Deutscher Gewerkschaftsbund

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Wegezeiten zur Baustelle

Hallo, ich bin Maler und Lackierer Lehrling und es komm oft vor, dass unsere Baustellen auswärts sind und ich daher erst zum vereinbarten Treffpunkt erscheinen muss(was meistens schon 1std fährt heißt) und vom Treffpunkt aus wieder ne Stunde mit dem Auto fahren(bin Beifahrer) Das heißt ich bin jeden Tag 4std unterwegs. Normalerweise beginnt die Arbeitszeit um 7Uhr und deswegen muss ich schon um 6Uhr an der Sammelstelle sein. Meine Frage lautet: Darf ich wegen der Wegezeiten verlangen auf eine andere Baustelle geschickt zu werden? Und müssen die Wegezeiten vergütet werden?

Dawid: 11.08.2018 07:13:03 |
  • RE: Wegezeiten zur Baustelle

    Hallo Dawid,

    Danke für deine Anfrage im Forum. Gerne beraten wir dich.

    Laut einer Information der Handwerkskammer Schwaben gehören zur Arbeitszeit Wegezeiten, die innerhalb des Betriebes oder zu einer außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstelle erforderlich sind. Wegezeiten sind demnach immer dann Arbeitszeiten, wenn sie betriebsbedingt nach und vor dem Ende der normalen Beschäftigung liegen oder von der Betriebsstätte aus zu den außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstätten benötigt werden, und im Betrieb vorher oder nachher noch gearbeitet wird. In diesem Fall beginnt und endet die Arbeitszeit in der Betriebsstätte. Auch die Wegezeit zwischen zwei Arbeitsstellen zählt zur Arbeitszeit.

    Dies gilt aber nicht unbedingt, wenn im Betrieb nicht mehr gearbeitet wird oder die Fahrt zur Baustelle von einer Sammelstelle oder von zu Hause aus angetreten wird. In diesen Fällen regeln häufig Tarifverträge die Anrechnung auf die Arbeitszeit. Maßgeblich für die Berechnung ist die Zeit der Benutzung des zeitgünstigsten öffentlichen Verkehrsmittels.

    Es bestehen keine gesetzlichen Grundlagen, welche die Anrechnung der Wegezeiten klar regeln. Liegen keine tariflichen Regelungen vor, oder finden diese keine Anwendung, dann wird die Wegezeit zur Baustelle, abzüglich der Zeit, die Du vom Treffpunkt bzw. von zu Hause aus bis zum Betriebssitz gebraucht hättest, zur Arbeitszeit hinzugerechnet. Die Handwerkskammer Schwaben weist weiter darauf hin: „In einem Schreiben vom 23.04.2001 geht allerdings das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz davon aus, dass Fahrzeiten vom Betrieb zur Montagestelle bei Jugendlichen und Erwachsenen generell zur Arbeitszeit zählen.“ Daraus wird deutlich, dass in diesem Punkt unterschiedliche Auffassungen bestehen.

    Als Teil der Arbeitszeit zählen betrieblich veranlasste Wegezeiten, die durch die Beförderung des Auszubildenden vom Betrieb zu einer anderen Arbeitsstätte anfallen oder die Zeit für den Weg zwischen dem Betrieb und einer außerbetrieblichen Ausbildungsstätte oder auch die Zeit von einer Arbeitsstelle (oder Baustelle) zur nächsten (etwas bei Monteursarbeiten) oder bei einem Außendienstmitarbeiter von einem Kunden zum nächsten, nicht aber sonstige Wegezeiten von zu Hause zum Betrieb oder der Nachhauseweg. Hat der Auszubildende auf Weisung des Ausbildenden die Arbeit nicht im Betrieb aufzunehmen, sondern an einer Montage-oder Baustelle, zählt die von ihm dafür benötigte Wegezeit dann als Arbeitszeit, wenn die dafür aufgewendete Zeit über die Zeit hinausgeht, die der Auszubildende normalerweise von seiner Wohnung bis zum Betrieb oder zur üblichen Arbeitsstätte benötigt (§11 BBIG, §4 Abs.1 JArbSchG).

    Du solltest Dich daher mal an deine Gewerkschaft wenden und fragen, ob vielleicht für dich ein Tarifvertrag die Anrechnung regelt bzw. dort kannst Du erfragen welche Vereinbarungen in der Praxis mit dem Arbeitgeber üblich sind. Hier ein Kontakt:

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG Bau Bezirksverband
    Hamburg
    Jungestr. 1
    20535 Hamburg
    T: 040 253044 0
    F: 040 25 30 44 23
    E: hamburg igbau.de
    W: http:/​/​www.hamburg.igbau.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.
    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann klicke hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​++co++f0e4cfdc-7dbc-11e7-b753-525400d872​9f

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße
    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 11.08.2018 22:28:24


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