Deutscher Gewerkschaftsbund

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Corona = Arbeitsunfall?

Ich wurde bei der Arbeit per Schnelltest Corona positiv getestet. Der daraufhin angeordnete PCR-Test bestätigte das, so dass ich jetzt in Quarantäne bin. Inzwischen habe ich Coronasymptome und wäre körperlich garnicht in der Lage zu arbeiten.

Ich bin von einem Kollegen bei der Arbeit angesteckt worden. Weitere Kollegen sind ebenfalls infiziert. Alle waren gesund bis der Kollege zurück ins Büro kam und ein paar Tage später war er, wie auch die ersten Kollegen, positiv.

Bei den Kollegen scheint bis jetzt der Verlauf eher leicht gewesen zu sein. Von zwei Tage mit leichten grippalen Symptomen ist die Rede. Bei mir sieht es leider anders aus. Ich habe schwere grippale Symptome und schaffe kaum mehr als 10 Minuten zu stehen. Das war vor Corona nicht so.

Meine Sorge ist, dass ich Spätfolgen davon behalte. Zudem fehlen mir jetzt Ausbildungstage. 

Zählt die Infektion als Arbeitsunfall? Welche Rechte stehen mir zu?

PS: Leider wurden viele positive Fälle erst spät gemeldet, so dass der Betrieb keine Möglichkeit hatte Vorkehrungen zu treffen. Allerdings sind diese auch jetzt nur bedingt getroffen worden, denn z.B mehrere Schwangere arbeiten Vorort weiter, weil aufgrund von Urlaub anderer Kollegen Homeoffice nicht möglich sei. Als die Kollegen anwesend waren, waren die Schwangeren zum  im Homeoffice. Nur 5 Kollegen sind vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt worden. Sie arbeiten jetzt per Homeoffice weiter. Die übrigen von der Abteilung arbeiten weiter, zum Teil neu aufgeteilt in den Büros, wo vorher die Infizierten saßen. Eine Desinfektion der Räumlichkeiten seitens des Betriebs hat nicht stattgefunden. 

Ani: 30.03.2021 |
  • RE: Corona = Arbeitsunfall?

    Liebe Ani ,

    vielen Dank für  deine Anfrage im Forum und erst einmal alles Gute für deine Gesundheit.

    Grundsätzlich muss dein Arbeitgeber folgende Arbeitsschutzmaßnahmen einhalten:

    Die Arbeitsschutzregel legt nach dem TOP-Prinzip eindeutig fest, dass zuallererst technische Schutzmaßnahmen (wie eine Abtrennung) des Arbeitgebers voran gehen müssen, um mögliche Gefährdungen abzuwenden. Erst dann folgen organisatorische Maßnahmen (beispielsweise Arbeitszeitgestaltung). Nur wenn diese nicht möglich sind, kommen persönliche Maßnahmen wie das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung zur Anwendung. Die Maßnahmen sollen kombiniert werden. Welche der Maßnahmen in der konkreten betrieblichen Situation sinnvoll sind, ist abhängig von der Beurteilung der vor Ort bestehenden Gefährdungen.

    Folgende Schutzmaßnahmen sind besonders wichtig:

    • Gestaltung der Arbeitsumgebung, zum Beispiel Anordnung der Arbeitsplätze zur Sicherstellung des Abstands, ausreichende Lüftung, Vorrichtungen wie Abtrennungen, Absperrungen und gegebenenfalls Festlegung innerbetrieblicher Verkehrswege.
    • Kontaktreduzierung durch beispielsweise digitale Kommunikation, Bildung und Beibehaltung von Arbeitsgruppen, Arbeitszeitgestaltung, Homeoffice.
    • Hygiene und Reinigung, zum Beispiel Hände regelmäßig und gründlich waschen; wenn dies nicht möglich ist, Bereitstellung von Handdesinfektionsmitteln, Anpassung von Reinigungsintervallen.
    • Allgemeine Verhaltensregeln, wie Wahrung von Abstand; Verzicht auf Begrüßungsformen mit direktem Körperkontakt; Husten und Niesen in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch; zu Hause bleiben bei Krankheitssymptomen.

    Darüber hinaus ist nun vorgeschrieben, in Pandemie-Zeiten die Gefährdungsbeurteilungen für jeden Arbeitsplatz zu überprüfen und anzupassen. Auch die oft verkannten psychischen Belastungen für die Beschäftigten finden künftig stärkere Beachtung. Ebenfalls werden der notwendige Schutzabstand von mindestens 1,5 Metern, das sachgerechte Lüften von Räumen und umfassende Hygieneregeln festgeschrieben.

    Erfolgt eine Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 infolge einer versicherten Tätigkeit, ohne dass die Voraussetzungen einer Berufskrankheit vorliegen, kann die Erkrankung einen Arbeitsunfall darstellen.

    Dies setzt voraus, dass die Infektion auf die jeweilige versicherte zurückzuführen ist.

    In diesem Rahmen muss ein intensiver Kontakt mit einer infektiösen Person ("Indexperson") nachweislich stattgefunden haben und spätestens innerhalb von zwei Wochen nach dem Kontakt die Erkrankung eingetreten bzw. der Nachweis der Ansteckung erfolgt sein.

    Die Intensität des Kontaktes bemisst sich dabei vornehmlich nach der Dauer und der örtlichen Nähe.

    Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel vom 20. August 2020 geht von einer Kontaktdauer von mindestens 15 Minuten bei einer räumlichen Entfernung von weniger als eineinhalb bis zwei Metern aus. Im Einzelfall kann auch ein zeitlich kürzerer Kontakt ausreichen, wenn es sich um eine besonders intensive Begegnung gehandelt hat. Umgekehrt kann dies für einen längeren Kontakt gelten, obwohl der Mindestabstand eingehalten wurde.

    Lässt sich kein intensiver Kontakt zu einer Indexperson feststellen, kann es im Einzelfall aber ausreichen, wenn es im unmittelbaren Tätigkeitsumfeld (z.B. innerhalb eines Betriebs oder Schule) der betroffenen Person nachweislich eine größere Anzahl von infektiösen Personen gegeben hat und konkrete, die Infektion begünstigende Bedingungen bei der versicherten Tätigkeit vorgelegen haben. Dabei spielen Aspekte wie Anzahl der nachweislich infektiösen Personen im engeren Tätigkeitsumfeld, Anzahl der üblichen Personenkontakte, geringe Infektionszahlen außerhalb des versicherten Umfeldes, räumliche Gegebenheiten wie Belüftungssituation und Temperatur eine entscheidende Rolle.

    Die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt die Kosten der anstehenden Heilbehandlung sowie der medizinischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation. Ist die Erwerbsfähigkeit gemindert, beispielsweise durch schwere Verläufe oder Spätfolgen, kann sie auch eine Rente zahlen. Im Todesfall können Hinterbliebene eine Hinterbliebenenrente erhalten.

    Wenn dein Arbeitgeber die Infektionsschutzmaßnahmen nicht eingehalten hat, dann macht er sich unter Umständen auch schadensersatzpflichtig. Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Oldenburg
    Güterstraße 1
    26122 Oldenburg

    Tel.: 0441/96976-0
    Fax: 01805/837343 25500
    E-Mail: service.nds-hb@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    Alles Gute für dich und deine Gesundheit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 06.04.2021


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