Deutscher Gewerkschaftsbund

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Arbeitsverweigerung aufgrund Artikel 4 GG

Hallo Dr. Azubi,
ich arbeite seit 2 Jahren als Möbeltischler, weshalb ein nicht ungewisser Teil meiner Arbeitszeit auch im Umgang mit Kunden und Kundinnen besteht. Aufgrund der vielen politischen Diskussionen und einem stärkerem Bedürfnis der Leute ihre politische Meinung auch zu äußern, habe ich mich gefragt, ob ich die Arbeit für bekennende Nazis, Rassist_innen und anderweitig Verwirrte verweigern darf. Also wenn ich solche Äußerungen mitbekomme und andererseits, wenn von Anfang an klar ist, dass es sich um z.B. einen Ladenausbau des NPD-Büro's handelt. Bei religiösen Gründen weiss ich, dass es durchaus legitim ist die Arbeit zu verweigern, aber wie sieht es da bei politischen bzw. moralischen Überzeugungen aus?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

MfG
Franz

Franz: 19.01.2016 |
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  • RE: Arbeitsverweigerung aufgrund Artikel 4 GG

    Lieber Franz,

    vielen Dank für deine Anfrage. Deine Frage ist nicht sehr leicht zu beantworten. Allem voran bist du kein Arbeitnehmer sondern Azubi und deine Hauptaufgabe besteht darin deinen Beruf zu erlernen. Dein Ausbilder verfügt über das Weisungsrecht und kann von dir erwarten, dass du seinen Anweisungen folgst, sofern sie im Rahmen der Ausbildungsverpflichtungen liegen. Ich kann sehr gut verstehen, dass dir das gegen den Strich geht einen Auftrag zu erledigen, der Leuten nutzt, für die du Verachtung verspürst. Wäre es dein Geschäft, könntest du selbst entscheiden, mit wem du Geschäfte machst und mit wem nicht. Deinem Ausbildungsbetrieb ist es vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich politische Gesinnungen bei der Annahme von Aufträgen zu berücksichtigen. Rede am besten mit deinem Ausbilder und schildere deinen Konflikt. Versuche vielleicht auch ihm verständnisvoll zu begegnen, denn wenn du dich verweigerst aus politischen Gründen, fühlt sich dein Ausbilder eventuell persönlich angegriffen. Vielleicht kann er dich für andere Aufgaben einsetzen und aus dem Auftrag heraushalten. Wenn du dich grundsätzlich verweigerst, kann das durchaus dazu führen, dass dein Ausbilder dich abmahnt und im Wiederholungsfall kündigt. Dann wäre es an dir vor das Arbeitsgericht zu ziehen, um dich auf dein Gewissen zu berufen, etc. Das ist vielleicht unnötig viel Stress. Andernfalls kann ich dir nur raten dich bitte an deine Gewerkschaft zu wenden und da beraten zu lassen. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand. Dann bist du in guten Händen falls wirklich etwas passiert:

    IG Metall
    Jägerstr. 5-7
    09111 Chemnitz

    Tel.: 0371/66603-0
    Fax: 0371/66603-60

    E-Mail: chemnitz@igmetall.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi
    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 21.01.2016


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