Deutscher Gewerkschaftsbund

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Ausbildungsgehalt im ersten Monat

Guten Morgen,

ich mache gerade meine Ausbildung als MFA.

Ich habe aber gemerkt, dass das nichts für mich ist leider. Habe meine Ausbildung als Kosmetikerin vor paar Jahren gemacht und ich denke, dass ich wieder in dem Bereich arbeiten werde. Macht mir mehr Spaß.

Auf jeden Fall gibt es auch viele Dinge in der Praxis die mich sehr stören und ich einfach merke, dass ich nur da bin um die Drecksarbeit zu machen und ich lerne nichts. Habe zum Beispiel an einem Tag von 8-19 Uhr nur gescannt. Jeden Tag lerne ich nichts über den Beruf.

Als ich das Vorstellungsgespräch hatte vor 1 Monat, hat sich die Chefin nicht einmal meine Bewerbungsunterlagen angeschaut als ich sie mitgebracht habe. Es hat sie nicht interessiert was ich für ein Zeugnis habe oder sonst was. Ich sollte einfach so schnell es geht dort anfangen.

Den Vertrag habe ich auch erst vor einigen Tagen bekommen obwohl ich seit dem 01.09 dort arbeite. war also nicht versichert oder sonst was. Ich muss täglich dort 10 Stunden arbeiten und als ich gemeint habe, dass mir das zu viel ist, hat sie den Vertrag aus meinem Spint geklaut (den ich dort hingelegt habe, um ihn am abend zu unterschreiben) und wollte ihn mir erst zum unterschreiben geben, wenn ich damit einverstanden bin. Ich musste das tun sonst hätte ich wahrscheinlich für die 2-3 Wochen kein Geld bekommen... so schlimm war sie halt drauf leider

bei der Schule hat sie mich auch nicht angemeldet obwohl sie meinte, dass sie das macht. musste es letzte Woche dann selber machen. Also sie kümmert sich um nichts. 

Ich wollte eigentlich letzte Woche kündigen jetzt bin ich seit heute bis nächste Woche vom Arzt krankgeschrieben, da ich Magen Darm habe. 

Meine Frage ist jetzt: werde ich trotzdem bezahlt bis nächste Woche weil es ja mein erster Monat ist? Ich meine ich habe eine Krankschreibung vom Arzt. Diese kranken entschuldigten Tage werden mir ausgezahlt oder?

Lg Alicia

aliciakdw: 21.09.2022 |
  • RE: Ausbildungsgehalt im ersten Monat

    Hallo Alicia!

    Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, wir freuen uns dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir dabei weiterhelfen.

    Was du schilderst ist natürlich überhaupt nicht in Ordnung, ich kann verstehen, dass dir da die Lust an der Ausbildung vergeht.

    Zuerst möchte ich auf deine konkrete Frage eingehen, wie es mit deinen krankgeschriebenen Tagen aussieht. Grundsätzlich hast du einen Entgeltfortzahlungsanspruch, für den Fall dass du krank nicht arbeiten kannst, nach § 3 EntgFG. Dieser entsteht aber erst nach 4 Wochen ununterbrochener Beschäftigung.

    Das bedeutet, dass der Beginn deiner Krankheit, nach der vierwöchigen Frist liegen muss. Die Frist verlängert sich um den Zeitraum, den du innerhalb der ersten 4 Wochen abwesend warst.

    Solltest du innerhalb der 4 Wochen krankgeschrieben gewesen sein, hast du leider keinen Entgeltfortzahlungsanspruch.

    Aller Anfang ist schwer. Das klingt nach einem abgedroschenen Spruch, doch es liegt viel Wahrheit darin - vor allem wenn es um die Eingewöhnung an einer neuen Ausbildungsstelle geht. Du musst dich nicht nur erst einmal mit den Kollegen und Vorgesetzten (mitsamt ihrer teilweise ruppigen Umgangsweisen), sondern auch mit den Arbeitsabläufen vertraut machen. Wenn man in einem neuen Betrieb anfängt, ist es also gar kein Wunder, dass die Freude an der Ausbildung manchmal etwas auf sich warten lässt, denn erst wenn man sich eingelebt und sich eine gewisse Selbständigkeit erarbeitet hat, ist man nicht mehr so stark von den Anweisungen (und Launen) anderer abhängig.

    Dementsprechend würde ich dir raten, erst einmal abzuwarten, wie sich die Situation während deiner Probezeit entwickelt. Aber aus der Distanz habe ich natürlich keinen Einblick, wie schwer dir das fällt. Wenn dich die ganze Situation also zu sehr belastet und du keine Kraft hast, abzuwarten, ob es sich bessern wird, tust du völlig richtig daran, die Kündigung vorzubereiten.

    Das sei auch gesagt, innerhalb der Probezeit kannst du ohne Angabe von Gründen mit sofortiger Wirkung kündigen. Die Probezeit muss mindestens einen Monat, darf jedoch höchstens vier Monate dauern (§ 20 Berufsbildungsgesetz). Viele Standardausbildungsverträge enthalten zudem die Regelung, dass sich die Probezeit automatisch verlängert, wenn mehr als 1/3 der Probezeit ausfällt. In der Regel ist auch eine zwei Wochen Kündigungsfrist vereinbart, schau da mal in deinen Vertrag.

    Es ist natürlich grundsätzlich auch nicht in Ordnung, dass einer Azubine lediglich Routinearbeiten aufgetragen werden. Deine Ausbildung muss eigentlich nach deinem Ausbildungsrahmenplan verlaufen.

    Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan. In dem steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst.

    Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php

    Deinem Ausbildungsvertrag muss ein Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb geplant wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§ 14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder ausbildungsfremde Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – dienen nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen die Ausbildungspflicht des Betriebes sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach § 102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

    Zehn Stunden Arbeitszeit sind als regelmäßige Arbeitszeit schon nach § 3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) nicht im Arbeitsvertrag vereinbar.

    Du musst auch keine Angst um deinen Lohn haben. Alle Stunden die du im Betrieb gearbeitet hast, müssen dir auch vergütet werden. Selbst wenn es versäumt wurde, dir pünktlich einen Arbeitsvertrag auszuhändigen. Darauf hast du einen gesetzlichen Anspruch. Natürlich hast du auch einen Anspruch auf einen vollständigen Arbeits- bzw. Ausbildungsvertrag.

    Ich hoffe diese Informationen konnten dir ein wenig weiterhelfen. Egal wie du dich entscheidest, ob du kündigen möchtest oder der Ausbildung vielleicht noch eine Chance gibst, ich wünsche dir alles Beste und viel Erfolg.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di – Bezirk Frankfurt/Main

    Wilhelm-Leuschner-Straße 69 - 77

    60329 Frankfurt/Main

    Tel.: 069/2569-0

    E-Mail: service.hessen@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 22.09.2022


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