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Dr. Azubi

Mobbing durch den Chef

Hallo, 

Ich habe folgendes Problem. Meine Chefin hat mir jetzt 3 mündliche Abmahnungen gegeben die 1. Weil ich wichtige Akten geschreddert habe die wir hätten länger aufbewahren müssen (ich wusste das nicht und sie war nicht da um zu fragen) die 2. Weil die KV angerufen hat als ich alleine in der oraxis war und mir dann gesagt wurde man würde sich nochmal melden. Meine Chefin wirft mir vir das sie die hätte zurückrufen müssen und jetzt eine Frist nicht eingehalten wurde das  meine Chefin geld kostet und die 3. Weil ich beim post aufmachen nicht nach dem Absender geschaut habe und somit auch private Post von ihr dabei war. 

Ich weiss mündlich gelten diese Abmahnungen nicht aber die ständigen zurechtweisungen auch vor Patienten und dazu so Sprüche wie "ich vermesse mal ihren hinter mal gucken wie platt sie den schon gesessen haben" gehen mit langsam an meine psychische Gesundheit. Demzufolge bin ich oft krank und habe viele fehltage.

Gibt es für mich eine Möglichkeit zu kündigen oder muss ich dort weiter arbeiten?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Mfg

Janka

RE: Mobbing durch den Chef

Hallo lieber Azubi,

schön, dass Du dich an Dr. Azubi wendest.

Deine Situation klingt sehr belastend. Es ist nicht in Ordnung, dass Vorgesetzte so mit ihren Azubis umgehen!

Du kannnst auf jeden Fall den Betrieb verlassen, aber ich würde Dir raten nicht voreilig zu kündigen. Aber erst einmal zu den Problemen im Betrieb:

Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass du dich gegen den psychischen Druck wehrst, denn dadurch verlierst du ja nicht nur alle Freude an deinem Traumjob, sondern Mobbing macht auf Dauer auch krank! Hier sind ein paar Tipps für dich:

1. Es ist wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst, werden sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

2. Du solltest sofort anfangen, ein Tagebuch über die Vorkommnisse zu führen. Wer hat was, wann zu wem gesagt und wer war noch dabei? Oder wer hat wann was getan und wer war noch dabei? Schreib dir alles möglichst genau auf. Auf dieses Tagebuch kannst du dann später zurückgreifen, es kann sehr nützlich sein, wenn du dich wehren willst.

3. Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten von Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten dir gegenüber oder auch gegenüber anderen nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

4. Bitte die Person zu einem Gespräch. Überlege dir vor dem Gespräch einige Situationen und Beispiele, in denen das Verhalten der Person besonders verletzend und offensichtlich war. Beginne in dem Gespräch deine Sätze mit „Ich“. Sage also nicht: „Sie kritisieren mich ständig!“ sondern „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und oft empfinde ich die Kritik als nicht gerechtfertigt!“. Versuche sachlich und selbstkritisch zu bleiben. Das Gespräch solltest du nicht alleine führen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Person deines Vertrauens oder bestenfalls ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen. Es ist auch empfehlenswert, das Gespräch zu protokollieren.

5. Dein*e Ausbilder*in hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht; d.h. er*sie hat die Pflicht dich vor seelischer und körperlicher Gefährdung zu schützen. Er*sie muss deine Anliegen ernst nehmen und du kannst ihn*sie um Hilfe bitten. Diese Möglichkeit solltest du unbedingt auch in Anspruch nehmen. Falls dein*e Ausbilder*in dein Anliegen nicht ernst nimmt, kann das für dich auch einen Kündigungsgrund darstellen.

6. Mobbing macht krank. Von daher ist es nicht verwunderlich, falls du unter psychosomatischen Problemen wie Schlafstörungen, Magen-/Darmprobleme, Herz-/Kreislaufprobleme oder unter psychischen Problemen wie Weinkrämpfe, depressive Verstimmungen, Angstsymptome leidest. Wenn die Belastung zu groß wird, solltest du eine*n Arzt*Ärztin aufsuchen und dich krankschreiben lassen.

7. Falls dein Betrieb dich loshaben will und dir grundlose Abmahnungen erteilt oder dich kündigt, solltest du schnell reagieren und dich zur Wehr setzen. Hole dir hierbei auf jeden Fall Hilfe bei deiner zuständigen Gewerkschaft. Hier ist ein Kontakt für dich:

Ver.di Aachen
Harscampstr. 20
52062 Aachen

Tel.: 0241946760
E-Mail: service-west.nrw@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

8. Wenn du deinen Ausbildungsplatzwechseln musst, weil du gemobbt wirst, hast du eventuell Anspruch auf Schadensersatz gegenüber deinem Betrieb. Hier solltest du dich auch unbedingt an deine zuständige Gewerkschaft wenden.

9. Solltest du weitergehende Hilfe in Anspruch nehmen wollen, gibt es eine Übersicht für Mobbingberatungsstellen unter folgendem Link: http://www.work-watch.de/2012/10/hilfestellung-bei-mobbing/

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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