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Minusstunden

Hallo Dr. Azubi, Ich befinde mich zur Zeit im ersten Ausbildungsjahr zur MFA.. Die Situation ist wie folgt: Durch Corona und vieler Absagen der Patienten wurde ich die letzten Monate öfters mal früher nach Hause geschickt. Auch dadurch das ich jetzt Vollzeit auf der Arbeit bin, da die Schule ja derzeit nicht stattfindet, muss ich an zwei Freitagen komplett zu Hause bleiben 4,5 Std.) da wir zu dritt in der Praxis arbeiten und meine Chefin meint es gäbe nicht gut genug Arbeit für drei Mann. Für diese ganzen Stunden die ich dann nach Hause geschickt werde, möchte mir meine Chefin Minusstunden anrechnen, die ich irgendwann anders nacharbeiten solle. Zudem möchte sie an machen Tagen die Sprechstunde verlängern, da ich die Minusstunden so abarbeiten soll. Schon mehrmals habe ich versucht mit meiner Ausbilderin zu sprechen, bin damit aber leider nur auf "taube Ohren" gestoßen. Jetzt weiß ich langsam aber sicher nicht mehr weiter und bin daher sogar schon am überlegen mir einen Aufhebungsvertrag aufsetzen zu lassen und die Praxis zu wechseln, da ich das Gefühl habe ich komme mit meiner Ausbildern auf keinen grünen Nenner mehr. Könnt ihr mir sagen, ob dies überhaupt gesetzlich so rechtens ist? Und wohin soll ich mich am besten melden? Ich bin wirklich verzweifelt und total unzufrieden mit der Situation. Liebe Grüße

Michelle23: 22.06.2020 |
  • RE: Minusstunden

    Hallo Michele,

    vielen Dank für deine Nachricht. Deine Chefin darf dir keine Minusstunden eintragen, wenn sie dich aufgrund zu wenig Arbeit heimschickt. Für Azubis gibt es immer ertwas zu tun. Sie kann dir Dinge erklären, du kannst zuschauen, oder dir selber etwas erarbeiten, was sie sich dann anschaut. Auch der entfalllende Unterricht darf nicht zu deinem Nachteil werden. Entweder gibt euch die Schule Aufgaben für zuhause oder deine Chefin muss dich beschäftigen. Wennn sie dich an bestimmten Tagen zuhause lässt, um dich dafür an anderen tagen vermehrt einzusetzen, geht das nur bedingt. Zunächst kommt es darauf an was in deinem Arbeitsvertrag für eine tägliche Arbeitszeit angesetzt ist. An Tagen, an denen du länger bleiben sollst, darf sie die gesetzliche Höchstarbeitszeit nicht überschereiten. Das sind 10 Stunden am Tag. Du bist in der Ausbildung aber nicht dazu verpflichtet Überstunden zu machen. Am besten stezt du dich mit der Kammer und deiner Gewerkschaft vor Ort in Verbindung und holst dir dort Unterstützung. Manchmal macht ein Ausbildungsplatzwechsel durchaus Sinn. Hier ein paar Infos dazu:

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de,  oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

                        

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

     

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

     

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz


    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel

    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten


    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)


    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung

    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt


    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist


    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


     

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

     

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.


    Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Köln
    Hans-Böckler-Platz 9
    50672 Köln

    Tel.: 0221 48558-0
    Fax: 01805 837343 - 23103
    E-Mail: service-west.nrw@verdi.de

    Bezirksgeschäftsführer/in: Daniel Kolle

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 24.06.2020


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