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Dr. Azubi

Kündigung kurz vor der Prüfung

Hallo,

ich habe leider aufgrund vieler psychischer und damit verbundener körperlicher Probleme momentan keine Möglichkeit in meinen Betrieb zu gehen. Ich habe aufgrund von Panikattacken am Morgen schon zum zweiten Mal mich zu spät krank gemeldet und eine Abmahnung habe ich beim ersten Mal erhalten. Nun habe ich in 3 Monaten meine Abschlussprüfung und habe Angst, aufgrund des Wiederholungsfalls, gekündigt zu werden. Was kann ich tun wenn ich gekündigt werde? Kann ich die Ausbildung irgendwie auch ohne Betrieb beenden. Danke für eure Hilfe!

RE: Kündigung kurz vor der Prüfung

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Zunächst einmal will ich dir Mut machen und sagen, dass du richtig handelst und dir Rat suchst. Dass du wegen deiner Fehlzeiten aufgrund von Krankheit so unter Druck gesetzt wirst, ist nicht gut und sicherlich nicht förderlich für deine Genesung. Jede*r kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Deine psychische und physische Gesundheit ist dein wichtigstes Gut.

Wenn du während deiner Ausbildung längere Zeit krank warst, kannst du eine Verlängerung deiner Ausbildung bei der zuständigen Stelle (z. B. IHK) beantragen (§ 8 Berufsbildungsgesetz).

Wenn du bei hohen Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast und dir noch wichtige Ausbildungsinhalte fehlen, kann eine Verlängerung im Einzelfall auch sehr sinnvoll sein. Als Grundlage kannst du auch mal anhand deines Ausbildungsrahmenplans durchgehen, welche Ausbildungsinhalte dir aufgrund deiner Krankheitsphase noch fehlen.

Grundsätzlich ist es so, dass man in seiner Ausbildung etwa 10 % Fehlzeiten (12-15 Wochen) haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Aber das mit den 10 % ist eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Wenn du ein gutes Verhältnis zu deinem*deiner Ausbilder*in hast, kannst du ihn*sie auch mit ins Boot holen und ihr sucht eine gemeinsame Lösung. Bei einem Verlängerungsantrag wird die zuständige Stelle dann deine*n Ausbilder*in anhören und über die Verlängerung entscheiden.

Es gibt auch die Möglichkeit deine Ausbildung ohne einen Betrieb zu beenden, indem man sich eigenständig zur Abschlussprüfung anmeldet.

Sollte der Fall eintreten, dass du gekündigt wirst, könntest du dich erkundigen, ob du als externer Prüfling zur Abschlussprüfung zugelassen werden könntest. Ob deine bisher verbrachte Ausbildungszeit dazu ausreicht (sprich: du in deinem jetzigen Betrieb kündigen oder einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen könntest, weil du es dort nicht mehr aushältst), müsstest du bei der IHK/HWK erfragen - das ist die entscheidungstragende Instanz. Wie schon erwähnt ist es so, dass man in seiner Ausbildung etwa 10% Fehlzeiten (12-15 Wochen) haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden.

Der Nachteil, die Abschlussprüfung als externer Prüfling abzulegen, ist übrigens, dass du die Prüfungsgebühren selbst tragen musst und dich selbstständig frühzeitig zur Abschlussprüfung anmelden musst. Außerdem ist es natürlich nicht ideal als externer Prüfling in die Prüfung zu gehen, wenn du noch wichtige Dinge für das Bestehen der Abschlussprüfung lernen müsstest. Und: Wenn du kündigst, giltst du unter Umständen als mitschuldig am Verlust deines Arbeitsplatzes und riskierst eine Sperre des Arbeitslosengeldes.

Ich hoffe diese Infos können dir ein wenig weiterhelfen. Sollte der Fall eintreten, dass du gekündigt wirst, empfehle ich dir dringend dich umgehend um rechtlichen Beistand bei deiner Gewerkschaft zu kümmern. Denn eine Kündigung wird schon 3 Wochen nach Zustellung wirksam, egal ob sie rechtmäßig oder rechtswidrig war!

Ein Ausbildungsverhältnis lässt sich auch nicht so ohne weiteres kündigen. Dies geht nur durch eine „außerordentliche“ Kündigung aus „wichtigem Grund“. Einer dieser Gründe kann wiederholtes abmahnbares Verhalten sein, wie z.B. unentschuldigtes Fehlen. Dennoch kann es gut sein, dass eine außerordentliche Kündigung unwirksam ist. Diese muss richtig begründet sein und in der Regel muss ein Verhalten auch mehr als einmal abgemahnt worden sein.

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

ver.di – Büro Bonn

Endenicher Straße 127

53115 Bonn

Tel.: 0221 48558-0

E-Mail: service-west.nrw@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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