen Betrieb bleiben, da dort die Mentalität von "die wollen uns doch eh nur alle loswerden" angenommen wurde.

    Mit freundlichen Grüßen 

    L.R.

    L.R.: 09.08.2020


  • RE: Ausbildungsbetrieb wechseln während der ausbildung

    Hallo L.R.,

    vielen Dank für deine Anfrage, gern helfen wir dir weiter.

    Du befindest dich da in einer wirklich schwierigen Situation. Ich kann verstehen, dass die Stimmung nicht besonders gut ist. Da das neue Ausbildungsjahr gerade erst begonnen hat und teilweise Firmen erst ab September in ihre Ausbildung starten, könnten die Chancen gut stehen noch einen Ausbildungsplatz bei einem anderen Betrieb zu erhalten. Häufig suchen Betriebe auch nach Ausbildungsstart noch Azubis. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du z. B. unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    Solltest du keinen Ausbildungsplatz mehr bekommen, ist ein FSJ immer eine gute Idee. Besonders, wenn du dich im nächsten Jahr bewirbst, sehen es Betriebe immer gern, wenn man die Zeit sinnvoll genutzt hat. Vielleicht ergeben sich ja auch neue Dinge für dich, das kann man nie wissen.

    Mein Rat wäre, dich nochmal an deine zuständige Gewerkschaft zu wenden. Die Kolleginnen und Kollegen kennen sich mit diesen Themen sehr gut aus und können dich im Zweifelsfall auch rechtlich beraten. Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Metall

    Geschäftsstelle Salzgitter-Peine 
    Chemnitzer Str. 33
    38226 Salzgitter

    Tel.: +49 5341 8844 0
    Fax: +49 5341 8844 20
    E-Mail: salzgitter-peine@igmetall.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren wollt, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi     
    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.08.2020


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