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Dr. Azubi

Kündigung Depressionen und Fehlzeiten

Sehr geehrte Damen und Herren.
Ich mache derzeit eine Ausbildung zur Fachkraft- Schutz und Sicherheit und befinde mich im zweiten Lehrjahr. Leider leide ich unter schweren Depressionen und mein Ausbildungsleiter weiß dies auch und daher bin ich auf anraten meines Hausarztes ab dem 23.09 bis 27.09 in stationärer Behandlung über den Tag hinweg. Da ich leider schon öfters eine Krankmeldung hatte wegen meiner Depressionen, habe ich Angst eine Kündigung zu erhalten. Meine Frage daher ist, ob es sinnvoll ist in einem Brief die Situation zu schildern oder ob ich ihm einfach die Krankmeldung über den Zeitraum wo ich in stationärer Behandlung bin auf den Tisch legen soll? Da ich auch zu diesem Zeitpunkt vom 23.09 - 26.09 auf einer Studienfahrt bin. Habe mir extra diesen Zeitpunkt gelegt, damit ich keinen Unterrichsstoff verpassen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander

Depressionen und Fehlzeiten

Hallo.
Ich mache zurzeit eine Ausbildung als Mediengestalterin in einer Druckerei.
Ich bin jetzt im 2. Ausbildungsjahr. Vor meinem jetzigen Betrieb wurde ich in der Probezeit eines anderen Betriebs schonmal gekündigt. Daraufhin habe ich Probleme in der Berufsschule entwickelt. Da ich zusätzlich noch starke Depressionen, Angststörung und Zwangsstörung habe, fällt es mir schwer bei diesem Stress dorthin zu gehen. Dadurch sind viele Fehltage entstanden (etwa 30) und ich bin im Stoff natürlich auch voll hinterher.
Wegen meiner Probleme habe ich mir jetzt eine Therapeutin gesucht, bei der ich auch eine Therapie beginnen werde. Mein Chef weiß von alle dem. 
Nur geht es mir momentan so schlecht, dass ich garnicht weiß, wie ich diese Ausbildung schaffen soll. Mir fällt es schwer überhaut mein Bett zu verlassen.
Da ich auch suizidale Gedanken habe bin ich am abwegen, ob ein Klinikaufenthalt mir helfen könnte, doch ich habe Angst, dass ich mir damit die Ausbildung kaputt mache oder ein Jahr wiederholen muss. Das geht aufgrund meiner Wohnsituation nicht.
Was mache ich jetzt? Was denkt ihr darüber?

LG

RE: Kündigung Depressionen und Fehlzeiten

Hallo Jana!

Vielen Dank für deine Anfrage! Ich kann deine Verzweiflung verstehen und finde es sehr bemerkenswert, dass du trotz allem deine Ausbildung weiterführen möchtest. Ich kann dir die Entscheidung leider nicht abnehmen, finde es aber super, dass du dir eine Therapeutin gesucht hast, die dir helfen kann. Ich denke, es macht am meisten Sinn, das mit ihr gemeinsam zu besprechen und herauszufinden, was jetzt das Beste für dich wäre.

Eine "Ausbildungspause" oder Unterbrechung gibt es im wörtlichen Sinne zwar nicht, aber du kannst dich selbstverständlich krankschreiben lassen und so erst einmal aussetzen, denn wenn du krankgeschrieben bist, bist du krankgeschrieben. Daher hast du dich vollkommen korrekt verhalten, indem du dich erst einmal um deine Gesundheit kümmerst.

Wenn dein Arzt dich länger krankschreiben würde, damit du z. B. eine Therapie oder so machen könntest, hast du zunächst einmal Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse.

Worauf du dich zudem gefasst machen solltest, wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, ist, dass dein Arbeitgeber den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten kann. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes. Das ist aber keine Schikane oder Druckausübung, sondern ganz normale Routine. Zudem unterliegt der Arzt der Krankenkasse natürlich auch der ärztlichen Schweigepflicht und darf deinem Arbeitgeber nur mitteilen, ob du arbeitsfähig bist oder nicht.

Wenn du dich nur eingeschränkt in der Lage siehst, die Ausbildung weiter zu führen, kannst du auch über eine Teilzeitausbildung nachdenken.

Das Berufsbildungsgesetz (§ 7a BBiG) sieht die Möglichkeit vor, eine Berufsausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Dafür braucht es seit Anfang 2020 keinen gesonderten Grund mehr.

Bei der Teilzeitberufsausbildung kannst du deine wöchentliche betriebliche Ausbildungszeit auf bis zu 50 % reduzieren. Die Gesamtdauer deiner Teilzeitausbildung verlängert sich entsprechend, maximal um das Eineinhalbfache der „regulären“ Ausbildungsdauer.

Wenn du gute Leistungen erbringst oder aufgrund deiner Vorbildung, kannst du mit Einverständnis deines Betriebes, die Ausbildung verkürzen (§ 8 Abs.1 BBIG). So kannst du in Absprache mit deinem Betrieb versuchen, die automatische Verlängerung wegen Teilzeitausbildung einzuschränken.

Ein bis zwei Berufsschultage in Vollzeit würden zu der betrieblichen Ausbildungszeit noch hinzukommen. Das entspricht dann in etwa einer täglichen Arbeitszeit von bis zu 6 Stunden. Zu welchen Zeiten du in den Betrieb kommst, musst du mit deinem Betrieb absprechen.

Mit der Teilzeitausbildung soll jungen Eltern, leistungsschwächeren Auszubildenden, behinderten Auszubildenden und Auszubildenden, die beispielsweise pflegebedürftige nahe Angehörige haben, die Chance gegeben werden, in ihrer individuellen Situation eine Berufsausbildung abzuschließen. Auch kann eine Teilzeitausbildung mit einer Teilzeiterwerbstätigkeit (zum Beispiel, wenn du geflüchtet bist oder du eine Nachqualifizierung machen willst) kombiniert werden. Wichtig ist, dass es sich hier um klar getrennte Vertragsverhältnisse handelt.

Den Antrag auf die Teilzeitberufsausbildung müsstest du gemeinsam mit deinem Betrieb bei der zuständigen Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag) stellen. Du hast also keinen Rechtsanspruch auf eine Teilzeitausbildung, sondern musst einen Betrieb finden, der dich in Teilzeit ausbilden möchte.

Als Teilzeit-Azubi erhältst du ganz normal eine Ausbildungsvergütung, welche jedoch entsprechend der wöchentlichen Arbeitszeit gekürzt wird (§ 17 Abs. 5 BBIG). Beim Arbeitsamt kannst du dich über ergänzende Leistungen informieren. Du hast eventuell Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe.

Die neuen Gesetzesänderungen zur Teilzeitausbildung hinterlassen noch viele offenen Fragen. Wende dich daher am besten an deine zuständige Gewerkschaft, um weitere Unterstützung zu bekommen. Die können dich auch nochmal ganz konkret beraten, wie du deine Ausbildung gut schaffen kannst. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di Fulda
Heinrichstr. 79
36037 Fulda
Tel.: 0661-9794-0
E-Mail: service.hessen@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße und ich hoffe, dass du dich bald wieder ein wenig besser fühlst!

Dr. Azubi          

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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