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Langzeitkrank, Kündigung?

Hallo zusammen, mein Bruder befindet sich im 2. Ausbildungsjahr des Berufes Kaufmann für Büromanagement in einem Krankenhaus.

Er hat die Diagnose schwere Depressionen erhalten und ist nun seit September krank und wird es auch noch länger bleiben (seit einer Woche wieder in einer Klinik untergebracht). 

Die Ausbildungsleiterin hat telefonisch angedeutet, ob vielleicht eine Beendigung der Ausbildung sinnvoll wäre, damit dies nicht zu einer Last für ihn wird. Die finanzielle Situation lässt dies aber kaum zu... 

Ich habe ihr mitgeteilt, dass ein Neustart des 2. Lehrjahres ab Sommer evtl. auch sinnvoll wäre. 

Nun zu meiner Frage, kann das Ausbildungsverhältnis aufgrund der Langzeiterkrankung gekündigt werden? Und wenn ja, auf was für finanzielle Hilfen könnte er zurückgreifen?

Danke und LG

clnnlan: 29.03.2021 |
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  • RE: Langzeitkrank, Kündigung?

    Hallo,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Dein bruder braucht sich wegen der Ausbildung keine Sorgen zu machen. Die Ausbilderin hat nach der Probezeit keine Möglichkeit deinen Bruder zu kündigen, wenn sie keinen triftigen Grund vorweisen kann. Eine Erkrankung - auch eine längerfristige Krankheitsphase- ist KEIN Kündigungsgrund. Die Ausbilderin muss deinem bruder die Zeit geben, die er braucht um wieder auf die Beine zu kommen. Wichtig ist, dass er sich ordentlich krankmeldet und auch sagt, wann er voraussichtlich wieder zu arbeiten anfangen kann. Bei einer längeren Krankheitsphase, könnte es evtl Sinn machen, dass dein Bruder langsam wieder einsteigt. Das könnte z.B ein Stundenweiser Wiedereinstig sein, der sich dann Stück für Stück wieder an die normalen Arbeitszeiten anpasst. Soetwas nennt sie berufliche Wiedereingliederung und  wird in Kooperation dem Betrieb, deinem Bruder, den Ärzten von deinem Bruder, dem/der Betriebsärztin und mit der Krankenkasse abgestimmt. Das ist jetzt aber noch nicht relevant und sollte, wenn nötig dann mit den Terapeuten deines Bruders abgesprochen. Jetzt muss dein Bruder ja erst mal wieder auf die Beine kommen. Hier soll er sich von seinem Betrieb nicht stressen lassen und auf keinen Fall einer Beendigung der Berufsausbildung zustimmen. Dein Bruder kanns sich dann, wenn er wider gesund ist, immer noch für etwas anderes entscheiden und die Ausbildung aufgeben. Zunächst gibt ihm das Sicherheit und lässt ihm alle Optionen offen. Er kann nach der Krankheit eifach im Betrieb weitermachen. Bei zu langen Fehlzeiten verlängert sich seine Ausbildung natürlich und er wird erst zu einem späteren Zeitpunkt als ursprüglich vorgesehen an der Abschlussprüfung teilnehmen. Aber das ist ja kein Beinbruch.

    Finaziell wird er die ersten 6 Wochen der Krankheit sein Ausbildungsgehalt vom Betrieb weiterbeziehen, ab dann springt die Krankenkasse mit dem krankengeld ein. Das ist eine Lohnersatzrate von 90-70 %, je nachdem bei welcher Krankenkasse dein Bruder versichert ist.

    Falls der Betrieb deinem Bruder Steine in den Weg legen will und für seine Genesung nichts förderliches beiträgt, könntet ihr euch an den Betriebsrat oder direkt an die Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ein Kontakt:

    ver.di vor Ort

    Sitz des Landesbezirks Niedersachsen/Bremen
    Goseriede 10
    30159 Hannover

    Tel.: 0511/12400-0
    Fax: 0511/12400-150
    E-Mail: service.nds-hb@verdi.de

    Landesbezirksleiter/in: Detlef Ahting

    Da kannst du gerne anrufen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.

    Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben und wünsche dir alles Gute für deine weiteren Schritte! Auch alles Gute für deinen Bruder!

    Das war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Dein Dr. Azubi

    Dr. Azubi: 30.03.2021


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