Deutscher Gewerkschaftsbund

Achtung: "Dr. Azubi" macht Weihnachtsferien! Im Zeitraum von 24. Dezember 2018 bis 1. Januar 2019 findet die Beratung im "Dr. Azubi"-Forum nur eingeschränkt statt. Es kann daher zu Zeitverzögerungen bei den Antworten kommen. Im neuen Jahr sind wir dann wieder uneingeschränkt für euch da.

Ausbildungsunterbrechung wg. Krankheit + Betriebswechsel

Hallo,

Ich versuche momentan herauszufinden, was die beste Vorgehensweise für mich ist.

Meine Situation ist die Folgende: Ich bin seit 2016 Azubi im Fotografenhandwerk, habe auch Anfang 2018 erfolgreich meine Zwischenprüfung abgelegt.
Anfang Juni 2018 dann bin ich mit akuten psychischen Problemen in eine Klinik eingewiesen worden. Seitdem bin ich in meinem Ausbildungsbetrieb durchgängig krankgeschrieben.

Allerdings war die Klinik nicht optimal für mich, und aktuell bin ich gerade dabei, in eine andere Klinik zu wechseln (bin dort aber noch nicht aufgenommen worden, ich befinde mich noch in der Diagnostik). Nebenher besuche ich, quasi “zur Überbrückung“ eine ambulante Therapeutin.

Nun ist es so, dass ich die Ausbildung nach meiner Genesung zwar gerne weitermachen möchte, allerdings auf keinen Fall im selbem Betrieb, da dieser durchaus zu meiner Krankheit beigetragen hat.

Mich immer weiter einfach krankmelden, obwohl ich den Betrieb verlassen möchte, erscheint mir nicht gerade als die feine Art. Zudem setzt mich jeder monatliche “Hallo liebe Chefin, ich bleibe auch weiterhin krank“-Anruf unter starken Druck und hat auch schonmal für einen nervlichen Zusammenbruch gesorgt.

ich habe von er IHK erfahren, dass man, wen die Unterbrechung der Ausbildung weniger als 2 Jahre dauert, die Ausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen kann, und sich die bisherigen Leistungen anrechnen lassen kann.

Das, was ich momentan am liebsten machen möchte, ist, bei meinem jetzigen Betrieb zu kündigen, und mir dann, wenn sich meine Therapie dem Ende zuneigt bzw. ich alles etwas besser absehen kann, mir einen neuen Betrieb zu suchen und dort wieder einzusteigen.

Ist das eine praktikable Idee? Wie genau soll ich vorgehen, oder vielleicht doch anders an die Sache rangehen?

Könnte ich von meinem AG einen Aufhebungsvertrag bekommen, auch wenn ich noch keine neue Stelle habe (weil ich eben nicht weiß, wann ich diese antreten könnte), oder geht das nicht?

Fest steht auf jeden Fall, dass ich so wie jetzt (stetige Krankmeldung Monat für Monat) ungern weiter machen möchte.

Für Hilfe wär ich sehr dankbar!

P.S.: Ich habe auch normal Lohnfortzahlung gekriegt, bzw. inzwischen eben Krankengeld. Der finanzielle Aspekt ist allerdings für mich nur nebensächlich, da ich im Moment bei meiner Familie wohne.

Maria: 05.12.2018 18:43:39 |
  • RE: Ausbildungsunterbrechung wg. Krankheit + Betriebswechsel

    Hallo Maria,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Gerne beraten wir dich.

    Es tut mir sehr leid, dass du deine Ausbildung wegen psychischer Probleme unterbrechen musst. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, dich erstmal um deine Gesundheit zu kümmern, bevor du wieder in der Ausbildung durchstartest.
    Von der Kammer weißt du, dass die bisher geleistete Ausbildungszeit angerechnet wird, wenn du innerhalb von zwei Jahren einen neuen Betrieb findest, der dich bis zum Ende der Ausbildung ausbildet.
    Das ist richtig, allerdings musst du dann auch einen Betrieb finden, der dich im dritten Lehrjahr nimmt und dich die restliche Zeit ausbildet. Das kann unter Umständen schwierig werden. Wir raten den Azubis deshalb ungern zur Kündigung, wenn klar ist, dass sie für einen längeren Zeitraum krank sind. Denn wenn du in deinem momentanen Betrieb mit einer Krankmeldung bleibst, dann hast du immer noch die Chance, nach deiner Genesung zurückzukehren. Das bedeutet ja nicht, dass du das dann auch machen musst. Aber es bleibt die Möglichkeit und kündigen oder einen Aufhebungsvertrag vorschlagen kannst du ja nach der Therapie immer noch. Es kann auch sein, dass sich in deinem Betrieb einiges ändert oder du dich total veränderst und es für dich eine Option wäre, in den Betrieb zurück zu gehen.
    Deshalb solltest du dir überlegen, ob es für dich besser ist, weiterhin krankgeschrieben zu sein, um dir die Option wenigstens offen zu halten.
    Ich kann gut verstehen, dass dich monatliche Anrufe bei der Chefin stark unter Druck setzen. Das ist auch wirklich unangenehm. Aber du musst ja auch gar nicht unbedingt anrufen. Du könntest einfach rechtzeitig die Krankmeldung per Einschreiben schicken. Wenn du möchtest, kannst du ja einen kurzen Brief an deine Chefin dazu schreiben.
    Eine weitere Frage war, ob du deinem Betrieb einen Aufhebungsvertrag vorschlagen kannst. Das ist prinzipiell immer möglich und du kannst bei so langer Krankheit auch davon ausgehen, dass der unterschrieben wird. Es spielt dabei keine Rolle, ob du schon einen neuen Betrieb hast, denn der Aufhebungsvertrag löst das Ausbildungsverhältnis in beiderseitigem Einvernehmen auf.
    Aber, wie gesagt, du solltest dir das nochmal genau überlegen und mit deiner Familie darüber sprechen.

    Dr. Azubi wünscht dir alles alles Gute für deine Zukunft.

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Essen
    Teichstr. 4a
    45127 Essen
    Tel.: 0201 24752-0
    Fax: 0201 24753-0
    E-Mail: bz.ruhr-west@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 06.12.2018 16:27:31


  • RE: Ausbildungsunterbrechung wg. Krankheit + Betriebswechsel

    Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und die Infos!
    Ich habe mich nochmal mit meiner Familie beratschlagt, und bin denke ich, zu einem Entschluss gekommen.

    Eine Rückkehr zu meinem jetzigen AG kommt für mich nicht in Frage, da ich den Wechsel auch schon vor meiner Krankheit (und aus anderen Gründen, die mit der Krankheit nicht in Verbindung stehen), angestrebt habe.

    Ich habe nun vor, meinen AG um einen Auflösungsvertrag und die Ausstellung eines Arbeitszeugnisses zu bitten, und mir im nächsten Jahr zu gegebener Zeit eine neue Stelle zu suchen. Ggf werde ich mich auch dort so bewerben/vorstellen, dass ich die Zeit bis zum Beginn es Ausbildungsjahres als (auch unbezahlte) Praktikantin dort arbeite, damit der Betrieb und ich uns kennen lernen, und der Betrieb keine völlig fremde Bewerberin aus heiterem Himmel fürs letzte Ausbildungsjahr aufnimmt. Eventuell werde ich sowieso von meiner Therapie aus meine Berufstätigkeit nur schrittweise wieder aufnehmen und nicht direkt wieder voll einsteigen.

    Dieser Plan erscheint mir machbar, da ich so auf jeden Fall in der Lage bin, einem potenziellen neuen AG sowohl meine Unterbrechung als auch meinen Wunsch nach einem Wechsel plausibel zu erklären.

    Nun würde ich nur von Ihnen gerne noch einmal wissen, ob es dabei irgendwelche Denkfehler oder legalen Stolpersteine gibt, an die wir nicht gedacht haben.

    Außerdem habe ich in einem anderen Forumsbeitrag hier gelesen, dass man, wenn man eben wie ich nun den Betrieb mitten in der Ausbildung verlässt, auf jeden Fall “behaupten“ soll, dass man die Ausbildung beenden will, und der AG möglichst nicht erfahren soll, dass man plant, die Ausbildung woanders fortzusetzen. Das erscheint mir nicht besonders schlüssig, da es dem Betrieb doch egal sein kann, was man danach macht? Es wäre super, wenn Sie mir dazu noch ein paar Worte der Klarheit sagen könnten. Ich würde die ganze Angelegenheit ungern noch weiter verkomplizieren.

    Danke nochmal!

    Maria: 06.12.2018 22:22:02


  • RE: Ausbildungsunterbrechung wg. Krankheit + Betriebswechsel

    Hallo Maria,

    Deine Gesundheit geht immer vor und es ist auch immer wichtig, die Familie als Rückhalt hinter sich zu haben. Wir können dir natürlich nicht sagen, was für dich am besten ist, das kannst nur du entscheiden.

    Wenn du deinen Arbeitgeber aber um einen Aufhebungsvertrag bitten möchtest, solltest du ein paar Dinge beachten:

    Der Aufhebungsvertrag wird zweimal angefertigt. Jedes Exemplar wird dann von Azubi und Ausbilder unterschrieben. Azubi und Ausbilder erhalten je ein Exemplar. Falls der Aufhebungsvertrag vom Betrieb aufgesetzt wird, solltest du den ganzen Vertrag gründlich lesen, vor allem das Kleingedruckte. Ein einfacher Aufhebungsvertrag sieht so aus:

    Ort/Datum
    Aufhebungsvertrag

    Zwischen
    ___(Name Ausbilder)
    und
    ____(Name Azubi)

    Hiermit beenden die Vertragsparteien in gegenseitigem Einvernehmen das Ausbildungsverhältnis zum ________(Datum).

    ____________(Ort, Datum)
    ____________(Unterschrift Ausbilder)
    ____________(Unterschrift Azubi)

    Im selben Zug kannst du dir auch ein Arbeitszeugnis ausstellen lassen. Solltest du dir nicht sicher sein, ob das, was in deinem Arbeitszeugnis steht auch korrekt ist, kannst du dir Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Ein Arbeitszeugnis richtig zu lesen, ist oft nicht einfach. Bei deiner Gewerkschaft kannst du das Arbeitszeugnis einreichen und es überprüfen lassen. Wenn etwas drin steht, das nicht rechtens ist, kannst du ein neues Arbeitszeugnis verlangen. Bestimmte Informationen wie Krankheitszeiten, etc. haben im Arbeitszeugnis zum Beispiel nichts zu suchen.
    Wichtige Informationen rund um das Arbeitszeugnis findest du unter: http:/​/​www.verdi.de/​service/​beratung-unterstuetzung/​++co++cbf7a28c-c420-11e0-77d5-00093d114a​fd

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di
    Geschäftsstelle Essen
    Teichstr. 4a
    45127 Essen
    Tel.: 0201 24752-0
    Fax: 0201 24753-0
    E-Mail: bz.ruhr-west@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 08.12.2018 16:58:02


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