Deutscher Gewerkschaftsbund

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Zur Prüfung nicht zugelassen, was tun?

Hallo Dr. Azubi,

ich habe soeben erfahren, dass ich zur Prüfung kommenden Sommer nicht zugelassen werde. Grund dafür ist, dass ich im 1. Halbjahr des 3 Ausbildungsjahres keine Noten ansammeln konnte aufgrund von Krankheit. 


Ich hatte im ersten Halbjahr einen Magengeschwür. War 4 Wochen lang krankgeschrieben und auch davor schon hatte ich immer wieder Probleme mit Magen-Darm.

Ich habe viel durchgemacht in der letzten Zeit, ich bin zu meinem Verlobten 300 km weit von meiner Familie gezogen. Dann musste mein Vater ins Gefängnis. Ich musste für meine Familie viel da sein. Habe selber sehr darunter gelitten. Allein das wegziehen war schlimmer als gedacht. Es lief wirklich schlecht. Hatte meine Ausbildung im 2 Jahr kurzzeitig abgebrochen gehabt. Habe dann aber wieder weitergemacht und bin nochmals ins 2 Lehrjahr gestartet, somit ging mir eh schon 1 Jahr verloren. 


Ich habe an die Kammer einen 3 seifigen Brief geschrieben und mich zu dem Umstand geäußert, weshalb keine Noten im 1. Halbjahr da sind.

Ich bin wirklich am Ende mit meinen Nerven.  

Heute kam sodann die Rückmeldung, dass ich nicht zugelassen werde. Ich hatte erläutert, dass ich alles bereits nachgeholt habe, Arbeiten nachgeschrieben habe, mir alles von einer Mitschülerin kopiert habe um
alle Unterlagen zu haben und dass ich zuversichtlich bin, dass ich die Prüfung bestehen kann. Da ich in der Kanzlei wo ich bin,  sehr viel gelernt habe.

Mein Ausbildungsbetrieb steht auch nicht mehr wirklich hinter mir. Daher hatte ich gehofft, dass ich zugelassen werde damit ich da nicht mehr sein muss. Jetzt wurde ich aber nicht zugelassen und ich weiß nicht wie es jetzt weitergeht. 


Können Sie mir bitte sagen welche Optionen ich habe? Kann mich der Betrieb aufgrund der Nichtzulassung zur Prüfung jetzt kündigen? Was kann ich tun?

Mit freundlichen Grüßen 
...:(

DB : 20.02.2020 |
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  • RE: Zur Prüfung nicht zugelassen, was tun?

    Hallo DB,

    vielen Dank für deine Anfrage, gern helfen wir dir weiter.

    Du musstest eine harte Zeit durchmachen, daher kann ich verstehen, wenn du enttäuscht bist, weil du die Prüfung nicht antreten darfst.

    Die Zulassung zur Abschlussprüfung kann dir verwehrt werden, wenn die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet wurde. Konkret heißt das, dass man während der Ausbildung natürlich mal wegen Krankheit fehlen kann. Allerdings gibt es eine Faustregel die besagt, dass man zwischen 10-15% Fehlzeiten haben darf, was bei einer 3-Jährigen Ausbildung etwa 120 Tage entspricht.

    Dein Betrieb darf dich aber schonmal nicht kündigen, weil du nicht zur Prüfung zugelassen wurdest. Deine Ausbildung verlängert sich um ein halbes Jahr, bis zum nächsten Prüfungstermin.

    Versuch nochmal mit deinem Ausbilder und deinem Berufsschullehrer zu sprechen. Wenn beide dir ein Schreiben oder ähnliches geben würden, dass sie glauben du bestehst so eine Prüfung, dann könnte es sich die Kammer vielleicht nochmal überlegen. Aber sicher ist das natürlich nicht.

    Mein Rat wäre, dich nochmal an deine zuständige Gewerkschaft zu wenden. Die Kolleginnen und Kollegen kennen sich mit diesen Themen sehr gut aus und können dich im Zweifelsfall auch rechtlich beraten. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di
    Geschäftsstelle Karlsruhe
    Rüppurrer Straße 1 a
    76137 Karlsruhe
    Tel.: 0721/38 46-000
    Fax: 0721/3846-335
    E-Mail: bz.mittelbaden-nordschwarzwald@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren wollt, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d8729f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!    

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi     
    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 21.02.2020


  • RE: Zur Prüfung nicht zugelassen, was tun?

    Vielen Dank Dr. Azubi!

    Bedauerlicherweise habe ich von meinem Betrieb die Kündigung erhalten. Diese sogar außerordentlich fristlos.

    In der Kündigung beruft sich der Betrieb darauf:

    1.

    "Gem. Paragraph 4 des Azubivertrags hat der Azubi am Unterricht und an den Prüfungen teilzunehmen.

    Am 20.02 teilte die Kammer mit, dass Sie nicht zugelassen werde, da eine Benotung aufgrund fehlender Leistungsnachweuse nicht erfolgen konnte. 

    Aus dem Zeugnis ergeben sich 16 Fehltage, davon 5 unentschuldigt. 

    2.

    Gem. Paragraph 4 des Azubivertrags hat der Azubi die Ausbildungsnachweise ordnungsgemäß zu führen und regelmäßig vorzulegen. 


    Die Nachweise wurden in der KW 7 2020 erst zur Unterzeichnung vorgelegt. 

     

    3.

    Das Fernbleiben vom Unterricht ist dem Ausbilder unverzüglich mitzuteilen.

    Das 5 unentschuldigte Fehlzeiten bei der Schule vorliegen, wurden dem Ausbilder nicht mitgeteilt.

    aufgrund dieser Verstoße wird außerordentlich fristlos gekündigt."

    Meine Anmerkungen:

    Zu Punkt 1: Man kann dies nicht als Kündigungsgrund aufzählen, da dies keine Kündigung rechtfertigt, oder?

    Zu Punkt 2: Ich sollte immer einer Angestellten meine Nachweise vorlegen, dies habe ich auch getan. So was das besprochen. Mein Ausbilder wollte diese nie sehen und sich auch nicht damit befassen. Unterzeichnungen sind in jedem Berichtsmonat von meinem Ausbilder da. Er hat mich auch nicht an diesem Tag darauf angesprochen, weshalb er diese nicht regelmäßig bekommen hat. Alle wurden kommentarlos unterzeichnet. 


    Zu Punkt 3:

    Ich habe vor 4 Wochen eine Abmahnung wegen dieser 5 unentschuldigten Zeiten erhalten. In dieser wurde mir die Kündigung angedroht. Es folgte aber keine unentschuldigte Fehlzeit nach dieser Abmahnung. Somit hatte der Betrieb bereits Kenntnis davon. Auch schon viel früher als ich die Abmahnung erhalten habe. Die Abmahnung kam durch ein Schreiben der Berufsschule, dass ich 5 unentschuldigte Fehlzeiten aufweise. Darauf folgte dann die Abmahnung. Aber nach der Abmahnung gibt es keinen unentschuldigten Tag.

    Auf diese Abmahnung beruft sich der Betrieb in der Kündigung nicht. 


    Können Sie mir bitte mitteilen, ob dies rechtens ist? Ob meine Chancen gut stehen, Kündigungsschutzklage einzureichen?

    ich bin wirklich sehr traurig, weiß nicht mehr weiter. Finde es sehr heftig, dass man mir die Kündigung ausspricht obwohl ich erst selbst erfahren habe, dass ich nicht zugelassen werde. 



    Vielen Dank.

    Mit freundlichen Grüßen 
    DB

    DB : 22.02.2020


  • RE: Zur Prüfung nicht zugelassen, was tun?

    Hallo DB,

    das ist jetzt echt blöd gelaufen mit der Kündigung, ich kann verstehen das du traurig bist. Aber schauen wir mal genauer auf die Sache!

    Wenn du eine Kündigung erhältst, hat dies oft viele Gründe. Wir empfehlen dir, dringend, gegen die Kündigung vorzugehen. Auch dann, wenn du nicht mehr in den Betrieb zurück gehen möchtest. Handle schnell, denn du hast nur drei Wochen Zeit, etwas gegen die Kündigung zu unternehmen. Danach ist sie wirksam.

    Hier die rechtlichen Grundlagen:
    Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Das Berufsausbildungsverhältnis kann von deinem_r Ausbilder_in nur außerordentlich und fristlos (das heißt von heute auf morgen) gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz).

    Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule
    • Urlaubsantritt ohne Genehmigung
    • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule
    • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)
    • nachgewiesener Diebstahl
    • Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

    Selbst wenn diese Gründe vorliegen, muss man in deinem Fall noch genau prüfen, ob sie für eine fristlose Kündigung ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass fristlose Kündigungen oft nicht rechtens sind.

    Bei leichten Pflichtverletzungen oder Vergehen ist eine fristlose Kündigung erst dann erlaubt, wenn du dein Verhalten nicht änderst, obwohl du von deinem Betrieb schon öfter eine Abmahnung dafür bekommen hast. Du musst deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) bekommen haben, bevor du gekündigt werden kannst. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichen.

    Keine Kündigungsgründe sind:

    • Fehlerhafte oder schlechte Leistungen in Betrieb/Berufsschule
    • Krankheit

    Eine Kündigung muss immer schriftlich sein. Die Gründe müssen dabei genau angegeben werden, sonst ist die Kündigung nicht wirksam.

    Folgende Schritte solltest du so schnell wie möglich gehen:

    • Wende dich an deinen Betriebsrat (falls vorhanden)
    • Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei, Klage gegen die Kündigung zu erheben.
    • Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell einen Antrag für ein Schlichtungsverfahren bei deiner zuständigen Kammer oder dem zuständigen Arbeitsgericht stellen. Sie leitet dann ein Schlichtungsverfahren ein.
    • Falls deine Klage Erfolg hat, du aber nicht mehr zurück in deinen Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal um einen neuen Ausbildungsbetrieb kümmern. Wende dich an deine Berufsschulsozialarbeit, sie hilft dir dabei, wie es beruflich weitergeht. Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/kuendigungdurch-den-azubi.html#Bewerbung. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de.

    Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im

    Bekanntenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines

    Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probe arbeiten.

    Ich denke, dass du durchaus Erfolg mit so einer Klage haben könntest. Auf jeden Fall solltest du dich aber nochmal mit deiner Gewerkschaft zusammensetzen. Hier ist nochmal der Kontakt für dich:

    Ver.di
    Geschäftsstelle Karlsruhe
    Rüppurrer Straße 1 a
    76137 Karlsruhe
    Tel.: 0721/38 46-000
    Fax: 0721/3846-335
    E-Mail: bz.mittelbaden-nordschwarzwald@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren wollt, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d8729f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi         
    P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 24.02.2020


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