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Dr. Azubi

astar0331@gmail.com

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bin Schüler genauso Auszubildender. Über die Homepage bin ich auf Sie aufmerksam geworden.

Leider habe ich derzeit sowohl ein betriebliches als auch schulisches Problem, welches ich Ihnen sehr gerne beschreibe:
Ich absolviere derzeit mit meiner Azubikollegin die Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Wir haben uns bis vor gut 1,5 Monat sehr gut verstanden. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis, ich habe Sie ab und zu als Geste oder zum Geburtstag beschenkt mit Kleinigkeiten wie z.B. Schokolade oder habe regelmäßig nach Ihr gefragt.

Vor 1,5 Monaten änderte sich alles schlagartig. Sie hat den Kontakt zu mir abgebrochen und hatte mich auch anfangs komplett ignoriert. Sie schrieb mir daraufhin eine Nachricht, in der Sie sagte, dass Ihr alles zu viel wurde, Sie einen Freund hat, Privates mit dem Beruflichen getrennt werden sollte und Sie sich daran nun halten möchte. Ich antwortete Ihr, dass ich mich für mein Verhalten entschuldigte, keine bösen Absichten wollte und gerne Ihr ein neutralen und freundlichen Umgang anbiete. Hierzu kam keine Rückmeldung. Wir hatten schließlich gut 3 Wochen kein Kontakt mehr, da ich die Thematik selber nachvollziehen musste und verarbeitete. Ich weiß selbst bis zum heutigen Tag nicht was das konkrete Problem bzw. die Ursache war.

Nach 3 Wochen kontaktierte ich Sie erneut und schrieb Ihr, dass ich gemerkt habe, dass es ein Konflikt gibt und ich gerne darüber sprechen sowie eine Lösung finden möchte. Sie meldete sich dann ein Tag später zurück, nachdem Sie mich unerwartet gesehen hat und meinte, dass es kein Problem gebe und Sie nur den Wunsch hat, dass Privates nicht mit der Arbeit vermischt werden sollte. Die Nachricht versandte ich ein Tag vor der Rückmeldung von Ihr. Wahrscheinlich hat Sie sich gezwungen gesehen zu antworten, da Sie mich am nächsten Morgen gesehen hat.
Ich antwortete Ihr daraufhin, dass es mir leidgetan hat, dass ich die Situation falsch verstanden habe und es ein Missverständnis war. Ich nahm gerne das Angebot weiterhin an, dass wir nur im geschäftlichen Sinne Kontakt haben. Am nächsten Tag rief Sie mich auch an und erläuterte, dass es Ihr ebenfalls leid tat und Sie die Nachricht nicht negativ meinte und es kein Problem gibt. Ich nahm alles auf, hatte aber ein mulmiges Gefühl und ließ erstmals alles ruhen.

Da wir gemeinsam Schule hatten und wir ebenfalls die gleiche Klasse besuchten bestätigte sich das mulmige Gefühl immer mehr. Sie wünschte sich ein freundlichen und professionellen Umgang was ich Ihr gerne gab. In der Schule aber merkte ich, dass Sie hinter meinem Rücken über mich schlecht redet und sich immer mehr Leute bzw. Schüler von mir distanzieren. Dies geht bis zum heutigen Tag so und man versucht mit mir jeden Kontakt zu meiden. Im Betrieb zeigt Sie ebenfalls die Ignoranz und kein Kontaktwunsch.

Dies belastet mich psychisch und gesundheitlich um ehrlich zu sein sehr stark. Psychisch weil ich mittlerweile mit meinen Nerven am Ende bin und keine Ahnung habe, was ich machen soll und gesundheitlich, weil ich Kopfschmerzen, Unruhe und ein Unwohlsein habe. Seit dem Vorfall habe ich alleine schon 8 Fehltage, da dies mich einfach zu sehr belastet. Ich habe bereits mehrfach versucht ein Gespräch mit Ihr aufzusuchen, jedoch ohne Erfolg. Ich möchte auch mit dieser Situation nicht weiter abrutschen.

Nun stehe ich vor der Qual der Wahl. Ich habe nämlich zwei Möglichkeiten und Gedanken mit denen ich seit 4 Wochen spiele:
1. Ich wechsel den Betrieb und führe dort die Ausbildung fort. Ich habe mich bereits auch beworben und es gibt auch Betriebe, die Interesse an mir hätten und mir auch ein Ausbildungsplatz anbieten.
2. Ich lasse alles so wie es ist und ignoriere alles. Ich mache mein Ding und zieh es durch, bleibe aber im Betrieb und in der gleichen Klasse.

Ich habe bei uns im Betrieb im Personalrat um Rat geben. Diese meinten zu mir, dass ich nicht wechseln sollte und ich Sie einfach lassen solle genauso neutral und freundlich umgehen muss. Wahrscheinlich sagten Sie dies, um mich als Mitarbeiter nicht zu verlieren. Es bringt allerdings nichts weil ich merke, dass alles schlimmer wird. Immer mehr Schüler distanzieren sich von mir, im Betrieb meidet Sie den Kontakt und ich fühle mich unwohl genauso lassen meine Leistungen und die Motivation nach.

Deshalb bin ich nun auf einen externen Rat angewiesen. Was würden Sie mir anraten? Betrieb wechseln oder im Betrieb bleiben?
Meine Tendenz liegt schon darin den Betrieb zu wechseln, um mich damit weiterhin nicht zu belasten aber irgendwie fällt die Entscheidung schwer. Ich habe noch bis morgen Zeit um eine Entscheidung zu treffen, da hier der letzte Tag innerhalb der Probezeit ist und ich somit noch kündigen kann.

Ich freue mich nun auf einen Rat ihrerseits und verbleibe!

RE: astar0331@gmail.com

Hallo lieber Azubi,

schön, dass Du dich an Dr. Azubi wendest.

Es tut mir sehr leid, dass Dich die Situation so mit nimmt.

Du hast schon die beiden möglichen Varianten aufgezählt: Betrieb wechseln oder bleiben. Da du noch im ersten Ausbildungsjahr bist, wäre es wahrscheinlich einfach den Betrieb zu wechseln ohne große Umstellungen und Du hast ja auch schon Zusagen von anderen Betrieben. Wenn Du in der gleichen Region bleibst, bleibst Du wahrscheinlich erstmal auch auf der gleichen Schule.

Ein Berufsschulwechsel ist leider nicht so einfach, denn jedem Betrieb wird eine bestimmte Schule zugewiesen, die in dessen Einzugsbereich liegt. Wenn du die Schule wechseln willst, musst du das gut begründen und dein*e Ausbilder*in und die zuständige Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag) müssen dem Wechsel zustimmen.

Ich würde dir raten bei der IHK anzurufen, dein Problem zu schildern und um Unterstützung zu bitten. Eventuell gibt es da sogar Antragsformulare für den Berufsschulwechsel.

Niemand kann Dir die Entscheidung zu wechseln oder nicht abnehmen, dass musst Du für dich selbst entscheiden. Aber es ist wichtig abzuwägen, was für deine Gesundheit am besten ist. Diese ist dein wichtigstes Gut und da sollstest Du dich um dich kümmern.

Ich hoffe sehr, dass Du einen richtigen Umgang für dich mit der Situation findest.

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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