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Dr. Azubi

Arbeiten in der Kälte

Hallo,

Undzwar geht es darum das wenn es jetzt minusgrade sind als einziger noch auf der Baustelle bin und die "Drecksarbeit" machen muss während andere Azubis von anderen Baustellen zuhause sind weil es schlechtes Wetter ist oder es minusgrade sind. 
Hat der Arbeitgeber nicht einer Fürsorgepflicht und muss mich auch nach Hause schicken weil in der Folge zb eine Grippe folgt. Es kann doch nicht sein das wir bei 4 Azubis ich der einzige bin der in der Kälte arbeiten muss und die anderen zuhause sind. 
Mit freundlichen Grüßen 

RE: Arbeiten in der Kälte

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, wir freuen uns dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Da hast du vollkommen Recht, deine*n Ausbilder*in trifft die Pflicht für dein und euer Wohlsein als Azubis und Arbeitnehmer des Betriebs zu sorgen. Dazu gehört auch, dass er dir keine Aufgaben überträgt, welche deine Gesundheit gefährden.

Zur Arbeitssicherheit gehört auch dazu, dass die Witterungsbedingungen keine Gefahr für deine Gesundheit werden, weil dir Aufgaben gegeben werden, die dich dem stark aussetzen.

Zumal sollte es auch nicht so sein, dass dir immer wieder die gleichen Routineaufgaben übertragen werden. Immer die gleichen Routineaufgaben sind im rechtlichen Sinne ausbildungsfremde Tätigkeiten.

Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan. In dem steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst.

Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php

Deinem Ausbildungsvertrag muss ein Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb geplant wird. Der*die Ausbilder*in darf dir nur Arbeiten übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§ 14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder ausbildungsfremde Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – dienen nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen die Ausbildungspflicht des Betriebes sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach § 102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

Wenn du zu oft ausbildungsfremden Tätigkeiten erledigen muss, solltest du dich wehren! Denn sonst kann das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet sein. Hier sind ein paar Tipps für dich, wie du dich wehren kannst:

  • Sprich die Situation bei deinem*deiner Chef*in an. Wenn du keinen Ausbildungsplan hast, solltest du verlangen, dass dieser erstellt wird. Zähle deinem*deiner Ausbilder*in konkret die fehlenden Inhalte auf, die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch. Sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern deinen Beruf richtig zu lernen. Falls vorhanden: Schalte außerdem die JAV und den Betriebsrat ein.

  • Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den*die Ausbilder*in schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf. Hier ist ein Musterbrief:

  • Sehr geehrter Herr/Frau…,

laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder*in/Meister*in sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung oder auf Weisung von Kolleg*innen hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:

- [Bitte hier die ausbildungsfremden Tätigkeiten mit genauer Datums- und Zeitangeben aufführen.]

Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder*in nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

Mit freundlichen Grüßen,

[Unterschrift Azubi]

  • Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

IG BAU - BEZIRKSVERBAND OSNABRÜCK-EMSLAND

August-Bebel-Platz 1

49074 Osnabrück

0541 335010

osnabrueck@igbau.de

https://weser-ems.igbau.de/

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Außerdem könntest du dich an eine*n Ausbildungsberater*in der Kammer/Innung wenden und mit ihm*ihr ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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