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Dr. Azubi

Überbetriebliche Ausbildung weit entfernt

Sehr geehrter Herr Dr. Azubi,

Ich befinde mich in einer Ausbildung ohne anerkannten Ausbildungsberuf und falle somit unter keinen Tarifvertrag obwohl ich im Öffentlichen Dienst angestellt bin und ich bin aus meiner Probezeit.

Meine Ausbildung wurde ausgelagert zu einem Ausbildungsbetrieb welcher als einzige Ausbildungsstätte in meinem Arbeitsvertrag steht. Viele "Module" in meiner Ausbildung sind jedoch nochmal weiter ausgelagert, was vorher nur angedeutet wurde. Die meisten sind jedoch relativ gut erreichbar.

Eine überbetriebliche Ausbildung(2x 4 Wochen) findet jedoch ca 40km entfernt statt, was mit dem ÖPNV ca 2h dauern würde. Ich wohne zudem nicht weit von der eigentlichen Ausbildungsstätte. Von meinem Arbeitgeber wird auch nur das 49€ Ticket bezahlt, zudem besitze ich selber kein Auto.

Zu meinen eigentlichen Fragen nun:

In wie fern steht mir eine Fahrtkostenerstattung für das Auto zu, falls ich mir z.b. ein Auto für die 2 Monate leihen könnte. 

Und wie sieht es aus wenn die Bahn streikt und ich z.b. mindestens 4h pro weg brauche oder mich stark verspätet.

Außerdem frag ich mich ob ich mir die Fahrtzeiten irgendwie anrechnen lassen kann zur Arbeitszeit etc.

Zuletzt noch die Frage wie das ganze aussieht wenn ich erst zum Ausbildungsbetrieb laufe um z.b. frische Arbeitskleidung abzuholen oder unter anderen vorwänden oder ob ich das Recht habe von dort aus meine Arbeitszeit zu beginnen und zu beenden.

Ich bedanke mich im vorraus für ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Ralf A.

RE: Überbetriebliche Ausbildung weit entfernt

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.


Für alle Ausbildungsorte (auch die Berufsschule), die in Deinem Ausbildungsvertrag eingetragen sind, musst du die Fahrtkosten selbst tragen. Der*die Arbeitgeber*in muss nur die Fahrtkosten übernehmen, wenn deine Ausbildung an einem Ort stattfindet, der nicht in deinem Ausbildungsvertrag festgehalten wurde.

Manchmal gibt es Zuschüsse von dem*der Arbeitgeber*in, aber dies beruht auf freiwilligen Regelungen. Dies wäre dann auch im Ausbildungsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag geregelt. Sollte das bei dir nicht der Fall sein, so musst du die Kosten selbst tragen.

Die Fahrtkosten von zu Hause zu deiner Berufsschule musst du meist selbst tragen und dein Betrieb muss Dir dafür nichts bezuschussen. In einigen Bundesländern zahlt jedoch der Staat die Kosten für den Schulweg. Frag am besten im Sekretariat deiner Berufsschule nach, wie es in deinem Fall aussieht.

Gemäß der Neufassung des Musters eines Berufsausbildungsvertrages durch Beschluss des Bundesausschusses für Berufsbildung vom 25. August 1976 trägt der*die Ausbildende die Kosten für Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte gemäß § 2 Nr. 5, soweit sie nicht anderweitig gedeckt sind.

Kosten für Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte:

Der*die Ausbildende trägt die Kosten für Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte gemäß § 2 Nr. 5 BBiG, soweit sie nicht anderweitig gedeckt sind. Dazu gehören neben den Unterbringungs- auch die Fahrtkosten. Ist eine auswärtige Unterbringung erforderlich, so können dem*der Auszubildenden anteilige Kosten für Verpflegung in dem Umfang in Rechnung gestellt werden, in dem dieser Kosten einspart. Die Anrechnung von anteiligen Kosten- und Sachbezugswerten darf 75 % der vereinbarten Bruttovergütung nicht übersteigen. Kosten, die durch den Besuch der Berufsschule entstehen, werden nicht von dem*der Ausbildenden getragen."

Nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs können Fahrtkosten von der Steuer abgesetzt werden. Daher solltest du vielleicht darüber nachdenken, ob es sich nicht für dich lohnt eine jährliche Steuererklärung zu machen.

Das rührt aus dem Grundsatz im deutschen Arbeitsrecht, dass der Arbeitsweg in die „Risikosphäre“ des Arbeitnehmers bzw. der Arbeitnehmerin fällt. Das bedeutet der Weg zur Arbeit hin, fällt in den Pflichtenbereich des Arbeitnehmers und dieser hat Sorge dafür zu tragen, dass er diesen pünktlich und erfolgreich ablegen kann.

Wie schon erwähnt sind alle Vereinbarungen zu Fahrtkosten und sonstigen Entschädigungen mit dem oder der Arbeitgeber*in auf rein freiwilliger Basis.

Die sog. „Fahrtkostenpauschale“ kann steuerlich geltend gemacht werden. Dabei werden pro abgelegten Km ein bestimmter Cent-Betrag angerechnet.

Es ist sehr fraglich, ob man deine Arbeitszeit im rechtlichen Sinne als begonnen ansehen kann, wenn du nur deine Arbeitskleidung im Betrieb abholst und dann zu deinem eigentlichen Arbeitsort fährst. Das kann ich dir aus der Ferne nicht mit Sicherheit beantworten. Lass dich dazu gerne von deiner Gewerkschaft vor Ort beraten.

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

IGBCE - Bezirk Leverkusen

Hauptstraße 137

51373 Leverkusen

Telefon: 0214 83046-0

E-Mail: bezirk.leverkusen@igbce.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

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