Deutscher Gewerkschaftsbund

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Wechsel nach Probezeit

ĹHallo liebes Dr. Azubi Team,

Kurz und knapp, ich habe letztes Jahr meine Ausbildung in einem kleinen Betrieb begonnen. Habe vorher 2 Wochen Praktikum gemacht. Ich habe das Arbeitsklima hier geliebt und habe mich aus der Vielzahl an Angeboten für dieses entschieden.

Mittlerweile muss ich feststellen, die Entscheidung war dumm, sehr dumm. Ich lerne auf der Arbeit nichts, mir werden Aufgaben gegeben, die ich nicht lösen kann, da mir Wissen fehlt, spreche ich das an heißt es nur : "Warum kannst du es denn nicht?" Heißt soviel wie ich muss mich alleine um meine Ausbildung kümmern und kriege nur Aufgaben, meist mit der Begründung, das ich das ja schon mal in meinem Studium gehabt haben muss. Ja ich habe studiert im selben Fach aber in einer anderen Richtung und habe davon keine Ahnung.

Obendrauf kommt das Corona Problem. Mein Chef will dass ichin der Schulzeit zur Arbeit komme und meine Aufgaben im Büro machen soll, in dem ich nicht alleine bin.

Noch dazu gucke ich ab und zu auf die Lernseite unserer Onlibeschule um keine News zu verpassen. Hat der Chef bemerkt und hat mir gedroht ich dürfe so etwas nicht ohne Erlaubnis, die er mir nie geben wird, weil er so gegen die Firma ist, die die Schule nutzt.

Ich will hier nicht bleiben. Versteh mich zwar gut mit den Kollegen aber der Chef war heute so aufgebracht, dass ich schon dachte er schmeißt mich raus, weil ich auf die Webseite geguckt habe. 

Nun ist die maximale Probezeit mit dem letzten Jahr ausgelaufen. Hab ich überhaupt eine Möglichkeit noch was anderes zu finden? Der andere Azubi den wir haben wird komplett anders behandelt als ich, so wie ich es mir vorgestellt habe. Aber der wird nie groß erwähnt. Immer bin ich das große Problem in der Firma.

Kann mein Chef mich wegen seiner Meinung Sicherheitsverstößen rauswerfen? Sollte ich mir schnell einen anderen Betroeb suchen, der mich nehmen könnte?

Danke für die Hilfe.

Chani: 06.01.2021 |
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  • RE: Wechsel nach Probezeit

    Hallo Chani!

    Vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir.

    Deine Ausbildungsinhalte richten sich nach dem Ausbildungsrahmenplan. Ganz egal was du vorher schon gemacht hast, diese Inhalte müssen dir in der Ausbildung vermittelt werden.

    Berufsschulzeit ist Arbeitszeit, also kann dein Chef bei Homeschooling von dir verlangen die Aufgaben im Betrieb zu erledigen. Allerdings muss er dir hierfür einen geeigneten Arbeitsplatz zur Verfügung stellen, dass bedeutet du musst hier konzertiert arbeiten können. Außerdem musst du auch an die Unterlagen der Berufsschule kommen können.

    Ein Ausbildungsverhältnis ist nach der Probezeit nur äußerst schwierig durch den Ausbilder zu kündigen.

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de,  oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

                        

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

     

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

     

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz


    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel

    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten


    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)


    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung

    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt


    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist


    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


     

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

     

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.


    Hier ist ein Kontakt für dich:

     

    Ver.di Potsdam
    Konrad-Wolf-Allee 1-3
    14480 Potsdam

    Tel.: 0331/275740
    Fax: 0331/2757411
    E-Mail: bezirk.potsdam@verdi.de

     

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

     

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

     

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

     

     

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

     

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

     

    Liebe Grüße

     

    Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Hier kannst du Mitglied werden

    https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

     

     

    Dr. Azubi: 07.01.2021


  • RE: Wechsel nach Probezeit

    Hallo, 

    ich hätte Ende August letzten Jahres meine Ausbildung beendet habe jedoch leider die Mündliche Prüfung nicht bestanden und muss diese Ende Februar nachholen. 
    Ich habe mich jedoch vor der Prüfung in einem Krankenhaus beworben, und wurde dort auch angenommen, doch wurde ich jetzt kurz vor Beendigung der Probezeit gekündigt. 
    Daher stellt sich die Frage wie schreib ich jetzt am besten die Bewerbung, da ich ja jetzt bis Ende Februar als ungelernte Kraft arbeiten müsste.

    Schreibe ich die jetzt so wie wenn ich normal die Ausbildung beende?

    Danke im Vorraus.

    LG Amely  

    Amely: 08.01.2021


  • RE: Wechsel nach Probezeit

    Hallo Amely!

    Vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne helfen wir dir.

     

    Bei Bewerbungen wird häufig Ehrlichkeit geschätzt. Du solltest also auf keinen Fall etwas Falsches in deine Bewerbung schrieben. Du willst deine Ausbildung beenden und so solltest du auch deine Bewerbung schreiben. Also, dass du die Prüfung im Februar wiederholen willst, aber bis dahin schon arbeiten möchtest.

     

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:


     

    Ver.di Greifswald
    Markt 3
    17489 Greifswald

    Tel.: 03834/541-0
    E-Mail: gst.hgw@verdi.de

     

    Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

     

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

     

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

     

                   

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi          

    Bitte empfiehl unseren Service weiter!

     

    Hier kannst du Mitglied werden

    https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

     

     

    Dr. Azubi: 09.01.2021


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