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Dr. Azubi

Abmeldung von KK und fehlende Gehaltszahlungen

Hallo,

seit einigen Monaten fehlt mir mein Gehalt. Seit dem September zahlt mir mein Arbeitgeber kein Gehalt mehr. Auch die versprochene rückwirkende Gehaltserhöhung, lässt auf sich warten.

Nun habe ich ein Schreiben von der AoK bekommen, dass ich von der KK am 13.09.2023 abgemeldet wurde, ohne mein Wissen. Das wurde mir in keiner Form gesagt. Im Dezember erst habe ich dann ein Schreiben von meinem Arbeitgeber bekommen, dass ich aus einem "wichtigen Grund" gekündigt sei. Und dieser ist, dass ich unentschuldigt gefehlt habe.

Zugegeben: Ich habe den Dezember über nicht gearbeitet, da ich meinem Chef gesagt habe: "Entweder Sie zahlen mir umgehend mein Gehalt, oder ich streike und arbeite nicht mehr weiter!". Dies hat er wohl als "wichtigen Grund" genommen.

Was also kann ich hier tun? Ich bin mir sehr sicher, dass ich zumindest die Gehaltserhöhung bekommen müsste, sowie mein (ehemaliger) Arbeitgeber die entstandenen Kosten bzgl. der KK tragen muss. Denn die haben mich ja "freiwillig versichert" wodurch ich enorme Kosten nun tragen muss.

Vielen Dank 

RE: Abmeldung von KK und fehlende Gehaltszahlungen

Hallo KirTyun!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das klingt als wäre in deiner Ausbildung einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen. Ich möchte dir ein paar Infos zu den Themen geben, aber würde dir in deinem Fall wirklich ganz dringend raten dich so schnell wie möglich bei deiner Gewerkschaft zu melden! Die können dir auch rechtlich weiterhelfen. Ich habe dir den Kontakt weiter unten rausgesucht.

Deine Ausbildungsvergütung muss dir regelmäßig, und zwar vor Ablauf des Monats, gezahlt werden - so steht es im Gesetz (§ 18 Berufsbildungsgesetz). Sonst kannst du ja nicht richtig mit deinen monatlichen Finanzen kalkulieren. Wenn dein Gehalt ausbleibt oder nur unregelmäßig kommt, solltest du es möglichst bald geltend machen. Wenn du Gewerkschaftsmitglied bist, hilft sie dir dabei, ohne dass Kosten für dich entstehen. Sollten Dir durch die verspätete Zahlung Mahnkosten oder Überziehungszinsen entstanden sein, dann kannst Du diese Deinem Betrieb in Rechnung stellen. Es ist sehr heikel, eigenmächtig zu entscheiden, nicht mehr zur Ausbildung zu kommen. Du müsstest ein paar rechtliche Schritte beachten, damit dein Betrieb nicht sagen kann, dass du unentschuldigt gefehlt hast, denn unentschuldigtes Fehlen – egal ob in der Berufsschule oder im Betrieb – ist eine ernste Pflichtverletzung und kann im Wiederholungsfall sogar zu einer außerordentlichen fristlosen Kündigung durch den*die Arbeitgeber*in führen. Hol dir hier am besten Hilfe bei deiner Gewerkschaft!

Wenn du eine Kündigung erhältst, hat dies oft viele Gründe. Wir empfehlen dir, dringend, gegen die Kündigung vorzugehen. Auch dann, wenn du nicht mehr in den Betrieb zurück gehen möchtest. Handle schnell, denn du hast nur drei Wochen Zeit, etwas gegen die Kündigung zu unternehmen. Danach ist sie wirksam.

Hier die rechtlichen Grundlagen:

Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Das Berufsausbildungsverhältnis kann von deinem*r Ausbilder*in nur außerordentlich und fristlos (das heißt von heute auf morgen) gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz).

Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

  • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule
  • Urlaubsantritt ohne Genehmigung
  • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule
  • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)
  • nachgewiesener Diebstahl
  • Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

 

Selbst wenn diese Gründe vorliegen, muss man in deinem Fall noch genau prüfen, ob sie für eine fristlose Kündigung ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass fristlose Kündigungen oft nicht rechtens sind.

Eine Kündigung muss immer schriftlich sein. Die Gründe müssen dabei genau angegeben werden, sonst ist die Kündigung nicht wirksam.

Unabhängig vom Kündigungsgrund stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.

Folgende Schritte solltest du so schnell wie möglich gehen:

1.     Wende dich an deinen Betriebsrat (falls vorhanden)

2.     Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei, Klage gegen die Kündigung zu erheben.

Hier ist ein Kontakt zu deiner örtlichen Gewerkschaft:

Ver.di
Willi-Bleicher Str. 20
70174 Stuttgart
Tel.: 0711/1664-000
E-Mail:
bz.stuttgart@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

3.     Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell einen Antrag für ein Schlichtungsverfahren bei deiner zuständigen Kammer oder dem zuständigen Arbeitsgericht stellen. Sie leitet dann ein Schlichtungsverfahren ein.

4.     Falls deine Klage Erfolg hat, du aber nicht mehr zurück in deinen Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal um einen neuen Ausbildungsbetrieb kümmern. Wende dich an deine Berufsschulsozialarbeit, sie hilft dir dabei, wie es beruflich weitergeht. Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen.

Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: http://www.azubi-azubine.de/bewerbung

Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter https://www.arbeitsagentur.de oder https://www.meinestadt.de, oder https://www.ihk.de.

Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekannt*innenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probe arbeiten.

 

Ich hoffe, du kannst das alles zu deinen Gunsten klären! Viel Erfolg!

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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