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Ausbildungsende

Hallo, meine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten begann ich am 01.08.2015 in einer Gemeinschaftspraxis bei zwei Hausärzten, Frau und Herr Dr. sind verheiratet und haben eine ländliche Hausarztpraxis. Meine Ausbildung fing eig erst im September an aber da ich einen guten Eindruck machen wollte, startete ich schon im August. Ich arbeitete in Vollzeit, blieb auch gerne Mal länger. Leider war ich vom ersten Lehrjahr bis zum dritten Lehrjahr die einzige Vollzeitkraft. Meine Arbeitskollegen arbeiteten alle Teilzeit und natürlich war Chaos bei Krankmeldungen vorprogrammiert, wen jemand krank wurde und wir zum Beispiel Nachmittags zu zweit gewesen wären kam es schon oft vor das ich als Lehrling im ersten Jahr die Praxis allein geschmissen habe, eig eine sehr nette Art  um einen zu zeigen daß man ihm vertraut und die große Aufgabe anvertraut aber auf der anderen Seite steht man total unter Druck und Stress und hat eig nur noch Angst. Es gab keinen wirklichen Ansprechpartner habe mir vieles selbst beigebracht. Keine Klaren Vorgaben oder regeln, eher heute so morgen so. Die Chefin kann sehr böse werden und ich bekam live mir wie sie zwei Kolleginnen raus ekelte mit extrem Mobbing. Man hatte jeden Tag Angst. Vor den Patienten wurden wir oft runter gemacht, Absprachen wie früher gehen oder so wurden einfach kurzfristig nicht eingehalten. Zwei Jahre habe ich das so gut wie möglich gemeistert und ich war stolz das es bei mir so gut lief. Bis zum dritten Lehrjahr anfang des Jahres informierte sich Frau Doktor ob ich bleiben würde und ich teilte ihr mit das ich dort bleiben würde und sie freute sich darüber sehr und immer wieder fragte sie mich ob meine Meinung so bleiben würde was ich ihr bestätigte. Leider kam meine Gesundheit aber im letzten Jahr mit allem nicht mehr klar und ich litt unter wiederkehrenden Blasenentzündungen und unter Angina die einfach nicht richtig die Zeit bekamen um sich vollständig aus zu kurieren. Das war in der Ausbildung in den Augen meiner Chefin mein Todesurteil wie konnte ich es nur wagen mich krank zu melden, hinter dem Rücken hat sie mich beschuldigt zu simulieren und sie warf mir Fehler vor die ich nie begangen habe. Sie suchte jeden Tag Gründe um mich runter zu machen. Psychisch war ich total am Ende aber ich gab nicht auf und paukte fleißig für die Prüfung. Da ich ziemlich früh meinen Vertrag für die Übernahme bekam, konnte ich mich komplett aufs lernen konzentrieren. Am letzten Tag vor meinen Prüfungen wollte ich die fehlende Unterschrift unter meinem Vertrag einholen. Als mir mein Chef im Gespräch mitteilte das sie mich doch nicht übernehmen. Auf mich sei nicht wirklich Verlass und ihnen wäre lieber Teilzeit zu arbeiten. Das macht die Praxis anscheinend immer so zum sparen, nur eine Vollzeitkraft und zwar die Auszubildendene. Er meinte krank sein ginge gar nicht und ich sollte mich bei seiner Frau entschuldigen für was weiss ich nicht und am Ende erzählte er irgendetwas von Väter die verstorben sind, mein Papa verstarb leider sehr früh und ich kann nicht sagen was er damit eig sagen wollte. Meine einzige Frage um wahrscheinlich mit dem ganzen endlich Mal abzuschließen, sind meine Chefs damit eig im Recht und hätte ich eventuell damals dagegen vorgehen können?

Nessa: 09.02.2021 |
  • RE: Ausbildungsende

    Liebe Nessa,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Grundsätzlich ist erst einmal absolut nicht in Ordnung was in deinem Betrieb abgelaufen ist. Deine Ausbilder sollten euch vor Schikane und Mobbing schützen. So stellt sich die Frage, inwieweit deine Praxis weiter eine Ausbildungsberechtigung behalten sollte.

    So nun aber erst einmal zu deiner Frage: Die Ausbildung ist ein befristetes Beschäftigungsverhältnis. Daher besteht kein Anspruch auf eine Weiterbeschäftigung, wenn dein Ausbildungsverhältnis durch die bestandene Abschlussprüfung oder durch das Ende des Ausbildungsvertrages endet. Übernahme bedeutet, dass dein Ausbildungsbetrieb dich nach deiner Ausbildung weiterbeschäftigt.

    Achtung: Erst sechs Monate vor dem Ende der Berufsausbildung kannst du mit deinem Ausbildungsbetrieb vereinbaren, dass du bei ihm nach der Ausbildung ein Arbeitsverhältnis eingehst (§12 Berufsbildungsgesetz). Vereinbarungen, die davor getroffen wurden, sind nichtig! Diese Vereinbarung sollte schriftlich getroffen werden. Wenn das bei dir nicht der Fall gewesen ist, dann ist es schwierig dagegen vorzugehen.

    Da du deine Ausbildung beendet hast, rate ich dir nach vorne zu blicken. Lege deinen Fokus darauf noch ein wohlwollendes, qualifiziertes Ausbildungszeugnis zu erhalten und einen neuen Arbeitsplatz zu finden, der deine Arbeit wertschätzt. Im Endeffekt kannst du froh sein nicht mehr in diesen Betrieb zu müssen.

    Grundsätzlich ist es sehr wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst, werden sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

    Solltest du noch einmal in so eine Situation kommen, dann solltest du sofort anfangen, ein Tagebuch über die Vorkommnisse zu führen. Wer hat was, wann zu wem gesagt und wer war noch dabei? Oder wer hat wann was getan und wer war noch dabei? Schreib dir alles möglichst genau auf. Auf dieses Tagebuch kannst du dann später zurückgreifen, es kann sehr nützlich sein, wenn du dich wehren willst.

    Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten dir gegenüber oder auch gegenüber anderen nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

    Bitte die Person zu einem Gespräch. Überlege dir vor dem Gespräch einige Situationen und Beispiele, in denen das Verhalten der Person besonders verletzend und offensichtlich war. Beginne in dem Gespräch deine Sätze mit „Ich“. Sage also nicht: „Sie kritisieren mich ständig!“ sondern „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und oft empfinde ich die Kritik als nicht gerechtfertigt!“. Versuche sachlich und selbstkritisch zu bleiben. Das Gespräch solltest du nicht alleine führen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Person deines Vertrauens oder bestenfalls ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen. Es ist auch empfehlenswert, das Gespräch zu protokollieren.

    Dein Ausbilder hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht; d.h. er hat die Pflicht dich vor seelischer und körperlicher Gefährdung zu schützen. Er muss deine Anliegen ernst nehmen und du kannst ihn um Hilfe bitten. Diese Möglichkeit solltest du unbedingt auch in Anspruch nehmen. Falls dein Ausbilder dein Anliegen nicht ernst nimmt, kann das für dich auch ein Kündigungsgrund darstellen.

    Mobbing macht krank. Von daher ist es nicht verwunderlich, falls du unter psychosomatischen Problemen wie Schlafstörungen, Magen-/Darmprobleme, Herz-/Kreislaufprobleme oder unter psychischen Problemen wie Weinkrämpfe, depressive Verstimmungen, Angstsymptome leidest. Wenn die Belastung zu groß wird, solltest du einen Arzt aufsuchen und dich krankschreiben lassen.

    Wenn du noch weitere Unterstützung brauchst, dann kannst du dich auch an deine zuständige Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Karlsruhe
    Rüppurrer Straße 1 a
    76137 Karlsruhe

    Tel.: 0721/38 46-000
    Fax: 0721/3846-335
    E-Mail: service.bawue@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 11.02.2021


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