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Dr. Azubi

Überstundenauszahlung

Hi,

zu Beginn meiner Ausbildung wurden fehlerhaft 36 Wochenstunden im Ausbildungsvertrag festgelegt. Im Mündlichen war immer von 40 Stunden die Rede, so kam es, dass mir sowie meinem Arbeitsgeber es erst am Anfang des zweiten Jahres auffiel, als wir erneut in den Vertrag geschaut haben.

Da der danach Vertrag so verblieben ist, ging ich ab dem 18. September 2023 mit meinen Arbeitsstunden runter.

Nun habe ich entschlossen, den Betrieb zu verlassen, da ich einen anderen Arbeitsweg eingehen möchte. Und aufgrunddessen stellt sich mir die Frage, ob ich noch immer Anspruch auf die entstandenen Überstunden habe und auf die Auszahlung dieser zusammen mit meinem letzten Gehalt.

Ingesamt sind von August 2022 - September 2023 156 Stunden angefallen.

Ich habe mich an der Berechnung versucht, in dem ich meinen

Bruttogehalt / 4,33 / 36 gerechnet habe, um auf meinen Stundenlohn zu kommen und diesen mit den 156 Stunden zu multiplizieren.

Sicher bin ich mir dabei nicht, allerdings habe ich keine andere Bemessungsgrundlage gefunden.

LG und vielen Dank im Voraus!

RE: Überstundenauszahlung

Hallo Isabell!

Vielen Dank für deine Anfrage! Da hast du ganz schön viele Überstunden gesammelt und die dürfen auf keinen Fall einfach verfallen. Ich würde dir raten, eine Geltendmachung zu schreiben, wenn dir deine Überstunden nicht ausbezahlt werden. Hier ein paar Infos dazu (vielleicht hast du ja auch noch andere Leistungen nicht bekommen) und der Hinweis, wie du deinen Stundenlohn berechnest.

Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Die Geltendmachung schickst du an deine*n Ausbilder*in. Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag) schicken, um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen.

Im Arbeitsrecht gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Die Frist beginnt erst am Ende des Jahres, in dem die Leistung fällig wurde. Das bedeutet, dass du mindestens drei Jahre rückwirkend Leistungen geltend machen kannst. Danach verfallen die Leistungen. Allerdings enthalten viele Tarifverträge so genannte Ausschlussfristen, in denen diese Frist auf drei oder sechs Monate verkürzt ist. Ausschlussfristen können auch in deinem Ausbildungsvertrag vereinbart worden sein. Von daher gilt: Eine Geltendmachung solltest du möglichst gleich schreiben, nachdem die Leistungen fällig geworden sind. Eine schriftliche Aufforderung stoppt den Ablauf der Frist. Wenn du dir nicht sicher bist, wie viel du fordern kannst, schreibe lieber mehr auf als zu wenig.

Manchmal – zum Beispiel bei Überstunden – kann es aber auch clever sein, bis zum Ende der Ausbildung zu warten, bevor man seine Ansprüche stellt, weil man dann der schlechten Stimmung am Ausbildungsplatz nicht mehr ausgesetzt ist. Falls du dich für diesen Weg entscheidest, informiere dich bei deiner Gewerkschaft genau über mögliche Ausschlussfristen!

Es gibt auch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehlen wir dir, dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft zu wenden. Meistens führt ein Brief von deiner Gewerkschaft auf Anhieb zum Erfolg, weil dein*e Ausbilder*in dann weiß, dass du Rechtsschutz hast und deine Gewerkschaft Ansprüche notfalls einklagen wird.

Azubis können folgende Leistungen geltend machen:

1.     Ausbildungsvergütung: Deine Ausbildungsvergütung war bis zum letzten Arbeitstag des Monats fällig und ist nicht gekommen. Falls du volle Monatsgehälter anforderst, ist die Summe klar. Falls du allerdings deine Ausbildungsvergütung nur für einige Tage anfordern willst, musst du dein Monatsgehalt durch 30 teilen, dann hast du deinen Tageslohn. Den Tageslohn multiplizierst du dann mit der Anzahl der Arbeitstage, die du noch gearbeitet hast.

 

2.     Überstunden: Du hast Überstunden gemacht, die nicht in Freizeit ausgeglichen wurden. Dann müssen sie dir ausbezahlt werden. Um deinen Stundenlohn zu ermitteln, teile dein Brutto-Monatsgehalt durch 30. Das Ergebnis teilst du dann durch die regelmäßige tägliche Arbeitszeit, zum Beispiel acht Stunden bei einer 40-Stunden Woche. Nicht erschrecken: Das ist dein Stundenlohn!

 

3.     Urlaub: Falls du wegen des Endes der Ausbildung deinen Urlaub nicht mehr nehmen kannst, wird er dir ausbezahlt. Teile deinen Jahresurlaub durch zwölf und multipliziere das Ergebnis mit der Anzahl der vollen Monate, die du im Betrieb gearbeitet hast. Auf so viele Urlaubstage hast du Anspruch, wenn du während der ersten sechs Monate deiner Ausbildung oder im ersten Halbjahr des Kalenderjahres aus dem Betrieb ausscheidest. Für jeden nicht genommenen Urlaubstag steht dir dann ein Tagesgehalt zu.

 

4.     Arbeitszeugnis: Nach dem Ende der Ausbildung (auch wenn du den Ausbildungsplatz kündigst oder gekündigt wirst) hast du Anspruch auf ein Arbeitszeugnis (§ 16 Berufsbildungsgesetz). Wenn du es nicht innerhalb einer angemessenen Frist (ca. zwei Wochen) erhältst, solltest du es schriftlich geltend machen.

 

5.     Arbeitspapiere: Nach Ende deiner Ausbildung muss dir dein*e Ausbilder*in deine Arbeitspapiere - also zum Beispiel Sozialversicherungsausweis - aushändigen.

Wenn du noch weitere Probleme hast, mehr Infos möchtest oder Unterstützung brauchst, kannst du dir Hilfe bei deiner Gewerkschaft vor Ort holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di
Am Bahnhof Westend 3
14059 Berlin
Tel.: 030 / 8866-6
E-Mail: service.bb@verdi.de

Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Es gibt für Menschen ohne Einkommen auch sehr reduzierte Beitragssätze.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

 

Liebe Grüße und viel Erfolg!

Dr. Azubi         

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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