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Dr. Azubi

Betriebswechsel- Welche Gründe darf ich bei Bewerbung angeben?

Hallo,

ich mach derzeit eine Ausbildung zur Mediengestalterin im 2ten Lehrjahr. In meiner jetzigen Firma fühle ich mich nicht mehr wohl.
Wir haben eine beschränkte Auftragslage und die zur Verfügung gestellten Medien ( Mac, PC) reichen weit nicht für die Anzahl der Mitarbeiter aus oder sind teilweise sehr veraltet.
Weitherhin hat meine Firma schon längst Kurzarbeit angemeldet und es wurden auch schon einige Mitarbeiter gekündigt!
Da ich denke, dass meine Firma nicht mehr auf den Damm kommt und ich dort nichts neues lernen werde, möchte ich den Betrieb wechseln.

Meine Frage dazu:
Welche Gründe für einen Betriebswechsel darf ich den "neuen Firmen" (bei denen ich mich nun bewerbe) nennen?

Vielen Dank,
Daniele

RE: Betriebswechsel- Welche Gründe darf ich bei Bewerbung angeben?

Hallo,

ich befinde mich gerade im zweiten Jahr meiner Ausbildung zur Speditionskauffrau. Ich gebe ehrlich zu dass war von Anfang an überhaupt nicht das was ich machen wollte aber leider hab ich das mit den Bewerbungen in der 9/10 Klasse verpeilt da ich eigentlich weiter auf die Schule gehen wollte um mein Abitur zu absolvieren. (hatte private gründe weshalb ich dann doch eine Ausbildung anfangen musste...) Nun ja mein Traumberuf ist aufjedenfall in einem sozialen Bereich, MFA oder sowas in der Art hab auch mehrere Praktikas schon gemacht und bin mir 100% sicher dabei, ich möchte einfach mit menschen arbeiten, habe auch vlt später mal nach einer Lehre zu studieren richtung medizin oder psychologie, und das was ich gerade mache entspricht der Vorstellung ja überhaupt nicht. Ich habe mich damals auch in Arztpraxen beworben nur leider war das schon viel zu spät.. Also hab ich auf den Rat meiner Eltern gehört und es in einem kaufmännischen Beruf versucht, sie sehen den Beruf aufjedenfall viel höher und besser als einen sozialen Beruf... Der Betrieb wo ich gerade bin war mir von anfang an irgendwie komisch da sie mir am Anfang abgesagt haben und paar Monate später dann doch wieder zugesagt haben, ich hab es angenommen da ich sonst ohne nix da stehen würde einfach nur aus Not wollte ich diese 3 Jahre durchhalten um irgendwas in der Tasche zu haben, hab es mir nicht so schlimm vorgestellt. Jetzt bin ich im zweiten Lehrjahr und hab in den zwei Jahren einfach überhaupt nichts gelernt merke auch in der Berufsschule wie weit meine Schulkollegen sind und wie wenig Ahnung ich von dem was ich tue eigentlich habe, ich fühle mich eher so als eine Praktikantin der man einfach nur das gibt worauf man überhaupt keine lust hat, meistens werde ich nur dafür ausgenutzt irgendwelche Nachrichten oder Telefonate von Fahrern zu übersetzen da ich mehrsprachig aufgewachsen bin, ich habe überhaupt keine eigenen Aufgaben andere haben schon mittlerweile ihre eigene "Dispo" und dürfen alles machen und ich häng immer noch bei den Sachen die ich am ersten Tag meiner Ausbildung machen musste, ich fühle mich da überhaupt nicht mehr wohl, es werden auch jeden tag rassistische Witze gegenüber meiner Heimat gemacht (ich komme ursprünglich aus Polen und da wird immer alles auf mich geschoben falls was im Büro verschwindet) am Anfang hab ich das natürlich auch als Spaß gesehen klar ich hab auch eine gewisse Distanz zu mir oder solchen Witzen aber irgendwann wird sowas doch zu viel.  die meiste Zeit werde ich wie Luft behandelt keiner interessiert sich dafür was ich mache, meistens hab ich den ganzen tag überhaupt nichts zu tun und wenn ich nach Arbeit frage heißt es ich soll blätter für die Fahrer ausdrucken, sowas dauert höchstens 5 minuten. Es wird sich dauernd von den Kollegen über mich beschwert sobald ich einen kleinen Fehler mache, da gehen direkt Mails an die Geschäftsführung aber wird nicht mit mir besprochen, wie z.b hey guck mal da hast du jetzt ein fehler gemacht pass bitte mehr auf, sowas gibt es nicht es wird direkt beschwert. Ich meine ich bin ein Azubi, natürlich passieren mir mal Fehler obwohl ich aus Angst schon alles 5 mal überprüfe. Ich hab überhaupt keine Motivation mehr dahin zu gehen, jeden morgen steh ich schon mit kopf und magen schmerzen auf und alles fängt schon am abend davor an, Angstzustände und Panickattacken allein bei dem Gedanken da wieder für mind. 8 Stunden hinzugehen. Es macht mich einfach wahnsinnig, keiner redet mit mir und ich bin so gerne unter Menschen ich rede so gerne versuche mich mit jeden zu verstehen aber da kommt es mir so vor als würde sich niemand mit mir verstehen wollen... und wenn ich dann mal krank bin ist es dann ganz schlimm dann würden die mich am liebsten mit ihren blicken töten wollen.. Ich hab dann jetzt dieses Jahr die Initiavite gebracht und hab Bewerbungen an Arztpraxen geschickt, habe jetzt auch schon viele Einladungen zum Vorstellungsgesprächen bekommen (meinen eltern hab ich die Situation geschildert und sie stehen hinter mir weil die psychische gesundheit geht natürlich vor, vorallem weil ich schon während meiner schulzeit sehr mit meiner Psyche zu kämpfen hatte) nun jetzt zu meiner Frage, was soll ich denn bei einem Vorstellungsgespräch als Grund für den Abbruch und Wechsel nennen? Ich möchte ja nicht über meinen Betrieb herziehen das gehört sich nicht aber was wär dann ein guter Grund ich will auch nicht so rüber kommen als eine Jammertasche da ich wirklich sehr viel wegstecken musste, ich möchte aber dieses mal wirklich endlich in meinem Traumberuf arbeiten zu können und es kommt ja trotzdem irgendwie Blöd einfach im zweiten Lehrjahr, fast im dritten die Ausbildung abzubrechen und in komplett anderen Bereich anzufangen.. 

Ich hoffe jemand kann mir helfen..

Diese Arbeit macht mich einfach nur noch depressiv.. habe auch schon eine Abmahnung da ich meine Krankmeldung ein Tag zu spät abgegeben habe, glaube die wollen mich auch loshaben...

RE: Betriebswechsel- Welche Gründe darf ich bei Bewerbung angeben?

Hallo tori,

vielen Dank für deine Anfrage und entschuldige die Wartezeit.

Was du da berichtest ist alles andere als gut. Eine Ausbildung sollte nicht nur Spaß machen, sondern auch lehrreich sein. In deinem Fall scheint weder das eine noch das andere zuzutreffen. Es ist schön, dass du dich für einen sozialen Beruf entscheiden möchtest, sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft.

Ich würde bei den Vorstellungsgesprächen einfach die Wahrheit sagen. Klar solltest du nicht über deinen jetzigen Arbeitgeber herziehen, aber wenn du sagst, dass du ursprünglich sowieso einen sozialen Beruf ergreifen wolltest, du leider nur keinen Platz bekommen hast und statt nichts, lieber eine Ausbildung angefangen hast, wird dir das sicherlich niemand schlecht anrechnen.

Jeder hat ein Grundrecht auf freie Berufswahl - das steht in der deutschen Verfassung. Deshalb hast du immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen, wenn du die Berufsausbildung aufgeben und/oder den Ausbildungsberuf wechseln willst (§22 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, wenn zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe oder zum Berufswechsel vorliegt. Das bedeutet aber nicht, dass du die Ausbildung in diesem Beruf nie wieder fortsetzen kannst. Du kannst deine Meinung auch wieder ändern, dich erneut bewerben und die Berufsausbildung in demselben oder in einem anderen Betrieb fortsetzen. Zum Zeitpunkt der Kündigung muss aber der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe vorliegen und du solltest diese Kündigung nicht verwenden, wenn du nur den Ausbildungsplatz wechseln willst.

Mein Rat wäre, dich nochmal an deine zuständige Gewerkschaft zu wenden. Die Kolleginnen und Kollegen kennen sich mit diesen Themen sehr gut aus und können dich im Zweifelsfall auch rechtlich beraten. Hier ist ein Kontakt für dich:

Ver.di

Geschäftsstelle Ingolstadt
Paradeplatz 9
85049 Ingolstadt

Tel.: 0841 881410-0
Fax: 0841 881410-29
E-Mail: bz.ingolstadt@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren wollt, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße
Dr. Azubi     
P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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