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Drogentest wegen verschlafen

Hallo , ich habe aktuell ein riesiges Problem in meinem Betrieb. Ich befinde mich im ersten Lehrjahr und habe leider schon ein paar mal etwas verschlafen beziehungsweise mich um ein paar Minuten verspätet. Dafür habe ich dann auch bislang 2 Abmahnungen bekommen was ich verstehen kann . Ich weiß das ich daran besonders arbeiten muss und nicht ok ist . Nun ist es seit Längerem leider wieder passiert das ich verschlafen habe und ein wenig zu spät in der Firma war. Meine Gesellen waren schon los und ich musste daraufhin mich ca 2-3 Stunden ohne Aufgabe in die Werkstatt setzen und über mein Verhalten nach denken. So weit so gut... mein Handy wurde mir abgenommen und nach ca 2-3 Stunden kam dann jemand aus dem Büro und hat gesagt das ich jetzt einen Drogentest machen soll . Dieser wurde dann von einer Bürokraft gemacht und von Teilen der Leitung als Zeugen bestätigt. Leider war bei 2 von 3 Tests noch leicht THC nach zu weisen. Auf Ansage der Möglichkeit mich jetzt zu kündigen oder ehrlich zu sein habe ich erklärt das ich bis vor ca 8 Wochen noch regelmäßig geraucht habe, aber seit dem nicht mehr und vor allem auch nicht vor der Arbeit . Dann musste ich meinen Arzt anrufen per Lautsprecher und dort einen Termin für einen weiteren Test vereinbaren. Diesen Termin habe ich dann 2 Tage später bekommen und wurde dafür freigestellt. Sollte aber vor und nach dem Termin im Betrieb sein zum arbeiten was ich auch getan habe. Am Tag des Termins hat meine Ärztin berichtet das meine Firma nochmal dort angerufen hat weil ich eine Schweigepflichtsentbindung für den Arbeitgeber unterschreiben sollte und das darauf geachtet wird das ich die Urinprobe nicht betrüge ...  

Auch meine Mutter sollte ich vorerst nicht informieren. ( was ich aber direkt nach Feierabend und Rückgabe meines Handys getan habe.) 

ein paar Tage später kam dann der Befund vom Arzt , Negativ ! Da ich zur Berufsschule war ( Block ) hat meine Mutter das Ergebnis abgeholt und sich in der Firma gemeldet um über dieses Vorgehen zu sprechen und die Rechtmäßigkeit anzuzweifeln. War wohl kein nettes Gespräch.

nun habe ich für den Monat auch noch weniger Gehalt bekommen . Auf Nachfrage warum , wurde mir gesagt das es Abzug für die 2 Tage gibt wo getestet wurde , das die Tests im Betrieb Geld kosten und es moralisch und faktisch nun mal so sei. Ich war ja nun deswegen nicht auf der Baustelle arbeiten . Für 2 Tage fehlen mir nun ca70€ Netto.
ich wohne alleine und brauche natürlich jeden Cent ... Und die Kosten für den Test beim Arzt den die Firma verlangt hat , muss ich auch noch selbst zahlen . Ca 100-150€ 

Freitags müssen wir uns nach der Schule kurz im Betrieb melden und berichten über die Schule . Dort habe ich dann dazu noch eine Abmahnung für die Tage erhalten 

ein Gespräch über den weiter Verlauf folgt dann morgen wahrscheinlich.

hätte das alles so laufen dürfen ? Oder hätte der Test zb direkt bei einem Arzt gemacht werden müssen anstatt von den Büroangestellten? Und vor allem nur wegen verschlafen ? Ich bin ja nicht im Rausch zur Arbeit gegangen . Eine Gefahr bestand somit ja nicht oder ein begründeter Verdacht.
Und darf mir Geld abgezogen werden für die Tage obwohl ich im Betrieb war, bis Feierabend beziehungsweise kurz freigestellt für den arzttermin ? Und auch in der Höhe ?

meine Ärztin meinte das war so nicht ok alles aber meine Firma ist sich keiner schuld bewusst .
klar ist zu spät kommen nicht toll aber dieses vorgehen scheint mir auch nicht richtig zu sein .
mich möchte meine Ausbildung gerne erfolgreich beenden aber unter den Bedingungen scheint es mir schwer zu werden . Weiß gar nicht was ich nun tun soll und wie ich gegenüber argumentieren könnte.
vielleicht habt ihr ja einen tip für mich .
wie gesagt , ich möchte meine Ausbildung gut absolvieren und trete mir in den hinter und arbeite an mir und meine Schulnoten sehen auch gut aus. Leider gibt es aber nicht viele Betriebe bei mir in der Nähe wo ich so gut hin komme morgens früh wie jetzt . Bin extra in die direkte Nähe gezogen um zu Fuß zur Arbeit kommen zu können .
wäre sehr dankbar über eine Antwort :)  

Jayjay: 12.05.2022 |
  • RE: Drogentest wegen verschlafen

    Hallo lieber Azubi,

    schön, dass du dich an Dr.Azubi gewendet hast. Klar kann ich es verstehen das du verärgert bist. Wenn du glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb nicht verbessern wird, überlege dir, ob nicht vielleicht ein Ausbildungsplatzwechsel die richtige Lösung für dich wäre. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist wirklich kein Beinbruch, aber du solltest jetzt nichts überstürzen, sondern in Ruhe nach etwas neuem suchen. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am besten folgendermaßen vor:

    • Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast. Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: http://www.azubi-azubine.de/bewerbung

    Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probearbeiten. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de,  oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    • Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist. Im Klartext heißt das, du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Falls du noch minderjährig bist, müssen deine Eltern den Aufhebungsvertrag auch unterschreiben. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    • Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die  übergeben hast oder nachdem die  per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel

    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung

    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die  unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende sgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen. 

    Eine außerordentliche  zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen  schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Denn wenn deine Gründe für die fristlose  nicht ausreichen, hat dein Betrieb die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen. 

    Als Vorbereitung einer fristlosen  ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig. 

    Rückendeckung kannst du oft auch nach der  gebrauchen. Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.  Da würde ich auch alle fragen im Detail dann durchsprechen. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Verdi Sitz des Landesbezirks Nord 

    Hüxstraße 1
    23552 Lübeck

    Tel.: 0451 8100-6
    Fax: 0451 8100-888
    E-Mail: service.nord-hh@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    • Nachdem deine  oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 14.05.2022


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