Deutscher Gewerkschaftsbund

Sozialanträge für Unterstützung während der Ausbildung

Hallo, und zwar geht es darum, dass ich mit meinem Ausbildungsgehalt nicht über die Runden komme und deshalb schon mehrere Sozialanträge gestellt habe, die jedoch alle erfolglos waren. Ich verdiene im Moment 576€ netto und bekomme bis Februar 2020 (da werde ich 27) 297€ Halbwaisenrente da mein Vater leider vor kurzem verstarb. (Das ist auch die Begründung warum ich jetzt erst eine Ausbildung mache, da ich die letzten Jahre vor seinem Tod viel im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb mitgearbeitet habe.) Ich habe also 873€ aber allein die Miete mit Nebenkosten sind schon 400€, die Unterbringung im Berufsschulblock muss ich selbst bezahlen (ca. 600€ pro Block - aber nur da ich kein Essen dazu buche um zu sparen & ca. 3 Blöcke im Jahr) und die Fahrt zur Berufsschule kostet im Schnitt auch 150€ pro Block. Hinzu kommt, dass ich ca. 1.700€ Schulden beim Bafög-Amt habe. Ich habe eine Ausbildung zum Erzieher begonnen, jedoch nach dem ersten Jahr abgebrochen. Die Schule sagte mir, dass mir das Bafög also das ganze Jahr über zusteht aber rückwirkend wollte das Bafög-Amt doch ein halbes Jahr zurückgezahlt haben und der Schule tut diese falsche Aussage leid aber ich kann jetzt rückwirkend trotzdem keine andere Leistung für diesen Zeitraum mehr beantragen sondern muss auch noch Schulden zurückzahlen. Ich habe bereits im Frühjahr 2018 Berufsausbildungsbeihilfe beantragt und ein Jahr lang mehrmals nachgehakt, woraufhin man mir immer sagte, dass ich bitte warten soll. Ich habe mich damit getröstet, dass es ja rückwirkend ab Antragsstellung nachgezahlt werden muss. Nach einem Jahr stand vor kurzem auf einmal im Online-Portal, dass es abgelehnt wurde. Ich habe angerufen und es hieß, dass ich im dritten Lehrjahr zusammen mit der Halbwaisenrente zu viel verdiene. Dass es im Moment nicht zu viel ist und dass im dritten Lehrjahr ab Februar die Rente wegfällt interessiere sie nicht, da sie sich den ganzen Zeitraum anschauen. Einen schriftlichen Ablehnungsbescheid wollen sie mir nicht geben, da sie nicht verpflichtet sind da ich meinen Antrag online gestellt habe. Wenn ich nicht in das Portal reingeschaut hätte, hätte ich nicht mal die Ablehnung mitbekommen, da keine Mail oder Brief kam... Also habe ich Wohngeld beantragt und extra am 31.01.2019 noch zur Fristwahrung eingeworfen, damit der Januar dazu zählt. Das Wohngeld wurde mir nun auch abgelehnt mit der Begründung, dass mir etwas anderes zusteht (Förderung der Ausbildung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, nach den §§56, 116 Abs. 3 oder § 122 SGB III oder Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes im Rahmen des Sonderprogrammes MobiPro-Eu).

Frage 1: Was soll ich als nächstes probieren zu beantragen? Frage 2: Soll ich alles mögliche auf einmal beantragen? Wenn ich immer bis zur Ablehnung warte, sind diese Monate ja verloren. Ich bin ja seit über einem Jahr aktiv am beantragen aber wenn alles abgelehnt wird, wird es ja auch rückwirkend nicht mehr bezahlt und diese Monate mit Schuldenanhäufung sind mein Problem weil ich warten muss... Funktioniert unser Sozialstaat wirklich so? Versteht ihr was ich meine? Die Leute beantragen ja nichts ohne Grund und häufen bis dahin Schulden an und wenn alles nach Monaten abgelehnt wird und nicht rückwirkend bezahlt wird, ist es das Problem des einzelnen... Ich dachte man beantragt eins nach dem anderen um die Instanzen durchzugehen und weil es auch voneinenander abhängt aber mittlerweile frage ich mich, ob ich alles auf einmal beantragen soll, damit nicht noch weitere Monate ohne Leistung vergehen... Es kann doch nicht sein, dass ein Azubi weniger als das Existenzminimum bekommt und zusätzlich die Ausbildung mitfinanzieren muss. PS: Das einzige, das ich bekomme ist ein kleiner Zuschuss vom Landratsamt zur Berufsschule. Aber auch dieses war schwer zu bekommen und wurde erst bezahlt, als mein Ausbilder dort angerufen hat und gesagt hat, dass es doch nicht sein kann, dass sie einen jungen Menschen, der vor kurzem seinen Vater verlor und sein ganzes Leben selbst finanziert so in den Weg stellen ... Ich hoffe sehr, dass ihr mir Tipps habt!

Danke + LG Moni

Moni: 14.03.2019 10:44:52 |
  • RE: Sozialanträge für Unterstützung während der Ausbildung

    Hallo Moni,

    vielen Dank für deine Anfrage, gern helfen wir dir weiter.

    Erst einmal herzliches Beileid zu deinem Verlust. Ich kann verstehen wie schwer es für dich sein muss und wie frustrierend es ist immer wieder eine Ablehnung deiner Anträge zu erhalten.

    Da du bereits BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) und Wohngeld abgelehnt bekommen hast, bliebe noch die Möglichkeit Arbeitslosengeld II für Auszubildende zu beantragen.
    Mit der Gesetzesänderung des SGB II, die ab 01.08.2016 in Kraft getreten ist, haben alle Auszubildende, die in Berufsausbildung oder in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme – sofern sie nicht beim Ausbilder, in einem Wohnheim oder Internat untergebracht sind, einen grundsätzlichen Anspruch auf ALG II (§7 Abs.5 SGB II). Prinzipiell gilt jedoch: BAB ist vorrangig gegenüber dem ALG II! Bei der Prüfung des Anspruches auf ergänzende Leistungen nach dem SGB II wird die Bedürftigkeit geprüft und das Gehalt der Eltern in der Erstausbildung mit einberechnet.
    Welche Azubis können ALG II nun beantragen?
    • minderjährige Azubis, denen BAB deswegen verweigert wurde, weil ihr Elternort in zumutbarer Entfernung vom Ausbildungsort entfernt ist;
    • alle Azubis, die nicht in einem Wohnheim oder Internat oder bei dem Ausbilder wohnen.
    Die ALG II Leistungen musst du extra bei der ARGE beantragen - frage einfach bei der Agentur für Arbeit nach.

    Ich würde dir aber auch noch empfehlen, dich mit deiner Gewerkschaft in Verbindung zu setzen. Die Kolleginnen und Kollegen kennen sich mit solchen Anträgen oft sehr gut aus und können auch noch einmal über deine Ablehnung schauen und prüfen ob das wirklich alles so stimmt wie vom Amt behauptet.

    Hier ist ein Kontakt zu deiner zuständigen Gewerkschaft für dich:

    IG Metall
    Geschäftsstelle Stuttgart
    Theodor-Heuss-Str. 2
    70174 Stuttgart
    Tel.: 0711/16278-0
    E-Mail: stuttgart@igmetall.de

    Da könnt ihr anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass ihr von Dr. Azubi kommt.... Als Gewerkschaftsmitglied habt ihr Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltet ihr euch überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, eurer Gewerkschaft beizutreten - wenn ihr nicht schon Mitglied seid. Ihr könnt jederzeit Mitglied eurer Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Wenn ihr mehr über unsere Arbeit erfahren wollt, dann folgt diesem Link: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 15.03.2019 11:52:03


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