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Dr. Azubi

Arbeiten an Feiertagen?

Also ich bin in der Ausbildung zum Gebäudereiniger und da ja Winter ist und bei uns es viel schneit, haben wir auch Winterdienst! das heißt wir werden um 3 Uhr morgens angerufen und müssen zum Winterdienst halt Schnee wegschaufeln/fegen! Und danach noch normal weiter arbeiten bis 15:30Uhr! Aber das ist für mich ja nicht schlimm, meine Frage nun ist, darf ich eigentlich an Feiertagen wie 1 und 2. Weihnachtstag oder am 1 Januar arbeiten?

lg

RE: Arbeiten an Feiertagen? Winterdienst

Hi, ich bin in der Ausbildung zum Landschaft Gärtner und wollte mal fragen, wie das mit Bereitschaft aussieht, sieben Tage die Woche 24 Stunden am Tag  ist das erlaubt für den Winterdienst 

RE: Arbeiten an Feiertagen?

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe, ich kann dir weiterhelfen.

Die Zeit die der Arbeitnehmer im Bereitschaftsdienst verbringt, zählt als Arbeitszeit im Sinne von § 2 Abs. 1 ArbZG. Hierzu gehören auch passive Zeiten und Ruhezeiten innerhalb der Bereitschaft. Mit dieser uneingeschränkten Bewertung des Bereitschaftsdienstes als Arbeitszeit hat der Gesetzgeber die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgenommene Auslegung des Begriffs der "Arbeitszeit" in das deutsche Recht übernommen. Die Einordnung der Zeit in Bereitschaft ist jedoch häufig strittig. Wenn der Arbeitnehmer die Zeit der Bereitschaft in Rufbereitschaft verbringt, also nur zur Verfügung steht, aber ansonsten außerhalb des Arbeitsortes frei über seine Zeit bestimmen kann, handelt es sich auch nach EuGH-Vorgaben nicht um Arbeitszeit.

Ob also in deinem konkreten Fall dein Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit im rechtlichen Sinne eingestuft werden muss, hängt davon ab wie genau dein Bereitschaftsdienst ausgestaltet ist. Also ob du z.B. am Arbeitsort in Bereitschaft sein musst.

Ob deine Bereitschaft in deinem Fall als Arbeitszeit gewertet werden kann, kann ich aus der Ferne nicht einschätzen.

Hier noch ein paar grundlegende Informationen zur Arbeitszeit:

Auch für Azubis über 18 Jahre gibt es Beschränkungen bei der Arbeitszeit. Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§ 3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§§ 9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§ 11 Arbeitszeitgesetz).

Du darfst also nach dem Arbeitszeitgesetz an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten. Trotzdem gilt für fast alle volljährigen Azubis ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, weil sie in Tarifverträgen festgelegt ist. Und auch die Arbeitszeit ist oft in Tarifverträgen deutlich niedriger festgelegt. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt.

Auch bei Azubis über 18 Jahren muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Arbeitspausen sind einerseits aus biologischen Gründen notwendig, andererseits dienen sie dazu, Überlastung und Unfallrisiken zu vermeiden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein und bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§ 4 Arbeitszeitgesetz).

Falls dein Betrieb sich nicht an das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

IG B.A.U. - Bremen

Emil-Waldmann-Str. 7

28195 Bremen

0421 33523 0

https://weser-ems.igbau.de/

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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