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Dr. Azubi

Ausbildungsqualität

Die Ausbildung bringt eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich. Häufig fehlt es im Büro an Aufsicht, was zu einem Mangel an Unterstützung führt. Der Bildungsrahmenplan wird vernachlässigt, und es entsteht eine Zweiklassengesellschaft unter den Azubis, wobei Azubinen mit betrieblich engagierten Eltern bevorzugt werden. Die Verletzung der Fürsorgepflicht zeigt sich durch verspätete Anmeldungen zur Zwischenprüfung und fehlende zielführende Regeländerungen.

Die Rolle als Azubi wird oft auf die eines Aushilfskräfts reduziert, während Versprechungen zur Übernahme trotz vorheriger Zusagen oft unverbindlich sind, was langfristige Zukunftschancen beeinträchtigt. Mangelnde Wertschätzung, fehlende Struktur und Ordnung sowie drei Ausbilder für fünf Azubis ohne klaren Ansprechpartner verschärfen die Situation. Die ungenügende Betreuung bei privaten Problemen und das fehlende Vertrauensverhältnis zu den Ausbildern beeinträchtigen die Arbeitsatmosphäre.

Trotz der Anwesenheit der IHK in unserem Betrieb, bei der sich Auszubildende und Ausbilder gemeinsam an einen Tisch gesetzt haben, um mögliche Probleme zu besprechen, blieb die offene Kommunikation aus. Keiner wagte es, in Anwesenheit der Ausbilder konkrete Fakten anzusprechen, da klar war, dass dies auf uns Azubis zurückkommen könnte.

Die mangelhaften Perspektiven für die Zukunft werden durch diese unzureichende Ausbildung noch verstärkt, und die Chancen für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn werden dadurch extrem beeinträchtigt. Es fehlt an einer angemessenen Weitergabe essenzieller Fähigkeiten, was zu Schwierigkeiten bei externen Stellen führt. Innerbetriebliche Zukunftsperspektiven sind nicht vorhanden, und falsch eingetragene Krankheitsfälle, unter Druck setzende Führungskräfte, rufzerstörende Gerüchte über Azubis und mangelnde Informationsweitergabe tragen zusätzlich zur Belastung bei.

über eine Rückmeldung freuen wir uns sehr, wir fühlen uns hilflos.

Liebe Grüße 

unzufriedene Azubis

RE: Ausbildungsqualität

Hallo liebe Azubis,

schön, dass ihr euch an Dr. Azubi wendest.

Eure Situation klingt anstrengend und nicht gerade förderlich, um eine gute Ausbildung abzuschließen. Es sollte im Interesse der Betriebe sein, gute zukünftige Beschäftigte auszubilden. Dies hat schließlich Auswirkungen auf die betriebliche Zukunft.

Nun zu euren Schilderungen.

Ausbildung kann nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein*e Ausbilder*in oder ein*e Ausbildungsbeauftragte*r anwesend ist, der*die dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der*die Ausbildende selbst ausbilden oder eine*n Ausbilder*in ausdrücklich damit beauftragen. Der*die Ausbilder*in oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem*der Azubi Fragen beantworten und ihn*sie in Arbeitsvorgänge einweisen. Er oder sie muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der*die Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er*sie eigentlich immer anwesend sein muss. Der*die Azubi darf also nicht allein am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikant*innen und Ungelernten, die als Ausbilder*innen nicht geeignet sind. Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach § 102 BBiG mit einem Bußgeld geahndet werden!

Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan. In dem steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst.

Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php

Deinem Ausbildungsvertrag muss ein Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb geplant wird. Der*die Ausbilder*in darf dir nur Arbeiten übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§ 14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder ausbildungsfremde Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – dienen nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen die Ausbildungspflicht des Betriebes sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach § 102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

Wenn du zu oft ausbildungsfremden Tätigkeiten erledigen muss, solltest du dich wehren! Denn sonst kann das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet sein. Hier sind ein paar Tipps für dich, wie du dich gegen ausbildungsfremde Tätigkeiten und alleine Arbeiten wehren kannst:

1. Sprich mit deinem*deiner Ausbilder*in und mache ihn*sie darauf aufmerksam, dass du seine*ihre Hilfe und sein*ihr Wissen brauchst, um deinen Beruf zu erlernen. Falls möglich schalte den Betriebsrat ein. Außerdem kannst Du darauf aufmerksam machen, dass es einen Ausbildungsrahmenplan gibt, der eingehalten werden sollte. Versuche positiv ins Gespräch zu gehen.

2. Falls sich nach dem Gespräch nichts ändert, solltest du den*die Ausbilder*in oder Betriebsinhaber*in noch einmal schriftlich an seine*ihre Pflichten erinnern. Hebe dir eine Kopie des Schreibens auf! Hier ist ein Musterbrief:

Sehr geehrte/r Frau/Herr…,

laut § 14 Berufsbildungsgesetz muss ein geeigneter Ausbilder die Ausbildungsinhalte vermitteln.

- Ich bin allerdings sehr häufig allein im Betrieb [Bitte Beispiele einfügen]

- Es steht für mich allerdings kein*e Ausbilder*in bereit und es ist auch niemand ausdrücklich mit meiner Ausbildung beauftragt worden.

Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir eine*n Ausbilder*in zur Verfügung zu stellen, mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

 

laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb außerdem den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder*in/Meister*in sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung oder auf Weisung von Kolleg*innen hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:

- [Bitte hier die ausbildungsfremden Tätigkeiten mit genauer Datums- und Zeitangeben aufführen.]

Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder*in nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

Mit freundlichen Grüßen,

[Unterschrift Azubi]

3. Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di Mainz

Münsterplatz 2 - 6
55116 Mainz

Tel.: 06131 627260
E-Mail: bz.mr@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Außerdem könntest du dich an eine*n Ausbildungsberater*in der Kammer/Innung wenden und mit ihm*ihr ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

 Was die Übernahme der Azubis in einem Betrieb betrifft, sollte jeder Azubi das rechtzeitig auf dem Schirm haben. Erst sechs Monate vor dem Ende der Berufsausbildung kannst du mit deinem Ausbildungsbetrieb vereinbaren, dass du bei ihm nach der Ausbildung ein Arbeitsverhältnis eingehst (§ 12 Berufsbildungsgesetz). Vereinbarungen, die davor getroffen wurden, sind nichtig!

Es ist für Betriebe nicht verpflichtend, Azubis zu übernehmen. Deshalb solltet ihr im genannten Zeitraum schriftliche Vereinbarungen fordern. Das sichert euch ab.

In etlichen Tarifverträgen haben die Gewerkschaften durchgesetzt, dass Auszubildende, die ausgelernt haben, für einige Zeit in ein Arbeitsverhältnis übernommen werden müssen. Besonderen Schutz genießen Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung. Sie müssen nach Beendigung der Ausbildung im Betrieb weiter beschäftigt werden, wenn sie vor dem Ende der Ausbildung einen Antrag auf Übernahme stellen (§ 78a Betriebsverfassungsgesetz).

Viel Erflog!ch hoffe sehr, dass ihr etwas zur Verbesserung eurer Ausbildungsbedingungen erreichen könnt.

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

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