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Dr. Azubi

Wohngeld / BAB

Hallo, ich bin Auszubildende im zweiten Lehrjahr und verdiene knapp 950€. Ich wohne alleine und meine Miete beträgt knapp 600€ warm. Um die Ausbildung bestmöglich abschließen und mich auf den schulischen Teil konzentrieren zu können kam bislang kein Minijob in Frage, da dies zeitlich garnicht passen würde. Die Ausbildungsvergütung ist definitiv nicht ausreichend um so problemlos über die Runden zu kommen. Meine Eltern können mich ebenfalls nicht unterstützen, da unter anderem die gesundheitliche Situation eines Elternteils (ebenfalls nachweisbar) dies nicht ermöglicht.
Im letzten Jahr habe ich einen Wohngeldantrag gestellt, welcher mit dem BafÖg-Ablehnungsschreiben akzeptiert und genehmigt wurde. Somit habe ich Wohngeld als Auszubildende der selben Tätigkeit und Gehalts erhalten. Ich habe bereits vorzeitig im Oktober 2023 meinen Weiterleistungsantrag gestellt, sodass ich nicht in Verzug mit der Auszahlung gerate. Bis März 2024 wurde ich hingehalten. Nach mehrmaligen Aufforderungen wurden dann 1-2 Dokumente angefordert, welche ich sofort eingereicht habe. Im Mai 2024 hat mir die Sachbearbeiterin mitgeteilt, dass ein BAB-Ablehnungsbescheid benötigt wird. Ein solcher Antrag und die Bearbeitung dessen nimmt ebenfalls eine gewisse Zeit in Anspruch, weswegen ich echt wütend war. Zudem kommt die Option einer Ablehnung aufgrund von 'zu hohem Einkommen', was bedeuten würde dass ich KEIN Wohngeld rückwirkend erhalte. Dies ist nun der Fall. Ich wurde aufgrund von 'zu hohem Einkommen' was für mich nicht erklärbar ist abgelehnt. Die Wohngeldstelle teilt mir nun mit, dass ich somit auch kein Wohngeld erhalten kann. 
1) Ich bin davon ausgegangen, dass ich es erhalten werde da ich es im Vorjahr unter den selben Bedingungen erhalten habe. Ansonsten hätte ich keine sechs Monate gewartet.

2) Eine Anwältin hat mir empfohlen mehrmals Widerspruch einzulegen, da es unter meinen Bedingungen evtl. zu einem Nachlass und somit einer Auszahlung kommen kann. 

Ich würde gerne wissen wie meine Chancen stehen ?
VIELEN DANK!!! :-)

RE: Wohngeld / BAB

Hallo SiTe!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das klingt alles ziemlich unfair und stressig und ich kann verstehen, dass dich das ganz schön wütend macht und in Bedrängnis bringt.

Grundsätzlich ist es so: Du kannst als Azubi nur dann Wohngeld beantragen, wenn dir Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) „dem Grunde nach“ nicht zusteht, also z. B. wenn du deine zweite Ausbildung machst oder dein Ausbildungsberuf nicht staatlich anerkannt ist.

Nur in diesem Fall haben volljährige Azubis, die am Ausbildungsort eine Wohnung gemietet haben und die Kosten für diese Wohnung selbst aufbringen müssen, gute Chancen Wohngeld zu erhalten. Den Wohngeldantrag musst du bei der zuständigen Wohngeldstelle der Gemeinde stellen, in welcher sich deine Wohnung befindet.

Unter https://wohngeldantrag.de findest du alle wichtigen Informationen. Außerdem kannst Du dich bei der dazugehörigen kostenlosen Wohngeldberatung telefonisch informieren (die Tel. findest du unter: https://www.online-beratungsstellen.de/soziales.html).

Wie gesagt, müsste dir für das Wohngeld die BAB “dem Grunde nach” nicht zustehen. Das heißt, die Voraussetzungen, um BAB theoretisch bekommen zu können, sind nicht erfüllt. Deswegen hier die Infos zur BAB, damit du schauen kannst, ob du die Voraussetzungen dafür erfüllen würdest und es nicht “nur” eine Ablehung wegen angeblich zu hoher Ausbildungsvergütung ist.

Die Berufsausbildungsbeihilfe soll dir eine Ausbildung trotz knapper Finanzen ermöglichen. Diese Beihilfe ist ein pauschaler Zuschuss für den Lebensunterhalt und Kinderbetreuungskosten. In der Regel bekommst du aber nur einen Teil davon, da BAB an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft ist:

  • gefördert wird in der Regel nur die erste Ausbildung
  • nur staatlich anerkannte Ausbildungen werden gefördert (betriebliche, sowie außerbetriebliche Ausbildungen), sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen
  • du erhältst nur dann BAB wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst
  • Die finanzielle Situation deiner Eltern, die deines eventuellen Lebenspartners und dein Einkommen, sowie geltende Freibeträge werden bei der Berechnung von BAB berücksichtigt.

Achtung: Es kann passieren, dass du kein BAB erhältst, weil deine Eltern die erforderlichen Auskünfte nicht geben. Oder du erhältst kein BAB, weil das Einkommen deiner Eltern zu hoch ist, aber sie zahlen dir keinen Unterhalt. In diesen Fällen kannst du trotzdem BAB erhalten. Ich würde dir raten, dich ganz schnell bei deiner Gewerkschaft beraten zu lassen. Die können dich auch bei den Widersprüchen unterstützen und du hast evtl. Anspruch auf kostenlosen Rechtsbeistand. Hier ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di Köln
Hans-Böckler-Platz 9
50672 Köln
Tel.: 0221 48558-0
E-Mail: service-west.nrw@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Seit dem 01.08.2022 beträgt der Höchstbetrag 781,00 € monatlich. Der Pauschalbetrag für die Unterkunftskosten ist darin enthalten und wurde auf 360,00 € erhöht. Zusätzlich können ausbildungsbezogene Fahrtkosten bis zu einer Höhe von 476 Euro, Kinderbetreuungskosten bis zu einer Höhe von 160 Euro, Kosten für Arbeitskleidung bis zu 15 Euro sowie die individuellen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung erstattet werden.

Auch die Freibeträge bei der Anrechnung der Einkommen (eigenes und das der Eltern) wurden in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Gute Tipps bekommst du sicherlich auch bei einer kostenlosen Sozialberatungsstelle in deiner Nähe.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

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