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Dr. Azubi

Die Kündigung meines Ausbildungsverhältnisses

Hallo Dr. Azubi,

ich werde zum 1.3.2024 hin meinen Wohnort nach Münster verlagern um mit meinem Freund zusammen zu ziehen und noch aus anderen privaten Gründen. Zur Zeit befinde ich mich in meinem 2ten Ausbildungsjahr zum Veranstaltungskaufmann, mein jetziger Betrieb ist ca. 130 Km von Münster entfernt also ist klar das ein Betriebswechsel unausweichlich ist.

Deshalb habe ich bereits am 20.01.24 in einem Schreiben um einen Aufhebungsvertrag gebeten, diesen möchte mir mein jetziger Betrieb aber nicht erstellen, da sie sich für zukünftige Auszubildende nicht ihren "Ruf" zerstören möchten um kein Nagel im Brett bei der IHK zu haben. Sie möchten das ich von meiner Seite aus kündige und zwar haben sie eine Kündigung in meinem Namen vorgeschrieben mir zugeschickt und ich soll diese bis Montag (29.1.24) unterschrieben zurückgeben, diese enthält allerdings inhaltliche und auch rechtliche Fehler weshalb ich meine eigene Kündigung mit dem Betreff Kündigung des Ausbildungsverhältnisses geschrieben habe.

Meine Frage ist kann ich das Ausbilundsverhältnis kündigen und die gleiche Ausbildung dann in Münster bei einem anderen Betrieb fortsetzen und dort dann auch beenden? Ich hätte ab dem 1.3.24 eine Stelle sicher (der Vertrag ist bereits unterschrieben) und die bisherigen 19 Monate der Ausbildung werden mir auch angerechnet bzw. gut geschrieben steht alles im neuen Vertrag drin.

Wenn ich jetzt eine eigene Kündigung abgebe und argumentiere ich kündige das Ausbildungsverhältnis mit Ihnen aus rein privaten Gründen (Umzug) und ich auch nochmal auf die Bitte um Aufhebungsvertrag Hinweise kann ich dann ohne Probleme bei meinem neuen Betrieb anfangen? Oder könnte ich dann trotzdem gesperrt werden, weil ich kündige ja nur das Ausbildungsverhältnis und nicht die gesamte Ausbildung?

Die Zwischenprüfung werde ich bei der hiesigen IHK am 28.02.24 noch mitschreiben(dort bin ich auch angemeldet zu), da ich mein Ausbildungsverhältnis fristgerecht nach 4 Wochen zum 29.02.24 hin kündigen würde.

Ich möchte ja einfach nur meine Ausbildung woanders fortsetzen und glücklich in meinem neuen Wohnort werden.

Ich danke dir Dr.Azubi schon mal für deine Antwort!

viele Grüße 

mümmelnase 

RE: Die Kündigung meines Ausbildungsverhältnisses

Hallo mümmelnase!

Vielen Dank für deine Anfrage! Bitte nicht einfach kündigen und bitte lass dich von deinem Betrieb hier auch nicht unter Druck setzen, irgendetwas zu unterschreiben! Du musst hier wirklich aufpassen, dass du dann keine Probleme bekommst mit deiner neuen Stelle in Münster und auch mit deiner Zwischenprüfung! Nach der Probezeit kannst du nur ordentlich kündigen, wenn du deinen Ausbildungsberuf wechseln willst. Wenn du in deinem jetzigen Ausbildungsberuf bleiben willst und nur den Betrieb wechseln möchtest, solltest du einen Aufhebungsvertrag machen. Allerdings muss dein Betrieb mit einem Aufhebungsvertrag einverstanden sein. Vielleicht kannst du nochmal mit ihnen reden und auch anbieten, dass die IHK bei dir nachfragen kann, wenn sie die Gründe wissen wollen?

Eine weitere Möglichkeit wäre eine außerordentliche und fristlose Kündigung. Das ist aber nur möglich, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

  • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
  • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
  • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten
  • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
  • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
  • wenn deinem Betrieb die Ausbilder*inneneignung entzogen wird oder er gar keine besitzt
  • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist
  • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbilder*inneneignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten) musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder*in bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der*die Azubi kündigt, ist der*die Ausbilder*in oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

Ich würde dir in deinem Fall ganz dringend raten, dir rechtliche Hilfe bei deiner Gewerkschaft zu holen, damit nichts schief geht bei deinem Wechsel. Hier ist ein Kontakt für dich:

Ver.di
Virchowstr. 130a
47805 Krefeld
Tel.: 02151 8167-0
E-Mail: service-mitte.nrw@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Es gibt für Menschen ohne Einkommen auch sehr reduzierte Beitragssätze.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

 

Liebe Grüße und viel Erfolg!

Dr. Azubi         

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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