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Dr. Azubi

Nicht Ausbildungsrelevante Aufgaben

Hallo,

Ich bin Azubi zur Bauzeichnerin im 2. Lehrjahr.

Seit meinem ersten Lehrjahr bekomme ich andauernd Aufgaben die nichts mit meiner Ausbildung zutun haben.

Baustellenfahrzeuge sauber machen, Wohnmobile putzen, Firma sauber halten (Boden putzen usw.), den Müll dauerhaft raus bringen und darauf achten das die Mülltonnen auch geholt werden, Pflanzen gießen und zurecht schneiden, Kaffee kochen etc.

Manche Dinge vergesse ich und dann motzt mich mein Chef manchmal sogar lautstark an sodass ich auch manchmal richtig Angst bekomme.

Nun habe ich oftmals den Müll vergessen und habe nun eine Art "Bestrafung" bekommen das ich den Müll mit nach Hause nehmen soll oder einfach schauen soll wie ich den Weg bekomme.

Darf mein Chef mir solche Aufgaben allgemein geben? Darf ich zu solche Aufgaben Nein sagen?. Muss ich diese "Bestrafung" ausführen?. 

Ich brauche wirklich einen Rat.

RE: Nicht Ausbildungsrelevante Aufgaben

Hallo lieber Azubi,

schön, dass Du dich an Dr. Azubi wendest.

Ausbildungsfremde Tätigkeiten haben, wie der Name schon sagt, nichts in der Ausbildung zu suchen. Es gibt für jede Ausbildung einen sogenannten Rahmenplan, in welchem die Ausbildungsinhalte festgelegt sind. Der*die Ausbilder*in darf dir nur Arbeiten übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§ 14 Berufsbildungsgesetz).

Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder ausbildungsfremde Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – dienen nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen die Ausbildungspflicht des Betriebes sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach § 102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

Wenn du zu oft ausbildungsfremden Tätigkeiten erledigen muss, solltest du dich wehren! Denn sonst kann das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet sein. Hier sind ein paar Tipps für dich, wie du dich wehren kannst:

1. Sprich die Situation bei deinem*deiner Chef*in an. Wenn du keinen Ausbildungsplan hast, solltest du verlangen, dass dieser erstellt wird. Zähle deinem*deiner Ausbilder*in konkret die fehlenden Inhalte auf, die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch. Sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern deinen Beruf richtig zu lernen. Falls vorhanden: Schalte außerdem die JAV und den Betriebsrat ein.

2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den*die Ausbilder*in schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf. Hier ist ein Musterbrief:

Sehr geehrter Herr/Frau…,

laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder*in/Meister*in sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung oder auf Weisung von Kolleg*innen hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:

- [Bitte hier die ausbildungsfremden Tätigkeiten mit genauer Datums- und Zeitangeben aufführen.]

Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder*in nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

[Unterschrift Azubi]

3. Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

IG BAU Nordwürttemberg

Willi-Bleicher-Str. 20

70174 Stuttgart

0711 9318200

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Außerdem könntest du dich an eine*n Ausbildungsberater*in der Kammer/Innung wenden und mit ihm*ihr ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte nimm niemals Müll von der Arbeit mit nach Hause!

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